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POLITIK

(. . . ist Glücksache?)

 

Es gibt vieles, was mir nicht gefällt!

Da gibt es Politiker (in allen Parteien), die nicht das tun, was sie sagen. Politiker, die korrupt sind, die nur an ihren eigenen Vorteil denken, die die Großen entlasten wollen und dem Gemeinen Volk "immer mehr die Daumenschrauben" zudrehen. Politiker, von denen man annehmen kann, dass sie überhaupt nicht verstehen, wovon sie reden oder die - aus welchen Gründen auch immer - die Dinge nicht zu Ende denken (können).

* * *

(Alphonse Daudet, 1840 - 1897):

"Oh Politik, wie ich dich hasse! Unter deinen verschiedenen Kleidern immer dieselbe Verruchtheit; du trennst edle Herzen, die füreinander geschaffen wären, du einst Leute, die getrennt bleiben müßten, du machst den Edlen duldsam für den Schurken, wenn er nur seiner Partei zugehört.

Du bist die Korruption des Gewissens, du machst die Lüge zur Gewohnheit, du machst die Menschen leichtgültig gegen die schönen Dinge".

* * *

(Montesquieu: „Vom Geist der Gesetze“):

„Es gibt nichts Traurigeres für einen Menschen, als den Verlust seines Charakters zu überleben“.

* * *

(aus: SWR-2-Wissen vom 22.06.2007):

„Es gibt ein moralisches und politisches Erbe der Charta 77 und zwar: Verantwortung. Die Verantwortung des Bürgers für die allgemeine Lage, Verantwortung jedes einzelnen. Das bleibt bestehen und das ist wichtig, dass man sich als Bürger benehmen soll und muss – nicht nur mit einem Wahlzettel einmal in vier oder fünf Jahren, sondern im tagtäglichen Leben, im schwarzen Alltag; dass auch die Tat eines Einzelnen wichtig ist, dass es nie hoffnungslose Situationen gibt.“

* * *

 

 

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2005

Erneut "Selbstbediener" im Visier - Politiker im Korruptionsverdacht? (-47-  07.01.2005)

 

2004

Der Fall Daschner Ist Foltervorwurf gerechtfertigt? (-46- 22.11.2004)

Israel tötet Scheich Jassin - Die Welt hält den Atem an (-45- 24.03.2004)

USA und Gerechtigkeit? -Da paßt vieles nicht zusammen (-44- 11.03.2004)

Wer hat die verrücktesten Ideen? - Wieder einmal die FDP! (-43- 20.01.2004)

 

2003

Antisemitismus bei Martin Hohmann (CDU) - Wie gehen wir damit um? (-42- 11.11.2003)

Eine mutige Entscheidung - Friedenspreis für Susan Sontag (-41- 15.10.2003)

Wie gehabt! - USA-Veto im UNO-Sicherheitsrat hilft Israel (-40- 19.09.2003)

Berlusconi: Meister aller Klassen - Korruption und Vorteilsnahme (-39- 21.06.2003)

Wieder "Extra-Wurst" für USA - Internationaler Strafgerichtshof? (-38- 16.06.2003)

Der Sprung in den Tod - Möllemanns Abschiedsvorstellung (-37- 07.06.2003)

ECCE HOMO - Sehet, welch ein Mensch! (-36- 21.03.2003)

Die Welt macht Druck -  Bush ist erheblich unter Druck (-35- 11.03.2003)

Der große Irrtum - Irak-Krieg unvermeidlich? (-34- 11.02.2003)

Selbstbetrug der USA - Präsident Bush ist das Übel (-33- 18.01.2003)

 

 

 

Anmerkung:

 

Die folgenden Jahrgänge 2000 bis 2002 werden im Archiv des Verfassers dargestellt und können aufgerufen werden über die Adresse

www.josef-brieler.de/page1.php

 

 

2002

Eine neue Form von Stern an der Brust! - Entrüstung unverständlich! (-32- 15.12.2002)

Alle müssen sparen? - Von der Moral in der Politik (-31- 10.11.2002)

Ein Glück, daß die Menschen so alt werden? (-30- 01.11.2002)

"Chaos"-Jusos - Juso-Chaos = "Abfall" im Wahlkampf (-29- 04.09.2002)

Simbabwe kommt nicht zur Ruhe - Selbstverschuldete Hungersnot? (-28- 14.08.2002)

Politiker - die Meister der "Selbstbedienung" (-27- 11.08.2002)

Skandal durch Abstimmungs-Komplott der SPD im Bundesrat (-26- 22.03.2002)

Die Bundeswehr in Afghanistan - verraten und verkauft? (-25- 12.03.2002)

Ariel Scharon: Der Gorilla von Jerusalem - der Schlächter von Palästina (-24- 12.03.2002)

Eins und eins ist zwei? - Das Märchen von der Gleichheit (-23-  04.02.2002)

 

2001

Die Würde eines Landtagspräsidenten (-22- 16.12.2001)

Krieg für Deutschland! - Die Politik hat es geschafft! (-21- 07.11.2001)

Freiheit? Sicherheit? - Ein Balance-Akt! (-20- 16.10.2001)

Solidarität ja - Militärschlag nein! (-19- 29.09.2001)

Reiches Amerika? - Armes Amerika! (-18- 04.09.2001)

Gewissensfreiheit? - Nur wenn's nicht weh tut! (-17- 03.09.2001

Verfolgungswahn oder die Sache mit dem Judentum (-16 - 11.07.2001)

Erich Kästner und Reizfigur Jürgen Trittin (-15- 20.03.2001)

Frauen-Förderung in der Politik - Wie ist das mit der Gleichberechtigung? (-14- 20.02.2001)

Machtkampf zwischen Arzt und Apotheken - Sinnlose Vernichtung von Arzneimitteln (-13- 19.02.2001)

Geben und nehmen - oder: Streit beim Länderfinanzausgleich (-12- 05.02.2001)

Deutschland ist Spitze - oder kommen wir auf den Hund(t)? (-11- 04.02.2001)

 

 

2000

Präsidentschaftswahlen in den USA - die Posse des Jahrhunderts? (-10- 15.12.2000)

Zehn Jahre deutsche Einheit. - Von der SPD gewollt? (-9- 29.09.2000)

Kampf um die Steuerreform - Eine Hand wäscht die andere (-8- 16.07.2000)

Ausländerbeiräte!!! - Ausländerbeiräte? (-7- 24.05.2000)

Kampfhunde - Es bewegt sich etwas (-6- 12.05.2000)

Landminen - der Tod im Hinterhalt (-5- 10.05.2000)

Sklaverei und Leibeigenschaft (-4- 16.04.2000)

Züchtung von (Rechts)radikalen? (-3- 07.03.2000)

Das Parteiengesetz und die Strafe für die CDU (-2- 16.02.2000)

Britisches Rindfleisch in Deutschland - trotz BSE? (-1- 16.02.2000)

Selbstbetrug der USA - Präsident Bush ist das Übel

 

(-33- 18.01.2003) -  Susan Sontag, die amerikanische Schriftstellerin - am 16. Januar 70 Jahre alt geworden und seit Jahren auf der Liste möglicher Nobelpreis-Kandidaten, sprach in ihrer Aufsehen erregenden Rede am 13. September 2001 in der American Academy in Berlin (gerade zwei Tage nach dem verheerenden Anschlag auf das World Trade Center in New York) über Amerikas Selbstbetrug. "Das Mißverhältnis zwischen den Ereignissen und der Art und Weise, wie sie aufgenommen und verarbeitet wurden, auf der einen Seite und dem selbstgerechten Blödsinn und den dreisten Täuschungen praktisch aller Politiker (...) und Fernsehkommentatoren (...) auf der anderen Seite, ist alarmierend und deprimierend", stellte sie fest und fuhr fort: "Wo ist das Eingeständnis, daß es sich nicht um einen >feigen< Angriff auf die >Zivilisation<, die >Freiheit<, die >Menschlichkeit< oder die >freie Welt< gehandelt hat, sondern um einen Angriff auf die Vereinigten Staaten, die einzige selbsternannte Supermacht der Welt; um einen Angriff, der als Konsequenz der Politik, Interessen und Handlungen der Vereinigten Staaten unternommen wurde?".  "Laßt uns gemeinsam trauern. Aber laßt nicht zu, daß wir uns gemeinsam der Dummheit ergeben", forderte sie die Öffentlichkeit auf - kein Blatt vor den Mund nehmend: "Dies ist ein selbstgerechtes Land geworden, das besoffen von seiner eigenen Macht ist und seinen Kreuzzug gegen den Feind im Alleingang führen wird".

Der Aufruf der tapferen Schriftstellerin, die dafür in den USA stark gescholten und gar als "Vaterlandsverräterin" gebrandmarkt wurde, hat indes nicht zu einer Änderung der Politik des "Schorsch Dabbelju" Bush geführt. Eine Woche vor dem Ereignis des 11. September habe ich im letzten Absatz   meines Beitrags "Reiches Amerika? - Armes Amerika!" (lfd.-Nr. 18 in POLITIK-ARCHIV) geschrieben: "Nicht nur Europa, auch die USA werden begreifen müssen, daß sie aufeinander angewiesen sind. Einseitiges Säbelrasseln, Mißachtung von Verträgen, Brüskierung anderer Staaten, fehlende Bereitschaft, sich mit anderen zu arrangieren, anstatt sich unangebrachte Vorteile zu verschaffen, und vor allem das Beharren auf dem Absolutheitsanspruch sind fehl am Platz. Es wird wohl auch in den USA einmal so weit kommen müssen, daß selbst Herr Bush das begreifen wird". Heute muß ich fast resignierend feststellen, daß er das immer noch nicht begriffen hat und wohl auch nie begreifen wird. Solange er nicht davon abläßt, seinen im ersten Golfkrieg gebeutelten "Papa" zu rächen und "das Böse" zu bekämpfen (wie Don Quichote gegen die Windmühlen), solange ist kein Frieden in Sicht.

Die Kriegsvorbereitungen gegen den Irak (der offenbar droht, die Menschheit zu vernichten), laufen auf vollen Touren; denn Bush will auf Biegen und Brechen den Krieg - ungeachtet aller Appelle der UNO und der Weltöffentlichkeit und heftigster Proteste (auch im eigenen Land). Die Vorbereitungsmaschinerie wird zum "Selbstläufer" werden, der irgendwann nicht mehr zu stoppen ist. Der einzige Staat, der von Irak je angegriffen worden ist, war Kuwait. Und wie hoch ist die Zahl der Staaten, die bisher von den USA angegriffen worden sind? Jedenfalls muß der Irak jetzt den Kopf hinhalten für "das Böse", die "Schurkenstaaten". Wer sind aber die Bösen? Osama bin Laden und Saddam Hussein etwa, jene, die "das Gute" (die USA) als Feind des Feindes noch gestern selbstlos aus- und aufgerüstet hatte? Solange der amerikanische Präsident nicht selbst begreift, daß es gerade seine Politik ist, die Amerika in die Isolation treibt, solange kann sich nichts ändern. Wieso versteht er nicht seinen eigenen Politikwissenschaftler und Asien-Experten Chalmers Johnson, der sagt: "Die USA dehnen ihre Macht bis in den letzten Winkel der Erde aus und zwingen entlegenen Völkern ihr Wirtschaftssystem auf; ohne Rücksicht auf Schäden, die sie damit anrichten. Und wegen dieser hegemonialen Politik haben sie auch allen Grund, uns zu hassen". - Auch zwei der bedeutendsten Schriftsteller der USA haben sich zu Wort gemeldet. Norman Mailer: "Wir brauchen Feindbilder in Amerika- und Bush ist so erfolgreich, weil Saddam ein solch hervorragender Feind ist. Es ist bequem, weil das Land klein genug und gleichzeitig groß genug ist, um zum Übel erklärt zu werden". Und David Foster Wallace dazu: "Soviel Angst wie in diesem Moment hatte ich nicht mehr, seit ich ein kleiner Junge war

- damals als sich die USA und die Sowjetunion gegenüberstanden. Doch heute habe ich mehr Angst vor uns als vor den anderen".

Aber kann die Empfehlung des Diplomaten Robert Cooper, ein persönlicher Berater von Tony Blair, richtig sein, nach der wir uns daran gewöhnen müßten, daß - je nach Interessenslage - unterschiedliche Maßstäbe gelten? Der in London lebende und in Pakistan geborene Schriftsteller und Journalist Tariq Ali findet darauf eine einfache Antwort: "Das wäre ein Schulbeispiel für moralische Blanco-Schecks, die sich ein selektiv zuschlagender Weltpolizist ausstellt. Israel kann Resolutionen der UNO ungestraft ignorieren, Indien kann Kaschmir tyrannisieren, Rußland kann Grosny verwüsten, aber der Irak ist es, der bestraft werden muß, und die Palästinenser sind es, die weiter leiden. Den Opfern des Angriffs (vom 11. September 2001) und ihren Angehörigen gehört unser tiefes Mitgefühl, wie es jenen Menschen gehört, welche die Regierung der Vereinigten Staaten zu Opfern hat werden lassen. Aber zuzustimmen, daß auf irgendeine Art und Weise ein amerikanisches Leben mehr wert sein soll als das eines Ruanders, eines Jugoslawen, eines Vietnamesen, eines Koreaners, eines Japaners, eines Palästinensers   - das ist inakzeptabel".

Und so werden die Waffeninspekteure, die dem Irak mangelnde Kooperation vorwerfen (was erwarten sie eigentlich?) im Irak weitersuchen, solange, bis sie etwas gefunden haben. Ja, sie müssen etwas finden, damit es nach dem Willen des amerikanischen Präsidenten wieder einen Krieg geben darf. Einen Krieg (trotz aller Proteste, die sich soeben weltweit formieren, und möglicherweise auch ohne "den Segen der UNO"), in dem die USA ihren "Waffen- und Munitionsschrott" loswerden und gleichzeitig die Hand auf Iraks Ölreserven legen können, in dem sie im Irak alles zerschlagen und die Bezahlung für den zwangläufig folgenden Wiederaufbau großzügig "anderen" Staaten überlassen. Schurkenstaaten Nordkorea, Iran und Irak? Manch einer wird annehmen können, daß die USA der Schurkenstaat sind. Das ist auch die Meinung ausgerechnet des erfolgreichsten US-Autors jüdischer Abstammung, Professor Noam Chomsky, der sagte: "Weltweit gibt es nur einen Schurkenstaat - die USA". Und die Achse des Bösen? USA mit - na mit welchem Staat wohl? Wenn ich ihn nenne, werde ich wohl wieder als "Antisemit" verschrien.

Mit den Opfern dieses Krieges müssen wir Mitleid haben - nicht nur mit den amerikanischen! Und wenn soeben der deutsche Verteidigungsminister Struck einseitig humanitäre Hilfe für die Amerikaner angeboten hat, deren Verwundete z.B. in deutsche Krankenhäuser transportiert und dort versorgt werden könnten, dann hat er wohl wegen der "absoluten Loyalität gegenüber den USA" die irakischen Opfer vergessen, und er muß sich fragen lassen: "Warum wohl?".

Die weltpolitische Maxime für die USA hat General George C. Marshall, der Vater des "Marshall-Plans", schon 1947 nach dem Zweiten Weltkrieg formuliert: "Die amerikanische Politik darf sich nicht gegen irgendein Land oder eine Doktrin richten, sondern gegen Hunger, Armut, Hoffnungslosigkeit und Chaos".

Würde sich Präsident Bush der Zweite daran orientieren, hätte Amerika sicher mehr Freunde in der Welt!

 

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Der große Irrtum - Irak-Krieg unvermeidlich?

(-34- 11.02.2003) -  Seit meinem letzten Beitrag sind gerade einmal vier Wochen verstrichen, und in dieser Zeit gab es weltweit nur ein Top-Thema: Krieg in Irak: Ja oder nein? Die Fronten sind verhärtet, wie sich gestern bei der Talk-Schau "Münchener Runde" zeigte, in der der Chefredakteur der Koblenzer Rhein-Zeitung, Martin Lohmann, moderierte. Der Publizist und Schriftsteller Dr. Jürgen Todenhöfer sowie der Münchener Oberbürgermeister Ude waren mit guten Argumenten gegen einen Krieg, Dagegen vertraten Vizeadmiral a.D. Ulrich Weisser und der Historiker Professor Michael Stürmer die Meinung, daß der sich anbahnende Krieg gegen den Irak gerechtfertigt sei.

Dabei zeigte sich auch die Zwiespältigkeit Amerikas. Das Land, weltweit geachtet als humanes, freiheitsliebendes und liberales, die Demokratie verteidigendes Land auf der einen Seite und das egozentrische, arrogante, kapitalistische und rücksichtslose Land auf der anderen Seite. Was sind das für Regierungen, die den Willen des Volkes so mit Füßen treten, wie augenblicklich Amerika und England das tun? Die Bevölkerungen beider Länder sind - Umfragen zufolge - mehrheitlich gegen einen Krieg. Das stört aber die Regierungschefs Bush und Blair nicht, die sich in ihrem Leben erfolgreich an einem Wehrdienst vorbeigedrückt haben, die selbst noch nie im Irak waren und gar nicht wissen, wie das Volk dort leidet - leidet dank der zehnjährigen "erfolgreichen" Sanktionspolitik unter der Leitung der UNO auf  Druck der USA. Eine Sanktionspolitik, die in dieser Zeit rund einer halben Million Kindern das Leben gekostet hat. Was ist das schon gegen die Sicherung des westlichen Wohlstandes, der auch weiterhin bestehen bleiben  und vor allem gesichert werden soll mit den ungeheuren Ressourcen, die sich im Nahen Ost befinden. Was zählen da schon Kinder, Frauen und Mütter? Fest steht:  Amerika ist gegen Bush und England gegen Blair. Anders in Deutschland. Hier ist die Bevölkerung für die Regierung Schröder, der sich klar gegen einen Krieg ausspricht und deshalb die Kriegs-Befürworter vor einer Isolation Deutschlands warnen.

Bei der Sicherheits-Konferenz in München haben sich die Gegner des Krieges im Umfeld  formiert und laut protestiert. Münchens Oberbürgermeister Ude war dabei einer der herausragenden Wortführer. Aber was und wem hilft das alles? Die öffentliche Einschätzung ist ebenso unüberhörbar. "Es wird einen Krieg geben, weil die Amerikaner sonst ihr Gesicht verlieren würden!" Ich selbst habe mich entschieden: Ich bin gegen einen Krieg - unter allen Umständen! Man muß sich fragen, was in den Köpfen der Befürworter vor sich geht. "Sein Gesicht verlieren" - ist das wichtiger als die Verhinderung von unendlichem Leid und Elend, Verwüstung, Verletzung und Tod? Weshalb hat sich Amerika so weit aus dem Fenster gelehnt, daß es jetzt offensichtlich nicht mehr zurück kann. Es ist wieder - wie meistens - ein selbstgemachtes Problem. Wo sind die angeblichen Vernichtungswaffen im Irak? Alle "Schurkenstaaten" der Welt zusammen verfügen nicht über ein so großes Arsenal an Vernichtungswaffen wie die USA. Und wo ist die Bedrohung durch den Irak? Ich denke, der Weltfrieden ist durch die amerikanische Politik mehr bedroht als durch den Irak!

Natürlich steht fest, daß Saddam Hussein ein brutaler, menschenverachtender Staatschef ist. Aber solche gibt es noch mehr auf der Welt. Kümmert das die USA? Nein! Sie haben es nur auf den Irak abgesehen, weil dort "etwas zu holen oder zu gewinnen" ist. Was kümmert uns da schon Uganda, die Elfenbeinküste oder Uranda. Und warum wird das viel gefährlichere Nord-Korea von den USA anders behandelt? - Um die Durchsetzung der UNO-Resolution 1441 geht es. Aber auch hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Ich habe noch nie davon gehört, daß  Amerika öffentlich fordert,   auch Israel müßte verschiedene UNO-Resolutionen einhalten. "30 Tage Bomben auf den Irak provozieren 30 Jahre Terrorismus in der Welt" vermutet Jürgen Todenhöfer, und ich denke, damit könnte er Recht haben.

Am Freitag dieser Woche steht eine weitere Sitzung des UNO-Sicherheitsrates zur Irak-Frage an. Ein Glück, daß heute sich neben Deutschland auch Frankreich, Russland und China gegen einen Krieg aussprechen und stattdessen weitere Verhandlungen fordern und erklären, es seien noch nicht alle Möglichkeiten zur Beilegung des Konflikts ausgeschöpft. Vielleicht stimmt ja der Sicherheitsausschuß einem Krieg nicht zu, was aber wohl einer Brüskierung der USA gleichkäme, die lieber heute als morgen "zuschlagen" würden. Und wenn in einem solchen Fall die USA - wie bereits früher erklärt - auch "ohne den Segen der UNO" gegen den Irak zu Felde ziehen, dann hätten sie ihre Glaubwürdigkeit gänzlich verspielt. Das wäre ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg ohne Legitimation und  die Angreifer wären Kriegsverbrecher. Die Folgen wären unübersehbar.

Hoffen wir, daß es so weit nicht kommen wird. Aber die Zeichen stehen auf  Sturm!

 

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Die Welt macht Druck -   Bush ist erheblich unter Druck

 

(-35- 11.03.2003) -  Die permanente Diskussion um einen "bevorstehenden" Irak-Krieg geht mir gewaltig auf den Geist. Heute sollte der UNO-Sicherheitsrat nach dem "Willen" (besser: Diktat!) der USA über eine neue Resolution mit einem Ultimatum an den Irak bis zum 17. März abstimmen. Daraus wurde nichts. Der Sicherheitsrat lehnte ab! Eine Niederlage für Bush und Co.! Das war wohl die logische Konsequenz nach den ebenso konsequenten gestrigen Erklärungen von Russland und Frankreich, bei einer zustimmenden Resolution ihr Veto einlegen zu wollen. Vielleicht erinnerte sich das Gremium des Ausspruchs von Graf von Sponeck: "Es geht in der UNO um Konfliktlösung, nicht um Konfliktschaffung".

 

Das hindern aber Bush und den Briten Blair nicht, ihre Kriegsvorbereitungen fortzuführen; und das ohne Rücksicht auf die Meinung der eigenen Bürger und der Welt. Da liest der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter in scharfer Form der Regierung Bush die Leviten, wobei er sowohl die moralische Berechtigung eines Krieges als auch die Substanz der Argumente der Bush-Regierung in Frage stellte. Die USA "hätten kein internationales Mandat" und "das internationale Vertrauen in unser Land ist auf dem niedrigsten Stand seit Gedenken", betonte Carter, während eine US-Bürgerin in den USA mit einem  Plakat demonstrierte, das führende Regierungsmitglieder (vor allem Bush und Rumsfeld) als "Hohlköpfe" und "rauchende Colts" zeigte. Dem ist nichts hinzuzufügen! Zeigt doch vor allem Rumsfeld mit seinem Ausspruch vom "alten Europa", wie weit er - wo  doch seine Wurzeln in eben diesem Europa liegen - in seiner geistigen, humanistischen Haltung verkommen ist. Derweil ließ Bush in seiner Pressekonferenz vom 07. März durchblicken, daß ihm die Meinung auf der Straße weitgehend egal sei. "Ich werde die Sicherheit der Amerikaner nicht von der Gnade eines Diktators und seiner Waffen abhängig machen", tönte er, was im Klartext bedeutet: Auch bei einer Schlappe vor der UNO wird es Krieg geben. Welche Geisteshaltung auch er damit preisgibt zeigt, welch' Geisteskindes er ist! Damit würde er (ebenso wie der Irak) eine UNO-Resolution mißachten und müßte dafür bestraft werden. Ein solcher Krieg wäre außerhalb des Völkerrechts - und Bush müßte damit als "Kriegsverbrecher" vor das entsprechende Tribunal gebracht werden; dasselbe Tribunal, das er allerdings für US-Bürger ablehnt! Er sitzt mit seiner unbeschreiblichen Arroganz  auf hohem Ross: Nur was er macht und denkt ist richtig, und er versteigt sich sogar in die Drohung, daß er notfalls mit Gewalt einen amerikanischen Bürger aus den Krallen dieses Gerichts befreien werde. Auch bei dem Brief an 60 Nationen mit dem Hinweis auf angebliche Spionagetätigkeit irakischer Botschaftsangehöriger mit der Aufforderung, solche auszuweisen, spricht Bände. Denn gleichzeitig ist Bush selbst unter Druck geraten, weil publik wurde, daß die USA einen Lauschangriff auf die "unentschlossenen" Mitglieder im Weltsicherheitsrat unternommen haben. Demnach hat nur Amerika das Recht auf Spionage. Das muß einen bei einer Person, die annimmt, ihr Kriegstreiben sei "gottgewollt" deshalb nicht wundern; denn damit steigt er in den Kreis der "Gotteskrieger" auf.

 

Das wirkliche Verhalten Amerikas wird immer undurchsichtiger. Und die UNO scheint nur eine Instanz für die Durchsetzung eigener Interessen zu sein. Denn wie soll man verstehen, daß eine Resolution (nur) im Falle des Iraks eingehalten werden soll, während Israel schon seit Jahren eine solche nicht respektiert. Alle gegen Israel gerichteten Entscheidungen der UNO werden von den USA mit einem Veto belegt. Wundert es da, daß in einem anderen Fall es einmal umgekehrt ist? Und was hat Amerika für eine erbärmliche Rolle im Bosnien-Konflikt gespielt, als es unter Mißachtung der UNO-Vorgabe (Verbot der Waffenlieferung) und Täuschung der eigenen NATO-Mitglieder Bosnisch-Kroatien  heimlich mit Waffen versorgte und damit in Srebrenica die Voraussetzung für eines der größten Massaker der Geschichte schaffte? Auch die heutige Ankündigung der USA, mit hohem Milliarden-Aufwand nach einem möglichen Krieg im Irak eine Sofort-Aufbauhilfe zu starten, ist nur Augenwischerei. Kalkulieren sie doch hohe Gewinne durch die Vermarktung des geraubten Rohöls, mit denen sie dann die "Hilfe" finanzieren  können.

 

Und in England drohen Regierungsmitglieder für den Fall eines Krieges ohne UNO-Mandat unter Beteiligung von England mit Rücktritt, allen voran die Entwicklungshilfeministerin Clare Short. Selbst in der eigenen Partei ist die Zahl der Gegner Blairs binnen zwei Wochen von 121 auf 200 gestiegen. Das könnte für Blair, der soeben Paris und Moskau vor einem Veto gegen die Kriegsresolution "gewarnt" hat (wie kommt er eigentlich dazu, eine Warnung gegen autonome Staaten auszusprechen?), das Ende sein. Dann wäre nicht nur für Saddam Hussein, sondern auch für Blair "die Zeit abgelaufen".

 

Die harte Linie Spaniens (und das trotz massivster Proteste im eigenen Land) ist mir ebenso unverständlich wie die Haltung der deutschen Opposition CDU/CSU und FDP. Aber auch in diesen Reihen gibt es Gott sei Dank Politiker, die anders denken. Die Unionspolitiker Peter Gauweiler (er war schon öfter in den Schlagzeilen) und Willy Wimmer sind Gegner der Bush-Politik und scheuen sich nicht, persönlich in den Irak zu reisen - anders als Angela Merkel, die nach Amerika gereist war. Damit haben sie wieder einmal einen innerparteilichen Streit "losgetreten".

 

Wer macht sich schuldig bei einem kriegerischen Einsatz im Irak? Mir fällt dabei das Gedicht "Kriegslied" ein, das Matthias Claudius im Jahre 1779 geschrieben hat:

 

 

 

Kriegslied 

 

's ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel wehre, und rede Du darein! 

s'ist leider Krieg - und ich begehre, nicht schuld daran zu sein!

 

Was sollt' ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen und blutig, bleich und blaß, 

die Geister der Erschlagnen zu mir kämen, und vor mir weinten, was?

 

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten, verstümmelt und halb tot 

im Staub sich vor mir wälzten und mir fluchten in ihrer Todesnot?

 

Wenn tausend, tausend Väter, Mütter, Bräute, so glücklich vor dem Krieg, 

nun alle elend, alle arme Leute, wehklagten über mich?

 

Wenn Hunger, böse Seuch' und ihre Nöten Freund, Freund und Feind ins Grab 

versammelten, und mir zu Ehren krähten von einer Leich' herab?

 

Was hülf' mir Kron' und Land und Gold und Ehre? die könnten mich nicht freun! 

's ist leider Krieg - und ich begehre, nicht schuld daran zu sein!

 

*

 

Wann gilt für Bush: "The time ist over"? Alles deutet darauf hin, daß er gegen den Irak zu Felde ziehen wird - auch ohne UNO-Segen. Dann eben mit einer "Koalition der Willigen", die offenbar gar nicht weiß, auf welches Risiko sie sich dabei einläßt.

 

Aber George W. Bush wird es schon richten. Er geht ja mit Gott. Und vielleicht läuft seine Uhr schneller ab, als er denkt.

 

 

 

* * *

 

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ECCE HOMO - Sehet, welch ein Mensch!

(-36- 22.03.2003) -  Nun ist es doch eingetreten, was die freie Welt nicht glaubte, daß es geschehen könnte! Entgegen allen Regeln des Völkerrechts, entgegen den Festlegungen der Charta der VereintenNationen haben die USA unter ihrem "großen Führer" George W. Bush, unterstützt von Großbritannien und Spanien unter ihren "kleinen Gernegroßen" Blair und Aznar zugeschlagen. Die Welt hielt den Atem an. Ohnmächtige Wut machte sich angesichts des "Überfalls auf den Irak" breit, Massendemonstrationen weltweit, Verurteilungen für die "Aggressoren", Diskussionen, Gebete. Schon vorher half alles nichts - und auch jetzt wird es nicht helfen! Dennoch: Die Demonstration ist weltweit und notwendig, damit diejenigen, welche die Weltkrise zu verantworten haben, nicht glauben, sie hätten im Interesse der Menschheit gehandelt. Es ist wichtig, ihnen den "Spiegel vorzuhalten", ihnen zu sagen: Wir wissen, daß von Anfang an alles so geplant war, wie es jetzt eingetreten ist - ohne Rücksicht (oder besser: rücksichtslos) auf die Weltmeinung, ohne Rücksicht auf die tatsächliche Lage, lügenhaftes Gehabe und bewußte Fehleinschätzung, politische Stümperhaftigkeit, umkränzt von einem selbstgeflochtenen "Heiligenschein", Retter der Menschheit, Verteidiger der Demokratie, Verteidigung der freien Welt vor einem ungeahnten Terrorismus?! - Alles nur Lug und Trug!

Wo ist sie denn, die angebliche Bedrohung Amerikas? Wo ist sie denn, die angebliche Verbindung Saddam Husseins zum afghanischen Terrornetzwerk El Kaida? Alles nur unbewiesene Behauptungen immer und immer wieder, eine Masche, durch die suggeriert werden soll, daß es immer wahrhafter wird, je öfter man sie wiederholt! Warum gerade den Feldzug gegen den Irak? Wegen nicht beachteter UNO-Resolution 1441? Es ist absurd und lächerlich zugleich. Einen Feldzug gegen ein Volk, das seit mehr als zehn Jahren von der Weltöffentlichkeit nur gedemütigt, abgerüstet und ausgelaugt worden ist? Wo ist der Einsatz Amerikas für die Einhaltung anderer UNO-Resolutionen - vorwiegend die, die sich an  Israel wenden? Die Israelis, bewaffnet bis an die Zähne, Herrscher über Palästina, dürfen machen was sie wollen, ein abgerüsteter Irak darf das nicht: Dieser Staat muß bekämpft werden!

In der vorgestrigen ZdF-Sendung "Johannes B. Kerner" sprach der Politologe der Uni Hamburg, Reinhard Merkel, aus, was Politiker sich scheuen auszusprechen. "Das was Bush getan hat, ist eindeutig völkerrechtswidrig; es ist ein Verbrechen!" Das bedeutet doch nichts anderes, als daß Bush selbst ein Verbrecher ist - ja, so ist es wohl!  Und die Welt muß ohnmächtig zuschauen. Einen souveränen Staat mit militärischer Gewalt anzugreifen - und zwar ohne Mandat der UNO - ist in der Tat völkerrechtswidrig und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Für mich (und ich denke auch viele Andere) steht fest, daß sich Bush damit außerhalb der Gesellschaft gestellt hat. Er ist es, der sich isoliert hat - nicht Deutschland und Frankreich, wie er meinte -, und er ist wohl nicht in der Lage,  das zu begreifen. Natürlich ist Saddam Hussein auch ein Verbrecher; aber ein Feldzug gegen den Irak wäre nur "rechtmäßig" bei einem Überfall des Iraks auf einen anderen Staat. Entgegen der Auffassung Bushs war aber noch nicht einmal eine Bedrohung akut!

Der amerikanische Präsident scheint gleichermaßen unter Größenwahn und Verfolgungswahn zu leiden! Wie Paranoia sieht das aus. Anders ist es nicht zu erklären, daß er sich von einem abgerüsteten Staat verfolgt und angegriffen fühlt, sich gleichzeitig aber stark genug wähnt, entgegen der Weltmeinung unter Mißachtung bisheriger Werte und der UNO einen Feldzug gegen "Schurkenstaaten" zu führen. Die USA - Demokratie und Freiheit lehrend - scheuen sich nicht, ihre eigenen Kriegsdemonstranten zu hunderten zu verhaften. Ist das die Freiheit, die sie lehren? Man kann feststellen, daß die USA zur Zeit der größte Schurkenstaat der Welt sind und gleichzeitig die größte Bedrohung für den Weltfrieden - nicht der Irak und nicht Saddam Hussein.

"Verstört, ohnmächtig, aber auch voller Zorn sehen wir dem moralischen Niedergang der einzig herrschenden Weltmacht zu, und nicht nur wir erleben, wie [das gute Bild der USA] dieses Bild, das im Verlauf der Jahre mehr und mehr Wunschbild wurde, verblasste und nun zum Zerrbild seiner selbst wird", sagte gestern der Nobelpreisträger Günter Grass in einer aufsehenerregenden Rede in Halle/Saale. Und Walter Jens, emeritierter Rhetorik-Professor an der UNI Tübingen, meinte: "Wer so handelt, wie es die von keinerlei Mitleid berührten Politiker jetzt tun, muß - mag er sich drehen und wenden, wie er will - Mordgeselle genannt werden".

Und Bushs Verbündete singen dasselbe Lied. Ich finde es unerträglich, daß z.B. der britische Außenminister sowohl den französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac als auch den deutschen Außenminister Joschka Fischer wegen deren Friedenshaltung in aller Öffentlichkeit brüskiert und beleidigt. Wo bleibt da die britische Zurückhaltung? Und daß die deutsche Oppositionspartei CDU den eigenen Bundeskanzler wegen seiner Friedenspolitik angreift, ist ebenso unverständlich. Die Deutschen können froh sein, daß im vergangenen Jahr nicht die CDU die Bundestagswahl gewonnen hat, sonst stünden heute wahrscheinlich auch deutsche Soldaten im Irak! Eine Horrorvorstellung! Eine solche Partei ist (zumindest im Augenblick) nicht wählbar!

Doch zurück zu George W. Bush. Ecce homo - was ist das für ein Mensch? Ein ehemaliger Alkoholiker, ein Mensch, der als Gouverneur von Texas gnadenlos fast 300 Häftlinge auf den elektrischen Stuhl schickte und schließlich durch Wahlmanipulation auf den Posten des Präsidenten der USA aufstieg. Kurz: Ein Unmensch! Genau so ein Unmensch wie Saddam Hussein, den er bekämpft. Ich wünsche ihm alles, nur nichts Gutes. Und vielleicht ereilt diesen texanischen Cowboy bald sein Schicksal und er geht in die ewigen Jagdgründe ein - auf welchem Weg auch immer. Denn mit seiner Irak-Entscheidung hat er die Treibjagd eröffnet, die Treibjagd auf sich selbst. Er wird höllisch aufpassen müssen!

Halali!

* * *

 

Nachtrag 1:

(01.04.2003) -   Den vorstehenden Beitrag habe ich per E-Mail u.a. auch der Botschaft von Großbritannien in Berlin übermittelt. Die Botschaft hat  mir daraufhin wie folgt geantwortet: 

"Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre E-Mail zum Thema Irak.

Die britische Regierung hat Verständnis für die Besorgnisse angesichts der Militäraktionen. Mit der am 18. März von einer Mehrheit im Unterhaus befürworteten Entscheidung, sich zu einem militärischen Vorgehen gegen den Irak einer Koalition von Regierungen anzuschließen, haben wir es uns nicht leicht gemacht. Die Weigerung des irakischen Regimes, mit uns zu kooperieren, hat uns aber keine andere Wahl gelassen. Unsere Militäraktion zielt darauf ab, ein für alle Mal eine Abrüstung der Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme des Iraks zu erzwingen, wie dies in der Resolution des UN-Sicherheitsrats 1441 und in früheren Resolutionen gefordert wurde. Die Koalition hat die Absicht, dies so schnell wie möglich zu erreichen und die Zahl der Opfer unter der irakischen Zivilbevölkerung so niedrig wie möglich zu halten. Längerfristig wollen wir der irakischen Bevölkerung eine bessere Zukunft sichern und die internationale Stabilität erhöhen.

Massenvernichtungswaffen sind seit den 1980er Jahren ein wichtiges Machtinstrument der Diktatur von Saddam Hussein. Er hat ein Arsenal von Giften, Viren und Bakterien aufgebaut und sich um Kapazitäten zur Herstellung von Atomwaffen bemüht, ein flagranter Verstoß gegen die UN-Sicherheitsratsresolutionen und die irakischen Verpflichtungen nach dem Atomwaffen-Sperrvertrag. Unter Missachtung dieser Resolutionen hat der Irak ballistische Flugkörper entwickelt, die in der Lage sind, diese Waffen zu Zielen im gesamten Nahen Osten und selbst in Südosteuropa zu befördern.

Gewiss, auch andere Staaten verfügen über solche Kapazitäten. Aber zwei Dinge machen den Irak einzigartig: dass er vom Sicherheitsrat unmissverständlich aufgefordert wurde abzurüsten, und dass Saddam Hussein bereit ist, Massenvernichtungswaffen einzusetzen. Kein anderes Land hat in moderner Zeit chemische Waffen gegen seine Nachbarn eingesetzt oder 5000 eigene Bürger getötet und 10000 weitere verletzt, wie es das irakische Regime 1988 in Halabdscha getan hat.

Im November richtete der UN-Sicherheitsrat eine kompromisslose Botschaft an das irakische Regime: er müsse entweder in vollem Umfang mit den Waffeninspekteuren zusammenarbeiten oder sich auf eine gewaltsame Abrüstung einstellen. Mit Sicherheitsratsresolution 1441 erhielt der Irak eine letzte Chance, seinen Abrüstungsverpflichtungen nachzukommen, und zwar durch eine endgültige Abrüstung sämtlicher Massenvernichtungswaffen und Trägersysteme. Der Irak wurde geradewegs aufgefordert, seine Bestände an Massenvernichtungswaffen unverzüglich, vollständig und ehrlich zu deklarieren.

Aus den Berichten der Waffeninspekteure ging klar hervor, dass der Irak weder vollständig noch unverzüglich kooperierte. Die Erklärung, die der Irak am 7. Dezember abgab, war genauso falsch wie alle seine früheren "vollständigen und endgültigen" Erklärungen. Der am 7. März von den Inspekteuren vorgelegte Katalog aller offenen Fragen war ein Kompendium irakischer Ausweich- und Täuschungsmanöver, einer vorgeblichen Zusammenarbeit, die in Wirklichkeit eine zynische Verschleierungspolitik war (www.unmovic.com). Aufgelistet wurden mindestens 28 Fälle, in denen der Irak es versäumt hatte, glaubwürdiges Material vorzulegen, sowie 17 Fälle, bei denen die Inspekteure Beweismaterial aufgedeckt hatten, das dem offiziellen irakischen Bericht widersprach. Niemand hat bei all den Gesprächen im Sicherheitsrat und anderen Foren je behauptet, dass der Irak die ihm auferlegten Verpflichtungen erfüllt. Und aus gutem Grund. Der Irak hat einfach nicht Rechenschaft abgelegt über die Tausende von Tonnen chemischen und biologischen Waffenmaterials, dessen Verbleib noch ungeklärt war, als das Regime die Waffeninspekteure 1998 zwang, das Land zu verlassen. Die Taktik des Regimes bestand darin, die Existenz von Massenvernichtungswaffen zu leugnen, und, wenn es ertappt würde, kleinstmögliche Zugeständnisse zu machen, um weiter Aufschub zu bekommen.

In den Wochen vor der Militäraktion haben wir uns ein letztes Mal intensiv bemüht, einen Konsens im Sicherheitsrat zum Irak zu bekommen. Wir wiesen darauf hin, dass es nicht darum ging, die Zahl der Waffeninspekteure zu erhöhen oder Saddam Hussein und dem irakischen Regime mehr Zeit zu lassen, um die Resolutionen zu befolgen. Was nötig war, so unser Argument, war eine unwiderrufliche und strategische Entscheidung des Iraks, abzurüsten und alle relevanten Informationen preiszugeben, die er in den letzten 12 Jahren hätte preisgeben müssen - eine strategische Entscheidung nach Art des freiwilligen Beschlusses Südafrikas, sein geheimes Atomwaffenprogramm aufzugeben. Wir räumten ein, dass im Falle einer Bereitschaft des Regimes zu einer derartigen Zusammenarbeit die Waffeninspekteure natürlich mehr Zeit bräuchten, um ihre Arbeit zu vollenden, um die Abrüstung zu verifizieren. Wir schlugen harte, aber erfüllbare Forderungen vor, sowie einen Zeitplan, in dem diese zu erfüllen wären. In Übereinstimmung mit Resolution 1441 bemühten wir uns auch um eine Verständigung darauf, dass eine Nichterfüllung dieser Forderungen seitens des Iraks klar machen würde, dass er seine letzte Chance nicht genutzt hätte.

Die britische Regierung bedauert es außerordentlich, dass der Sicherheitsrat trotz aller Bemühungen von Seiten Großbritanniens sich nicht auf einen Plan verständigen konnte, wie er den Irak unter Druck setzen könnte, damit dieser die strategische Entscheidung zur Abrüstung treffen würde. Unter diesen Umständen verzichteten wir darauf, über den am 24. Februar eingebrachten britisch-amerikanisch-spanischen Entwurf abstimmen zu lassen, und die Staaten, die ihn zusammen vorgelegt hatten, behielten sich das Recht vor, selbst Maßnahmen zu ergreifen, um die Abrüstung des Iraks zu erzwingen.

Im Verlauf der Krise haben wir zusammen mit unseren Verbünden sorgfältig alle Optionen geprüft und dabei alle Faktoren berücksichtigt, auch die potentiellen Auswirkungen auf die Region sowie die Notwendigkeit, in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht zu handeln. Ein militärisches Vorgehen zur Erzwingung einer Befolgung der Resolutionen durch den Irak steht voll im Einklang mit dem Völkerrecht: die Vollmacht zur Anwendung von Gewalt gegen den Irak ergibt sich aus dem Zusammenwirken der Sicherheitsratsresolutionen 678, 687 und 1441; und alle diese Resolutionen wurden unter Kapitel VII der UN-Charta verabschiedet, das die Anwendung von Gewalt zum ausdrücklichen Zweck der Wiederherstellung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erlaubt. Es wird jede mögliche Vorsorge getroffen, damit die Zahl der zivilen Opfer und die Beschädigung der zivilen Infrastruktur möglichst gering bleiben.

Wir werden darauf hinarbeiten, dass die humanitären Bedürfnisse des irakischen Volkes erfüllt werden. Das Ministerium für Internationale Entwicklung hat den Sonderorganisationen der Vereinten Nationen und nichtstaatlichen Organisationen bereits umgerechnet 30 Millionen Euro bereitgestellt, eine weitere Summe von zunächst 88 Mio. Euro für die sofortige humanitäre Hilfe vorgesehen und Personal in die Region entsandt. Außerdem stehen unseren Streitkräften bis zu 44 Mio. Euro zur Verfügung, um die humanitären Verpflichtungen zu erfüllen, die sich aus dem Völkerrecht für bewaffnete Konflikte ergeben.

Wir wünschen uns eine führende Rolle der Vereinten Nationen beim Wiederaufbau des Iraks. Wir hoffen auf eine möglichst frühzeitige Aufhebung der UN-Sanktionen, sobald eine neue Regierung im Amt ist, die bereit ist, die Massenvernichtungswaffen abzurüsten und dafür zu sorgen, dass die Einnahmen aus dem Öl zum Wohl der irakischen Bevölkerung verwendet werden. Unsere Vision ist ein Irak, der die Menschenrechte und die Rechtsstaatlichkeit achtet, in dem alle Iraker am Reichtum des Landes teilhaben können, ein Irak, der im Frieden mit seinen Nachbarn lebt und seinen Platz in der internationalen Gemeinschaft einnehmen kann. 

Mit freundlichen Grüßen,

Harriet Kyle
PR Section Assistant"

* * *

 

Nachtrag 2:

(02.04.2003) -  Die vorstehende Antwort, die offenbar an eine Vielzahl von Personen gerichtet ist, woraus sich ergibt, daß nicht nur ich mich bei der Botschaft beschwert habe,  enthält soviele Unwahrheiten und Falsch- darstellungen, daß ich das nicht unwidersprochen hinnehmen kann. Vor allem "den auf den Kopf gestellten Bezug" zur Charta der Vereinten Nationen mit der Feststellung, das Völkerrecht sei nicht verletzt worden, bringt mich "auf die Palme". Ich habe der britischen Botschaft deshalb eine Antwort-Mail geschickt mit folgendem Text:

"Sehr geehrte Ms. Kyle,

ich danke Ihnen für die Antwort auf meine eMail vom 22. März 2003. Eigentlich hatte ich keine Antwort erwartet, und der Inhalt dieser Antwort bestätigt meine Auffassung, nach der die "Aggressoren" offenbar nicht erklären können, weshalb sie den Angriffskrieg gegen den Irak führen.

Der erste Teil Ihrer Antwort mag zutreffend sein, die Schlußfolgerungen und die Rechtsauslegung sind es aber nicht! Es bestand nämlich noch keine dringende Notwendigkeit, mit dem Krieg zu beginnen. Entgegen Ihrer Auffassung, wollten die Inspektoren noch eine weitere Zeit zur Verfügung haben. Das aber wollte offenbar der amerikanische Präsident nicht, bei dem nach meiner Einschätzung schon vor Monaten feststand, daß er einen  Krieg gegen den Irak wollte; und zwar unabhängig, was die UNO und der Sicherheitsrat dazu zu sagen hatten. Gerade der Sicherheitsrat wurde von Bush doch nur als Werkzeug "benutzt"; seine Entscheidungen interessierten Bush überhaupt nicht. Und wenn überhaupt, wollte er nur ein Alibi!

Und was Tony Blair angeht, kann er einem leid tun. Er ist Opfer und Täter zugleich. Die traditionelle Verbundenheit Großbritanniens mit den USA hielten Blair wohl davon ab, seinem Verstand zu folgen und sich stattdessen mit Bush zu solidarisieren. Jetzt hat er den Salat und muß der (fast) ganzen Welt erklären, warum dies alles geschieht. Die Rechtsexperten und Politikprofessoren in fast allen Ländern der Welt sind jedenfalls der Meinung, daß es sich hier um einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen einen autonomen Staat handelt - und was die Weltöffentlichkeit dazu meint, können Sie wohl täglich in den Medien verfolgen: Die weltweiten Proteste reißen nicht ab! Fest steht, daß der Irak keine unmittelbare Bedrohung dargestellt hat, weder für Großbritannien und erst recht nicht für die USA! - In einer meiner Homepage-Beiträge habe ich erklärt, daß die USA für den Weltfrieden ein größeres Risiko darstellen als der Irak. Und dabei bleibe ich! - Die Arroganz Bushs ist nicht mehr zu übertreffen; und wer, glauben Sie, gibt den USA das Recht, sich zum Weltenrichter aufzuspielen? Vielleicht die "göttliche Eingebung", wie Bush meint? Der deutsche Bundespräsident Rau hat sich dazu gestern geäußert und eine solche "Anmaßung" scharf zurückgewiesen!

Geroge W. Bush ein "Gotteskrieger"! Das ist ja lächerlich!

Doch nun zu Ihrer Schlußfolgerung.

Ich kann nicht nachvollziehen, daß Sie erklären, "ein militärisches Vorgehen zur Erzwingung einer Befolgung der Resolution durch den Irak steht voll im Einklang mit dem Völkerrecht". Sie müssen über eine andere Fassung der Charta

der Vereinten Nationen verfügen, um so etwas zu behaupten. Sie sollten sich einmal die Mühe machen, den von Ihnen zitierten Abschnitt VII aufmerksam zu lesen. In Artikel 39 ist geregelt, daß der Sicherheitsrat zu beschließen hat, "welche Maßnahmen auf Grund der Artikel 41 und 42 zu treffen sind, um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren oder wiederherzustellen". Mir ist von einem solchen Beschluß nichts bekannt; denn bei einem Krieg, wie der jetzt von den USA und Großbritannien geführt wird, wäre ein Beschluß nach Artikel 42 notwendig gewesen. Folglich wären bei einem solchen Beschluß die UN-Mitglieder gemäß Artikel 43 verpflichtet, "dem Sicherheitsrat auf sein Ersuchen Streitkräfte zur Verfügung zu stellen ...". Und schließlich werden nach Artikel 46 "die Pläne für die Anwendung von Waffengewalt vom Sicherheitsrat mit Unterstützung des Generalstabs-ausschusses (vgl. Artikel 47) aufgestellt.

Weder Großbritannien noch die USA haben aber die zitierten Vorschriften beachtet und stattdessen unter Ausschaltung des Sicherheitsrates einen "Angriffskrieg" begonnen. Und das ist völkerrechtswidrig!  Die Verletzung des Völkerrechts ist nach herrschender Rechtsauffassung aber ein Verbrechen. Folglich muß man annehmen, daß sowohl Bush als auch Blair Verbrecher sind!

Ich gehe mit Ihnen einig, daß auch Saddam Hussein ein "Verbrecher" ist, der abgesetzt werden muß. Aber diese Schlußfolgerung zu vollziehen, ist nicht Sache der USA. Das Verhalten der USA ist in keiner Weise zu entschuldigen! Alles, was von Bush und Rumsfeld vorgetragen wird, ist gelogen; man kann diesen "Herren" kein Wort glauben!

Schade, daß Ihre Antwort auf meine eMail diese Dinge nicht berücksichtigt und Sie stattdessen  mit "viel drum und herum" versuchen zu erklären, weshalb das so ist. Diese Erklärung ist jedenfalls nicht zu begreifen - und sie stimmt inhaltlich mit dem internationalen Recht nicht überein.

Und daß Sie schließlich auf finanzielle Mittel hinweisen, die Sie bereitstellen, um humanitäre Hilfe zu leisten, ist je das Mindeste, das man verlangen kann. Derjenige, der alles zerstört, muß es auch wieder errichten. Leider trifft das nur auf die materiellen Schäden zu. Die vielen unschuldigen Toten und Verletzten sowohl auf der Seite des Irak als auch auf der Seite der Angreifer, sind mit keinem Geld zu ersetzen. Und was für Folgeschäden noch auf die Welt zukommen werden, steht in den Sternen.

Wer Haß säht, wird auch Haß ernten".

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 Nachtrag 3:

 

Ex-US-Finanzminister O'Neil ließ "die Katze aus dem Sack"

(11.01.2004) - Das hat er nun davon, der "Märchenerzähler" George W. Bush. Das was ich ihm nie geglaubt habe, wird jetzt offenkundig. Allen bisherigen Beteuerungen zum Trotz, war es wohl doch schon immer seine Absicht, den Irak mit Krieg zu überziehen. Und dabei bewahrheitet sich nun, daß er den Weltsicherheitsrat nur als sein Werkzeug betrachtete. - Nach der Aussage des ehemaligen US Finanzministers O'Neil in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS hat Bush nämlich schon direkt nach seinem Amtsantritt begonnen, den Irak-Krieg zu planen. Damals gab es die Terroranschläge vom 11. September 2001 noch gar nicht. Diese waren für Bush später nur ein willkommenes "Geschenk", das er verbal zum Anlaß nehmen konnte, nun gegen den Irak zu Felde zu ziehen. Und Buchautor Ron Suskind bestätigte diese und andere Aussagen von Insidern aus dem Weißen Haus. Dabei hätten "Vorstellungen über die Zukunft des irakischen Öls" eine wesentliche Rolle gespielt.

Das also ist es, was geplant war! O'Neil "rächte" sich mit seinem Verhalten wohl für den "Rausschmiß" durch Bush. Das Finanzministerium will (vielleicht auf Druck des Präsidenten?) jetzt gegen seinen früheren Chef ermitteln und prüfen, ob dabei "Geheimdokumente" weitergegeben worden sind. Das muß man sich mal vorstellen. Es soll nicht geprüft werden, ob O'Neil die Wahrheit gesagt oder gelogen hat. Offensichtlich weiß man, was die Wahrhheit ist. Nein, die Verletzung der Geheimhaltungspflicht ist das Vergehen von O'Neil.

Armes Amerika, armer Präsident. Jetzt haben wir wohl die Bestätigung über die Wahrheit. Und daß Herr Bush wenigstens in Zukunft die Wahrheit sagen wird, davon dürfen alle  n i c h t  ausgehen.

 

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Der Sprung in den Tod - Möllemanns Abschiedsvorstellung

  

(-37- 07.06.2003) -  Was die Politiker und die Gesellschaft um ihn herum bisher nicht geschafft haben, dafür hat er nun selbst gesorgt! Sie sind ihn los! Sie müssen sich nicht mehr nach ihm richten und schon gar nicht mehr über ihn ärgern - oder vielleicht doch?

 

Jedenfalls steht fest: Jürgen Möllemann ist nicht mehr. Kann man dem Untersuchungsergebnis der Polizei und der Staatsanwaltschaft sowie den Medienberichten glauben, stürzte sich der passionierte Fallschirmspringer Jürgen Möllemann am 05. Juni selbst in den Tod. Der Obduktionsbericht läßt keinen anderen Schluß zu, wird erklärt.

  

Folgt man dieser Bewertung, kann man feststellen, daß Jürgen Möllemann seiner persönlichen Linie treu geblieben ist. Er, stark narzistisch angehaucht, ausgestattet mit einem untrüglichen Sinn für Realität, einer, der die Probleme auf den Punkt brachte, ohne groß drumherum zu schwätzen wie viele andere Politiker, ein Mann mit Visionen, vierkantig und deshalb ständig Gefahr laufend, anzuecken und/oder sich blöder Fragen, Feststellungen und Anfeindungen ausgesetzt zu sehen, hat das ganze Hickhack des letzten Jahres um seine Person beendet, spektakulär und ohne Vorwarnung - genauso, wie man es von ihm gewohnt war, und trotzdem nicht erwartet, weil man unterstellte, "für so etwas" sei Möllemann nicht zu haben. Jürgen Möllemann hat den Zeitpunkt, den Ort und die Art seines Todes selbst bestimmt und damit das Heft bis zuletzt selbst in der Hand behalten, genau so wie er seinem drohenden Rausschmiß aus seiner Partei F.D.P. durch seinen Austritt zuvorgekommen ist. Er hat - um es auch meinerseits auf den Punkt zu bringen - alle seine Kritiker düpiert, brüskiert und beschämt und - deutet man die Reaktionen dieser Politiker richtig - haben sie es immer noch nicht begriffen; nicht begriffen, wie man es eigentlich auch nicht anders erwarten konnte!

  

Diese Politiker haben es ebenso nicht begriffen wie das "umstrittene" Flugblatt im letztjährigen Bundestagswahlkampf (vgl. meinen Beitrag unter GESELLSCHAFT, Nr. 23 - Israel? - Judentum? - Ein Trauma für Deutschland), das Jürgen Möllemann letztlich "den Kopf gekostet hat". Damals konnte oder wollte man ihn nicht verstehen und hat ihn deshalb ausgegrenzt. Angefeindet von allen Parteien, ausgeschlossen von politischen Entscheidungen, im Bundestag und im nordrhein-westfälischen Landtag als "parteiloser Abgeordneter" (auch das machte man ihm zum Vorwurf, weil er sein Mandat nicht aufgeben wollte) auf den "letzten Platz" verwiesen und verlassen von seinen ehemaligen "politischen" Freunden, die ihn "schnitten", nicht mehr mit ihm redeten - kurz: Vereinsamt und ein Bild des Jammers!

  

Diese Politiker, die sich ob seines Todes "betroffen" äußerten und nicht verstehen konnten, was geschehen war (meistens verstehen sie nicht was geschieht), müssen in der Tat betroffen sein. Aber nicht wegen des Todes von Jürgen Möllemann, vielmehr in der Wahrnehmung und Äußerung des Selbstmitleids, daß sie von einem, mit dem sie selbst nichts mehr zu tun haben wollten, noch in seiner Todesstunde so "vorgeführt" worden sind. Und so wird der Abschied von Jürgen Möllemann (darüber ist z.Z. noch nicht entschieden) möglicherweise in einem Staatsakt "gefeiert", bei dem sich die Redner - wie bei solchen Anlässen üblich - in Lobeshymnen über den "ach viel zu früh Verstorbenen" ergehen und so tun, als berührte es sie wirklich. Und das wird dann der Schlußstrich sein und die F.D.P. froh darüber, daß sie "endlich" einen Nachrückekandidaten in den Bundestag und den Landtag von Nordrhein-Westfalen entsenden darf, vielleicht einen, mit dem sie nicht solche Probleme haben wird wie mit Jürgen Möllemann.

  

Natürlich wird man unter dem Strich feststellen müssen, daß das alles Jürgen Möllemann selbst verursacht oder verschuldet hat. Daß aber ein Mensch nur wegen einer anderen Auffassung über Dinge so ausgegrenzt wird, wie dies geschehen ist, kann nicht richtig sein. Für Möllemann war es offensichtlich unerträglich, und deshalb hat er letztmalig gehandelt. So wie er sich selbst gesehen hat, hat er auch seinen letzten Schritt, den Sprung in den Tod, inszeniert. Und Deutschland ist schockiert?

  

Seine Familie tut mir leid. 

Gott sei ihm gnädig!

  

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Wieder "Extra Wurst" für USA - Internationaler Strafgerichtshof?

  

(-38- 16.06.2003) -  Es ist immer dasselbe "Elend" mit den USA! "Gott-gewollt", wie George W. Bush sich geäußert hat, hat sich der Präsident mit unerschrockener Durchsetzungsmacht, eingebildet vom Scheitel bis zur Sohle und in der Überzeugung, nur er habe das richtige Rezept für eine Neugliederung der Welt, die - wie sollte es anders sein - nur von Washington regiert werden könne, vor dem UN-Sicherheitsrat wieder einmal "durchgesetzt" und erneut eine Sonderregelung erhalten, die nur für die USA gut ist. Lediglich drei Staaten, darunter Deutschland (gut so!), haben sich der Stimme enthalten. Man weiß nicht, was man davon halten soll.

  

Ich spreche von der Verlängerung der bisherigen Regelung um ein weiteres Jahr, in dem sich die US-amerikanischen UN-Soldaten bei eigenen schuldhaften Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen nicht vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten müssen. Nun muß man natürlich nicht unterstellen, solche Verbrechen seien bei amerikanischen UN-Soldaten an der Tagesordnung. Natürlich nicht. Aber es ist eine Begünstigung für die GI's, die andere UN-Soldaten nicht genießen. Und das ist das Übel! Ich verstehe die Mitglieder des Sicherheitsrates nicht, daß sie so etwas beschließen! Was soll dann überhaupt noch der Strafgerichtshof, wenn nur "Minderbemittelte" vor ihn gezerrt werden dürfen? Dieselbe USA, die sich davor nicht zu fürchten brauchen, haben jedoch keine Skrupel, jeden anderen Fall von Menschenrechtsverletzung und Kriegsverbrechen vor genau diesen Strafgerichtshof zu bringen (vgl. hierzu auch meinen vorherigen Beitrag Nr. 36 "Die Welt macht Druck - Bush erheblich unter Druck"). Noch in seiner Rede vom 17. März 2003 "Es ist zu spät für Saddam Hussein" sagte Bush ausdrücklich: "Kriegsverbrechen werden verfolgt werden. Kriegsverbrecher werden bestraft. Und es ist keine Entschuldigung zu sagen: 'Ich habe nur Befehle befolgt'..". Mit solchen Regelungen kann man den Internationalen Strafgerichtshof nicht mehr ernst nehmen (und - wenn das so weitergeht -  auch den Sicherheitsrat oder gar die UNO nicht mehr). Man kann ihn abschaffen; denn er ist nur noch eine reine Geld- und Zeitverschwendungsmaschine. Herr Milosevic lacht sich bestimmt in's Fäustchen, weil er argumentieren kann, daß es nicht "gleiches Recht für Alle" gibt!

  

Wann wird die Welt aufhören, den Amerikanern immer wieder Sonderrechte einzuräumen (aber was heißt einräumen; sie nehmen sie sich selbst!). Immer wieder versuchen sie, sich rücksichtslos durchzusetzen; so z.B. geschehen zum Umweltvertrag von Kyoto und bei der Kündigung es Atomsperrvertrages und anderen.

  

Von dem Kriegsziel im Irak sind sie inzwischen meilenweit entfernt. Die Demokratie wollten sie dem Land bringen und Saddam Hussein auslöschen. Und - nicht zu vergessen - die  Unmengen an Massenvernichtungswaffen finden, wozu die bisherigen Inspekteure angeblich zu blöd waren und die USA zusammen mit Großbritannien nunmehr 1400 "Kontrolleure" aufbieten, um danach zu suchen!. Und was haben Sie nun? Niemand weiß, wo Saddam Hussein ist. Dafür jeden Tag an einer anderen Stelle Gerangel mit "unzufriedenen" Irakies. Und Massenvernichtungswaffen? Keine Spur. Es scheint sich zu bestätigen, was viele schon vor dem Krieg im Irak ausgesprochen haben: Es gibt sie überhaupt nicht. Die angebliche Existenz war ein erfundener Vorwand, um endlich Krieg führen zu können. Eine schöne Supermacht ist das - die USA. Nur Pleiten, Pech und Pannen! Und jetzt hetzen sie irakische Bürger, weil sie ihre Waffen nicht abgeben wollen und drohen mit empfindlichen Strafen. Ist das die Demokratie, die die USA meinen? In Amerika selbst darf jeder Depp mit einem Revolver herumlaufen! Wo nimmt Amerika eigentlich das Recht her? Es scheint sich zu bestätigen, was andere auch bereits vorhergesagt haben: Die Amerikaner sind nicht Befreier, sie sind Besatzer und als solche nehmen sie sich das Recht, so wie sie es sich vorstellen. Basta!

  

Die Maxime ist: Amerika darf alles haben und machen, was es will. Das genügt. Die anderen brauchen das nicht - sie haben ja Amerika!

  

Wenn sich daran nichts ändert, können einem die künftigen Generationen in der Welt außerhalb Amerikas wirklich leid tun!

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Nachtrag:

 

(23.06.2003) -  Und nun hat sich George W. Bush etwas völlig neues einfallen lassen: "In den letzten Tagen des Regimes wurden Dokumente und verdächtige Waffenorte geplündert und verbrannt", erklärte er als Begründung, weshalb bisher keine "Massenvernichtungswaffen" gefunden worden seien. Diese dreiste Ausrede ist wohl die dümmste, die der Präsident der staunenden Welt verkünden konnte! "Faustdicke Lügen",  meint denn dazu auch Kommentator Dietmar Brück in der heutigen Ausgabe der Rhein-Zeitung Koblenz und stellt die Frage: "Wer besitzt sie denn jetzt? Laufen etwa geschasste Geheimdienstleute mit Bio-Ampullen durch Bagdad? Haben frühere Führungskader der Baath-Partei nun Giftgasgranaten hinter dem Bücherbord versteckt? ... müßten alle amerikanischen und britischen Soldaten fortan mit voller ABC-Ausrüstung im Irak patroullieren. Denn ein gezielter Anschlag eines Saddam-Anhängers könnte ansonsten Hunderte von Todesopfern unter den Alliierten fordern." Faustdicke Lügen also, die uns Bush und Blair aufgetischt haben. Sie werden, wie Dietmar Brück meint, als Lügenbarone in die Geschichte eingehen und sich dafür möglicherweise als "Kriegsverbrecher" auch international verantworten müssen. Ich meine, das geschähe ihnen recht!

  

Dazu kommt, daß die alliierten Soldaten im Irak sich wachsender Anfeindungen - bis hin zu tätlichen und tödlichen Angriffen - erwehren müssen, weil die Feindseligkeit eines großen Teils der irakischen Bevölkerung und Haßtiraden gegen die "Besatzungsmacht" unübersehbar sind. Auch das müssen Bush und Blair verantworten.

 

Was also ist bisher geblieben? So gut wie nichts! Nur dummes Gerede, Großkotzerei und Größenwahn. Und noch immer meinen die beiden "Herrscher", sie hätten richtig und im Recht gehandelt. - Sind das vielleicht erste Anzeichen einer aufkommenden Geistesgestörtheit?

   

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Berlusconi: Meister aller Klassen - Korruption und Vorteilsnahme

 

(-39- 21.06.2003) -   "Mafia - Pate - Berlusconi", so könnte die Steigerung von "Mafia" aussehen! Laut Meyers Lexikon bedeutet Mafia u.a.: "Kriminelle Vereinigung, Gegengewalt zur Staatsmacht; die Mitglieder bilden eine kriminelle Subkultur und zeichnen sich durch ein bestimmtes Sozialverhalten aus. Sie üben durch erpresserischen Druck auf  Verwaltung, Polizei und Justiz eine parastaatliche Gewalt aus". Betrachtet man die Geschehnisse der letzten Tage, die durch, mit und um den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi entstanden sind, kann man zu der Auffassung gelangen, daß das Lexikon-Zitat noch untertrieben das ausdrückt, was Berlusconi in der italienischen Politik und Gesellschaft darstellt: Sein Verhalten ist nicht eine "parastaatliche" Gewalt; er verbindet Staatsgewalt und parastaatliche Gewalt in seiner Person. Und die Konzentration politischer und wirtschaftlicher Macht in der Person eines Ministerpräsidenten ist seit der Amtsübernahme 2001 nicht nur in Italien, sondern in der europäischen Öffentlichkeit äußerst umstritten, zumal Berlusconi keinen Zweifel daran läßt, daß er seine Medienmacht auch persönlichen Interessen unterordnet.

 

Nun hat er also zum zweitenmal eine "Lex Berlusconi" in Senat und Parlament "durchgesetzt". Erstmals gelang ihm das trotz starker öffentlicher Proteste im Oktober 2002. Das Gesetz erlaubt ihm (allerdings anderen "Angeklagten" auch), bei "berechtigtem Verdacht" der Befangenheit des zuständigen Richters, die Verlegung des Verfahrens an ein anderes Gericht zu erwirken. Und nun hat am 18. Juni 2003 das italienische Parlament ein "Immunitätsgesetz" verabschiedet, nach dem Politiker nicht juristisch verfolgt werden dürfen, solange sie höchste Staatsämter bekleiden. Das Gesetz gilt somit für den Staatspräsidenten, den Regierungschef, die Vorsitzenden der beiden Parlamentskammern und für den Präsidenten des Verfassungsgerichts. 302 Parlamentsabgeordnete stimmten dem Gesetz zu. Nur 17 waren dagegen und 13 enthielten sich der Strimme. Allerdings nahmen die Oppositionsparteien, das Bündnis Ulivo und die Kommunisten, nicht an der Abstimmung teil. Der Senat hatte dem Gesetz bereits vorher zugestimmt.

 

Damit ist Berlusconi "aus dem Schneider"; drohte ihm doch - ohne das Gesetz - in einem Prozeß in Mailand eine mögliche Gefängnisstrafe wegen Richterbestechung. Formell kann das Verfahren nach dem Ende der Amtszeit Berlusconis (bis 2006 ist er gewählt) wieder aufgenommen werden. Aber ein Richter der Strafkammer geht bis dahin in den Ruhestand mit der Folge, daß dadurch der Prozeß neu aufgerollt werden müßte - und damit droht der Prozeß zu verjähren! Vielleicht gibt es bis dahin aber eine erneute Amnestie, die auch Berlusconi selbst zugute käme, so wie es schon einmal 1997 der Fall war, als er - nach Vorwürfen der Bilanzfälschung zu 16 Monaten Haft verurteilt - diese Haft nie antreten mußte.

 

Im Frühjahr 1994 hatte Berlusconis Partei "Forza Italia" schon einmal die Parlamentswahlen gewonnen. Infolge wirtschaftspolitischen Streits zerbrach jedoch das Regierungsbündnis nach nur acht Monaten. Und daß das italinische Volk bei den Parlamentswahlen  im Jahre 2001 der Forza Italia (mit Berlusconi) erneut einen klaren Wahlsieg verschaffte, konnten viele im Ausland überhaupt nicht verstehen. Schließlich verdient jedes Volk die Regierung, die es sich selbst gewählt hat! - Immerhin: Das neue Immunitätsgesetzt hat scharfe Reaktionen sowohl in den italienischen Medien (das können aber nur die sein, die Berlusconi nicht selbst "in Händen" hat), sondern auch in der Bevölkerung ausgelöst. "La Stampa" rügte denn auch den Regierungschef scharf: "Statt sich um ehrenhafte Personen für die (Staats-)Spitze zu bemühen, bemüht man sich darum, ihre Unehrenhaftigkeit zu bemänteln". Um "ihn zu retten, verändert man die Gesetze des Staates". Und "La Republica" kritisierte den "Mißbrauch" im "privaten Interesse des Ministerpräsidenten". Der Angeklagte Berlusconi sei stärker als das Recht. Und die Opposision bezeichnete das Gesetz als größte Ungeheuerlichkeit, die sich eine italienische Regierungsmehrheit jemals geleistet habe.

 

Interessant ist auch, daß die Mailänder Staatsanwaltschaft eine Beschwerde vor dem Verfassungsgericht erwägt, weil sie das Gesetz als verfasssungswidrig bezeichnet. Damit setzt sich die Justiz wohl schon im Vorfeld zur Wehr. Denn nach dem Eingriff der italienischen Regierung durch Gesetzesbeschluß im August 2002 in die Unabhängigkeit der Justiz (hierdurch wurde der permanente Konflikt Berlusconis mit der italienischen Justiz deutlich) und der Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission durch Berlusconi im Januar 2003, die den vermeintlichen Komplott politisierter linker Staatsanwälte untersuchen soll, die in einer Untersuchung eine Korruption aufgedeckt hatten, was letztlich zur Abdankung des Sozialisten Bettino Craxi bis zum Christdemokraten Giulio Andreotti  geführt hatte, erwägt Berlusconi nunmehr sogar eine totale Neuorganisation der italienschen Justiz.  

 

Und so ist Silvio Berlusconi durch das neue Gesetz "noch einmal davongekommen"! Davongekommen wie in vielen Verfahren, die entweder mit Freispruch endeten oder verjährten. Denn seit 13 Jahren wurde gegen ihn immer wieder ermittelt - wegen Bestechung, Meineids, Steuerbetrugs und Kooperation mit der Mafia. Daß sich ein solcher Mann solange an höchsten Stellen in der Öffentlichkeit eines Staates behaupten kann, ist mir ein Rätsel. Das zeugt entweder von unendlicher Dummheit derer, die "ihn haben wollten" oder von ebenso unendlicher Verstrickung derjenigen, die um ihn herum sind oder sich von ihm abhängig wähnen.

 

Ob Italien jemals wieder zu normalen Verhältnissen zurückfinden kann?

 

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Wie gehabt! - USA-Veto im UNO-Sicherheitsrat hilft Israel

  

(- 40 - 19.09.2003) -  Eigentlich wollte ich mich zu dem Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern überhaupt nicht mehr äußern. Einerseits, weil ich den Eindruck habe, daß auf beiden Seiten nur noch Verrückte leben, die  - selbst ohne Sinn und Verstand - nur die Vernichtung der anderen Seite wollen, andererseits, weil man den Eindruck hat, daß es ohnehin nichts mehr gibt, was hilft. Denn was hat es geholfen, daß die Palästinenser mit dem Willen der USA mit Mahmut Abbas einen neuen Ministerpräsidenten bekommen haben, dem man zutraute, die Gewaltbereitschaft der eigenen Anhänger zu reduzieren - und gescheitert ist? Was hilft es, wenn palästinensische Terrororganisationen trotz der vereinbarten Waffenruhe weiterhin Selbstmordattentate inszenieren - zum Teil mit der Begründung als Vergeltung für israelische Übergriffe. Ist es in der Tat richtig, daß die Israelis, "mutmaßliche" Terroristenführer mit Raketen (!) gezielt bekämpfen und töten oder Häuser und Wohnungen solch "mutmaßlicher" Pesonen mit Bulldozern dem Erdboden gleichmachen? Ein ständiges idiotisches Wechselspiel, von dem jeweiligen Agitator als Rache für vorhergehende Übergriffe der anderern Seite hingestellt!

  

Daß ich mich nunmehr trotzdem noch einmal äußere, hängt mit den Umständen zusammen, die nach dem israelischen Beschluß über eine Ausweisung Jassir Arafats entstanden sind, und der damit im Zusammenhang stehenden öffentlichen Äußerung des israelischen Vizeregierungschefs Ehud Olmert, nach der die "Tötung Arafats" ebenfalls "eine Option" sei. - Man stelle sich das einmal vor! In zivilisierten Ländern gilt weltweit der Rechtsgrundsatz, daß niemand ohne rechtskräftiges Urteil mit Sanktionen belegt werden darf. Läßt das Verhalten israelischer Politiker vielleicht darauf schließen, daß Israel aus dem Kreis der "zivilisierten Länder" ausgeschieden ist? Auch das Verhalten Israels könnte eine solche Annahme bestätigen. Denn auch die gezielte Tötung "mutmaßlicher" Terroristen gibt einer solchen Vermutung Nahrung.Die Leute werden einfach liquidiert, und zwar ohne daß feststeht, ob es tatsächlich Terroristen sind.

  

Und nun haben die USA wieder gemauert. Nach einem von der arabischen Liga im Weltsicherheitsrat eingebrachten Resolutionsentwurf sollte Israel durch Beschluß dazu gebracht werden, von einer Ausweisung Arafats sowie von jeder Drohung gegen ihn Abstand zu nehmen. Eine solche Resolution haben die USA jedoch durch ihr Veto blockiert. Der UNO-Botschafter der USA John Negroponte begründete das Nein seiner Regierung damit, daß der arabische Entwurf radikal-islamische Bewegungen nicht ausdrücklich verurteilt habe. Man muß sich fragen, welche Windungen in den amerikanischen Hirnen zu solch einer "Verquickung" kommen. Der Resolutionsantrag war klar. Über ihn hätte ohne Wenn und Aber mit Ja oder Nein abgestimmt werden können. Wenn Amerika aber eine ausdrückliche Verurteilung radikal-islamischer Bewegungen gewollt hätte, hätte es selbst einen solchen selbständigen Antrag im UN-Sicherheitsrat einbringen können, über den man dann hätte abstimmen können. Hier zeigte sich wieder einmal, daß mit den USA "Verurteilungen" von Israel nicht zu machen sind; denn für die USA besitzt Israel offensichtlich "Narrenfreiheit".

  

Daß neben dem Veto der USA sich auch Deutschland (wie Großbritannien und Bulgarien) der Stimme enthalten hat, sei nur am Rande erwähnt. Denn auch deutsche Politiker verfügen nicht über genügend Zivilcourage, um eine gegen Israel gerichtete Resolution zu unterstützen. Sie leiden noch immer unter der "Erblast" des Dritten Reiches und bestätigen damit wieder einmal meine bereits im Beitrag Nr. 16 "Verfolgungswahn oder die Sache mit dem Judentum" geäußerte Auffassung.

  

Ob im "Heiligen Land" jemals wieder Ruhe und Frieden einkehren wird? So wie die Sache jetzt aussieht, hat die Welt dort erst dann Ruhe, wenn sie sich alle gegenseitig umgebracht haben!

 

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Eine mutige Entscheidung - Friedenspreis für Susan Sontag   

 

(-41- 15.10.2003) -  Schon mehrfach in der engeren Wahl für den Friedensnobelpreis hat sie jetzt doch eine hohe Auszeichnung erhalten. Susan Sontag, die unerschrockene amerikanische Vorkämpferin für soziale Gerechtigkeit und Frieden auf der Welt, hat den begehrten höchsten deutschen Buchpreis erhalten: Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels!

 Das war - so denke ich - eine ebenso gerechte wie eine Zeichen setzende mutige Entscheidung nach all den Querelen, die angesichts des völlig überflüssigen Alleingangs der USA bei dem Überfall auf den Irak getroffen werden konnte. Und wie "betroffen" die USA tatsächlich waren zeigt, daß der Amerikanische Botschafter in Deutschland der Ehrung in der Frankfurter Paulskirche ferngeblieben ist: Ein Affront, der beweist, welchen Stellenwert die Literatin Susan Sontag in den USA genießt. Sie wird nach wie vor als "Nestbeschmutzerin" und "Vaterlandsverräterin" gescholten. Sie weiß das und scheute sich nicht, das Fehlen eines Vertreters der USA bei der Preisverleihung "mit geeigneten Worten zu geißeln". Recht hat sie!

 

Aber der Stachel sitzt tief im amerikanischen Körper. Was hat die erbitterte Gegnerin der US-Politik dem Präsidenten George W. Bush schon "alles an den Kopf" geworfen! Die Frau, die ein großes Gefühl für Moral und Unmoral hat, die die "hysterischen Kriegslügen" ebenso fürchtet wie haßt, kann einfach nicht schweigen, wenn die amerikanische Regierung sich immer und immer wieder anschickt, ihr "imperiales Programm" in der Welt umzusetzen. Die Aufsehen erregende Rede am 13. September 2001 in der American Academy in Berlin (zwei Tage nach dem verheerenden Anschlag auf das World Trade Center in New York) - vgl. hierzu auch meinen Beitrag Nr. 33: "Selbstbetrug der USA" - muß die amerikansche Öffentlichkeit wie ein Faustschlag ins Gesicht getroffen haben. Und daß Susan Sontag mit ihren Überlegungen und Aussagen Recht hat, beweist die derzeitige Lage im Irak. Was ist denn geblieben von den "hehren" Zielen des amerikanischen "Schreibtisch-Präsidenten"? Er und seine gesamte "Besatzungsmacht" werden regelrecht "vorgeführt". Seine eigenen Soldaten müssen jetzt den Kopf hinhalten für eine verfehlte Politik und Größenwahn. Derweil thront er im Weißen Haus, sitzt im Warmen und Trockenen und klopft nach wie vor leere Sprüche. Er sollte sich die Lage im Irak einmal persönlich ansehen. Die Irakis werden sich sicher "freuen", wenn er kommt. Aber er wird nicht kommen; lieber macht er sich in die Hose!

 

Aber er wird mit der Tatsache leben müssen, daß ausgerechnet mal wieder die "geliebten" Deutschen eine in ihrer Heimat ungeliebte amerikansche Frau mit einer hohen Auszeichnung und Ehre bedacht haben.

 

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Antisemitismus bei Martin Hohmann (CDU) - Wie gehen wir damit um?

 

 (-42- 11.11.2003) -  Ehrlich gesagt: Es geht mir gewaltig auf den Geist! Offensichtlich hört die "Verfolgung" von mutmaßlichen Rechtsextremisten, die nichts anderes als Antisemitismus im Kopf haben, nicht auf. Seit dem 3. Oktober steht der CDU-Bundstagsabgeordnete Martin Hohmann, Fulda, auf der Abschußliste. Denn seit diesem Tag lesen und hören wir tagtäglich in Presse, Rundfunk und Fernsehen nicht nur in den Nachrichten, sondern auch in Beiträgen über Kultur und Politik - und sogar in Talk-Shows, was für ein schlimmer Verbrecher doch dieser Martin Hohmann sein muß und daß er "gefeuert" werden muß, so einen Mann, der in eine Reihe mit "rechtsextremen Brandstiftern" gestellt werden muß, wie der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, wieder sehr schnell urteilte und "es unerträglich fand, daß im deutschen Bundestag jemand Sitz und Stimme hat, der solches Gedankengut verbreitet". Und Wolfgang Fischer, Kommentator in der Rhein-Zeitung Koblenz stellte fest: "Was sich Hohmann geleistet hat, reicht weit über das Verzeihbare hinaus".

 

Ehrlich gesagt: Da komme ich nicht mehr mit! Man sollte sich den Text der Rede Hohmanns, die dieser zum Nationalfeiertag am 3. Oktober gehalten hat, genauer anschauen. Alle, die sich als "Kräutchen-rühr'-mich-nicht-an" fühlen, mögen recht haben, wenn sie feststellen, daß Hohmann mit dem Vergleich einer "Täterschaft" und eines "Tätervolkes" hinsichtlich der aktiven Beteiligung von Juden am russischen Bolschewismus "zu weit gegangen" ist. Ich selbst räume ein, daß ich einen solchen Vergleich nicht "gewagt" hätte. Aber die nicht enden wollenden Reaktionen in der Öffentlichkeit bei Politikern, Medien und allen möglichen Gesellschaftsgruppen halte ich für völlig überzogen. Eine Rüge für Hohmann hätte ausgereicht; ihn deshalb aus der Partei ausschließen zu wollen, ist absurd.  

 

Wir sollten in Deutschland etwas gelassener reagieren. Nicht jeder, der etwas gegen Juden sagt, muß zwangsläufig ein Antisemit sein, so wie nicht jeder, der etwas gegen Moslems, den Vatikan, die Russen oder die USA sagt, nicht zwangsläufig ein Anti-Islamist, ein Anti-Katholik, ein Russenhasser oder Amerikafeind sein muß. Wo kommen wir denn hin, wenn nicht jeder - wie es im Grundgesetz verbürgt ist - seine Meinung äußern darf. Warum sollte man seine Unzufriedenheit nicht "hinausschreien" dürfen"? Doch halt! Wir dürfen ja. Wir dürfen uns negativ zum Islam, zum Vatikan, über die Russen und - wie zuletzt vehement geschehen - auch über die Amerikaner äußern. Das wird alles geduldet. Nur wenn wir etwas sagen, was auch nur im entferntesten etwas mit dem Judentum zu tun hat, dann hört der Spaß auf. Dann verhalten wir uns rechtsextremistisch, judenfeindlich, antisemitisch. Und so etwas wird in Deutschland nicht geduldet, das geht zu weit, das ist unverzeihlich.

 

Wo, frage ich, ist eigentlich unser Selbstbewußtsein geblieben. Die Politiker und die Medien machen sich in die Hose, wenn sie so etwas wie von Hohmann vernehmen. Und selbst wenn Hohmann angesichts des Verhaltens im Bolschewismus die Juden in die Nähe eines "Tätervolkes" gerückt hat, dann muß das nicht die Unwahrheit sein. Was heißt überhaupt "Tätervolk"? Sind nur die Deutschen angesichts der Verbrechen im Dritten Reich an den Juden ein Tätervolk? Welches Volk der Erde kann allen Ernstes von sich behaupten, kein Tätervolk zu sein? Was ist mit den alten Persern und Römern, den Tataren, den Hunnen, den Mongolen, den Wickingern und Türken?  Was ist mit den "Welteroberern" und Kolonialmächten England, Frankreich, Spanien und Portugal? Und was ist mit den neueren Mächten und Gruppierungen wie Russland und USA, mit vielen afrikanischen Stämmen wie Hutus und Tutzis und anderen, die dort ihr Unwesen getrieben haben und noch immer treiben? Und was ist auch mit dem aktuellen Israel und den Palästinensern? Sind das nicht alles Tätervölker? Ja, sie sind es, und man darf das auch in aller Öffentlichkeit unwidersprochen äußern. Aber Juden? Gott bewahre! Wie kommen wir dazu, die Juden ein Tätervolk zu nennen? - Etwas mehr Gelassenheit wäre angebracht.

 

Und so werden wir die "Erblast" des Dritten Reiches noch für unendliche Generationen mit uns herumtragen müssen. Das Trauma wird uns weiter verfolgen und immer wieder zu Ausbrüchen führen. Wir werden uns weiter rechtfertigen müssen, so wie es Möllemann tun mußte und dafür in den Tod getrieben wurde und so wie es jetzt Hohmann tun muß. Er wird gehetzt werden, bis er aufgibt. Dann sind wir dort, wohin uns der "Saubermann" Michel Friedmann, ehemaliger Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland - inzwischen selbst "unangenehm auffällig" geworden und "gezwungenermaßen" von seinen Ämtern zurückgetreten - haben wollte, indem er festgestellt hat:

 

"Versöhnung ist ein absolut sinnloser Begriff. Den Erben des judenmordenden Staates kommt gar nichts anderes zu, als die schwere historische Verantwortung auf sich zu nehmen, generationenlang, für immer!"

 

Das ist es wohl, weshalb wir zu schweigen haben. Das auserwählte Volk Gottes ist tabu für jede auch noch so berechtigte Kritik. Die heilige Kuh darf nicht geschlachtet werden.

 

Es wird ob vorstehender Gedanken eine Menge Leute geben, die mich in die rechte Ecke stellen, die mich als Ausländerfeind und Antisemit beschimpfen werden. Und ich werde all dies ertragen müssen, so wie Möllemann und viele andere. Aber ich werde nicht aufhören zu behaupten, daß solche Leute unrecht haben. Ich bin nicht, für was sie mich halten. Ich ertrage nur keine Ungerechtigkeiten und bin selbstbewußt und stark genug, Unrecht anzuprangern und es auch als Unrecht zu bezeichnen. Und das ohne Ansehung der Person (oder Nation), so wie ich es schon in anderen Beiträgen getan habe [vgl. vorstehend unter POLITIK Nr. 3: "Züchtung von (Rechts)radikalen?", Nr. 16: "Verfolgungswahn oder die Sache mit dem Judentum", Nr. 32: "Eine neue Form von Stern an der Brust" sowie im Abschnitt GESELLSCHAFT Nr. 23: "Israel? - Judentum? - Ein Trauma für Deutschland"].

 

Es ist wie mit der Verschwörungstheorie. Wenn eine solche nur oft genug wiederholt wird, dann wird sie zur Wahrheit. Es ist sozusagen die Repetierung, die permanente Penetrierung mit derselben Botschaft, die eine Verschwörungstheorie   in einen Wahrheitsstatus hebt. Und deshalb sage ich: Was im Dritten Reich mit den Juden geschehen ist, ist eine ungeheure Schweinerei, ich schäme mich dafür, es ist absolut verabscheuungswürdig und ins Höchste zu verurteilen. Ich sage aber auch: Ich  habe dafür keine Verantwortung und bin nicht schuldig - auch wenn bestimmte Kreise immer und immer wieder versuchen, das Gegenteil zu behaupten.

 

 

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Wer hat die die verrücktesten Ideen? - Wieder einmal die FDP!

  

(-43- 20.02.2004) - Für viele mag es eine gute Idee sein, was sich die FDP bei ihrem letzten rheinland-pfälzischen Landesparteitag im Dezember 2003 hat einfallen lassen und über die ihr Wirtschaftsminister Artur Bauckhage im Januar laut hat nachgedacht. Im Rahmen einer Struktur- und Gebietsreform sollen die Verbandsgemeinden und die Landkreise in Rheinland-Pfalz auf den Prüfstand! Nun kennen wir schon die Ideen der FDP in dieser Hinsicht, allen voran die Ideen ihres "großen" Vorsitzenden Rainer Brüderle und vor allem des Hans Hermann Dieckvoss, die vor Jahren schon das Aus der Bezirksregierungen erfolgreich betrieben haben. Und was dabei herausgekommen ist, haben wir zur Genüge erfahren: Nichts, nur Schrott! - Wird uns jetzt dasselbe passieren?

  

Nun, im Ansatz ist die Überlegung sicher nicht abwegig. Richtig ist, daß wir im Lande zuviele "Kleineinheiten" haben; Einheiten, die "bereinigt" werden müssen. Ich denke dabei an die vielen sogenannten "Großen kreisangehörigen Städte" - vor allem in der Pfalz - und an die hauptamtlichen "Parallelverwaltungen" in den größeren Städten und Gemeinden. Muß es sein, daß wir beispielsweise getrennte Städte- und Kreisverwaltungen in ein und derselben Stadt haben mit gewaltigem Personal- und Verwaltungsaufwand? Hier könnte der Hebel angesetzt werden, nachdem wir schon in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Rheinland-Pfalz eine umfangreiche Gebiets- und Verwaltungsreform erlebt haben. Damals schon wurden Kreis- und Verbandsgemeinden - und auch Ortsgemeinden - zu größeren Einheiten "zusammengelegt", in einigen Landesteilen sogar Verbandsgemeinden erstmals "geschaffen". Was aber an der Diskussion stört, ist die Überlegung, gerade die Verbandsgemeinden zu Gunsten neuer hauptamtlicher Gemeindeverwaltungen aufzulösen oder zu reduzieren; noch größere Verwaltungseinheiten auf der Ortsebene zu bilden, um damit die Verwaltung grundsätzlich "billiger" und "effizienter" zu machen. Eine solche Lösung führt ebenso nicht zur Verbilligung der Verwaltung wie das auch bei der "Umstrukturierung" der Bezirksregierungen nicht eingetreten ist. Nicht eingetreten ist gerade zu dem Zeitpunkt, zu dem in Nordrhein-Westfalen die Bezirksregierungen durch die Verlagerung von Aufgaben von untern nach oben "aufgewertet" worden sind. Wer also so etwas fordert, hat von Verwaltung keine Ahnung! So etwas kann nur in den Hirnen von Politikern wachsen, Verwaltungsfachleute sehen das ganz anders!

  

Wie wäre es zum Beispiel, wenn die Politiker einmal darüber nachdächten, "schlankere Strukturen" sozusagen "von oben" einzuleiten"? Nicht immer - unter Verschonung des eigenen Interesses und Vorteils - unten sondern oben anzufangen. Wie wäre es, einmal über die eigene Position nachzudenken und sich zu fragen, ob wir in Deutschland 16 Bundesländer haben müssen - acht oder neun würden auch ausreichen. Was könnte hier alles eingespart werden (vgl. hierzu auch meinen Beitrag Nr. 31 vom 10.11.2002: "Alle müssen sparen? - Von der Moral in der Politik") Ich möchte aber nicht wiederholen, was ich an dieser Stelle schon vor drei Jahren mit meinem Beitrag vom 12.02.2001 gesagt habe (vgl.: Beitrag Nr. 12: "Geben und nehmen - oder: Streit beim Länderfinanzausgleich"). Daß sich im letzten Jahr zwei oder drei Ministerpräsidenten in diesem Sinne geäußert haben ist löblich, mehr aber nicht. In Wirklichkeit wollen sie gar keine Veränderung auf Landesebene, wie die Reaktion des saarländischen Ministerpräsidenten in seltener Übereinstimmung mit der SPD-Opposition auf die "Anfrage" des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten gezeigt hat. Und so wird "oben" alles beim alten bleiben. Die Posten und Pöstchen sind nicht in Gefahr, die Pfründe nicht und damit auch nicht die Versorgung auf Lebenszeit.

 

Eigentlich müßte es Artur Bauckhage als Kommunalpolitiker aus dem Westerwaldort Daaden besser wissen. - Und die FDP auch!

 

  

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USA und Gerechtigkeit? - Da paßt vieles nicht zusammen

(-44- 11.03.2004) - Schon lange brodelt es nicht nur in der Welt - zunehmend auch in den USA. Die Kritik an dem   „völkerrechtswidrigen" Krieg gegen den Irak unter einem Schein-Vorwand, geführt von einem großspurigen und machtbesessenen Präsidenten, der sich selbst als den Heilbringer der Menschheit versteht, will nicht verstummen. Ob der geißelnden Äußerungen der amerikanischen Literaten Susan Sontag und Michael Moore wendet sich die Stimmung gegen George W. Bush auch im eigenen Land immer mehr. Die täglichen Meldungen über die USA nicht nur seit dem Überfall auf den Irak, sondern schon seit dem 11. September 2001 verleiten zu Überlegungen und Gedanken über das tatsächliche US-Amerika, vor allem über dessen politische Führung. Und dabei muß man - zumindest in Teilbereichen - zu der Überzeugung kommen, daß dieses Amerika beileibe nicht so ist, wie es der Präsident darstellt.

 

Von Freiheit und Gerechtigkeit, Stärke und Selbstbewußtsein ist da die Rede. Schaut man jedoch etwas näher hin, stellt sich oft etwas ganz anderes heraus.

 

Gerade vor zwei Tagen sind die USA wieder ins Gerede gekommen. Eigentlich hätte etwas Positives herauskommen müssen; denn fünf britische Bürger sind aus dem berüchtigten Lager in Guantánamo entlassen worden. Aber anstatt Lob einzuheimsen, müssen sich die USA wieder die Frage gefallen lassen, was diesen Häftlingen überhaupt vorgeworfen worden ist und wieso diese unter „unmenschlichen", zumindest unwürdigen Verhältnissen eingesperrt waren. Die Männer waren - wie viele andere noch immer - fast zwei Jahre ohne Anklage interniert. Sie durften weder mit einem Anwalt sprechen, noch erfuhren sie, was ihnen konkret zur Last gelegt wird. Weil man sie auf dem Schlachtfeld in Afghanistan aufgegriffen habe, meldete der Londoner „Daily Telegraph" unter Berufung auf eine anonyme Quelle in der US-Regierung. Jetzt hat man die Männer nach England „abgeschoben" unter der „Bedingung", daß Großbritannien jedes mit ihnen verbundene Sicherheitsrisiko ausschließen müsse. - Ein seltsames Rechts- und Selbstbewußtsein ist dies. Von der Festnahme bis zur Entlassung der Männer nur Ungereimtheiten, nur Völker- und Menschenrechtsverletzungen durch die selbsternannten Gralshüter, die sich gar in letzter Minute noch nicht verkneifen konnten, ihrem „Verbündeten" Großbritannien vorzuschreiben, wie er mit den Entlassenen umzugehen hätte! Aber die fünf sind inzwischen auf freiem Fuß. „Sie stellen keine Gefahr für die nationale Sicherheit dar", erklärte Innenminister David Blunkett.

 

Vor vier Tagen haben die USA ein Team von US-Juristen in den Irak entsandt, um einen Prozeß gegen den in amerikanischem Gewahrsam befindlichen ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein vorzubereiten. Dabei war auch die Rede davon, Hussein möglicherweise vor ein Kriegsverbrecher-Tribunal zu bringen. Hierbei stelle ich mir die Frage, für welches Kriegsverbrechen Hussein angeklagt werden könnte. Eher wäre ein solches Verfahren gegen George W. Bush denkbar, der unter Mißachtung der UNO den Irak kriegerisch überfallen hat. - Auch vor einem amerikanischen Militärgericht könnten die USA den irakischen Ex-Präsidenten anklagen (nicht, weil sie Recht, sondern nur die Macht dazu haben). Da ein solcher Prozeß nicht öffentlich geführt wird, hätten die USA dadurch den Vorteil, nicht in aller Öffentlichkeit mit unangenehmen Fragen und Zeugenaussagen hinsichtlich der amerikanischen früheren Unterstützung des irakischen Machthabers konfrontiert zu werden.

 

Eine kleine Notiz war es nur, die Ende Februar fast unbemerkt durch die Presse ging. Darin war zu bestaunen, daß zwei Monate nach der libyschen Verzichtserklärung zu Massenvernichtungswaffen die US-Regierung für ihre Bürger das Reiseverbot nach Libyen aufgehoben und amerikanischen Firmen die Rückkehr dorthin erlaubt hat. Ein Vergleich mit den kommunistischen Machthabern in der ehemaligen DDR tut sich auf. Diese haben ihren Bürgern auch nicht erlaubt, in ein Land ihrer Wahl zu reisen und stattdessen ihr eigenes Land mit einer Mauer umgeben. Wie frei, gerecht und demokratisch ist eigentlich ein Land (ich meine die USA), die ihren (freien) Bürgern vorschreibt, in welches Land sie reisen dürfen oder nicht? So etwas ist in Deutschland, Frankreich oder Großbritannien (alle gehören zum „alten" Europa) nicht denkbar. Armes Amerika! Alles nur Fassade!

 

Die Europäische Union sah sich vor einigen Tagen gezwungen, „Strafzölle" für den Import bestimmter Waren aus den USA zu verhängen. Dies ist die gerechte Konsequenz für die von der amerikanischen Regierung „unberechtigten" Subventionen ihrer eigenen Wirtschaft. Die Strafzölle sollen jedoch in dem Maße wieder abgebaut werden, wie die Subventionen eingeschränkt werden. Die Subventionen hatten nur den Zweck, den Welthandel mit den USA zu erschweren und der eigenen Wirtschaft den Handel zu erleichtern und größere Gewinne zu verschaffen..

 

In Deutschland reden wir uns die Köpfe heiß, ob die Türkei in die Europäische Union aufgenommen werden soll. Die Mehrheit des deutschen Volkes ist u.a. deshalb dagegen, weil in der Türkei angeblich „die Demokratie noch nicht ausreichend verwirklicht sei". Dabei tut die türkische Regierung alles (selbst bis zur Aufhebung der Todesstrafe, die schon seit einigen Jahren nicht mehr vollstreckt worden ist), um die Aufnahme für die „etablierten" EU-Länder akzeptabel zu machen. Von einer Aufhebung der Todesstrafe (oder Verzicht auf deren Vollstreckung) ist in den USA jedoch keine Rede. Gerade George W. Bush ist als ehemaliger Gouverneur von Texas geradezu ein Verfechter dieser Strafe; werden doch noch heute in Texas mehr Todesstrafen verhängt und vollstreckt als in jedem anderen amerikanischen Bundesstaat. Schöne Freunde sind das in Amerika. Das Sprichwort sagt: „Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich sage Dir, wer Du bist". Und die Türkei soll draußen bleiben. Aber Israel hat auch schon einmal verlauten lassen, möglicherweise in die EU aufgenommen zu werden. Wetten, daß Deutschland dazu „ja" sagen würde, obwohl Israel eindeutig nicht in Europa liegt! Was bliebe uns auch anders übrig, um nicht erneut von der Weltöffentlichkeit als „antisemitisch" verschrieen zu werden.

 

Vor einer Woche hat der Bundesgerichtshof (BGH) ein Urteil des Hamburger Oberlandesgerichts im sogenannten „Hamburger Terrorprozeß" gegen den mutmaßlichen Marokkaner Mounir el- Motassadeq aufgehoben, der zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt worden war. Die BGH-Entscheidung gründet auf der Tatsache, daß die USA dem Angeklagten entlastende Beweismittel vorenthalten haben. Ein möglicher, in den USA festgehaltener Zeuge hätte - so das Gericht - nicht vernommen werden können, weil die US-Regierung ihre Mitwirkung verweigerte. Warum wohl? Weiß sie vielleicht, dass el-Motassadeq möglicherweise unschuldig ist? Mit der Erklärung des Vorsitzenden Richters Klaus Tolksdorf in der Urteilsbegründung: „Die Bekämpfung des Terrorismus kann kein wilder, ungeregelter Krieg werden" wurde jedenfalls der US-Regierung der Spiegel vorgehalten. Da der Fall neu verhandelt werden muß, kann Amerika sich jetzt überlegen, prozessual mitzuwirken oder Gefahr zu laufen, daß der „Angeklagte" endgültig freigesprochen wird.

 

Angelehnt an die Verse des Hoffmann von Fallersleben könnte man heute singen: „Amerika, Amerika über alles, über alles in der Welt". So jedenfalls würde es George W. Bush gern sehen, der sich mit seiner Regierung hinsichtlich seines Landes über alles hinwegsetzen möchte und auf vielen Gebieten auch hinwegsetzt (vgl. hierzu auch meine Politik-Beiträge Nr. 23, 33, 3435, 36 und 38).

Wann hört der amerikanische Wahnsinn endlich auf?

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Israel tötet Scheich Jassin - Die Welt hält den Atem an

(-45- 24.03.2004) -  Vor ziemlich genau zwei Jahren (vgl. vorstehenden Beitrag Nr. 24 unter POLITIK:  "Ariel Scharon: Der Gorilla von Jerusalem - der Schlächter von Palästina") war schon die Rede von den widerrechtlichen und gezielten Tötungen palästinensischer Bürger durch die Israelis. Seitdem hat sich solches mehr oder weniger regelmäßig wiederholt. Außer einer Meldung in den Medien hat sich darüber inzwischen niemand mehr aufgeregt. Vorgestern jedoch war alles anders. Auf persönlichen Befehl des israelischen Regierungschefs Ariel Scharon hat die israelische Armee den an den Rollstuhl gefesselten 67-jährigen geistlichen * * *Führer der radikalislamischen Palästinenserorganisation HAMAS, Scheich Ahmed Jassin, mit drei (!) Raketen getötet, gerade als dieser nach dem Morgengebet eine Moschee in Gaza verlassen hatte. Mit ihm fanden sieben weitere Palästinenser bei dem Angriff den Tod. Israel begründete die Tötung mit der Erklärung, Jassin sei "der gefährlichste Terroristenführer" gewesen.

 

Hatten sich die übrigen Staaten in der Welt bei der gezielten Tötung "kleiner" Palästinenser bisher relativ ruhig verhalten, so ging jetzt ein Aufschrei durch die Welt. Die EU-Außenminister verurteilten den "Anschlag" auf Scheich Jassin, und EU-Außenbeauftragter Javier Solana stellte fest, daß Israel kein Recht zu diesen "außergerichtlichen Tötungen" habe. Der deutsche Außenminister Joschka Fischer brachte das Wort "Mörder" jedoch nicht über seine Lippen als er erklärte: "Terror und Gewalt werden nur zu weiteren unschuldigen Opfern führen".

 

Die US-amerikanische Regierung hat angeblich von dem Anschlag auf Jassin nichts gewußt.Von einer Verurteilung Israels war jedoch in Amerika nichts zu hören. Stattdessen verloren sich der Sprecher des Weißen Hauses und die Präsidenten-Beraterin Condoleezza Rice ebenso wie der US-amerikanische Botschafter in Berlin in allgemeinem, nichtssagenden Geschwafel über die Gefährlichkeit der HAMAS, aus dem unterschwellig zu entnehmen war, daß die Palästinenser die Tötung Jassins durch ihr Verhalten selbst verschuldet hätten. Die HAMAS schrecke auch vor (Selbstmord)-Anschlägen gegen Israel nicht zurück.

 

Unterdessen haben die Palästinenser den Weltsicherheitsrat um Hilfe angerufen. Dagegen erhob der iseraelische UN-Botschafter schwere Vorwürfe gegen den Sicherheitsrat, der Jassins Verantwortung für hunderte Tote durch Ánschläge niemals verurteilt habe.Auf eine gemeinsame Reaktion konnte sich der Sicherheitsrat jedoch nicht einigen, weil (wieder einmal) die USA ein Veto gegen eine mögliche Verurteilung Israels angekündigt hatten (zu solchen Verhaltens der USA vgl. auch meinen vorherigen Beitrag Nr. 40 unter POLITIK: "Wie gehabt! - USA-Veto im UNO-Sicherheitsrat hilft Israel").

 

Und Israel und Scharon fühlen sich vollig im Recht. "Wir haben das elementare Recht, uns selbst zu verteidigen", tönte Scharon. Kein Bedauern, kein Schuldgefühl. Da werden Menschen (und seien sie noch so bösartig) entgegen dem Rechtsgefühl der ganzen Welt ohne gerichtliche Anklage einfach getötet, ermordet! Diejenigen, die so handeln sind Mörder! Ein anderes Wort gibt es dafür nicht. Bedauerlich ist nur, daß solche Mörder ungeschoren bleiben; sie brauchen keine Anklage zu fürchten, obwohl sie eigentlich vor ein internationales Gericht gestellt und verurteilt werden müßten. Scharon mordete und mordet noch immer aus sicherer Distanz. Das ist etwas anderes als die sogenannten "Selbstmordattentäter", die bei ihrem Morden sich auch selbst opfern. Würde Scharon dasselbe tun, brauchte man darüber kein Wort zu verlieren.Und Jassin sagte dazu: "Die Palästinenser haben keine Apache-Hubschrauber oder F-16-Flugzeuge oder Panzer oder Raketen. Sie haben nur sich selbst, um als Märtyrer zu sterben". Das ist eben der Unterschied.

 

Ich bleibe bei dem, was ich schon vor zwei Jahren gesagt habe: "Scharon ist in meinen Augen die größte Bedrohung für den Frieden im Nahen Osten". Denn durch diese widerrechtliche Tötung Jassins hat er vermutlich eine Lawine losgetreten. Das werden sich die Palästinenser sicher nicht gefallen lassen. Sie sinnen auf Rache, und die HAMAS hat bereits erklärt, daß sie Scharon ebenfalls mit einem Anschlag töten will. Und das wäre dann - so es geschieht - ebenfalls widerrechtlich!

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 Der Fall Daschner. - Ist Foltervorwurf gerechtfertigt?

 (-46- 22.11.2004) -  Lange nicht mehr hat es soviel Aufregung in der Bevölkerung gegeben. Der Frankfurter Polizei-Vizepräsident Wolfgang Daschner und ein Ermittlungsbeamter müssen sich vor Gericht wegen des Vorwurfs der Folterung  des Entführers des Bankierssohnes Jacob von Metzler verantworten. Während einige Medien - allen voran die taz, die in einem Beitrag vom 19.11.2004 die Höchststrafe für Daschner forderte - eine Verurteilung der Angeklagten für gerechtfertigt halten, schlagen die Meinungen des überwiegenden Teils der Bevölkerung hohe Wellen. Von "kein Verständnis für die Anklage" über "Skandal" und "Gewalt" bis hin zu "Mörder wird zum Opfer" reichen die Meinungen weiter Bevölkerungskreise, die aussagen, Daschner habe richtig gehandelt, weil er sich in einem "übergesetzlichen Notstand" befunden und das Leben des entführten Opfers zu Recht höher eingeschätzt habe als die körperliche Unversehrtheit des verbrecherischen Entführers Magnus Gäfgen.

Die schier unüberbrückbare Meinungsverschiedenheit über die Recht- oder Unrechtmäßigkeit der Haltung Daschners  wurde auch in der Fernsehsendung der ARD SABINE CHRISTIANSEN am 21. November 2004 deutlich. Keiner der sechs Beteiligten rückte in der Diskussion von seiner Anfangsmeinung ab, und trotzdem gab es Einstimmigkeit in der Aussage, daß auf keinen Fall die nationalen und internationalen Vorschriften und Vereinbarungen über ein absolutes Verbot der Folterung aufgeweicht oder gar eingeschränkt werden dürfen. So lieferten sich auf der Pro-Daschner-Seite Wolfgang Bosbach (stellvertretender Fraktionschef der CDU/CSU im Deutschen Bundestag), Rolf Jaeger (stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter) sowie der ehemalige leitende Kriminalbeamte Dieter Langendörfer (Chefermittler im Entführungsfall Reemtsma) und auf der Anti-Daschner-Seite Hans-Christian Ströbele (stellvertretender Fraktionschef des B'90/Grüne im Deutschen Bundestag), Barbara Lochbihler (Generalsekretärin der deutschen Sektion von amnesty international) sowie Jochen Senf (Schauspieler und "Tatort"-Kommissar) heftige und unnachgiebige Wortgefechte.

Hierbei wurde auf der Pro-Seite die Meinung vertreten, daß in einer besonders schwierigen Rechtslage wie im vorliegenden Fall und unter gewissenhafter Abwägung der unterschiedlichen Rechtsgüter es möglich sein müsse, auch körperliche Gewalt gegen einen Straftäter androhen oder gar anwenden zu dürfen, wenn das Leben des Opfers des Gewaltverbrechens erhalten oder geschützt werden soll. Die Anti-Seite ließ dagegen keine Ausnahmen zu. "Das absolute Folterverbot ist für mich nicht antastbar", so Ströbele. Und Barbara Lochbihler ergänzte: "Das Folterverbot darf in keinem Notstand relativiert werden". Wenn beide dabei auf die "unabsehbaren Folgen" wie "Abu Ghraib" oder "Guantánamo" hinwiesen, ist dies für mich nicht nachvollziehbar. Hier wurden wohl Äpfel mit Birnen verglichen und es ist nicht zu verstehen, daß beide Personen das nicht bemerkt haben. Weder in Abu Ghraib noch in Guantánamo ging es um die Befreiung eines entführten Kindes und die Beendigung einer unmittelbaren Todesdrohung.

Wenn - wie viele meinen - das Folterverbot absolut ist, der Lebensschutz aber nicht, bleibt die Frage unbeantwortet, wie die Polizei in vergleichbaren Fällen vorgehen darf. Oder ist die Antwort so eindeutig, daß Leben auf's Spiel gesetzt wird, weil man einem "Verbrecher" noch nicht einmal mit der Zufügung körperlichen Schmerzen drohen darf? Die Frage ist theoretisch, die lautet: "Hätten Ströbele oder Lochbihler nicht ebenso gehandelt wie Daschner, wenn es um ihr eigenes Kind gegangen wäre"? Ich kann mir das nicht vorstellen, wohl aber, daß ich selbst in vergleichbarer Situation den Entführer solange eigenhändig verprügelt hätte, bis er mir das Versteck meines entführten Kindes verraten hätte.

Ist es nicht, wie ein Leserbriefschreiber fragte, nicht auch schon Folter bei der polizeilichen Aufforderung: "Halt, Stehen bleiben oder ich schieße!"? Wo ist da der Unterschied? Ist aber jemals deswegen ein Polizist vor Gericht gestellt worden? Und wäre die Konsequenz bei der Schießdrohung nicht entschieden nachhaltiger als bei der bloßen Drohung der Anwendung körperlicher Gewalt?

Ich betone ausdrücklich, daß ich die Folter ablehne. Es ist auch anzunehmen, daß Daschner sie ablehnt. Er aber befand sich in einer schier ausweglosen Situation und traf eine Gewissensentscheidung für sich. Er entschied sich für das Leben des entführten Kindes. Und das macht die Staatsanwaltschaft ihm zu Vorwurf. Hätte er es nicht getan, würde ihm dieselbe Behörde (und wohl auch die Medien) "unterlassene Hilfeleistung" zum Vorwurf machen. Zum Vorwurf machen genauso wie die Aussage Daschners, daß er im vergleichbaren Fall erneut so handeln würde. Die Haltung ehrt ihn in meinen Augen. Er hat Zivilcourage bewiesen und steht dafür ein und dafür auch vor Gericht.

Der Gesellschaft würde aber gut zu Gesichte stehen, würde Daschner wegen eines nicht schwerwiegenden Falls einer Folterdrohung lediglich zu einer geringen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt und gleichzeitig für besondere Verdienste mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet werden.

Für mich steht jedenfalls fest, daß der Versuch der Rettung eines entführten Kindes nicht nur moralisch, sondern auch gesetzlich höher einzustufen ist als die konkrete Androhung körperlicher Gewalt gegenüber einem Schwerverbrecher. Anders ausgedrückt: Sowohl Gesetze als auch internationale Konventionen müssen dem Wohle der Menschen dienen und für das Leben da sein.

Das Leben steht über den Gesetzen!

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Erneut "Selbstbediener" im Visier - Politiker im Korruptionsverdacht?

 (-47- 07.01.2005) - "Die Dummen sterben nicht aus" oder "Dumm geboren und nichts hinzu gelernt" könnte man angesichts der neueren Offenbarungen denken, nach denen deutsche Politiker in Bund und Ländern es sich nicht nehmen lassen, trotz ihrer politischen Ämter oder Mitgliedschaft in Bundestag oder Landtagen "Gehälter" oder sonstige Zuwendungen aus der Industrie oder Wirtschaft zu beziehen. 

 

Da stolperte der CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer ebenso wie der Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse Hermann-Josef Arentz über Zahlungen, die ihr ehemaliger Arbeitgeber RWE-AG Essen geleistet hat. Arentz erhielt über viele Jahre unbemerkt 60.000 Euro pro Jahr. Beide traten von ihren politischen Ämtern zurück. Als neuestes Beispiel ist Hildegard Müller (CDU-Präsidiumsmitglied) aufgefallen, weil sie weiterhin ein Salär von der Dresdner Bank bezieht. Sie tritt aber nicht zurück, weil sie behauptet, für die Bezüge der Dresdner Bank auch eine adäquate Leistung für die Firma zu erbringen. Doch das hähmische Grinsen über dererlei Gebaren ist der SPD schnell vergangen; tauchten doch da die beiden Fälle der niedersächsischen Landtagsabgeordneten Hans-Hermann Wendhausen und Ingolf Viereck auf, die bei der VW-AG Wolfsburg noch immer auf der Gehaltsliste standen. Dem Vernehmen nach haben beide inzwischen auf die Entgegennahme weiterer Zahlung verzichtet.- Aber auch die FDP ist wohl nicht so sauber, wie sie sich gerne gibt. Jürgen Creutzmann zum Beispiel, Vizepräsident des rheinland-pfälzischen Landtages, wird von der BASF-AG Ludwigshafen für seine Tätigkeit als "leitender Angestellter im Rechnungswesen" ebenso bezahlt wie der Bundestagsabgeordnete Daniel Bahr für seine Mitarbeit bei der Dresdner Bank. Und auch die Bundestagsabgeordnete Ulrike Flach bezieht gerademal so nebenher 60.000 Euro von der Siemens-AG. Man weiß, daß neben den vorgenannten Firmen unter anderen auch die Bertelsmann-AG und die Ruhrkohle-AG weiterhin Gehälter an ehemalige Mitarbeiter zahlen.

 

Schon früher gerieten auch andere Politiker ins Gerede. Rudolf Scharping (SPD) zum Beispiel stolperte in der "Hunzinger Affaire". Der inzwischen verstorbene FDP-Bundestagsabgeordnete und Wirtschaftsexperte Günther Rexrodt arbeitete gleichzeitig im Vorstand der PR-Firma WMP, deren Vertrag mit der ehemaligen Bundesanstalt für Arbeit im Herbst 2003 für mächtigen Ärger gesorgt hatte. Und auch die Grüne-Finanzexpertin Christine Scheel bezog Einkünfte aus ihrer Tätigkeit in mehreren Beiräten von Versicherungen. Noch früher munkelte man schon, Ex-Bundeswirtschaftsminister Graf Lambsdorf (FDP) sitze gleichzeitig in 25 Aufsichtsräten führender deutscher Wirtschafts- und Finanzunternehmen.

 

Es ist kein Wunder, daß immer stärker der Ruf nach einer Offenlegung der Nebeneinkünfte von politischen Mandatsträgern laut wird. Während SPD und die Grünen solches fordern, lehnen CDU/CSU und die FDP solche Bestrebungen ab. Der parlamentarische Geschäftsfüher der CSU-Landesgruppe, Peter Ramsauer, nannte in der Frankfurter Rundschau solche Vorschläge "skurill und absurd".  Kein Wunder ist auch, daß angesichts solchen Verhaltens die Normalbürger stinksauer sind. So zweifelt auch die Lausitzer Rundschau in einem Beitrag vom 12. Dezember 2004 bei der Frage zu Politikern und ihren Nebenjobs, ob es sich dabei noch um wahre Volksvertreter handele. Denn in der Tat müsse man sich fragen, ob sich jene Politiker tatsächlich noch ihrem Gewissen oder eher ihren Beraterverträgen verpflichtet fühlten

 

Auf der einen Seite beklagen viele Politiker den "Ganztagsjob" mit bis zu 15 Stunden Arbeit täglich. Auf der anderen Seite gibt es aber offenbar Politiker, die nicht soviel zu tun haben; denn sie haben genügend Zeit, sich mit Aufsichtsräten, Beraterverträgen oder sonstigen Nebenjobs herumzuplagen, für die sie gern eine Menge Geld in den eigenen Säckel schaufeln. Was dabei in ihren Köpfen vorgeht, wissen wohl nur sie selbst; jedenfalls ist von Unrechtsbewußtsein keine Spur zu bemerken. Wenn man mehrere Jobs gleichzeitig ausübt, kann bei keinem etwas Vernünftiges herauskommen; denn schließlich hat ein Tag nur 24 Stunden. Ist es da ein Wunder, daß sie sich vieler Vorurteile und Verdächtigungen ausgesetzt fühlen? Es wird höchste Zeit, daß die Nebentätigkeiten und Nebeneinkünfte öffentlich gemacht werden, damit sich jeder Bürger ein Bild von "seinem" Mandatsträger machen kann. Nur wer "Dreck am Stecken" oder sonstwie etwas zu verbergen hat, wird sich solcher Forderung widersetzen. Und offensichtlich gibt es gerade bei der CDU/CSU und der FDP eine Menge davon.

 

Was die Selbstbedienung und die Moral in der Politik angeht, sei auch auf meine Beiträge unter POLITIK, lfd.-Nr. 27 Politiker - die Meister der Selbstbedienung und Nr. 31 Alle müssen sparen - Von der Moral in der Politik hingewiesen.

 

Alle die, die involviert sind, sollten sich schämen. Das aber ist wohl ein Gefühl, was solche Menschen nicht kennen.

 

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G E S E L L S C H A F T

 

Da gibt es eine Gesellschaft,

 

 

 

 

 

von der man den Eindruck hat, dass sie nur an sich selbst denkt, insbesondere dann, "wenn der Staat lenkend eingreift". Eine Gesellschaft, die vom Staat alles fordert und selbst nicht bereit ist, etwas zu geben. Eine Gesellschaft, die in allen Bereichen "Spaß haben

 

 

 

möchte" aber möglichst wenig arbeiten - jedoch über viel Geld verfügen will. Eine Gesellschaft, in der es üblich ist, den Anderen zu übervorteilen und in der das Unrecht eines solchen Handelns noch nicht einmal eingesehen wird. Eine Gesellschaft, in der es Gott sei Dank viele öffentliche und private Hilfsorganisationen und Initiativen zur Hilfe für Andere gibt, in der aber gleichwohl Rücksichtslosigkeit, Brutalität und Gewalt mehr und mehr zunehmen und in der oft die Täter mehr Rechte haben als die Opfer. Eine Gesellschaft, die ebenso unsozial ist wie viele der Politiker.

 

 

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(Friedrich Schiller: "Das Lied von der Glocke"):

Nichts Heiliges ist mehr, es lösen sich alle Bande frommer Scheu,

der Gute räumt den Platz dem Bösen, und alle Laster walten frei.

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(Perserkönig Darius I [522 bis 486 v.Chr.] - Anhänger der Lehre von Zarathustra):

Was recht ist, liebe ich, was Unrecht ist, hasse ich,

den Anhänger der Lüge hasse ich.

Wer sich vergeht, den bestrafe ich nach seiner Missetat.

Wer gegen die Wahrheit spricht, dem mißtraue ich für immer.

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Dem Armen darf durch Mächtige kein Unrecht geschehen!

 

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2004

 

Ein Urteil mit schalem Beigeschmack - Sex-Kontakt führt zu Haftstrafe (-39- 18.10.2004)

Die "Mauer" soll wieder her - Was geht in deutschen Köpfen vor? (-38- 10.09.2004)

Eine Pressewelt bricht zusammen! - Aufschrei nach dem "Caroline"-Urteil (-37-  03.09.2004)

Ist „Marketing" das Zauberwort? -   Vermarktung des deutschen Weines (-36- 11.02.2004)

Mannesmann - Manager - Moral - Miesmacher (-35- 26.01.2004)

 

2003

Rettung mit einem blauen Auge? - Die Gesellschaft ist der Dumme! (-34- 22.10.2003)

Zivilcourage! - Die wahren "Helden" der Zeit (-33 - 29.09.2003)

"Nackte" Dekadenz - aber reich und schön (-32- 04.07.2003)

Der Streit um's Abendmahl - Ökumene nicht in Sicht (-31- 19.04.2003)

Private Insolvenz - Oft ein selbstgemachtes Problem (-30- 04.04.2003)

Der Schleier schützt vor Dummheit nicht - Ein bemerkenswertes Gerichtsurteil (-29- 07.03.2003)

Raffgier ohne Ende - Spielautomaten-Hersteller sind sauer (-28- 23.01.2003)

 

Anmerkung:

Die folgenden Jahrgänge 2000 bis 2002 werden  im Archiv des Verfassers dargestellt und können aufgerufen werden über die Adresse

www.josef-brieler.de/page2.php

 

 

2002

Das Kreuz mit dem Kreuz - "Grüne" disqualifizieren sich selbst (-27- 04.12.2002)

Kardinal Meisner, der getreue Diener seines Herrn (-26- 26.09.2002)

Noblesse oblige? - Noblesse oblige! (-25- 11.08.2002)

Dummheit ist das Übel - "Fressen" bis nichts mehr hineingeht (-24- 27.07.2002)

Israel? - Judentum? - Ein Trauma für Deutschland (-23- 07.06.2002)

 

2001

Friede den Menschen auf Erden? (-22- 25.12.2001)

Was interessiert die Menschen? - Oder: Vom Umgang mit Nachrichten (-21- 07.11.2001)

Moral - wie gehen wir damit um? (-20- 30.09.2001)

Verlust der Freiheit!- Immer mehr Ehescheidungen (-19- 08.09.2001)

Das gehört mir allein - Vom Umgang mit der Exklusivität (-18- 22.08.2001)

Freiheit, die ich meine: "Love-Parade" (-17- 13.07.2001)

O heiliger Sankt Florian (-16- 11.07.2001)

Islam: Eine andere Welt? - Religionsfreiheit? (-15- 20.06.2001)

Alle Jahre wieder:   Gaffer bei Hochwasser an Rhein und Mosel (-14- 28.03.2001)

Grand Prix Eurovision: Gottschalk kneift - Moshammer keift (-13- 07.02.2001)

Straßenverkehrsordnung? - Die Dummen sterben nicht aus! (-12- 24.01.2001)

 

2000

"Leitkultur" und die deutsche Sprache (-11- 29.11.2000)

Entschädigung für Zwangsarbeiter (-10- 10.08.2000)

Talkshows - Sinn, Unsinn oder Blödsinn? (-9- 03.08.2000)

Die Eigenverantwortung - und wer dafür zahlen muß (-8- 15.07.2000)

Solche Flaschen! - Und dafür noch Pfand? (-7- 26.06.2000)

Der 94. Deutsche Katholikentag - Ein Fest der Ökumene? (-6- 05.06.2000)

"Big Brother" - Die Sucht nach Zuschauer-Quoten (-5- 25.05.2000)

Die "Rallye Comer See" - oder: Raserei der Italiener (-4- 04.04.2000)

Massenselbstmord in Uganda (-3- 20.03.2000)

"Mea Culpa" - Schuldbekenntnis des Papstes (-2- 16.03.2000)

Was ist das für eine Kirche? (-1- 09.02.2000)

 

 

 

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Ein Urteil mit schalem Beigeschmack - Sex-Kontakt führt zu Haftstrafe

(-39- 18.10.2004) - Laut Pressebericht (vgl. Rhein-Zeitung Koblenz vom 15.10.2004) ist ein 66 Jahre alter Elektromeister aus Thüringen "wegen schweren sexuellen Mißbrauchs von Kindern" zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Reinrechtlich mag dieses Urteil des Koblenzer Landgerichts richtig sein, ob es jedoch"gerecht" ist, steht auf einem anderen Blatt.

Was war geschehen? - Der geständige Angeklagte (seit 1968 verheiratet und hat eine 32 Jahre alte Tochter) hatte vor zwei Jahren auf eine Internet-Anzeige "Süßes Girl, 12" geantwortet. Die Internet-Anzeige stammte von der damals 12Jährigen, die in der Folge fleißig mit dem Angeklagten im Internet gechattet hatte. Die nach eigenen Angaben sexuell erfahrene Hauptschülerin aus Mayen erklärte im Prozeß: "Ich wollte auch mit ihm schlafen". Die ganze Sache flog auf, weil eine Pensionswirtin, bei der sich die beiden "Verliebten" zweimal eingemietet hatten, aufmerksam geworden war und die Polizei verständigt hatte. Da der Angeklagte ohne Abstriche voll geständig war, wurde unter den Verfahrensbeteiligten eine Höchststrafe von drei Jahren Freiheitsentzug "ausgehandelt" und auch vom Gericht ausgesprochen.

"Ein reifes Früchtchen", pflegte man früher ein solches Mädchen wie das beschriebene zu nennen, das unverhohlen im Internet unter Angabe seines tatsächlichen Alters die Männer "anmachte". Wen wundert's, daß auf eine solche Anzeige auch jemand "hereinfällt". Jeder einigermaßen verantwortungsbewußte Erwachsene weiß allerdings, daß er von solch einer "Person" gefälligst die Finger zu lassen hat - auch wenn es ihn darin (und vielleicht auch in anderen Körperteilen) noch so sehr juckt. Er mußte wissen - und wußte es wahrscheinlich auch, sonst wäre er nicht sofort geständig gewesen, daß er sich strafbar machte. Insofern ist es auch richtig, daß er vom Gericht verurteilt wurde. In einem minderschweren Fall, wie dem vorliegenden, hätte vielleicht aber auch eine Bewährungsstrafe ausgereicht.

Was mich an der Sache stört, ist die Begründung des Urteils. "Schwerer sexueller Mißbrauch" lautete sie. Ich vermag einen schweren Mißbrauch nicht zu erkennen, war doch die "Betroffene" die Initiatorin des gesamten Geschehens und nach eigenen Angaben auch selbst daran interessiert, mit dem Angeklagten ins Bett zu steigen. Sie war die Verführerin, die Lolita, und ging straffrei aus - und das ist ungerecht! Früher wurden solche Persönchen in sogenannten Heimen "für gefallene Mädchen" untergebracht. Ob das allerdings etwas nutzte, mag dahingestellt und auch sehr fraglich sein. Immerhin holte man sie damit aber "von der Straße", womit insoweit auch "schwere sexuelle Übergriffe" auf Minderjährige vermieden werden konnten. 

Man wird damit rechnen müssen, daß die heute Vierzehnjährige weitere Männer in Verlegenheit und vielleicht auch wieder vor den Richter bringen wird. Ob sie's stört? Wahrscheinlich nicht! Und daß Richter auf solche "Verquickungen" hereinfallen, das stört mich schon. - Aber wen stört das?

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Die "Mauer" soll wieder her - Was geht in deutschen Köpfen vor?

 (-38- 10.09.2004) -  Zweimal mußte ich die gestrige Nachricht lesen. Ich war wohl so überrascht, daß ich es zunächst  nicht begriff. "Fast 14 Jahre nach der Wiedervereinigung wünscht sich mehr als jeder fünfte Deutsche die Mauer zurück. In Westdeutschland gar fast ein Viertel der Bevölkerung" war da zu lesen. Im Osten sollen es "nur" zwölf Prozent sein.

Die Vorstellung, daß es wieder zwei deutsche Staaten geben sollte mit einer trennenden Mauer an der "gemeinsamen Grenze" nahm mir fast den Atem! Was wird wohl in den Köpfen dieser Menschen vorgehen, und was ist der Grund für ein solches Verhalten und Verlangen? Andreas Pecht von der Rhein-Zeitung Koblenz meinte dazu. "Das schräge Votum ist wohl eher ein überspitzter oder ein hilfloser oder auch ein zorniger Ausdruck von gehörigem Unwohlsein angesichts des derzeitigen Gangs der wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten im Land". War ich bisher aber der Meinung, die Bürger im Osten wünschten sich eher die Mauer zurück, weil es ihnen objektiv wirtschaftlich schlechter ging in den letzen 14 Jahren als denen im Westen, überrascht mich nun aber doch, daß es besonders die "Wessis" sind, die die Mauer zurückhaben wollen. Wie schlecht - glauben die Befürworter einer solchen Regelung - geht es uns denn im Westen? Zugegeben, es hapert überall, aber noch stehen wir nicht vor dem Verhungern. Viele sind noch immer der Meinung, der "Osten" sei ein Faß ohne Boden, und die im Westen müßten das alles bezahlen - und das sei zuviel. "Der Solidaritätszuschlag gehört abgeschafft", hört man hier und da auch von solchen Menschen, die sich noch alles leisten können und wohl auch der Meinung sind, daß nur wir hier im Westen diesen Zuschlag zahlen müssen. Unkenntnis oder Ignoranz?

Daß es uns hier im Westen nicht mehr so gut geht wie in den 70er und 80er Jahren, steht fest. Dies ist aber wohl nur zum Teil auf die Wiedervereinigung zurückzuführen. Den anderen europäischen Staaten geht es auch nicht mehr so gut wie früher und diese haben das Problem einer "Wiedervereinigung" nicht gehabt. "Inzwischen sind Vertrauen und Hoffnung von Schwindsucht befallen, greift die Befürchtung um sich, das Modell Soziale Marktwirtschaft habe ausgedient, werde Zug um Zug ersetzt durch das Hauen und Stechen einer 'freien' globalen Marktwirtschaft - 'befreit' von allen sozialen Beschränkungen und Verpflichtungen", meint dann auch Andreas Pecht von der Rhein-Zeitung Koblenz.

Wissen also die Menschen, die die Mauer wieder fordern eigentlich, was sie wirklich verlangen? Wollen sie wirklich wieder zwei deutsche Staaten nebeneinander? Wollen sie wirklich wieder das Menschen verachtende kommunistische Regime der Unfreiheit für ihre "Brüder" im Osten? Nehmen sie wirklich wieder mögliche "Mauer-Tote" in Kauf? Am schlimmsten aber: Wollen sie wirklich wieder den unseligen Ost-West-Konflikt zweier Hegemonien, die sich gegenseitig nicht ausstehen können - ja, die sich voller Haß gegenüberstehen und trotz Bewaffnung bis an die Zähne mehr und mehr aufrüsten? Wollen sie - damit verbunden - wirklich wieder den Zustand der gegenseitigen Bedrohung in Verbindung mit einer latenten Kriegsgefahr - einer möglichen bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Ost und West? Das - so meine ich - kann es doch nicht sein. Als bestes Ergebnis der Wiedervereinigung - nicht nur für West- und Ostdeutschland - ist ja gerade die Beseitigung des Ost-West-Konflikts - oder anders ausgedrückt - die Wiederherstellung des Friedens in Europa, des Friedens zwischen Ost und West! Haben sich die Menschen, welche die Mauer gerne wieder errichten würden, gefragt, was es uns kosten würde, wenn das alles nicht eingetreten wäre? Ich denke, für eine permanente militärische Aufrüstung hätten mehr Gelder aufgewendet werden müssen als wir noch immer für die Wiedervereinigung aufwenden. Und daß durch die Wiedervereinigung (wohl aber auch durch den Zusammenbruch des sowjetischen Reiches, ohne den eine Wiedervereinigung wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre) Frieden in Europa eingekehrt ist, das ist mit Geld überhaupt nicht zu bezahlen.

Bleibt also die Frage: "Was geht in deutschen Köpfen vor?" Die Mauer quer durch Deutschland war eine Schande. Und es ist eine Schande, wenn in Deutschland (egal ob in Ost oder West) Menschen wieder fordern, die Mauer müsse wieder her. Der Abriß der Mauer im Jahre 1990 war für mich das bedeutendste Ereignis des vergangenen Jahrhunderts. Und wenn verschiedene Menschen trotzdem bei ihrer "verrückten" Meinung bleiben, dann sollten sie sich besser einmal auf ihren Geisteszustand untersuchen lassen. Solche Menschen haben in unserer Gesellschaft nichts verloren!

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Eine Pressewelt bricht zusammen! - Aufschrei nach dem "Caroline"-Urteil

 (-37-  03.09.2004) -  Die einen haben darauf gewartet, die anderen haben es befürchtet. - Prinzessin Caroline von Monaco  mußte elf Jahre auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg warten, das sie angestrengt hatte, weil sie sich in ihrem Privat- und Familienleben gestört fühlte. Und folgt man den circa 64 deutschen Chefredakteuren, die von der Bundesregierung die Einlegung eines Rechtsmittels gegen dieses Urteil fordern, ist mit diesem Urteil "die Pressefreiheit" dahin!

Um es vorweg zu sagen: Ich begrüße dieses Urteil, das es fortan den "unerträglichen" Paparazzis verbietet, in die Privatsphäre prominenter Personen einzudringen. - Die Straßburger Richter haben nun entschieden, Caroline von Monaco muß es sich nicht gefallen lassen, daß ihre Privatsphäre durch Fotos durchbrochen wird, die gegen ihren Willen aufgenommen und veröffentlicht werden. Namhafte Medienvertreter - Verleger, Chefredakteure und Intendanten - laufen Sturm gegen dieses Urteil. Sie sehen die Pressefreiheit gefährdet, sie reden von "einem eklatanten, nicht hinnehmbaren Angriff auf Kernbestandteile der Pressefreiheit. Denn in wichtigen Fragen der Öffentlichkeit sollen den Journalisten die Hände gebunden werden", so ZDF-Intendant Markus Schächter. Und Wolfgang Fürstner vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger meint dazu: "Wenn wir dieses Urteil hinnähmen, würde dieses zu einem Verlautbarungsjournalismus und zur Hofberichterstattung führen, und das muß verhindert werden".

Wie wohltuend und anders sieht Robert Leicht vom "Tagesspiegel" aber das ganze Gezeter: "Bevor man Zensur schreit, sollte man wenigstens genau lesen - jedenfalls als Journalist. . . . Es ging in diesem Urteil weder um sachliche Informationen noch um strittige Meinungen, sondern allein um Fotos - und zwar um Fotos aus dem Privatleben einer Person, die zwar prominent ist, aber ohne jede amtliche oder politische Funktion lebt. Folglich besagt dieses Urteil nichts, aber auch gar nichts über die Frage, welches Maß an Kritik und Öffentlichkeit sich eine Persönlichkeit gefallen lassen muß, die für ihre Verhalten der Gesellschaft in igendeiner Weise verantwortlich ist - sei es, weil sie in ein Amt gewählt wurde, sei es, weil von ihrem Tun und Lassen das Schicksal vieler Betroffener in anderer Weise abhängt.. . . Wer sich also, gar mit dem Kampfruf "Zensur", gegen Straßburg und an den Kanzler wendet, bedient in Wirklichkeit nur das kommerzielle Verwertungsinteresse einer nicht näher zu qualifizierenden Promi-Publizistik. Das kann mit Wirtschaftsfreiheit zu tun haben, mit Pressefreiheit nicht".

Und dem stimmt Medienanwalt Christian Schertz zu: "Schaut man sich den Spruch genau an, kann man nicht wirklich von einer Gefährdung für die Pressefreiheit sprechen. Vielmehr betrifft es nur die Yellows und auch dort nur Paparazzi-Material, welches ohne besondere Not veröffentlicht wird und nur Sensationsgier befriedigt".

Deshalb tut die Bundesregierung gut daran, ein Rechtsmittel gegen das Urteil nicht einzulegen.

Krokodilstränen sind es also, die von einigen Journalisten hier vergossen werden. Um was es wirklich geht, erklärt der Chefredakteur des "Stern", Andreas Petzold. Unter diesen Umständen "wird sich natürlich niemand mehr an die Presse wenden, um irgendwelche vertraulichen Informationen weiterzugeben". Und weiter: "Wenn Prominente nur noch mit ihrer Einwilligung gezeigt werden dürfen, dann werden sie dafür möglicherweise auch Honorar verlangen" (welch eine Unverschämtheit!). Das ist es also, was diese Journalisten stört. Sie sind scharf auf vertrauliche Informationen (Schande über den, der solche weitergibt) und bezahlen wollen sie auch nichts. Nur verdienen wollen sie. Sie haben keine Skrupel, auch den allergrößten Mist zu verzapfen. Hauptsache ist, es ist "reißerisch". Die Verantwortung seriöser Berichterstattung bleibt dabei auf der Strecke. Daß es allerdings auch viele (Un)menschen gibt, die gerade solche Berichte zu ihrer Lieblingslektüre erkoren haben, steht auf einem anderen Blatt. Ich frage mich manchmal, wen es eigentlich interessiert, daß US-Star Sharon Stone ("Basic Instinct") angeblich die "schönsten" Beine hat, oder daß die Schauspielerin Liz Tyler offenbar plant, sich hüllenlos ablichten zu lassen? Solche Meldungen sind das Papier nicht wert, auf das sie geschrieben werden (siehe Rhein-Zeitung Koblenz vom 01. September 2004).

Es ist zu hoffen, daß unsere Medien dank dieses Urteils ein etwas anderes Gesicht bekommen, weil jetzt feststeht, daß der Persönlichkeitsschutz höher einzustufen ist als die grenzenlose Schaulust bestimmter Personen auf "hüllenlose" Menschen. Und wenn dadurch einige der ohnehin zu vielen und überflüssigen "Illustrierten" vom deutschen Markt verschwinden würden, dann wäre dies ein zusätzlicher positiver Effekt. Aber die pfiffigen Journalisten werden sich sicher wieder etwa einfallen lassen, um dies alles zu umgehen.

Halali! Die Jagd ist eröffnet!

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Ist „Marketing" das Zauberwort? -   Vermarktung des deutschen Weines

(-36- 11.02.2004) -  Wein werde am Mittelrhein zwar in guter sehr guter Qualität produziert, doch mit dem Marketing   hapere es bei vielen Betrieben deutlich, meinte Dr. Otto Currle (bisher Lehr- und Versuchsanstalt Bad Kreuznach). Dabei stützte er sich auf Analysen, die in elf Weingütern durchgeführt worden sind. Am Beispiel des weltgrößten „Weinproduzenten" (Gallo, USA) stellte er die Frage, ob es notwendig sei, für sämtliche Weine - vom Literangebot bis zur Trockenbeeren-Auslese - Lagennamen zu verwenden und dann auch noch zu unterscheiden in trocken, halbtrocken, lieblich und edelsüß einerseits sowie in unterschiedlichen Qualitätsstufen wie QbA , Kabinett, Spätlese und Auslese andererseits.

Es mag sein, daß die Vielfalt der Angaben auf dem Etikett manch einen, der „mal einen Wein trinken möchte" verwirrt. Den echten Weintrinker stört das aber überhaupt nicht! Die Liebhaber des deutschen Weins wollen auf diese Angaben nicht verzichten; anders ausgedrückt: Sie wollen wissen, was sie trinken. Sie haben gelernt (und deswegen wissen sie’s auch), daß der Hinweis auf Anbaubereich, Lage, Rebsorte, Jahrgang, Qualitätsstufe, Geschmacksrichtung und Erzeuger Auskunft darüber gibt, was in die Flasche abgefüllt ist. Und bei den strengen Regeln des deutschen Weinrechts kann er sich darauf auch verlassen.

Das ist etwas anderes, als nichtssagende, populistisch aufgemachte Etiketten, die mit Begriffen wie Edition, Classic u. a. (bewußt) verbergen, um welchen Wein es sich überhaupt handelt. Da ist bestenfalls noch das Anbaugebiet (oft auch das noch nicht einmal) angegeben aber kein Hinweis auf Jahrgang, Rebsorte und Qualität. Die Angabe „Cuvee" verleitet manchmal zu der Annahme, hierbei müsse es sich um etwas besonders handeln; wohl aber nur Kenner wissen, daß es sich hierbei um einen ganz gewöhnlichen Verschnitt - ein Zusammenschütten mehrerer unterschiedlicher Weine - handelt, in der Regel bei den hochgelobten und oft zu teueren französischen Weinen angewendet, um Jahr für Jahr stets denselben Geschmack (wie langweilig) zu erzielen. Auch der Vergleich mit der Firma Gallo überzeugt nicht. Inzwischen wissen wir, daß nicht alles, was aus Amerika kommt, gut sein muß, auch wenn immer wieder versucht wird, uns dies weiszumachen.

Gerade die Vielfalt macht das Besondere des deutschen Weins aus. Als Naturprodukt von vielen Liebhabern genossen, wohl wissend, daß zum Beispiel der Riesling aus der bestimmten Lage jedes Jahr anders schmecken kann. Das ist ja der besondere Reiz. Man kann die Unterschiedlichkeit des „gleichen" Weines der verschiedenen Jahrgänge kosten, schmecken und beurteilen. Das ist etwas anderes als gesagt zu bekommen, wie toll der Wein nach Maracuja, Himbeeren oder schwarzen Johannisbeeren schmeckt. Bei derartigen Schwärmereien muß man sich erstaunt fragen, weshalb ein Wein nach etwas anderem als Wein schmecken soll. Das ist wohl auch so ein fadenscheiniges Argument, um den Nicht-Kenner zu verdummen, ihn zum Kauf zu bewegen, ihm klarzumachen, daß der Wein eben nicht nach Trauben, sondern nach Himbeeren schmeckt - nicht wissend, daß nicht die Natur einen derartigen Geschmack erzeugt, sondern bestimmte Extrakte und Essenzen, die der Markt anbietet und die dem Wein zugesetzt werden (dürfen). Aber dann kann ich mir direkt Himbeersaft kaufen.

Zugegeben. Der erzeugte Wein muß auch seinen Abnehmer finden. Aus dieser Sicht ist Marketing nicht generell zu verteufeln. Aber ich kenne viele Winzer (das ist etwas anders als „Weinproduzenten"), die mit dem Weinabsatz überhaupt keine Schwierigkeiten haben. Winzer die über viele Jahre ihre „Kunden" betreuen. Kunden, die andererseits „ihren" Winzern die Treue halten und Jahr für Jahr kaufen und kosten, was die Natur ihnen wieder beschert und der Winzer daraus gemacht hat. Und das immer wieder in den üblichen „Keulenflaschen" (es müssen nicht Designerflaschen sein, die nur den Preis erhöhen ohne die Qualität zu verbessern), aus deren Etiketten man erkennen kann, um welchen Wein es sich tatsächlich handelt. Wenn also schon Marketing, dann in einem anderen Verständnis. Wenn man es nur oft genug und immer wieder behauptet, daß es besser ist zu wissen, einen trockenen Riesling zu trinken oder einen Kerner oder Spätburgunder als eben nur einen Wein von der Mosel oder aus dem Rheingau, dann kann man getrost auf den modernen „Schnickschnack" verzichten, weil die Menschen dann auch verstehen, daß man nicht einen (unqualifizierten) Wein aus Argentinien, Chile, Südafrika, Neuseeland oder Australien trinken muß, um etwas Gutes zu genießen.

Dann können die Menschen - so wie ich es auch tue - sich für einen deutschen Wein entscheiden, einen Wein, der einen Vergleich mit jedem anderen Wein auf der Welt nicht zu scheuen braucht und der im übrigen in der Regel auch preisgünstiger zu erwerben ist. Denn eines steht fest: Ein guter Wein hat zwar seinen Preis, aber der teuere muß nicht immer der beste sein!

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Mannesmann - Manager - Moral - Miesmacher

(-35- 26.01.2004) - „Geld stinkt nicht". Auf diese Weisheit schwören vor allem diejenigen, die es haben. Die  Minderbemittelten interessiert das weniger; es geht sie nichts an - sie haben sowieso keins!

Anders eine kleine Clique in unserer Gesellschaft, die nicht genug davon kriegen kann. Und wieviel, wann und von wem sie es bekommt, bestimmt sie weitgehend selbst, wie jetzt bei dem in Düsseldorf begonnenen spektakulären Mannesmann-Prozeß offenkundig wurde. Da sitzen sie nun auf der Anklagebank, angeklagt der Untreue, die feinen Herren in edlem Tuch mit Nadelstreifen - selbstbewußt, rechthaberisch und keiner Schuld bewußt. Das Gericht will prüfen, ob es bei der Zahlung von zusammen 111 Millionen Mark Abfindungen an sechs Manager, darunter der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Mannesmann AG, Klaus Esser (er erhielt allein 60 Millionen Mark), mit rechten Dingen zuging. Und während diese edlen Herren ihre Unschuld beteuerten, die CDU-Vorsitzende Angela Merkel (!) den Prozeß - für mich unverständlich - einen „Schlag gegen den Wirtschaftsstandort Deutschland" nannte, sprach Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), daß hierzulande private Habgier und Rücksichtslosigkeit, Machtgier und auch Größenwahn einen allzu großen Einfluß auf das Verhalten mancher Manager ausüben werde. „Undurchsichtige Bilanz- und Finanzkunststücke sind leider ziemlich häufig und ziemlich marktgängig geworden", klage Schmidt. Wenigstens ein Politiker, der noch bei vollem Verstand ist!

Wie die Strippen in der Wirtschaft verknotet sind, zeigt die Tatsache, daß nicht nur der ehemalige Gewerkschaftsboss Klaus Zwickel, sondern auch der derzeitige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, an dem Coup beteiligt waren. Und an den schwindelerregend hohen Prämien kann Ackermann auch heute noch nichts Unanständiges erkennen. Er scheint damit vom Charakter her auf derselben (niedrigen) Stufe zu stehen wie sein Vorgänger Breuer oder der frühere IG-Metall-Vorsitzende Steinkühler, die beide auch weitgehend in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Was 60 Millionen Mark wirklich sind, kann man nur ermessen, wenn man einmal rechnet. Der soeben "gefeuerte" Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, Florian Gerster, bekam ein Jahressalär von angeblich 220000 Euro. Er müßte rund 136 Jahre arbeiten, um auf 60 Millionen zu kommen! Doch nicht genug: Verzinst man die 60 Millionen äußerst gering mit nur zwei Prozent pro Jahr, machen die Jahreszinsen 1.2 Millionen aus. Nur für diese Zinsen allein müßte der besagte Chef der Bundesagentur zwei Jahre und neun Monate arbeiten! - Wem jetzt noch kein Licht aufgeht, dem ist auch mit einer „gesegneten Kerze" nicht mehr zu helfen.

Wie verwerflich das Verhalten mancher Manager ist, zeigt auch das Beispiel der Commerzbank. Da bringt es die Firmenleitung doch tatsächlich fertig, für alle Beschäftigten die bisherige betriebliche Zusatzversorgung zu streichen, weil die Firma diese angeblich nicht mehr verkraften kann. Für die Herren in der Vorstandsetage gilt diese Regelung jedoch nicht. Für sie ist dafür gesorgt, daß sie mindestens 9000 Euro monatliche Zusatzversorgung aus dem Betrieb erhalten werden. Hier zeigt sich „die wahre Größe": Der gute Mann denkt an sich - selbst zuletzt!

Auch erinnern wir uns nur ungern an den "Zirkus" um den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telecom, Ron Sommer, der letztlich wegen erwiesener Unfähigkeit seinen Hut nehmen mußte; er dafür aber noch eine Abfindung erhielt, für die ein Normalsterblicher mehrere hundert Jahre arbeiten müßte.

Und so geht es jahrein jahraus in der deutschen Wirtschaft zu. Da werden Firmenzusammenschlüsse gesteuert, rationalisiert, gespart und Mitarbeiter entlassen zu Lasten der Allgemeinheit. Aber die Bosse scheffeln das Geld in die eigene Tasche. Und wenn sie trotz allem doch einmal selbst ihren Platz räumen müssen, wird ihnen der Abgang mit unvorstellbar hohen Abfindungen versüßt - oft als "Belohnung" für eine "schlechte Arbeit".

Wohlgemerkt: Ich verkenne nicht, daß Manager wegen ihrer hohen Verantwortung in der Wirtschaft und in Großbetrieben eine "angemessene" Entlohnung erhalten müssen, die weit über dem liegt, was im allgemeinen vorstellbar ist. Weshalb aber beim Ausscheiden aus dem Betrieb eine Abfindung in zig-Millionen-Höhe gezahlt werden muß, ist nicht nachvollziehbar. Im Falle Esser (Mannesmann) hätten es auch zwei Millionen getan. Damit hätte der Mann gut die Zeit überbrücken können, die er braucht, um eine neue Arbeit zu finden; eine Zeit, in der er nicht - wie seine Mitarbeiter - vom Arbeitslosengeld leben muß.

"Das ist unsozial und unmoralisch", kritisierte Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. - Dem ist nichts hinzuzufügen!

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Zivilcourage! - Die wahren "Helden" der Zeit

 (-33 - 29.09.2003) -  Für diese sind sie "Helden", für jene "Verräter". Man kann es sehen wie man will. Tatsache ist, daß  die 27 Piloten der israelischen Luftwaffe Courage bewiesen haben, indem sie erklärten, sich nicht mehr an Angriffen auf zivile Ziele in den Palästinensergebieten zu beteiligen. Sie bewiesen damit mehr Verstand und Mut als manch Anderer, der sich davor scheut, Israel zu kritisieren oder Israel gar aktiv unterstützt (vgl. hierzu meinen Beitrag unter POLITIK, Nr. 40: "Wie gehabt! - USA-Veto im UNO-Sicherheitsrat hilft Israel").

Die Piloten haben es auf den Punkt gebracht und angekündigt, "unmoralische und illegale" Befehle zu verweigern, weil Israels Luftwaffe auch "unschuldige Zivilisten" in den Palästinensergebieten angreife und töte. Sie haben damit nicht nur eine aufgeregte Diskussion in der israelischen Öffentlichkeit losgetreten, sondern auch eine einmütige Verurteilung in den israelischen Medien; und das auch im israelischen Bewußtsein, daß eindeutige unmoralische Befehle nicht befolgt werden dürfen. Die Frage ist allerdings, wann ist ein Befehl unmoralisch oder kriminell? Darf das jeder Soldat für sich entscheiden? Reicht dafür das Gewissen des Einzelnen? In welchen persönlichen Konflikt begibt er sich selbst? Oder muß der Einzelne sich so stupide verhalten, daß er Andere für sich entscheiden - für sich denken läßt und das Ergebnis solch "fremder" Überlegungen ungeprüft auf sich anwenden kann und darf? Lehrt uns nicht die Geschichte, daß auch "Befehlsempfänger" von sogenannten "Siegermächten" im Nachhinein verurteilt worden sind mit der Begründung, sie hätten den Befehl als unmoralisch oder illegal erkennen und ihn deshalb nicht befolgen müssen?

Die Piloten sind nicht zu beneiden. Ihrem Gewissen folgend haben sie so gehandelt. Es wird viele andere Soldaten geben, die nach ihrem Gewissen nicht so handeln, weil sie befürchten, Sanktionen ausgesetzt zu werden, denen sie nicht standhalten können. Und so ist das Unvermeidliche auch eingetreten. Die israelische Führung hat schnell reagiert und einige der abtrünnigen Kampfpiloten aus der Luftwaffe entlassen, den Rest suspendiert. Und während diese "Befehlsverweigerer" von der Mehrheit der israelischen Bevölkerung als Verräter angesehen werden, genießen sie wohl bei den Palästinensern Hochachtung und werden als Helden gefeiert. So einfach ist das; es kommt halt nur auf den Betrachter an.

Objektiv aber steht fest, daß ein paar Soldaten, die das Gespür für Recht und Unrecht bewahrt haben, die wissen, daß Druck nur Gegendruck erzeugt, die davon überzeugt sind, daß ein Krieg an sich unsinnig ist und auf lange Sicht überhaupt zu nichts Positiven führt und die anfangen, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen, in den Mittelpunkt des Interesses gerückt sind und für die Zukunft vielleicht etwas bewegen, wozu Politiker und Militärs überhaupt nicht fähig sind; nämlich einen Weg für eine bessere Zukunft aufzumachen, auf dem sich jetzt noch zerstrittene Parteien und Menschen guten Willens irgendwann einmal in Frieden begegnen können.

Aber eine solche Vision dürfen wir wohl bei den "Denkern und Lenkern" auf beiden Seiten leider nicht erwarten!  

 

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Rettung mit einem blauen Auge? - Die Gesellschaft ist der Dumme!

 (-34- 22.10.2003) -  Schon am 15. Juli 2000 habe ich mich in einem Beitrag (vgl. Nr. 08 - Die Eigenverantwortung - und wer  dafür zahlen muß) darüber ausgelassen, wer dafür zahlen muß, daß sich "Unbelehrbare" in Gefahr begeben und aus dieser gerettet werden (müssen?).

Über die verschleppten und (zunächst) verschollenen Sahara-Geiseln ist in Fernsehen, Rundfunk und Presse viel berichtet worden. Nach monatelangen, diplomatischen Verhandlungen (das Drama war ein Dauerbrenner für Dutzende Experten in Ministerien und beim Bundesnachrichtendienst sowie in Krisenstäben) sind sie jedoch im August "heimgekehrt". Die Heimführung gestaltete sich jedoch mehr zur "Heimsuchung"; denn es entbrannte eine heftige Diskussion über die Frage, wer die Kosten (mehrere Millionen Euro für Lösegeld, Flugkosten, Betreuung) zahlen soll und ob die "Heimgeführten" sich daran beteiligen sollen. Was wurde (auch in vielen Leserbriefen) nicht alles dazu gesagt. Da gab es welche, die nicht nur eine Beteiligung der Geiseln an den Kosten verlangten, sondern forderten, daß die Geiseln diese Kosten vollständig tragen müßten. Andere meinten, die Geiseln seien schon gestraft genug und müßten sich deshalb nicht an den Kosten beteiligten. Wieder andere vertraten die Auffassung, daß die Diskussion darüber typisch deutsch sei und sie sich deshalb schämen würden. Nun, jetzt hat die Bundesrepublik entschieden: Die befreiten Geiseln müssen sich an den Kosten beteiligen!

Jeder der neun Abenteuer-Urlauber soll 2301 Euro zahlen. Auch die Mitglieder der ersten Geisel-Gruppe, die schon im Mai freigekommen waren, erhielten vom Auswärtigen Amt eine Rechnung über 1092 Euro. -  Diese Forderung des Bundes ist ein Schmarr'n! Mit den geforderten Beträgen fließt nur ein winziger Teil in die Bundeskasse zurück. Über die Kostenbeteiligung sei je nach finanzieller Situation der Betroffenen entschieden worden, erklärte ein Sprecher des zuständigen Ministeriums. Das aber ist in meinen Augen etwas völlig Neues! Seit wann entscheidet die öffentliche Hand "nach finanzieller Situation des 'Zahlungspflichtigen'"? Es wäre gerecht, sämtliche entstandenen Kosten auf die Beteiligten "umzulegen". Diese Forderung muß angesichts der "Gefahr", daß einige Geiseln ihre "Geschichte medienwirksam gegen Bares vermarkten" (hier zahlen sie einen lächerlichen Betrag und dort kassieren sie das große Geld), erhoben werden. Über die Rückzahlung kann dann - so wie in anderen Fällen auch - von Fall zu Fall entschieden werden. Von vornherein aber auf die berechtigte Forderung zu verzichten, ist unangebracht und im übrigen auch "dem Steuerzahler" nicht zuzumuten. So wie es jetzt praktiziert wird, muß nämlich dieser für den größten Teil der Kosten aufkommen - aufkommen für etwas, was andere in ihrer Dämlichkeit verursacht haben. Und wenn eine Geisel kritisiert, damit würden die Opfer von Gewalttaten im Ausland anders behandelt als im Inland; denn eine Geisel in einem Bus in Bremen hätte für die Befreiung nichts zahlen müssen, dann irrt sie, sie vergleicht Äpfel mit Birnen. In Bremen war die innere Sicherheit bedroht, und die Polizei mußte eingreifen. Und zwar im öffentlichen Interesse. Über das öffentliche Interesse einer Geiselbefreiung im Ausland läßt sich aber trefflich streiten. Denkbar wäre auch, daß sich die Bundesrepublik Deutschland hierüber überhaupt keine Gedanken machen müßte und "der Staat sich heraushalten soll", wie ein Leserbriefschreiber meinte.

Und so hat die jetzige "Lösung" einen fahlen Beigeschmack. Die große Mehrheit der Menschen, die sich zu dem "Fall" geäußert hat, versteht sie nicht. Sie hat das Gefühl, selbst zahlen zu müssen für eine kleine Gruppe, die des Abenteuers wegen sich in ihrer Dummheit selbst überschätzt und ihr Leben leichtsinnig auf's Spiel gesetzt hat. "Die Abenteurer hätten sich ja versichern können", meinte dann auch ein Leserbriefschreiber resignierend. Und weiter: "Es gibt so viele Notleidende in Deutschland, und hier werden sinnlos Millionen zum Fenster hinausgeworfen, um das Wohlleben von Banditen (gemeint sind wohl die Entführer) zu finanzieren".

Recht hat er!

 

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"Nackte" Dekadenz - aber reich und schön!

(-32- 04.07.2003) -  Nicht widersprechen möchte ich der Behauptung der Medien, "J. Lo." sei schön. Für alle die, die es  noch nicht wissen: "J. Lo." ist der Latino-Star Jennifer Lopez. Diese Dame ist nicht nur "schön"; sie ist auch "reich". Reich auch an besonderen Einfällen, wie es scheint. Glaube ich nämlich einer gestrigen Pressemeldung, läuft Jennifer Lopez am liebsten als Nackedei herum. Überall in der Wohnung bewege sie sich meist im Evakostüm, gestand die 32-Jährige. "Ich sitze nackt beim Frühstücken, und jeder außer mir ist angezogen. Das macht aber nichts, weil alle Leute um mich herum entweder Frauen oder Homosexuelle sind", erklärte sie ungeniert.

Was treibt diese Frau um, wenn sie sich so verhält? Will sie vielleicht den "beteiligten" Frauen zeigen, wie "schön" sie - vielleicht im Gegensatz zu den übrigen - ist; die anderen also beschämen und sie neidisch machen? Und warum umgibt sie sich mit Homosexuellen? Vielleicht weil sie von diesen keine "Anmache" oder gar "Handgreiflichkeiten oder Übergriffe" zu erwarten hat? Oder geht sie sogar soweit, die Homos anläßlich des Anblicks einer schönen, nackten Frau "bekehren" zu wollen? - Ich weiß es nicht und kann es auch nicht erahnen.

Ein Sender im deutschen Fernsehen strahlt eine Sendung aus mit dem Titel "Reich und schön". In dieser Sendung könnte auch Jennifer Lopez auftreten; nicht nur, weil der Titel gut zu ihr oder sie zu dem Titel passen würde. Nein, der Titel müßte erweitert werden auf "Reich und schön und dumm" (auch blöd wäre angebracht). Offenbar besteht in einer solchen Verquickung ein Zusammenhang, wie sollte man sonst verstehen, daß sich ein erwachsener Mensch in einer doch - wie behauptet wird - Kulturgesellschaft so benimmt und - wenn auch nur im eigenen Haus - selbst vor Gästen ohne Scham (oder besser schamlos) als Nackedei herumläuft. Ist es das, was die Reichen, Schönen und Dummen meinen, wenn sie von Kultur reden? Das ist eine Unkultur, Dekadenz. Und wahrscheinlich sind sie so dumm, daß sie das noch nicht einmal merken!

Ich frage mich, wie die "gesittete" Welt ihren Kindern erklären soll, wie sie sich in der Öffentlichkeit (ich denke, ein Haus voller Gäste ist auch "Öffentlichkeit" - oder wäre vielleicht ein "öffentliches Haus" besser?) benehmen sollen. Nur allzu leicht könnten sie sich auf das Verhalten von Jennifer Lopez & Co. berufen und ebenso handeln, ist diese Frau doch "angesehen" in genau dieser Öffentlichkeit. "Was soll also das ganze Spießertum der Alten? Leben wollen wir, Spaß haben wollen wir und Wellnes, und was die anderen davon halten, interessiert uns nicht! Es geht sie nichts an!" - Und wenn irgendwann dieselbe Gesellschaft im Evakostüm (auch Adamskostüm) die heimischen vier Wände verläßt und "im Freien" (bei FKK ist es ja schon so) herumläuft, dann ist die Freiheit grenzenlos. Grenzenlos ist dann - so ist zu befürchten - aber auch das "Angebot" und jeder "kann sich bedienen". Schöne Aussichten (und Ansichten) sind das - oder ist es vielleicht nur "ein Traum"?

Ein Traum der schönen und reichen - und dekadenten Gesellschaft, zu der Gott sei Dank die Mehrheit der Menschheit nicht gehört.

 

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Der Streit um's Abendmahl - Ökumene nicht in Sicht

  (-31- 19.04.2003) -  Konnte man etwas anderes aus Rom erwarten? Aus dem "Regierungssitz" und der  Kommandozentrale des katholischen Fundamentalismus, dem Vatikan, kam rechtzeitig vor Ostern und vor dem "ökumenischen" Kirchentag in Berlin die Botschaft: "Nicht's Neues an der Front; es bleibt alles wie es ist!"

Jedenfalls hat die Ablehnung des Papstes zum gemeinsamen Abendmahl von Protestanten und Katholiken bei den Mitgliedern der deutschen Kirchen überwiegend Enttäuschung ausgelöst. Aber was hatten sie erwartet? Es zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten Jahrzehnte des kirchlichen Lebens. Immer, wenn die "Basis" beider Konfessionen einen Schritt zur Gemeinsamkeit "probierte", kam aus Rom mit erhobenem Zeigefinger die Mahnung: "Nein!". So auch jetzt wieder. Da war gerade Bewegung in die ökumenische Situation gekommen; denn drei hochrangige Ökumene-Institute, das Institut für Ökumenische Forschung in Tübingen, das Konfessionskundliche Institut in Bensheim und das Institut für Ökumenische Forschung in Straßburg forderten erstmals eine Ende der Trennung am Altar. Und die reformkatholischen Initiativen "Kirche von unten" und "Wir sind Kirche" erklärten, daß das gemeinsame Abendmahl nicht die Folge, sondern Antrieb einer theologischen Einigung sein sollte. - Es ist wie in der Politik. Es interessiert die Regierenden nicht, was das Volk will!

Die neueste, 34 html-Seiten (!) umfassende, mühsam zu lesende Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" wirkt dann auch wie eine Faust auf's Auge. Papst Johannes Paul II verbietet darin den Katholiken, am Abendmahl in einem nicht katholischen Gottesdienst teilzunehmen. Auch weiteren Reformbemühungen erteilt der Papst eine Abfuhr. So wird unterstrichen, daß nur geweihte Priester eine Messe lesen dürfen, daß geschiedene Katholiken nach einer neuen Eheschließung nicht die Kommunion empfangen dürfen, daß im übrigen dem Empfang der Kommunion das Bekenntnis der persönlichen Sünden (Beichte) vorangehen müsse und daß es schließlich undenkbar sei, daß Katholiken auf die Sonntagsmesse verzichten und stattdessen an Gebetsversammlungen mit Christen anderer Konfessionen teilnehmen würden.

Und was hören wir dazu von den deutschen Bischöfen? Alles wie gehabt! Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, Mainz, sagte, der Papst nehme nichts zurück vom ökumenischen Engagement der katholischen Kirche, ja er verstärke es. ... Er wolle das Feuer der ökumenischen Hoffnung auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirche nicht mindern; denn der Papst wisse um den Schmerz, der deswegen unter den Christen vorherrsche. Deswegen bitte er inständig, in der Hoffnung auf die Einheit der Kirche nicht nachzulassen. Daß gleichzeitig auch der Kölner Bischof, Kardinal Joachim Meisner, das Papst-Dokument begrüßt hat, ist bei seiner bekannten kadaver-gehorsam-mäßigen Unterwürfigkeit unter den "Heiligen Stuhl" nicht verwunderlich; verwunderlich ist aber, daß auch der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, die päpstliche Auffassung unterstützt. Die Beurteilung Lehmanns ist für mich äußerst fraglich. Bei einer aufmerksamen Lektüre der päpstlichen Aussagen kann man nach meiner Meinung zu solch einer Beurteilung nicht kommen. - Sollen die Christen vielleicht weiter beten um die "Vereinigung im Glauben?" Ich sage nein; sie sollen nicht. Es hilft nicht, worauf ich auch schon in meinem Beitrag vom 05. Juni 2000 (vgl. im Archiv GESELLSCHAFT;   Beitrag Nr. 6: Der 94. Deutsche Katholikentag) hingewiesen habe. Die Kirchenkritiker haben Recht, wenn sie erklären, daß sechs Wochen vor dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin die Enzyklika einen neuen Tiefstand im ökumenischen Prozeß der Kirchen kennzeichne und daß Rom zum wiederholten Male deutlich mache, daß Ökumene unter diesem Papst nur nach römischen Spielregeln zu haben sei. Die "Alleingänge Roms" führten in die falsche Richtung!

Und das alles nur wegen der verschiedenartigen Auffassungen über die "Eucharistie". Auffassungen die selbstgemacht sind und damit "hausbackene Probleme". "Transsubstantiation" ist das Reizwort. Die Manifestation der Vorstellung in der katholischen Lehre, daß sich durch die Worte des Priesters bei der Eucharistiefeier Hostie und Wein "tatsächlich" in den Leib und das Blut Jesu "verwandeln", hat es im Ur-Christentum jedenfalls nicht gegeben. Diese Vorstellung trat im 4. Jahrhundert erstmals bei "Ketzern" auf, nämlich bei den valentinianischen Markosiern, einer gnostischen Sekte, die von führenden Theologen der damaligen Kirche verdammt wurde. Nach jahrhundertelangem Streit über diese Frage wurde die sogar von Kirchenlehrer Irenäus verworfene, ursprünglich bekämpfte Lehre auf dem 4. Laterankonzil im Jahre 1215 (!) unter Papst Innozenz III    sodann zum Dogma erhoben (eine Kehrtwendung um 360°) - und daran "klebt" die katholische Kirche fest (vgl. hierzu: Karlheinz Deschner: "Abermals krähte der Hahn", 3. Auflage, 35, Kapitel, und andere).

Ergebnis: Nach zahlreichen Einwänden und aus Rücksicht auf den Papst und die deutschen Bischöfe wird der Plan, beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten zu feiern, fallen gelassen.

Schade! - Meine Vorbehalte gegenüber Rom verfestigen sich. Gott hat uns den Verstand gegeben. Und diesen muß ich nicht abgeben, nur weil ich Katholik bin.

Ökumene ade!

 

(Bischöfliches Ordinariat der Diözese Mainz, Bischofsplatz 2,55116 Mainz, eMail: info@bistum-mainz.de,

Generalvikariat des Erzbistums Köln, Marzellenstr. 32, 50668 Köln (Altstadt-Nord), eMail: generalvikar@erzbistum-koeln.de,

Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Chausseestr. 128a, 10115 Berlin (Mitte), eMail: info@zdk.de)

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Private Insolvenz - Oft ein selbstgemachtes Problem

 (-30- 04.04.2003) -  Wenn man selbst nicht in der Tinte hockt, hat man natürlich gut reden. Ist es Dummheit, die  Spaßgesellschaft, die Arbeitslosigkeit, der Neid, die Neigung, mehr zu haben als man hat, ist es Angebertum? Wer weiß es wirklich, was die Menschen umtreibt, wenn sie sich etwas leisten (wollen), was sie sich eigentlich nicht leisten können. Tatsache ist: Die privaten Insolvenzen nehmen zu, immer mehr privaten Haushalten in Deutschland wachsen die Schulden über den Kopf. Da weiß der Familienvater nicht mehr, woher er das nötige Geld zum Lebensunterhalt nehmen soll. Der geschiedene Ehemann, der für seine Kinder (und oft auch noch für die Frau) Unterhalt leisten muß, ebenso wie die geschiedene Frau, die von ihrem Ex-Ehemann zu wenig bekommt, um sich und die Kinder durchzubringen - sie alle geraten in die Schuldenfalle. Und oft geraten Familien auch dort hinein, weil ihre Kinder mit dem Geld nicht auskommen, Schulden machen und die Eltern (um nicht unangenehm aufzufallen) diese Schulden bezahlen bis sie schließlich selbst in derselben Falle enden.

Was ist es also, was zur Insolvenz führt? Es gibt sicher viele Gründe; berechtigte wie ebenso unberechtigte. Solche, die unabwendbar scheinen, und auch solche, die hausgemacht sind. Das Anspruchsdenken vieler Menschen, oft aus Neid geboren, treibt zum Beispiel viele dazu, "über ihre Verhältnisse" zu leben. Man muß ja mithalten können. Da muß ein größeres Auto her, weil der Nachbar ein solches hat. Es macht einen guten Eindruck, wenn man regelmäßig ins Kino oder auf die Sonnenbank oder ins Fitneßstudio geht; alles überflüssig zwar, aber deshalb auch entsprechend teuer. Da werden Reisen gebucht - möglichst Flugreisen zu entfernten Gestaden und möglichst alles "all inclusive". Wer's Geld nicht hat, leiht es sich bei der Bank und zahlt es in Raten bis zum nächsten Jahr zurück, um dann erneut einen Kredit für den Urlaub aufzunehmen. Die Banken machen es einem ja auch so einfach. Ebenso wie die Autohändler, die ihren Kunden teuere Leasingverträge aufschwätzen. Und dann wird gefahren. Die hohen Spritpreise interessieren kaum, lieber wird am Essen gespart. Auch kurze Strecken, die man leicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen könnte, werden mit dem Auto bewältigt. Und schließlich muß man wenigstens einmal in der Woche "sein Bierchen" trinken oder mit der Frau oder Freundin essen gehen. Wofür gibt's denn Kreditkarten oder Sparkassen-cash? Selbst kleine Beträge werden beim Einkauf mit der Karte bezahlt. Wer soll bei einem solchen Verhalten noch den Überblick über seine Ausgaben behalten? Kein Wunder also, daß sich die Insolvenzschraube langsam und kaum vernehmbar zuzieht.

Und wie ist es bei den "lieben Kleinen", den Kindern? Wer kein Handy hat, fühlt sich ausgestoßen. Und wer eins hat aber nicht über die Möglichkeit zu SMS verfügt, ebenfalls. Was ist das für ein Zustand, daß heute fast jedes heranwachsendes Kind regelmäßig Unsummen verbraucht, um ebenso regelmäßig völlig unnötiges Blabla in alle Welt zu versenden? Da wird ungeniert in aller Öffentlichkeit telefoniert was das Zeug hält. Es wird nicht gefragt, ob es den Nachbarn oder die Umwelt stört. Selbst in der Kirche, im Konzert oder Theater (hier sind es aber die Erwachsenen und nicht die Kinder) ertönen oft die Handys, die angerufen werden. So sie also über Taschengeld verfügen (und oft ist das mehr, als sich die Familie leisten kann), telefonieren sich nicht nur die "lieben Kleinen" selbst, sondern damit auch noch ihre Eltern in den Ruin.

Insolvenz und Eidesstattliche Versicherung (früher Offenbarungseid) ist dann das Ende. Im vergangenen Jahr stieg in Deutschland die Zahl der privaten Eidesstattlichen Versicherungen um 53000 auf  894000. Auch die Zahl der privaten Insolvenzen verdoppelte sich im vergangenen Jahr auf mehr als 41000. Und besonders erschreckend ist die Zahl derjenigen Personen, die es ablehnten, die Eidesstattliche Versicherung abzulegen. Jeder, der das macht, riskiert eine Haft. Und aus diesem Grund erließen die Gerichte im vergangenen Jahr 471000 Haftandrohungen gegen Schuldner, die die Eidesstattliche Versicherung nicht ablegen wollten. - Darunter wird auch eine Minderheit sein, die bewußt "in den Tag hinein" lebt. Eine Minderheit, die ihre Vermögensverhältnisse nicht offenbaren und trotzdem gut auf Pump und zu Lasten der Allgemeinheit leben möchte. Und das sind die schlimmsten. Sie gehören auf jeden Fall "in den Knast".

„Sparen" heißt das Zauberwort. Zugegeben: In der heutigen Zeit der Rezession auf fast allen Gebieten, ist das nicht leicht. Manch einem bleibt nichts zum Sparen. Aber für viele ist das nicht ein Zauberwort, sondern ein Reizwort. Sparen? Wofür? - Leben will ich!

Wer kennt noch das alte Sprichwort? „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not".

 

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Der Schleier schützt vor Dummheit nicht - Ein bemerkenswertes Gerichtsurteil

 (-29- 07.03.2003) -  Was religiöser Fanatismus alles bewirken kann, wurde jetzt in einem Fall deutlich, in dem eine junge Moslemin die Hauptrolle spielte. Sie weigert sich beharrlich, ihre Vollverschleierung aufzugeben und findet deshalb keine Arbeit! Jetzt bekommt sie auch keine Sozialhilfe mehr, und das Mainzer Sozialgericht gab dem Sozialamt der Stadt Mainz in dieser Frage Recht. - Recht so!

Dieses Urteil (im übrigen ein bemerkenswertes Urteil eines deutschen Gerichtes, das diesmal dem "sozial Schwachen" das "vermeintliche Recht" versagte) hat die "Verschleierte" wohl selbst herbeigeführt durch ihr ebenfalls bemerkenswertes Verhalten. Sie gab nämlich keine Erklärung dafür ab, weshalb sie plötzlich nur noch in schwarzer totaler Verschleierung mit Handschuhen und Kopftuch herumläuft, obwohl sie früher eine Lehre angefangen hatte und stets unverschleiert war. Auch äußerte sie sich nicht dazu, warum sie sich niemals um eine Arbeitsstelle bemüht und außerdem für eine vom Arbeitsamt vorgeschlagene Putzstelle noch nicht einmal vorgesprochen hatte. Das Gericht zweifelte deshalb an der grundsätzlichen Bereitschaft der Frau, die im übrigen über gute Deutschkenntnisse verfügt, sich überhaupt vermitteln zu lassen. Wer dies verweigere, betonten die Richter, dem stehe laut Sozialgesetzbuch eine Hilfe zum Lebensunterhalt nicht zu.

Nun wird diese Dame darüber nachdenken müssen, wer in Deutschland ihr "Schmarotzerleben" finanziert. Vielleicht findet sie ja Halt in ihrem Familienclan, so wie es in ihrem vermutlichen Herkunftsland üblich ist. Es ist sowieso nicht das Problem der deutschen Öffentlichkeit, deren Gedankengänge oft anders sind als die der Politik. Wer nämlich in Deutschland als Asylant nicht bereit für eine Integration ist, muß sich nicht wundern, daß er selbst "ausgegrenzt" wird. Er wird sich überlegen müssen, ob er nicht dorthin zurückkehrt, woher er gekommen ist. Hier können wir jedenfalls gut auf solche "Mitbürger" verzichten, denen man auch keine Träne nachweinen muß.

 

(Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Rheinland-Pfalz, Frauenlobstr. 15-17, 55118 Mainz,

Tel.: 06131-638435; Fax: 06131-679437; eMail: agarp@t-online-de)

 

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Raffgier ohne Ende - Spielautomaten-Hersteller sind sauer

(-28- 23.01.2003) -  Man kann ja verstehen, daß es Menschen gibt, die daran interessiert sind, möglichst viel Geld zu  verdienen. Die Frage ist nur, wie man solches Wollen umsetzen kann. Schon früher gab es ein Sprichwort, nach dem es vorteilhafter ist, mit dem kleinen Finger zu handeln als mit dem ganzen Arm zu arbeiten. So gibt es also Spezies, die ohne zu arbeiten reich werden, und andere, die trotz anhaltender und schwerer körperlichen Arbeit zeitlebens nur soviel verdienen, daß sie gerade davon existieren können. Und da nach dem Motto "Geld stinkt nicht" die Moral hierbei überhaupt keine Rolle spielt, haben die besonders Schlauen auch keine Skrupel, anderen Menschen ohne Anstrengung das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Man kann sicher darüber streiten, ob es moralisch ist, Glücksspiele zu bestreiten. Davon gibt es unzählige; angefangen bei den staatlich sanktionierten Spielbanken (wobei der Staat selbst "unmoralisch" Geld verdient), über Sport-Toto, Fußball-Lotto, Klassen-Lotterien bis hin zu Glücksspielautomaten jeglicher Art, die man fast in jeder Gastwirtschaft finden. Die Betreiber nutzen hierbei eine Mentalität vieler Menschen, die man "Spielleidenschaft" nennt, und unterstützen damit eigentlich nur das, was eben solche Menschen sich wünschen; Menschen, die ohne "spielen zu können", sicher unglücklich wären, nutzen sie doch nur selbst eine Chance - meisten gegen überhöhten Einsatz - "etwas Geld zu verdienen".

Aber so wie es augenblicklich ist, ist es nicht genug. Die Aufsteller solcher Automaten sind sauer. Auf der Internationalen Fachmesse Unterhaltungs- und Warenautomaten, die kürzlich in Nürnberg stattgefunden hat, machten sie sich Luft und beschwerten sich über die nach ihrer Meinung antiquierte Spielverordnung aus dem Jahre 1953. Das Geldverdienen geht ihnen nicht schnell genug; denn in Deutschland muß ein Spiel an einem solchen "Geldgewinnspiel-Gerät" mindestens zwölf Sekunden dauern - und das ist zu lang, befinden die Hersteller dieser Geräte, wohl wissend, daß man schneller und mehr Geld verdienen kann, wenn eben diese Zeit abgekürzt wird. Natürlich suggerieren sie dabei den "Benutzern", daß auch sie schneller an Geld kommen können, was tatsächlich aber nicht stimmt, weil in der Regel immer nur das Gerät, und damit der Aufsteller - gewinnt.

Daß die Spielsucht vieler Menschen neben der Erzielung kleiner Gewinne (in Deutschland höchstens zwei Euro bei einem Einsatz von nur 20 Cent je Einzelspiel) auch oft genug zum Ruin vieler Familien geführt hat, interessiert die Aufsteller natürlich nicht. Sie sprechen von einer umfangreichen mittelständischen Branche mit 60 000 Arbeitsplätzen und betonen, daß seit 1995 der Bestand an Spielgeräten im Gastgewerbe schon um ein Drittel zurückgegangen sei. Ich meine, das ist gut so; denn unmoralisch ist die Herstellung, die Aufstellung und der Betrieb solcher Geldgewinnspiel-Automaten in meinen Augen allemal. Aber man kann sich auch des Arguments der "anderen Seite" nicht ganz verschließen, nach dem "jeder Einzelne seines Glückes Schmied" ist.

Bei vielen aber bleibt ein verantwortliches Handeln aus. Wenn die Sucht Überhand gewinnt, kann ein rationelles Handeln sicher nicht mehr erwartet werden. Und das ist wohl nicht nur bei "Glücksspielen" so.

 

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 S P O R T  

 

 

 

 

Und da gibt es

die "schönste Nebensache der Welt" -

den Sport.

 

 

Ich selbst  habe viele Jahre aktiv Sport betrieben (Handball) und arbeitete nebenberuflich und  ehrenamtlich bis ins Jahr 2002  50 Jahre in der Sportorganisation - hauptsächlich schreibend (als Pressewart, Mitarbeiter von Tageszeitungen und der Fachpresse, Redakteur  des Mitteilungsblattes eines Sportverbandes).

Sport ist heute nicht mehr was es einmal war. Zumindest der    Leistungssport (Berufssportler) hat mit dem eigentlichen Sport nicht mehr viel gemeinsam.    Wenn z.B. Fußballer schon in der Kreisliga eine Bezahlung verlangen mit der Begründung,    man spiele Fußball ja für den Verein, dann würde man besser auf solche Spieler    verzichten. Heute will fast jeder am Sport  verdienen. Die Auswüchse im Sponsoring    sind unübersehbar. Es gibt viele die fragen, wie man sich (nur aus Gründen der Werbung    für einen Sponsor) "einem Sponsor so ausliefern" kann, wie dies in der Regel    geschieht. Die Zusammenbrüche von Vereinen wegen Zahlungsunfähigkeit infolge des    Aussteigens des Sponsors nehmen  mehr und mehr zu.

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2003

Beckenbauer geht betteln - Selbstüberschätzung und Fußball-Weltmeisterschaft (-20 - 28.10.2003)

DFB-Teamchef Rudi Völler - Streit mit den Medien (-19- 16.09.2003)

Undank ist der Welten Lohn - oder: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan (-18- 15.04.2003)

1. FC Kaiserslautern bankrott? - Land Rheinland-Pfalz bankrott? (-17- 27.02.2003)

 

Anmerkung:

Die folgenden Jahrgänge 2000 bis 2002 werden inhaltlich nicht mehr dargestellt. Sie befinden sich im Archiv des Verfassers und können aufgerufen werden  über die Adresse www.josef-brieler.de/page3.php

 

 

2002

Führt Aktienbesitz zur Sperre? - Der Fall Fredi Bobic (-16- 27.10.2002)

Freude und Frust - "Stimmen" zur Fußball-WM (-15- 19.06.2002)

Bierflaschen - eine Schande für die Fairneß im Sport (-14- 12.03.2002)

Unverschämt? - Unverschämt! - Die Forderungen eines Tennisspielers (-13- 04.02.2002)

RTL - der hilfreiche? - RTL - der unersättliche! (-12- 10.01.2002)

 

2001

Korruption? - Die Ehrenmänner des IOC (-11- 20.09.2001)

Hohe Schulden für den Sport? (-10- 21.03.2001)

Sport  im Fernsehen - Medien-Mogul Kirch pokert hoch (-9- 23.02.2001)

 

2000

Sponsoring,  für viele ein Ärgernis - Fehlverhalten der Politik (-8- 03.09.2000)

Die Formel 1 und Michael Schumacher (-7- 31.07.2000)

Größenwahnsinn: FC Bayern München hebt ab (-6- 20.07.2000)

"Flickschusterei" beim DFB - Ein zweifelhafter "Neuanfang" (-5- 04.07.2000)

"Pro VfL Gummersbach" - Eine Fehlentscheidung (-4- 05.06.2000)

"Hooligans" - Schrecken des Fußballs (-3- 07.04.2000)

Fußball ist ein schwieriges Geschäft (-2- 04.04.2000)

Ja zu Doping? (-1- 04.02.2000)

 

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Beckenbauer geht betteln - Selbstüberschätzung und Fußball-Weltmeisterschaft

(-20- 20.10.2003) -  Es ist schon erstaunlich, was im Fußball - vor allem im bezahlten Fußball - so abgeht. Da haben sich  der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit seinem "Hans-Dampf-in-allen-Gassen-Präsident" Gerhard Mayer-Vorfelder ebenso wie "Fußball-Kaiser" Franz Beckenbauer, München, mächtig ins Zeug gelegt, um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ausrichten zu können, was ihnen auch gelungen ist. Doch heute muß man annehmen, daß sie hierbei mit gezinkten Karten gespielt haben; denn es stellt sich heraus - folgt man der "Süddeutschen Zeitung" -, daß die Finanzierung dieser Großveranstaltung offenbar gefährdet ist.

Das hält die beiden Fußball-"Übermenschen" aber nicht davon ab, sich mit einem Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen, für die ein "Normal-Sterblicher" sich gerade in der heutigen Zeit, wo die öffentlichen Haushalte um jeden Cent kämpfen müssen, weil sie vor dem Bankrott stehen, schämen müßte. Sie haben nämlich die Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer um Hilfe gebeten, um eine Finanzierungslücke in Millionenhöhe zu schließen. Angeblich sind Mindereinnahmen bei der Sportwette "Oddset" der Grund, denn aus deren Gewinn sollen Teilbeträge in den Haushalt des Organisations-Komittees der Weltmeisterschaft fließen. "Wir brauchen Ihren Beistand, die Zeit drängt", zitiert die Zeitung aus dem Schreiben der Fußball-Bosse an die Ministerpräsidenten.

So weit sind wir also in unserem armen Deutschland schon gekommen. Die Öffentlichkeit hält den Atem an ob der angeordneten Haushaltssperre in verschiedenen Ländern, der "von oben" verordneten Null-Runde für die Rentner, ständig steigender Zahl der Arbeitslosen und der fast nicht mehr zu finanzierenden Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger. In einer Zeit, in der die Versicherten im Krankheitsfall immer mehr aus eigener Tasche bezahlen müssen, weil die Krankenkassen die Ausgabenflut nicht mehr bewältigen können, da fällt den Herren Beckenbauer und Mayer-Vorfelder in ihrer Unverfrorenheit nichts besseres ein, als ausgerechnet die vor dem Ruin stehenden Länder um finanzielle Unterstützung einer Fußball-Weltmeisterschaft zu ersuchen, einer Fußball-Weltmeisterschaft, die auf Biegen und Brechen nach Deutschland geholt werden mußte, obwohl - wie sich jetzt herausstellt - die Finanzierung gar nicht gesichert ist.

Und ausgerechnet Beckenbauer und Mayer-Vorfelder gehen betteln. Zwei Ehrenmänner, die - so sieht es aus - bisher (auch im Sport) noch niemals etwas "ohne angemessene Bezahlung" geleistet haben, die für jeden Schritt, den sie tun, ein sattes Honorar einstreichen (vgl. auch vorstehenden Beitrag Nr. 19 - "DFB-Teamchef Rudi Völler - Streit mit den Medien"). Sie könnten vielleicht aus eigener Tasche etwas dazu beitragen, daß das zu erwartende Defizit nicht ausufert; denn schließlich haben sie sich die Suppe selbst eingebrockt. Oder sie könnten die gutverdienenden Proficlubs (allen voran den FC Bayern München) um Unterstützung und Hilfe ersuchen. Hört man aber deren Vorstandsmitglieder (wiederum allen voran vom FC Bayern), dann geht es diesen Clubs so schlecht, daß sie nun auch noch eine noch höhere Entschädigung dafür verlangen, daß sie Spieler für die Nationalmannschaft abstellen müssen. - Mir selbst wird beinahe schlecht, wenn ich an diese "armen" Vereine denke.

Ich hoffe und wünsche mir, daß die Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer die Ohren verschließen vor so viel Unverschämtheit, daß sie sich zugeknöpft zeigen und das wenige Geld, über das sie noch verfügen können, für wichtigere Dinge einsetzen. Kaiser Franz ist doch sonst nicht so verlegen und findet für alles eine Lösung. Es wird ihm auch gelingen können, hier andere Wege zu finden, um das Problem zu beheben. Und wenn gar nichts mehr hilft, dann muß ein anderes Land die Weltmeisterschaft ausrichten. Eine solche Weltmeisterschaft hat auch in Deutschland sicher einen hohen Stellenwert. Lebensnotwendig  ist sie aber nicht. Da gibt es ganz andere Probleme, wegen denen man durchaus auf die Ausrichtung einer solchen Veranstaltung verzichten kann.

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DFB-Teamchef Rudi Völler - Streit mit den Medien

  (-19- 16.09.2003) -  Einmal mußte es ja so weit kommen. Nach der wirklich schwachen Leistung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft beim torlosen Spiel in Island und der prompten Medienschelte rastete Rudi Völler aus. Er legte sich unqualifiziert verbal mit den Medien, den Kommentatoren und den sogenannten Co-Kommentatoren an und offenbarte dabei die eigenen schwachen Nerven und eine Gereiztheit, die vermuten läßt, daß er mit den Leistungen seiner Mannschaft einerseits und ebenfalls nicht zufrieden ist, andererseits er aber auch die ständigen Vorwürfe der Medien nicht mehr länger zu ertragen gedenkt.

Man mag darüber denken wie man will. Tatsache ist, daß er eine rege öffentliche Diskussion losgetreten hat, in der es sowohl harte Kritik für ihn gab als auch Verständnis für sein Verhalten. Ich möchte mich weiter dazu nicht äußern, sondern die Blicke lenken auf ein Vorhaben des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF), das beabsichtigt, neben den vielen anderen (und für mich überflüssigen) Co-Kommentatoren ebenfalls einen solchen zu installieren - nämlich Franz Beckenbauer, der für eine "Tätigkeit" bis 2006 eine Gage von drei Millionen Euro erhalten soll. Das regt mich auf; und deshalb habe ich dem ZDF eine E-Mail folgenden Inhalts übermittelt:

"Betreff: Co-Kommentator Franz Beckenbauer Hört der Schwachsinn bei den Medien denn überhaupt nicht auf? Nach den neuesten Nachricht will das ZDF dem "Kaiser" Franz Beckenbauer bis 2006 einen Betrag von drei Millionen Euro (!) für eine Tätigkeit als Co-Kommentator bei Fußball-Übertragungen zahlen. Ich denke, das ist erheblich mehr als der eigentliche Kommentator erhält. Und das alles mit unseren Gebühren für Rundfunk und Fernsehen, über deren Erhöhung schon wieder nachgedacht wird. Das blöde Gesappel des Franz Beckenbauer interessiert mich überhaupt nicht. Wenn ich mir Fußball-Sendungen ansehe, möchte ich von dererlei Gerede verschont bleiben. Ich sehe ja, was auf dem Platz geschieht, und ich bin durchaus noch in der Lage, mir ein Urteil darüber zu machen. Ich versichere Ihnen, daß ich in einen anderen Sender wechseln werde, sobald Franz Beckenbauer auch nur den Mund aufmacht. Sie sollten etwas verantwortungsvoller mit den Geldern der Zuschauer umgehen und diese nicht völlig überflüssig einem ohnehin schon gut verdienenden "Experten" hinterher werfen."

* * *

Nun, das ZDF hat doch eine andere Meinung und gab mir folgende Antwort per E-Mail:

"Sehr geehrter Herr Brieler, vielen Dank für Ihre E-Mail. Ihre Einwände an einer Verpflichtung Franz Beckenbauers als ZDF-Co-Kommentator haben wir der Sport-Redaktion bereits weitergeleitet. Die finanzielle Seite der Verpflichtung geht aber nicht zu Lasten des Gebührenhaushalts des ZDF, da eine entsprechende Vereinbarung mit dem Hauptmarketingpartner von Franz Beckenbauer, der Postbank, getroffen wurde. Uns liegen auch keine konkreten Angaben zu der Summe vor, die Franz Beckenbauer bis 2006 bezieht.

* * *

Nun wissen wir's also. Das ZDF hat mit der Sache "eigentlich gar nichts zu tun". Fragt sich nur, warum dann diese Vereinbarung mit der Postbank. Die Sparer und Kunden dieser Einrichtung werden sich sicher freuen. Auf ihre Spareinlagen erhalten sie gerade einmal ein halbes Prozent Zinsen! Dafür schmeißt die Bank dem Großverdiener Beckenbauer drei Millionen in den Rachen für eine Leistung, auf die man getrost verzichten kann; denn die von ihm zu erwartenden Beiträge bergen erneut Zündstoff  für Auseinandersetzungen, wie sie gerade zwischen Rudi Völler und den Medien gelaufen sind.

(Zweites Deutsches Fernsehen, Mainz - tour@zdf.de)

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Undank ist der Welten Lohn - oder: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan

   (-18- 15.04.2003) -   "Hannawald zwingt Heß zur Aufgabe" lese ich gestern in einer Überschrift auf der Sportseite der  Rhein-Zeitung Koblenz und denke, ich lese nicht recht. Mir gehen die vielen schönen Bilder von Übertragungen von Skispringen und Skifliegen durch den Kopf, in denen nicht nur Hannawald und seine Kameraden tolle Leistungen gezeigt haben, sondern auch Bundestrainer Heß mit "Leib und Seele" dabei ist, und sein Gesichtsausdruck jeweils verrät, ob er er mit seinem Schützling zufrieden ist oder er noch etwas hätte besser machen können. Die "Adler" - wie sie genannt werden - rebellieren; rebellieren gegen "ihren Chef", einen Mann, der - dem Anschein nach - sein ganzes Leben nicht nur dem Skispringen, sondern auch seiner Mannschaft gewidmet hat, einer Mannschaft, die in den letzten Jahren so stark war wie noch nie, und in der jeder Einzelne seine Erfolge nicht nur seinem eigenen Fleiß oder seiner eigenen Begabung, sondern auch zu einem hohen Anteil der hervorragenden Tätigkeit des Trainers zu verdanken hat - der Tätigkeit eines Trainers, der auf seinem Gebiet als der beste der Welt gilt? Nach dem Willen Sven Hannawalds und Martin Schmidts soll dieser Trainer nun gehen. Und er geht. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan!

Folgt man Hannawald, soll der Trainer "wegen Abnutzungserscheinungen" gehen. An sich ist es nichts Neues, daß ein Trainer gehen muß. Im Fußball erleben wir so etwas regelmäßig. Da aber steht oft eine Mannschaft dahinter, nicht ein Einzelner, der vielleicht gerade durch den Trainer groß geworden ist. Abnutzungserscheinungen!? Zugegeben: Nach Jahren des Erfolgs waren die deutschen "Adler" in der letzten Saison nicht so erfolgreich. Könnte es nicht sein, daß die behaupteten Abnutzungserscheinungen weniger beim Trainer, sondern eher bei den Sportlern selbst liegen? Vielleicht sind die Sportler auch zu satt, der Erfolg ist ihnen in den Kopf gestiegen oder die Motivation fehlt. Und wenn jemand satt ist, alles gewonnen hat, was es zu gewinnen galt, ja, dann hat möglicherweise auch ein Trainer nicht mehr die Möglichkeit zu motivieren. Das ist wie bei einem Kind, das satt ist. Da hilft auch das beste Zureden der Mutter nicht mehr, noch etwas zu essen.

Mit "Heß oder ich", soll nach Aussage eines Beteiligten Hannawald dem Deutschen Skiverband (DSV) die Pistole auf die Brust gesetzt haben. Sein Heimtrainer Wolfgang Steiert, bisher Co-Trainer im DSV, sei vielmehr der richtige Mann. Und so haben sie sich zum "Königsmord" zusammengerottet, die Weltmeister und Olympiasieger, und verhalfen damit dem "Vize", der schon während der Vier-Schanzen-Tournee seinen Anspruch auf diesen Posten geltend gemacht hatte, auf den Thron.

Reinhard Heß hat diesen Druck nicht ausgehalten und wird als Skisprung-Bundestrainer zurücktreten. "Ich habe diese Entscheidung bereits vergangene Woche getroffen", erklärte er. Daß aber der DSV dieses Intrigenspiel seiner Athleten mitmacht anstatt seinen Trainer zu stärken, ist erstaunlich. Er opfert seinen besten Trainer und spekuliert darauf, daß die Athleten in der nächsten Saison wieder zu besseren Leistungen zurückfinden. Angesichts der diesjährigen (Miß)-Erfolge ist das eine vage Hoffnung, und vielleicht hätte der DSV besser auf seine Athleten als auf den Trainer verzichtet. - Böswillige Beobachter könnten sogar die Meinung vertreten, Hannawald und Co. wären in der letzten Saison nur deshalb bewußt so schlecht gesprungen, weil sie den Trainer loswerden wollten. Doch: Ein Schelm, wer so etwas denkt!

Reinhard Heß sei jedenfalls gedankt für die bisherige herausragende Tätigkeit für den DSV. Und er wird es überstehen. Wenn er sich noch jung genug fühlt, wird er bei einem anderen Sportverband sicher herzlich willkommen sein. Ob aber die "Adler" in der nächsten Saison mit soviel Wohlwollen empfangen werden wie bisher, bleibt abzuwarten. Oft vergißt das Publikum schnell, oft aber ist es auch nachtragend und reagiert sensibel auf fehlende Dankbarkeit. Würden Hannawald und Schmidt dann ausgepfiffen, wäre die ganze Aktion nur ein Pyrrhussieg gewesen - und bei einer solchen Konstellation gäbe es auch wohl kaum noch ansprechende Leistungen.

Es ist eine Binsenweisheit: Undank ist der Welten Lohn!

 

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1. FC Kaiserslautern bankrott? - Land Rheinland-Pfalz bankrott?

 (-17- 27.02.2003) -  Da sage einer, wir hätten in Rheinland-Pfalz keinen guten "Landesvater". Nach dem monatelangen  Hickhack um die Finanzen des durch einen dilettantischen Führungsstil in die drohende Insolvenz getriebenen Fußball-Bundesligisten hat es gestern Abend angeblich eine "Rettung" für den mit fast 40 Millionen Euro verschuldeten Verein gegeben. Ob es vielleicht nur ein Pyrrhussieg war, werden wir erfahren, wenn die vom Verein, der Stadt Kaiserslautern, dem Land Rheinland-Pfalz und den Banken getroffenen Entscheidungen der vorgesehenen rechtlichen Abklärung durch ein Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen standhalten; denn noch wissen alle Beteiligten nicht genau, welche finanziellen Anteile sie letztlich zu tragen haben werden. Die Absicht ist aber klar:

Das Land Rheinland-Pfalz (!), die Stadt Kaiserslautern und die fünf beteiligten Banken beschlossen die Gründung einer Betreiber-Gesellschaft, die das Fritz-Walter-Stadion übernimmt und dafür den Klub von den Umbaukosten (angeblich wichtig, weil hier Spiele der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen werden sollen) von rund 20 Millionen Euro befreit. Dafür stellen das Land und die Stadt Kaiserslautern je rund zehn Millionen Euro zur Verfügung. - Vorbehaltlich der vorgesehenen wirtschaftlichen Prüfung soll die Regelung aber nur dann gelten, wenn der 1. FC Kaiserslautern in der Ersten   Bundesliga verbleibt - also weder sportlich absteigt noch die Lizenz nicht erhalten sollte. Was aber bleibt für den Verein?

Als erstes wird er (hoffentlich) seine Steuerschuld in zweistelliger Millionenhöhe entrichten müssen - ob mit oder ohne Stundung! Fatal wäre es für den "Normalbürger", würde das Finanzamt (der Staat) ganz oder teilweise darauf verzichten. Zweitens soll der Verein für die künftige Nutzung des Stadions rund 3,5 Millionen Euro jährlich an die Betreiber-Gesellschaft zahlen und obendrein mit eigenen Personal- und Sachkosten für die Unterhaltung des Stadions aufkommen. Bei einer solchen Konstellation bleiben einige Frage offen.

Schafft der Verein den Klassenerhalt? Wenn nicht, dürfte sein Bankrott-Schicksal besiegelt sein.

Schafft er aber den Klassenerhalt, kann er dann die finanziellen Verpflichtungen erfüllen? Immerhin sind Miet- und Unterhaltszahlungen nicht gerade billig.

Was geschieht, wenn die wirtschaftliche Prüfung negativ verläuft und die "Einigung" nicht wirksam wird? Dann wird alles wieder von vorne anfangen - oder?

Drei weitere Fragen drängen sich aber auf.

Können Schadensersatz-Forderungen gegen die "alte" Vereinsführung durchgesetzt werden, die den Verein derart ins Desaster geführt hat?

Und was ist mit dem Aufsichtsrat des Vereins, der das alles doch wohl gebilligt oder zumindest nicht wahrgenommen hat, "wohin der Karren" läuft? Ein Aufsichtsrat, dem auch der rheinland-pfälzische Innenminister Walter Zuber (SPD) angehört. Was haben die Mitglieder im Aufsichtsrat eigentlich gemacht? Waren sie nur zum "Abnicken" der Vorschläge des Präsidiums da?

Weshalb sollen eigentlich das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Kaiserslautern Geldmittel aufwenden (die sie beide eigentlich nicht haben), um einen zur Bedeutungslosigkeit verkommenen Verein "zu retten"? Da werden im Land rigorose Sparpakete geschnürt, um den Versuch zu unternehmen, einen Haushalt auszugleichen und in den Städten Überlegungen angestellt, wie man angesichts des dramatischen Rückgangs von Steuereinnahmen überhaupt "überleben" kann - aber Geld für die Sanierung eines einzelnen Sportvereins ist offenbar immer noch da, obwohl die Geldmittel für alle anderen Vereine im Land zum Leidwesen des Landessportbundes heftig gekürzt werden. Nun, man kann ja noch einige Mitarbeiter entlassen, um das alles wieder auszugleichen!

Ich bin durchaus ein Anhänger des 1. FC Kaiserslautern. Bei Abwägung aller Werte kann es jedoch nicht sein, daß ein (wenn auch solcher) Verein am Leben erhalten wird, koste es was es wolle. Aber Freund Kurt wird es schon richten. Vielleicht hat er ein schlechtes Gewissen, weil  womöglich im Aufsichtsrat nicht aufgepaßt worden ist. Wenn ein Fußballverein der Ersten Bundesliga bankrott geht, hat das für die Geschichte keinerlei Bedeutung. Daß man aber am möglichen Bankrott seines eigenen Landes beteiligt ist, ist nicht nur für die Geschichte, sondern auch für sich persönlich ein Trauerspiel.

Wie sagten die Alten so treffend: Es gibt kein größeres Leid als das, was man sich selbst antut.

Und das gilt nicht nur für den Verein, sondern auch für alle übrigen Beteiligten!

 

(Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Peter-Altmeier-Allee 1, 55116 Mainz; Tel.: 06131-16-0; Fax: 06131-164771;

Ministerium der Finanzen Rheinland-Pfalz, Mainz; Fax: 164331)

 

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       Bemerkungen zum Tagesgeschehen

Nach acht Jahren selbst auferlegter Abstinenz fange ich also doch noch einmal an zu schreiben. Schon seit einigen Jahren juckt es mich in den Fingern, aber bis jetzt habe ich "widerstanden". Doch nun hat es mich wieder erwischt. Ich kann nicht mehr widerstehen, und dafür bitte ich um Verzeihung.

Wie bisher schon möchte ich mich äußern zum Tagesgeschehen, zu Dingen in Politik und Gesellschaft, die mir nicht gefallen, die mich aufregen, zu Entscheidungen oder Entwicklungen, die ich als ungerecht empfinde und Einzelne oder Teile der Gesellschaft benachteiligen, zu Bestrebungen, die nur Einzelnen (ungerechtfertigte) Vorteile verschaffen. Natürlich räume ich Anderen auch andere Sichtweisen ein. Trotzdem muss ich nicht schweigen, wenn ich denke, etwas sagen zu wollen oder zu müssen. Subjektiv ist das also. Und trotzdem handele ich so und beziehe mich dabei ausdrücklich auf Artikel 5 Abs. 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, in dem es heißt:

"Jeder hat das Recht seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten . . "

 

 

01 - Das neue Wahlrecht: Schwachsinnige Lösung. Hier zeigt sich der wahre Charakter in der Parteien-Landschaft

02 - Streit um den „Mindestlohn“ – F.D.P. wie immer bockig.

03 - Masslose Dummheit - wohin man auch schaut

04 - EU-Kommission nimmt sich EEG vor: Was, wenn Brüssel die Rabatte kippt?

05 -EU-Finanzminister einig über Bankenabwicklung "Wir revolutionieren den Finanzsektor"

06 - Sotschi: Eine Schande für Putin un das IOC

07 - Edward Snowden - ein Held oder Verräter?

08 - Alice Schwarzer und diue (Steuer)-Moral

09 - Freihandelsabkommen EU - USA?

10 - Geld stinkt nicht - Drogenkartelle in Mexico und ihre Helfer

11 - Iran: Der Gottesstaat ist Teufelswerk

12 - So musste es ja kommen

13 - Nieder mit den Ampelmännchen - Deutschland im Gleichstellungswahn?

14 - US-Gericht soll entscheiden - Herero-Klage gegen Deutchland

15 - Abschalt-Automatik bei VW - Die Betrügereien hören nicht auf

16 - LkW - Die rollende Gefahr auf Autobahnen

17 - Bundestagswahl 2017

 

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Anmerkung:

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Das neue Wahlrecht: Schwachsinnige Lösung.

Hier zeigt sich der wahre Charakter in der Parteien-Landschaft.

 

(01 – 22.02.2013) – Es gibt viele Menschen, die behaupten, die Politik sei ein Selbstbedienungsladen. Der Normalbürger hat aber nichts davon; nur die an der Quelle sitzen, können ihre Vorteile abschöpfen. Und das sind die Parteien und ihre Helfershelfer: Die Politiker, welche – wenn sie sich partei-solidarisch verhalten – die entsprechenden Positionen übernehmen und sich damit die Pfründe sichern, die die Bürger – ob sie wollen oder nicht – bezahlen müssen. Oft genug kommt man sich dabei total „verarscht“ vor und ist macht- und hilflos!

 

Der Deutsche Bundestag hat ein neues Wahlrecht beschlossen, wozu ihn das Bundesverfassungsgericht verpflichtet hat. Stein des Anstoßes waren die „Überhangmandate“, die  eine Partei dann erhält, wenn sie mehr Direktmandate bekommt, als ihr Abgeordnetensitze nach dem Ergebnis der Zweitstimmen zustehen. Diese Überhangmandate sollen künftig durch Ausgleich-mandate für die anderen Parteien kompensiert werden. Und hier fängt der Schwachsinn an. Denn das bedeutet nichts anderes als eine unangemessene und vermeidbare „Aufblähung“ des Parlaments, in das im Normalfall 620 Abgeordnete gewählt werden. Gibt es aber Überhangmandate, die nach der neuen Entscheidung künftig ausgeglichen werden müssen, kann der Bundestag im Extremfall mit mehr als 800 Abgeordneten besetzt sein (Quelle: tagesschau.de; 21.02.2013). Wieso das „ein erster Schritt zu mehr Bürgernähe“ sein soll, wie es der Verein Mehr Demokratie sieht, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

 

Die höhere Besetzung des Parlaments allein hat nämlich überhaupt nichts mit Bürgernähe zu tun, so lange die Besetzung dem Wählerwillen entspricht. Das ist unabhängig von der Gesamtzahl der Abgeordneten. Und dass eine höhere Zahl davon zu besseren Beschlüssen führen soll, kann man auch nicht behaupten. Wenn man die bisherigen, oft erbärmlichen Beschlüsse des Bundestages kritisch sieht, muss man zu dem Ergebnis kommen, dass auch weniger Abgeordnete als 620 kein schlechteres Ergebnis hätten erzielen können.

 

Anstatt Überhangmandate „auszugleichen“, hätten die schlauen Politiker auch eine Lösung finden können, diese Mandate auf das Ergebnis der Zweitstimmen „anzurechnen“. Das wäre insoweit effektiver, als dadurch die Abgeordnetenzahl 620 auch bei Überhangmandaten nicht überschritten würde. Und das wäre – weil erheblich billiger – auch eine Entscheidung im Sinne der Bürger; wohl aber nicht im Sinne der Parteien, denen bei ihrer Machtgier eine solche Lösung aber nicht einfallen konnte.

 

Da ist es wohltuend zu bemerken, dass eine Partei bei all diesem Geschacher nicht mitgemacht und gegen diesen Beschluss gestimmt hat: Die Linke. Aber alle anderen sogenannten Volksparteien haben dafür wohl kein Gespür mehr. Wenn es um vermeintlich eigene Vorteile geht, sind sie sich alle seltsam einig. Selbst die F.D.F, die üblicherweise an fast Allem etwas zu mosern hat,  hatte diesmal keine Einwände.

 

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Streit um den „Mindestlohn“ – F.D.P. wie immer bockig.

(02 – 23.02.2013) – Es ist eine „unendliche“ Geschichte.  Seit Jahren streiten sich  Parteien und Politiker über die Frage, ob und wie in Deutschland für die arbeitende Gesellschaft ein Mindestlohn festgeschrieben werden soll. Da wird von Unzumutbarkeit für die deutsche Wirtschaft ebenso gesprochen wie von der Warnung eines unzulässigen Eingriffs in die Tarifautonomie. Von dem Schreckgespenst der zwangsläufig notwendig werdenden Verlagerung von Produktionsstätten ins „billigere“ Ausland und von dem drohenden Verlust von Arbeitsplätzen, der Verteuerung von Produktionsgütern und der damit verbundenen Verschlechterung des deutschen Außenhandels. Von der Befürchtung, die sich um ihre Tantiemen sorgenden Aktionäre zu verprellen oder die arbeitende Bevölkerung in die Armut zu stürzen, wird in diesem Zusammenhang weniger gesprochen. Der Profit – oder die Angst, diesen einzuschränken oder zu verlieren – regiert in den Köpfen derer, die einerseits darüber entscheiden, andererseits aber nie selbst erfahren haben, wie es sich anfühlt, seinen monatlichen Lebensunterhalt bereits am 20. des Monats „verbraten“ zu haben.

 

CDU/CSU wagen nur zögerliche Versuche, hier etwas Bewegung ins Spiel zu bringen und zumindest regional die Löhne auf ein Mindestniveau festzuschreiben, sehr zum Leidwesen von SPD und Grünen, die das nicht für ausreichend halten. Auch die Gewerkschaften wettern gegen diese Absichten. Und wie denkt die F.D.P. darüber?  Obwohl nur kleinste Partei, reißt sie am weitesten das Maul auf und steht – wie immer – auf der Seite der Reichen, „Großen“ und „Wichtigen“ und verschwendet keinen Gedanken daran, wie es wohl denen ergehen könnte, die zwar von morgens bis abends (und oft auch noch in Schichten) arbeiten; ihnen aber ein gerechter Lohn vorenthalten wird. Die F.D.P. ist eigentlich so bedeutungslos, dass sie besser schweigen würde; ihr Geschwätz interessiert sowieso niemand. „HOTGC“ bringt es in einer Leserzuschrift in WEB.DE am 19.02.2013 auf den Punkt: „Mich kotzt diese Scheiß-F.D.P. nur noch an. Wäre echt super, wenn  die 2013 aus dem Bundestag verschwindet“.

 

Natürlich weiß ein denkender Mensch, dass man Industrie, Handel, Handwerk und Gewerbe nicht kaputtmachen darf. Das wäre auch für die Arbeitnehmerschaft fatal. Aber die Ablehnung des Mindestlohns ist in dem „reichen“ Deutschland nicht zu begreifen angesichts der Tatsache, dass in den europäischen Ländern um uns herum dies ohne große Probleme möglich ist. Was ist das für eine Politik, die es erlaubt, Arbeitsnehmer massenhaft zu entlassen, um sie nach geraumer Zeit als sogenannte „Leiharbeiter“ zu günstigeren Konditionen befristet wieder einzustellen? Gerade die „Leiharbeitsfirmen“ sind das wirkliche Übel. Was man ihren Arbeitern wegnimmt, stecken sie selbst in den Säckel und werden reich dabei. Die unter einer SPD-Regierung installierten Firmen müssen schnellstens wieder verboten werden. Und was ist das für eine Politik, die „unterbezahlten“ Arbeitern aus dem öffentlichen Haushalt einen sogenannten „Ausgleich“ bezahlt, anstatt diesen Ausgleich von den Arbeitgebern einzufordern? Wieso muss der Steuerzahler das leisten? Eine Schande ist das – und die „minderbemittelten“ Politiker merken das noch nicht einmal oder halten es für richtig und dem „kleinen Mann“ auch für zumutbar. Ein-Euro-Job und Hartz IV sind Schimpfwörter und müssten aus der deutschen Sprache verbannt werden.

 

Die Auswirkungen des fehlenden Mindestlohns sind fatal, weil damit auch die Grundlagen für eine später ausreichende Rente fehlen. Und so treibt man die arbeitende Bevölkerung bewusst in die Armut, während sich Arbeitgeber und Aktionäre gleichzeitig die Hände reiben und oft nicht wissen, wie und wo sie ihre „Überschüsse“ gewinnbringend – am besten auch noch am Finanzamt vorbei – anlegen können. 

  

 

Nachtrag:

 

(01.03.2013) - Der Bundesrat hat heute Geschlossenheit bewiesen und sich mit den Stimmen der von SPD und Grünen regierten Ländern für einen Flächen deckenden Mindestlohn von 8,50 € pro Stunde ausgesprochen. Sogar das mehrheitlich von der CDU regierte Saarland hat sich (sicher zum Leidwesen der Mutterpartei im Bund) dafür ausgesprochen und damit die vorgegebene Linie verlassen. CDU und FDP haben erwartungsgemäß sofort reagiert und erklärt, diesen Bundesratsbeschluss kippen zu wollen. Mehr ist den Sturköpfen - an der Spitze Merkel und Rösler - (oder soll man besser Hohlköpfen sagen) dazu nicht eingefallen. Was muss eigentlich noch alles passieren,  damit sie begreifen, dass man so mit der arbeitenden und zum großen Teil notleidenden Bevölkerung nicht umgehen kann!

 

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Masslose Dummheit - wohin man auch schaut

 

(03 - 14.06.2013) - Ich glaubte, meinen Ohren nicht zu trauen, als ich in einer Sendung des Südwest-Rundfunks zu dem Thema "Berlusconi - Seelenfänger Italiens?" vernahm, was eine Dame aus Turin öffentlich von sich gab. Sie hat an einer Veranstaltung teilgenommen, zu der Berlusconi seine Anhänger auf die Piazza del Popolo nach Rom eingeladen hatte. Die Dame erklärte: "Ich bin hier, weil ich an Silvio Berlusconi glaube. Weil ich glaube, dass er der einzige anständige Politiker in diesem Land ist."

 

Das Schlimme an dieser schwachsinnigen Aussage ist, dass diese Dame mit ihrer Ansicht offenbar nicht allein ist; denn wie wäre sonst zu erklären, dass Berlusconi dreimal zum Ministerpräsidenten gewählt worden ist, obwohl die italienische Justiz 30 Ermittlungsverfahren gegen ihn geführt hat, wobei er nur in drei Prozessen freigesprochen worden ist. Wir kennen alle die unendlichen und unseligen Eskapaden dieses Exzentrikers, der dank seiner Eingebildetheit, seiner Machtbesessenheit, seiner Skrupellosigkeit, seiner Leidenschaft für Korruption den italienischen Staat während seiner Amtszeit an den Rand des Ruins geführt hat. Dank seiner Medienmacht hat er "das intellektuelle, ethische und kulturelle Niveau der Bevölkerung [auf die unterste Ebene] heruntergeschraubt" (Giulietto Chiesa, einer der radikalsten linken Intellektuellen Italiens).

 

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Für mich unverständlich ist auch die Tatsache, dass es im Islam immer wieder junge Menschen gibt, die sich von ihren "geistigen Führern" beschwatzen lassen, sich einen Sprengstoffgürtel um die Hüften zu binden und sich damit selbst in die Luft zu sprengen. Sie glauben offenbar den Versprechungen, die ihnen verheißen, im Himmel warteten danach hundert Jungfrauen auf sie, mit denen sie ebenso viele Freuden erleben dürften. Was muss in den Köpfen dieser jungen Menschen vorgehen, dass sie solch einen Schwachsinn glauben. Sie kommen wohl niemals auf die Idee zu hinterfragen, warum sich ihre geistigen Führer nicht selbst einmal einen solchen Gürtel umschnallen, um auch einmal diese himmlischen Freuden erleben zu dürfen. Nebenbei sei auch die Frage erlaubt, woher eigentlich die vielen Jungfrauen kommen sollen. Bei so viel Dummheit müssen einem die jungen Leute auch nicht leid tun. Irgendwann wird sich niemand mehr finden, der sich selbst in die Luft sprengt. Dann wird es sie nicht mehr geben, womit dann auch die Dummheit besiegt oder ausgestorben wäre.

 

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Auch im Straßenverkehr ist die Dummheit nicht auszurotten. Jeden Tag kann man beobachten, wie hirnlos manche Autofahrer sich im Verkehr bewegen. Da gibt es vielfältige Möglichkeiten, sich bei den anderen Verkehrsteilnehmern unbeliebt zu machen, weil man sich benimmt, als wäre man allein auf der Straße nach dem Motto: „Was geht das den Anderen an?“

 

Sehr beliebt ist das Falschfahren im Kreisverkehr. Ganz offensichtlich kapieren viele Autofahrer nicht die Verkehrsvorschrift, wenn sie den Fahrtrichtungsanzeiger (Blinker) schon bei der Einfahrt in den Kreisel betätigen, dieses dann aber bei der Ausfahrt aus dem Kreisel unterlassen. Frustiert müssen in dieser Situation die Einfahrenden in den Kreisel feststellen, dass sie nicht hätten bremsen müssen. – Blinker nicht setzen ist sowieso ein beliebtes Spiel vieler Autofahrer. In meiner eigenen Wohnstraße kann ich tagtäglich feststellen, dass – grob geschätzt – mindestens 70 Prozent aller Fahrer nicht blinken, wenn sie rechts in die Straße „Im Windegut“ oder „Graf-von-Westphalen-Straße“ abbiegen. Und eine solche Feststellung kann man überall treffen. Man muss sich wirklich fragen, was diese Verkehrsteilnehmer in der Fahrschule gelernt haben oder warum es in einem Kraftfahrzeug überhaupt einen Fahrtrichtungsanzeiger gibt.

 

Ähnliches Verhalten ist auch bei Geschwindigkeitsbeschränkungen festzustellen. Beispielsweise in meiner eigenen Wohnstraße gilt Tempo 30, was mit einem großen Schild bei der Einfahrt angezeigt wird. Nach meinem Empfinden müssen rund 80 Prozent aller Verkehrsteilnehmer blind sein, weil sie sich an diese Beschränkung nicht halten und mit unverminderter Geschwindigkeit durch die Wohnstraße fahren. In diesem Fall sind aber nicht nur die Verkehrsteilnehmer die „Schuldigen“. Ich frage mich, weshalb ein solches Schild überhaupt aufgestellt wird. Die Kosten dafür hätte man sparen können, wenn sich sowieso keiner an das Gebot hält. Zumindest müsste man erwarten, dass hin und wieder Verkehrskontrollen durchgeführt werden. Die zuständige Behörde denkt aber offenbar nicht im Traum daran, dies zu tun. In vielen Jahren habe ich noch nicht eine einzige Kontrolle erlebt. – Sehr beliebt ist auch das Überfahren „durchgezogener“ Linien. Immer wieder kann man beobachten, dass sich Verkehrsteilnehmer an das Verbot nicht halten und solche Linien überfahren. Kriminell ist das dann, wenn damit ein Linksabbieger-Verbot verbunden ist. Warum sollte man – so geistert es wohl in manchen Köpfen – einen Umweg fahren, wenn man direkt – trotz Verbots – über einen durchgezogenen Strich durch Linksabbiegen in eine andere Straße einfahren kann!

                                        

Auch auf Autobahnen läuft vieles schief. Am schlimmsten empfinde ich die sogenannten „Raser“, die immer nur die linke Spur benutzen, selbst dann, wenn die beiden rechten Spuren frei sind (zugegeben: Das kommt selten vor). Diese Leute haben offensichtlich vom „Rechtsfahrgebot“ noch nie etwas gehört. Das gilt aber auch für die permanenten „Mittelspurfahrer“. Denen geht es nicht in die Köpfe, dass sie den fließenden Verkehr mit ihrem Verhalten erheblich beeinträchtigen. Schnellere Fahrer sind dadurch gezwungen auf die linke Spur zu fahren, wenn sie überholen wollen, obwohl die rechte Spurt frei ist. Auf dieser Spur dürfen sie aber nicht überholen, weil das verboten ist. Und trotzdem gibt es andererseits wieder Fahrer, die dies tun. Rechtsüberholen bei meist hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn ist aber höchst kriminell und oft lebensgefährlich.

 

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EU-Kommission nimmt sich EEG vor:

Was, wenn Brüssel die Rabatte kippt?

von Kai Küstner, WDR-Hörfunkstudio Brüssel

(Quelle: tagesschau.de)

 

(04 – 18.12.2013) - Industriebetriebe mit hohem Stromverbrauch bekommen in Deutschland Rabatte. Ob dies rechtens ist, prüft jetzt die EU-Kommission. Sollten die Rabatte unzulässig sein, kommen auf die deutsche Industrie milliardenschwere Nach-zahlungen zu.

 

Gestern noch hatte die EU-Kommission Angela Merkel artig zur Wiederwahl gratuliert. Doch was eben jene Kommission Berlin heute zukommen zu lassen droht, ist weit davon entfernt, eine freundliche Grußbotschaft zu sein:

"Das kann dramatische Auswirkungen auf die deutschen Unternehmen haben", so - Unheil ahnend - die Kanzlerin schon vor wenigen Tagen.

 

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EEG könnte gegen Wettbewerbsregeln verstoßen.

Was genau droht, ist die Feststellung, dass das Kerngehäuse der Energiewende in Deutschland, das sogenannte Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), nicht im Einklang mit fairen Wettbewerbsregeln stehen könnte.

 

Bereits vor wenigen Wochen hatte der deutsche Vertreter in der EU-Kommission, der für Energie zuständige Günther Oettinger, dem WDR/NDR-Studio Brüssel erklärt: "Wir haben Beschwerden, Beschwerden aus Deutschland vor allem. Aber die Kommission will Fördersysteme für Erneuerbare Energien ermöglichen, das entspricht unserer Politik. Sie müssen eben nur über die Grenzen hinweg, europäisch und im Wettbewerbsrecht tauglich sein. Und sie müssen auch für die Verbraucher effizient sein. Sie sollten nicht Dinge fördern, die nicht effizient sind."

 

Zum einen stößt sich Oettingers Kollege, Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia, daran, dass die Gesetze in Deutschland Hunderte Unternehmen von der Ökostrom-Umlage befreien oder sie zumindest entlasten. Sie hätten damit einen Wettbewerbsvorsprung.

 

Keine Rabatte - weniger Jobs

Gerade in Nordrhein-Westfalen sind viele solcher Strom-Großabnehmer angesiedelt, die nun alle, genau wie ihr Wirtschaftsminister Garrelt Duin, mit etwas weichen Knien nach Brüssel blicken: "Wir haben Zehntausende Arbeitsplätze, die direkt davon betroffen sind. Denn bei den meisten Unternehmen ist es so, dass sie sich auf dem internationalen Markt nur halten können, weil es diese Befreiung gibt. Wenn sie wegfällt, sind die Arbeitsplätze sehr schnell und kurzfristig auch gefährdet."

 

Auch Ökostrom eine unerlaubte Beihilfe?

Die Vergünstigungen für die Industrien sind das eine. Doch in ihrem Entwurf für den Beginn des Prüfverfahrens gegen Deutschland geht die Kommission weiter und deutet an, dass auch die finanzielle Förderung von Wind, Sonne, Biogas - des sogenannten Ökostroms also - als unerlaubte Beihilfe eingestuft werden könnte.

 

Die Grünen im EU-Parlament oder auch der Bund für Umwelt und Naturschutz warnen bereits, dies würde die Energiewende in Deutschland insgesamt gefährden.

 

Der CDU-Abgeordnete im EU-Parlament, Herbert Reul, sieht diesen Punkt weniger dramatisch: "Energiewende ist möglich. Sie muss nur mit Augenmaß gemacht werden. Und sie muss so organisiert werden, dass die Kostenbelastung für den deutschen Stromnutzer und auch für den deutschen Energie-Strom-Nutzer geringer werden."

 

Die Bundesregierung will das Erneuerbare Energien-Gesetz ohnehin verändern. Nur so weit, wie Brüssel es offenbar gerne hätte, wollte in Berlin bislang niemand gehen. Sollte die EU-Kommission sich heute so äußern, wie alle vermuten, dürfte sie damit der Kanzlerin und dem neuen Energieminister Sigmar Gabriel gleich jede Menge Arbeit aufbrummen.

 

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Anmerkung:

 

Es mag sein, dass die Verteilung der „Umlage“ auch auf große Export-Firmen gerade für solche Firmen eine Wettbewerbs-Verzerrung und sie deshalb schwer zu schultern ist. Nicht richtig ist es aber, dass auch Firmen „verschont“ bleiben, die keinem Wettbewerb unterliegen und „einfach nur viel elektrische Energie verbrauchen“, z. B. Städtische Straßenbahnunternehmen. Dafür kann der Normalbürger kein Verständnis haben. Es ist höchste Zeit, dass sich die Politik auch einmal des „kleinen“ Bürgers erinnert, der nicht verstehen kann, dass er mehr oder weniger regelmäßig für Dinge aufkommen soll, die er nicht „verschuldet“ hat. Energiewende mag schön und gut sein. Was aber die Politik auf diesem Feld bisher „verbrochen“ hat, zeugt nicht von großer Intelligenz. Aber warum sollte man diese bei vielen Politikern auch voraussetzen?

 

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EU-Finanzminister einig über Bankenabwicklung:

"Wir revolutionieren den Finanzsektor"

von Martin Bohne, MDR-Hörfunkstudio Brüssel

(Quelle: tagesschau.de)

 

(05 – 19.12.2013) - Lange wurde verhandelt, am Ende war es kurz vor knapp, und Berlin setzte sich durch: Kurz vor dem EU-Gipfel haben sich die Finanzminister auf Regeln zur Abwicklung von Krisenbanken geeinigt. So sollen Steuerzahler und Sparer entlastet werden.

 

Kurz vor Mitternacht stieg endlich weißer Rauch aus dem Brüsseler Ratsgebäude auf. Gerade noch rechtzeitig bevor die Regierungschefs sich heute zum Gipfel treffen. Denn die hatten ihre Finanzminister beauftragt, bis dahin eine Einigung auf den gemeinsamen Bankenabwicklungs-mechanismus hinzubekommen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble war dann auch hörbar stolz, dass er schon am zweiten Tag seines neuen Ministerlebens ein so wichtiges Ergebnis liefern konnte.

 

Zuvor hatten die Minister aber noch einmal zwölf Stunden lang hart verhandeln müssen, um das gemeinsame Abwicklungsgremium und den gemeinsamen Abwicklungsfonds hinzubekommen. Gerade Schäuble hatte immer wieder auf Regeln gedrungen, die auch vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand haben. "Das ist jetzt in einer soliden Weise erreicht worden, wir haben eine klare, verlässliche Rechtsgrundlage", wertet er jetzt das Ergebnis.

 

Neues Gremium erarbeitet Modalitäten.

Und das sieht so aus: Stellt die neue europäische Bankenaufsicht fest, dass ein Geldhaus in gefährliche Schieflage geraten ist, dann tritt das neue Gremium aus nationalen Aufsehern zusammen, um die Modalitäten für dessen Abwicklung oder Sanierung auszuarbeiten. Formell verkündet wird die Entscheidung aber vom Rat der Finanzminister. Viele Regierungen hätten das letzte Wort lieber der EU-Kommission übertragen, aber das hat Schäuble verhindert.

 

Banken sollen selbst für Schließung zahlen.

Künftig sollen die Banken zudem selbst für die Kosten einer Bankenschließung aufkommen. Dafür wird ein Fonds gegründet, in den die europäischen Banken über zehn Jahre einzahlen müssen. Am Ende sollen dann über 50 Milliarden Euro in dem Topf sein. Anfangs wird dieser Fonds aus getrennten nationalen Abteilungen bestehen. Die Schließung einer italienischen Bank wird dann noch aus dem italienischen Topf finanziert.

 

Ein wirklich gemeinsamer Fonds soll erst nach und nach entstehen - und zwar auf der Grundlage eines gesonderten Vertrages, der zwischen den Teilnehmerstaaten an der Bankenunion geschlossen wird. Schäuble hatte immer argumentiert, dass die europäischen Verträge keinen Gemeinschaftsfonds hergeben.

 

Und der deutsche Finanzminister hat sich auch noch in einem dritten Punkt durchgesetzt: Sollten die Mittel im Fonds gerade in der Aufbauphase nicht ausreichen, um eine Bank abzuwickeln oder zu sanieren, dann muss der Heimatstaat der Bank die fehlenden Mittel aufbringen. "Und wenn Nationalstaaten nicht in der Lage sind, diese Verpflichtungen zu erfüllen, dann können sie auch auf die Solidarität im ESM zurückgreifen", betont Schäuble. Aber eben nach den derzeit geltenden Regeln: Wenn ein Staat den Rettungsfonds ESM anzapfen will, dann muss er sich im Gegenzug den üblichen Auflagen unterwerfen und für die Rückzahlung der Kredite gerade stehen. Viele überschuldete Regierungen hatten gehofft, dass der ESM notleidenden Banken direkt frisches Kapital zur Verfügung stellen könnte. Vergeblich.

Bankenunion nimmt Gestalt an.

 

Der gemeinsame Abwicklungsmechanismus ist die zweite Säule der angestrebten europäischen Bankenunion. Bereits im Aufbau begriffen ist die erste Säule, die zentrale Aufsicht über die Großbanken. Säule Nummer drei besteht aus gemeinsamen Regeln zur Einlagensicherung. Auf die konnten sich das EU-Parlament und der Rat der Mitgliedsstaaten gerade einigen.

 

Eine Einigung gibt es auch schon über die Regel, dass bei künftigen Bankenpleiten immer zuerst die Eigentümer und Gläubiger der Bank zur Kasse gebeten werden. Europa ziehe damit die Lehren aus der Finanzkrise, so EU-Binnenmarktkommissar Barnier: "Wir revolutionieren den ganzen Finanzsektor in Europa. So dass der Steuerzahler nicht mehr die Zeche zahlen muss, wenn Banken sich verspekulieren."

 

EU-Parlament hat eigene Vorstellungen.

Ganz in trockenen Tüchern ist der Abwicklungsmechanismus aber noch nicht. Denn das Europäische Parlament hat auch ein Wort mitzureden, und die Parlamentarier haben in zentralen Punkten ganz andere Auffassungen, so der grüne Finanzexperte Sven Giegold: "Das Europaparlament fordert, dass der gemeinsame Fonds und auch die Entscheidungsstruktur des Abwick-lungsmechanismus' ganz klar europäisch sind. Da gibt es keine zehnjährigen Übergangsfristen für den Fonds und auch keine überstarke Rolle des Rates in der Entscheidung." Giegold erwartet nun schwierige Verhandlungen. Aber Finanzminister Schäuble drängt auf eine schnelle Einigung, noch rechtzeitig vor den Europawahlen im Mai.

 

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Anmerkung:

 

Nach allen Turbulenzen in den letzten Jahren ist es sehr erfreulich, dass die EU sich jetzt einmal an den „Steuerzahler“ erinnert und sich bemüht, die Risiken, die die „Verbrecher“-Banken ihnen aufgebürdet haben, an diejenigen zurückzugeben, die sie verursacht haben. Es ist sehr zu hoffen, dass das EU-Parlament letztlich auch eine passende Lösung finden wird.

 

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Sotschi: Eine Schande für Putin und das IOC

 

(06 - 2014.01.26) - Report München hat es gestern an den Tag gebracht. Die Sendung hat öffentlich gemacht, wie der russische Machthaber Putin mit Duldung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit den Menschen umgeht, die ihm helfen, die größten olympischen Spiele aller Zeiten zu veranstalten. Gemeint sind die zehntausende Wanderarbeiter aus Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan, die davon träumten, in Sotschi endlich Geld zu verdienen, um ihren Familien das Leben ein wenig leichter zu machen. Sie vertrauten dabei den Versprechungen, die man ihnen vorher gemacht hatte. Zwei Euro (!)Stundenlohn hatte man ihnen versprochen - aber monatelang erhielten sie keinen Lohn.  "Das ist die reinste Sklaverei", erklärte der russische Dokumentarfilmer Alexander Gentelev. Und Human Rights Watch erklärte: "Wir haben viele Arbeiter getroffen, die sehr verzweifelt waren. Sie fühlten sich gefangen. Sie konnten nicht weg, hatten kein Geld heimzufahren oder einen neuen Job zu suchen. Oft saßen sie in der Falle, weil sie ihren Pass nicht hatten; die Firmen hatten ihre Pässe konfisziert. Sie waren nicht mal frei, sich in oder außerhalb Sotschis zu bewegen".

50 Milliarden Dollar Baukosten treiben in Russland die Korruption nach oben. Firmen zahlen hohe Summen für Bestechung; da muss wenigstens die Arbeit billig sein. Und so werden die Arbeiter ausgenutzt oder kaltgestellt. Protest wird nicht geduldet. Wer sich wehrt, wird nach Hause geschickt. Die Männer arbeiten in zwölf-Stunden-Schichten; keinen Tag haben sie frei und leben in provisorischen Blechverschlägen oder in offenen Rohbauten ohne Fenster und Türen.  Bis zu einer Woche haben sie kein Essen - auch keine Toiletten und keine richtigen Schlafplätze.

Und was sagt das IOC dazu'? Michael Vesper vom DOSB: "Jeder einzelne Fall wird beim IO zur Kenntnis gebracht. Natürlich geht das IOC diesen Dingen nach." Dieser Aussage widerspricht Human Rights Watch vehement. "Es ist extrem enttäuschend, vom IOC zu hören, dass alles toll gelaufen ist".  Auch Oppositionspolitiker Boris Nemzow meinte, dass das IOC versagt habe und erklärte: "Ich denke, dass das IOC an diesen Verbrechen beteiligt ist. Ich denke, dass das alte IOC von Jaques Rogge Putins Handlanger ist". Und was sagte Rogges Nachfolger, der Deutsche Dr. Thomas Bach dazu? Von ihm habe ich dazu noch nichts gehört. Klar, dazu wird man auch nichts sagen. Hauptsache wird sein: Der Rubel rollt. Warum sollte die etablierte Alte-Männer-Riege des IOC Präsidiums, bei der - wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat - Korruption kein 'Fremdwort ist, sich auch für die Nöte von Wanderarbeitern interessieren?

 Hoch lebe der Sport!

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Edward Snowden – ein Held oder ein Verräter?

 

(07 – 27.01.2014) – Bei Günther Jauchs Runde am Sonntagabend waren zu dem Komplex der weltumspannenden Ausspähung von Daten durch die US-amerikanische National Security Agency  (NSA) erstaunliche Auffassungen zu hören. Hierbei waren nach dem Verständnis eines normalen Bürgers höchstens die Darstellungen und Auffassungen von Hans Christian Ströbele (Mitglied des Deutschen Bundestages für Bündnis 90/Die Grünen), von Hubert Seipel (Reporter des Norddeutschen Rundfunks) und von Maria Weisband (Politikerin der Piraten) akzeptabel. Nicht zu verstehen – aber sicher akzeptabel – war der Standpunkt von John Kornblum (er war vier Jahre US-Botschafter in Deutschland) und von Julian Reichelt, dem Chef-Reporter der BILD-Zeitung.

 

Ströbele nannte es eine Schande, dass Snowden in keinem anderen Land der Welt als in Russland Aufnahme gefunden habe und forderte, Deutschland müsse diesem Mann politisches Asyl gewähren, weil dieser durch seine Aussagen der Welt einen großen Dienst erwiesen habe, indem er die Machenschaften und Praktiken der NSA angeprangert habe.

 

In dem Interview, das Hubert Seipel  mit Snowden unter konspirativen Umständen in  Moskau geführt hat, beklagte Snowden selbst, dass sich amerikanische Politiker vor den US-Sicherheitsapparat gestellt hätten anstatt hinter die Öffentlichkeit und deren Rechts zu schützen. Auch hätten Beamte des Pentagon erklärt, sie würden ihn (Snowden) lieber tot als lebendig sehen. Ungeachtet dessen ist Snowden in den Augen von John Kornblum ein Verräter. Und deshalb sieht er auch keine Möglichkeit, Snowden zu „begnadigen“. Da Kornblum ehemaliger amerikanischer Botschafter ist, kann man diese Haltung verstehen – man muss sie aber nicht teilen, so wie der BILD-Reporter Julian Reichelt das tut. Das ist für mich unverständlich und nicht nachvollziehbar. Aber was ist bei BILD schon nachvollziehbar! Reichelt behauptet, Snowden habe mit seinen Aussagen der Welt großen Schaden zugefügt und dabei wichtige Strukturen gefährdet, zum Beispiel die Zusammenarbeit mit den USA in der NATO. Gleichzeitig stellt er sich dumm auf einen Einwand von Marina Weisband. Von einer Bedrohung Snowdens in einem möglichen Gerichtsprozess habe er nichts gehört. Hierbei muss man sich fragen, was das für ein Chef-Reporter ist

 

Nach Kornblum hätte Snowden vorher mit seinen Vorgesetzten sprechen müssen, als er der Meinung war, dass bei der NSA etwas nicht stimme. In dem Interview zeigte sich aber, dass Snowden das sehr wohl versucht hatte. Er habe aber festgestellt, dass je mehr er dies versucht habe, er (Snowden) immer mehr ignoriert worden sei. Ausschlaggebend für seine Flucht in die Öffentlichkeit sei der Umstand gewesen, dass der Leiter des Nationalen Geheimdienstes, James Clapper, unter Eid vor dem Kongress gelogen habe. Snowden hat in dem Interview betont, dass es keine Rettung für einen Geheimdienst gäbe, der glaube, Öffentlichkeit und Gesetzgeber belügen zu können. Und deshalb hätte die Öffentlichkeit ein Recht zu wissen, was die Regierung in ihrem Namen tue und was die Regierung gegen die Öffentlichkeit tue. Auch gebe es keine Zweifel, dass die USA Wirtschaftsspionage betreiben würden. Auch sei es nicht sehr wahrscheinlich, dass die NSA außer Frau Merkel keine anderen Regierungsmitglieder abgehört hätten. „Wenn es stimmt, dass ich ein Verräter bin, wen soll ich dann verraten haben? Ich habe alles, was ich weiß, der amerikanischen Öffentlichkeit, den amerikanischen Journalisten, geschenkt. Wenn das als Verrat gelten soll, sollten sich die Menschen wirklich fragen, für wen sie arbeiten. Die Öffentlichkeit ist ja schließlich ihr Chef und nicht ihr Feind“, sagte Snowden in dem Interview. Und zur Frage, ob er nicht gewillt sei, sich in den USA einem Gericht zu stellen, fügte er hinzu:

 

„Es handelt sich hier nicht um Straftaten, bei denen ich vor einem Gericht gehört werden kann. Ich darf mich nicht vor einem öffentlichen Gericht verteidigen oder die Geschworenen davon überzeugen, dass ich in ihren Interessen gehandelt habe. Das Spionagegesetz stammt aus dem Jahr 1918. Dessen Ziel war es nie, journalistische Quellen, also Menschen zu verfolgen, die den Zeitungen Informationen von allgemeinem öffentlichen Interesse zukommen lassen. Es war vielmehr gegen Menschen gerichtet, die Dokumente an ausländische Regierungen verkaufen, die Brücken sprengen, die Kommunikation sabotieren, und nicht gegen Menschen, die im öffentlichen Wohl handeln. Es ist bezeichnend, dass Obama sagt, dass ich solle mich vor einem Gericht verantworten, auch wenn er weiß, dass so ein Prozess nur ein Schauprozess wäre“.

 

Recht hat er, dass er nicht in die USA zurückkehren will. Er läuft nämlich Gefahr, ohne Anklage und ohne Prozess auf direktem Weg nach Guantanamo befördert zu werden, dorthin, wo schon viele andere auf  demselben Weg gelandet sind.

Eine gute Tat wäre es, Snowden in Deutschland Asyl zu gewähren. Aber wetten, dass das nicht geschehen wird! Wir können uns doch nicht unsere Freunde in Amerika vergraulen. Lieber machen wir uns in die Hose!

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Alice Schwarzer und die (Steuer)-Moral

 

(08 - 07.02.2014) – Nach dem „Saubermann“ Uli Hoeness hat es nun auch die „Moralpredigerin“ Alice Schwarzer erwischt. Nach ihrer  Selbstanzeige, durch die sie straffrei geblieben ist,  kam es an die Öffentlichkeit, dass sie sich seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Steuerhinterziehung schuldig gemacht hat. Zwar hat sie die für zehn Jahre hinterzogenen Steuern zuzüglich Zinsen und Strafzuschlag inzwischen beglichen, aber sie hat dabei einen guten Schnitt gemacht, weil „ältere“ Forderungen inzwischen verjährt sind. In der gestrigen Abendsendung „Maybrit Illner“ bei Tagesschau24 haben es vor allem der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach sowie der Publizist Michael Spreng auf den Punkt gebracht: Gier war der Beweggrund für Schwarzers Vergehen. Aus der Steuernachzahlung von 200.000 Euro lässt sich errechnen wie hoch ihr Vermögen in der Schweiz ist. „Selbst die Zinsen aus diesem Vermögen kann ein Mensch unmöglich ausgeben“, betonte Bosbach. Und die Rechnung könnte so aussehen:

 

Für die letzten zehn Jahre hat Frau Schwarzer 20.000 Euro Steuern pro Jahr nachgezahlt, also 200.000 Euro. 400.000 Euro hat sie aber für die davor liegenden 20 Jahre eingesteckt, ohne sie zu versteuern. Unterstellt man für Frau Schwarzer einen persönlichen Steuersatz von 40 Prozent, hat sie pro Jahr 50.000 Euro Zinseinnahmen gehabt. Unterstellt man weiter einen jährlichen Zinssatz von nur drei Prozent, muss das Kapitalvermögen 1.666.666 Euro betragen. Durch die für 20 Jahre unversteuerten Zinsen ist dieses Kapital um eine weitere Million auf 2.666.666 Euro angewachsen. Hinzu kommen noch die verbliebenen Zinsen aus den letzten zehn Jahren in Höhe von insgesamt 300.000 Euro, womit Frau Schwarzer über ein Kapital von annähernd drei Millionen Euro verfügt.

 

Und dann spricht dieses edle Dame von einem „Fehler“, den sie gemacht hat und beschwert sich gleichzeitig, dass das Steuergeheimnis nicht gewahrt worden wäre. Ich meine, das war kein Fehler, sondern ein Straftat; das sollte sie gefälligst zur Kenntnis nehmen. Und dass dieses Vergehen auch an die Öffentlichkeit gedrungen ist, finde ich richtig; denn sonst müsste die Öffentlichkeit immer noch annehmen, dass Frau Schwarzer eine „tadellose“ Person wäre. Es geht aber offensichtlich nicht in ihren Kopf hinein, dass sie genau die Gesellschaft „beschissen“ hat, die ihr durch die Hand des Bundespräsidenten vor vielen Jahren schon das Bundesverdienstkreuz verliehen hat. Solche Menschen gehören an den Pranger gestellt, damit alle, die ihre Steuern ordnungsgemäß entrichten, zur Kenntnis nehmen können, dass es Menschen gibt, die den Moralbegriff anders interpretieren.

 

Doch was geschieht in der Politik? Bundesfinanzminister Schäuble mag Recht haben, wenn er fordert, weiterhin an der „Selbstanzeige“ festhalten zu wollen. Ich fordere aber, dass die „Verjährung“ solcher Steuerschulden nicht eintreten darf. Gelte dies schon für den Fall Schwarzer, hätte der Staat 400.000 Euro mehr einnehmen können – ein Betrag, den sich nun aber Frau Schwarzer selbst eingesteckt hat. Und wie viele solcher Fälle gibt es noch? Die Zahl der Selbstanzeigen wächst stetig. Wenn die Annahme einiger Politiker stimmt, dass der jährliche Steuerausfall 3,5 Milliarden Euro betragen könnte, kann man sich ausrechnen, welche unvorstellbare Summe an verstecktem Kapital in der Schweiz oder anderswo unentdeckt und strafbewehrt ruht. Solche Saubermänner oder Sauberfrauen gehören an den Pranger gestellt – ohne Gnade, gnadenlos.

 

Und schon wieder gibt es eine neue Horrormeldung. Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz, ein enger Vertrauter des Berliner Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit, hat ebenfalls seit Jahren in der Schweiz Zinserträge nicht versteuert und deshalb nun seinen Rücktritt eingereicht. Und Wowereit hat das seit mindestens einem Jahr gewusst ohne etwas zu tun. Nun gibt es Rücktrittsforderungen auch für Wowereit, der ja bekanntlich auch früher schon öfters in den negativen Schlagzeilen war, z. B. im Zusammenhang mit dem Flughafen-Ausbau in Berlin. Wowereit aber bekommt den Rücken gestärkt aus den Reihen der SPD-Fraktion. Man fragt sich, was das für Politiker sind, die doch einen Eid darauf geschworen haben, ihr Amt zum Wohl des Volkes versehen zu wollen. Eine Tätigkeit zum Wohl des Volkes sieht in meinen Augen aber anders aus. Auf solche Politiker können wir verzichten. Wenn sie schon nicht selbst zurücktreten, müssten sie aus dem Amt gejagt – besser noch aus dem Amt geprügelt werden.

 

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Freihandelsabkommen EU – USA?

 

(09 - 05.06.2014) -  Selten war ich so wütend auf die Politik und bestimmte Politiker wie in diesen Tagen, in denen hinter verschlossenen Türen über ein mögliches Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA verhandelt wird. Noch ist es zwar zu früh, sich über mögliche Ergebnisse aufzuregen, weil man ja noch nicht weiß, was letzten Endes herauskommen wird. Allein die Tatsache, dass „geheim“ verhandelt wird, verschlägt mir den Atem. Wo leben wir eigentlich, dass man sich als freier Bürger das gefallen lassen muss? Und was sind das für Politiker, die das tun oder es dulden?

In einer Demokratie – so haben wir es gelernt – muss alles mit rechten Dingen zugehen; es muss offen verhandelt und diskutiert werden, und die Ergebnisse sind überprüfbar. Der deutsche Fernsehsender Phönix hat gestern Abend unter dem Titel „Gefährliche Geheimnisse“ einen bemerkenswerten Beitrag zu diesem Thema ausgestrahlt. „Die Geheimverhandlungen bedrohen massiv die Rechte der Bürger in Europa. Das geplante Regelwerk ist in erster Linie ein Angriff auf den Verbraucherschutz – auch in Deutschland. Nicht Parlamentarier, sondern Fachbeamte und Konzernberater sitzen bei den Verhandlungen exklusiv am Tisch. Eine Teilhabe demokratisch legitimierter Akteure ist nicht vorgesehen“, verkündete der Sender.

Allein die Tatsache, dass „geheim“ verhandelt wird, lässt den Schluss zu, dass wir über den Tisch gezogen werden sollen. Nur wer Böses plant, hat etwas zu verbergen! Und so droht den europäischen Bürgern Ungemach, wenn sich die USA bei den Verhandlungen mit ihren Standards durchsetzen. Dann werden die Menschen bewusst – quasi als schleichenden Genozid -  körperlich krank gemacht – krank gemacht von Menschen, die in ihren Hirnen schon seit langem krank sind, weil sie die wahren Werte nicht mehr erkennen, sondern nur noch den eigenen Profit sehen und sich diesem verpflichtet fühlen. Das ist nicht nur ein Skandal; das ist verbrecherisch! Und die, die solches tun, sind folgerichtig Verbrecher! Sie müssten standrechtlich erschossen werden! Die treibenden Kräfte sitzen – na wo denn? – natürlich in den USA in dem Land, aus dem seit vielen Jahren weltweit die größten Schweinereien herkommen. Mit George W. Bush, dem schlechtesten Präsidenten, den die USA je hatten, hatte alles angefangen. Schade ist nur, dass es auch in Europa Politiker gibt, die solches mit sich machen lassen. Das ganze Geschehen läuft praktisch am Europäischen Parlament total vorbei; die Europäische Kommission hat die Fäden in der Hand. Haben die Politiker nicht einen Amtseid abgelegt, mit dem sie geschworen haben, Schaden vom Volk abzuwehren? Offensichtlich ist dies alles nur dummes Geschwätz. Solchen Politikern kann man kein Wort mehr glauben.  

Wenn wir in Europa solche verbrecherischen Machenschaften wie beispielsweise die des Großkonzerns Monsanto einführen wollen, können wir getrost ein Freihandelsabkommen mit den USA zu deren Bedingungen abschließen. Dann wird es uns irgendwann genau so ergehen wie vielen amerikanischen Farmern, die wegen des ausufernd wuchernden Unkrauts auf ihren Getreidefeldern diese nicht mehr bestellen können. Das Monsanto-Saatgut hat das Unkraut resistent gemacht gegen die Chemikalien, die mit diesem Saatgut seit vielen Jahren ausgebracht worden sind. Noch Schlimmeres könnte uns aber blühen, wenn die Befürchtung Wahrheit wird, dass amerikanische Firmen und Konzerne europäische Länder auf Schadensersatz verklagen könnten, wenn sie befürchten, dass durch administrative Maßnahmen ihre Gewinne geschmälert werden könnten. Verbindliche und nicht anfechtbare Urteile würden in diesem Fall private Schiedsgerichte fällen, die ihren Sitz in den USA haben und von deren Industrie und Wirtschaft finanziert werden.

Das sind Aussichten, wie ich sie nicht haben möchte. Es wäre besser, mit den USA überhaupt keine Verträge mehr zu machen. Alle „Partner“ dieses Staates werden nur auf Untertanen unter die Herrenmenschen aus den USA reduziert.

 

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Geld stinkt nicht - Drogenkartelle in Mexico und ihre Helfer

 

(10 - 23.10.2014) -  Einen erschütternden Bericht gab es am Dienstag, dem 21. Oktober 2014, im deutschen Fernsehen: Der deutsch-französische Sender arte  strahlte die Dokumentation Mexico - Die Macht der Kartelle aus.  In Teilen Mexicos nutzen dabei die Drogenkartelle die heimische Wirtschaft skrupellos aus. Die Korruption existiert in allen Bereichen, sie ist über das ganze Land verstreut und reicht hinein bis in die Justiz. Deshalb ist es auch so schwer, die Kartelle zu bekämpfen, weil sich auch höchste Beamte an der "Mitarbeit für die Kartelle" bereichern. Auch die USA sind nicht ganz unschuldig an der unübersichtlichen Misere. Hierbei ging es auch um den Kampf gegen die Geldwäsche, in die auch deutsche Banken involviert sind. Ausdrücklich erwähnt wurde unter anderen die HSBC-Bank mit Sitz in London, die - so wurde gesagt- es nicht kümmert, woher das Geld kommt, weil alle Beteiligten nur den eigenen Profit sehen. Es wurde dabei festgestellt, dass nur ein Mausklick genüge, um Verbrechen zu finanzieren und unschuldige Menschen zu töten. Die HSBC-Bank wird in Deutschland von der HSCB-trinkaus mit Sitz in Köln vertreten.

Ich schäme mich, weil bei dieser Bank ein Mitglied meiner Familie in einer schon höheren Position beschäftigt ist. Und deshalb werde ich mich zu diesem Themenkomplex auch nicht weiter auslassen.

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Iran: Der Gottesstaat ist Teufelswerk 

 

(11 - 02.11.2014) -  Eine Meldung in den heutigen SWR-2-Nachrichten führte mir einmal mehr vor Augen, welches Gedankengut die Führung und Justiz des Islamischen „Gottesstaates“ Iran vertritt. Hier wurde eine junge Frau von 25 Jahren mit einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt. Sie wurde dabei erwischt, dass sie in männlicher Begleitung in ein öffentliches Stadion gelangen wollte, in dem ein Volleyball-Länderspiel stattfand. Die Frau wurde festgenommen und schließlich verurteilt, weil es im Iran weiblichen Personen verboten ist, in männlicher Begleitung eine solche Veranstaltung zu besuchen. 

 

Wegen dieses Urteils gab es weltweite Proteste und mehr als eine halbe Million Unterschriften mit denen die Forderung erhoben wurde, das Urteil aufzuheben. Wie zu erwarten war, nutzte das aber alles nichts!

Das eigentliche Elend im Iran begann am 01. Februar 1979, als der im französischen Exil lebende Ayatollah Ruhollah Khomeini nach dem von ihm inszenierten Sturz des Schahs Reza Pahlewi aus dem Exil entlassen und nach Iran zurückkehrte, um dort statt der bisherigen Monarchie einen „Gottesstaat“ zu errichten. Es wäre übertrieben heute festzustellen, dass es seitdem den Menschen im Iran „besser“ ginge. Denn der Gottesstaat hat sich vielmehr als Teufelswerk erwiesen, und Sie dürfen raten, wer in diesem Spiel der Teufel ist oder war. 

Viele islamische Machthaber haben seitdem bewiesen, dass sie gedanklich den Anschluss an die Realität verloren haben.  In meinen Augen war der Machtwechsel im Iran das Fanal für die weitere Entwicklung, unter der heute die ganze Welt zu leiden hat. Letztes und erschreckendes Beispiel: Die Miliz des IS-Staates, die nichts anderes im Sinn hat, als Angst, Schrecken, Unterdrückung und Mord zu verbreiten. Und das alles im Namen Gottes. Was soll das für ein Gott sein, dessen angebliche Anhänger - selbst in der eigenen Religion - nur Terror verbreiten?

Doch zurück zum Iran. Das letzte Urteil zeigt, dass die, die dort die Macht haben, nichts hinzugelernt haben. Es sind Lügner oder Bekloppte, die nichts im Hirn haben. Denn hätten sie Letzteres, könnten sie wohl selbst nicht an das glauben, was sie verbreiten. – Und so bleibt der Welt wohl nichts anderes übrig, als ohnmächtig zuzuschauen und darauf zu warten, dass sich das Problem irgendwann von selbst erledigt. Der Weg bis dahin wird aber noch sehr steinig werden.

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So musste es ja kommen 

 

(12 - 12.11.2014) -  Manch einer lernt es nie!  Dass es im Deutschen Bundestag anlässlich d er Gedenkstunde zum 25. Jahrestag des Mauerfalls so kam wie es gekommen ist, war vorhersehbar. Wer hat eigentlich die unselige Idee gehabt, ausgerechnet den Ex-DDR-Liedermacher Wolf Biermann einzuladen, damit dieser ein Lied auf der Gitarre spielen sollte. Wusste oder ahnte man zumindest nicht, dass Biermann seinen Hass auf die Linkspartei nicht zügeln konnte? Schon 1976 war die DDR-Führung so sauer auf den rebellischen Liedermacher, dass sie ihn nach einem Konzert im „Westen“ einfach nicht mehr einreisen ließ und ihn kurzerhand ausbürgerte.  Damit hatten „wir“ ihn also, und aufmüpfig wie er war, dauerte es auch nicht lange, bis er mit seinen kritischen Liedern auch über die Bundesrepublik herzog. Das war wohl der Dank für die Aufnahme in einem Land, in dem man auch seine Meinung sagen darf. Er hat sie gesagt, und kaum jemand fand Anstoß daran.

Diesmal aber darf man Anstoß daran nehmen; denn Biermann ist von sich selbst so überzeugt, dass er offenbar nicht  einmal merkt, dass er mit seinem Auftreten im Deutschen Bundestag nicht nur gegen die guten Sitten, sondern auch gegen die anerkannten Regeln verstoßen hat. Selbst als er vom Bundestagspräsidenten Lammert freundlich auf sein Fehlverhalten aufmerksam gemachten wurde, zeigte er keine Einsicht, polterte weiter gegen die Linken und verrannte sich schließlich in der Aussage: „Das Reden habe ich mir in der DDR nicht abgewöhnt und werde das hier schon gar nicht tun.“ Das war der Eklat! – Nach der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages hätte Lammert dem Trotzkopf und Hassprediger Biermann die rote Karte zeigen, ihn also aus dem Bundestag verweisen (auf deutsch: „Rausschmeißen“) können. Dass das nicht geschehen ist, unterstreicht überzeugend die Souveränität des Bundestagspräsidenten; denn eigentlich hätte er die Beschimpfung einer Partei im Deutschen Bundestag nicht zulassen dürfen.

In meinen Augen ist das Verhalten von Abgeordneten in den Reihen der CDU, SPD und Grünen aber genauso unanständig und nicht hinnehmbar, weil sie nach dem Biermann-Statement Beifall klatschten. Für mich ist das ebenso ein Eklat wie die Feststellung Biermanns. Was würden dieselben Abgeordneten wohl sagen, wenn einer käme und sich ihnen gegenüber genauso verhielte wie Biermann gegenüber den Linken?

Und dass das Verhalten Biermanns im Deutschen Bundestag auch eine breite Zustimmung in der Öffentlichkeit gefunden hat, ist für mich ein weiterer Eklat. Auch in einer Demokratie gibt es Regeln und Grenzen, die von Jedermann zu beachten sind.

Biermann selbst ist mir jedenfalls nicht sympathischer geworden.

 

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Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichstellungswahn?

 

(13 - 03.03.2015) -   Im Ersten Programm des Deutschen Fernsehens gab es am Montagabend in Frank Plasbergs Sendung „Hart aber fair“  einen bemerkenswerten Beitrag zur Frage der Gleichstellung von Mann und Frau. Anton Hofreiter (stellvertretender Vorsitzender der „Grünen“) und die aus der ehemaligen DDR stammende (Geburtsjahrgang 1981) Autorin und Feministin Anne Wizorek waren der Meinung, Frauen würden immer noch unterdrückt und es bedürfe deshalb einer weiteren „Gleichschaltung“. Die Publizistin Birgit Kelle und die Schauspielerin Sophia Thomalla widersprachen dem vehement. Sie seien froh, eine Frau zu sein und sie fühlten sich keinesfalls unterdrückt oder unterprivilegiert. FDP-Vorstandsmitglied und Rechtsanwalt Wolfgang Kubicki postulierte schließlich, er könne die ganze Diskussion über dieses Thema überhaupt nicht verstehen und meinte, sie sei überflüssig.

 

Mich persönlich störte am meisten erstens die Forderung der „Befürworter (und Befürworterinnen)“ nach einer Durchsetzung der weiblichen Form bestimmter Hauptwörter und zweitens das ungehobelte Dazwischen-Quatschen der Anne Wizorek, die es nur in den seltensten Fällen fertig brachte, die übrigen Mitglieder (und Mitgliederinnen) der Diskussionsrunde ausreden zu lassen. Haben Sie übrigens vorher schon einmal etwas von Anne Wizorek gehört oder kennen Sie sie sogar?  Nach meiner Meinung muss man sie nicht kennen, und Sie können sie demzufolge vergessen – auch das, was sie von sich gibt. Sie ist offensichtlich bemüht, eine „würdige“ Nachfolgerin der „unvergessenen“ Feministin Alice Schwarzer zu werden, von der wir nach ihrem öffentlich gewordenen Steuerbetrug Gott sei Dank so gut wie nichts mehr gehört haben. 

 

Bestimmte Forderungen der Gleichmacher  und –macherinnen sind absurd und lächerlich. Der Gipfel ist die Forderung nach noch mehr „Unisex-Toiletten“ im öffentlichen Raum. Sie seien notwendig – so wird argumentiert –, weil es Menschen gäbe, die sich nicht entscheiden könnten, ob sie die Toilette für Männer oder für Frauen benutzen sollten oder dürften (das trifft, wie Plasberg meinte, auf 0,1 Prozent der Bevölkerung zu). Beanstandet wurden auch die Begriffe „röhrender Hirsch“ oder „Studenten-Werk). „Studierenden-Werk“ müsse es heißen oder „Hirschkuh“ (wäre nicht „Hirschin“ besser)? Und was ist mit „Ampelmännchen“? Man kann sich sicher auch mit „Ampelfrauchen“ anfreunden – oder? Ich meine, solche Überlegungen können nur in den Hirnen von „Bekloppten“ und „Beklopptinnen“ reifen!  In der bisherigen Menschheitsgeschichte sind solche Überlegungen bisher nicht vorgekommen. Und hat sich deshalb schon einmal eine Frau beschwert oder sich unterdrückt gefühlt? – Sechzig Prozent aller Frauen seien schon  mindestens einmal „angemacht“ oder sexistisch belästigt worden, meinten Hofreiter und Wizorek. Haben Sie jemals etwas davon gehört, wieviel Prozent der Männer schon einmal dasselbe Schicksal erlitten haben? Und komme mir niemand der glaubt, so etwas hätte es nicht gegeben.

 

Was soll daran gut sein, dass Mann nicht mehr Mann und Frau nicht mehr Frau sein darf? Was soll daran gut sein, dass Mädchen nicht mehr mit Puppen, sondern mit Ritterburgen spielen dürfen und Jungen sich nicht mehr als Indianer, sondern als Nonne verkleiden sollten? Warum muss eine Frau zur „Männin“ werden, ein weiblicher „Amtmann“ zur „Amtfrau“ oder gar zur „Amtmännin“. Es wird höchste Zeit, dass wir auch „Kindergärtner“, „Krankenbrüder“ und „Putzmänner“ bekommen (auch „Zugehmänner“ ist denkbar), damit das Gleichgewicht in der verschrobenen Welt der „Querdenker“ und „Querdenkerinnen“  wieder hergestellt wird. Ein Lob auf alle Geschöpfe (und „Geschöpfinnen‘), die noch einen Rest  auf Menschenverstand bewahrt haben. Gott sei Dank gibt es von der Sorte noch genug – und das lässt hoffen!      

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US-Gericht soll entscheiden – Herero-Klage gegen Deutschland

 

(14 -  08-01-2017) -  Für die in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika anfangs des 20. Jahrhunderts - also vor mehr als 100 Jahren – begangenen Verbrechen der deutschen Truppen haben die Volksgruppen der Herero und der Nama vor einem US-amerikanischen Gericht in New York Sammelklage eingereicht und Entschädigungszahlungen von der Bundesrepublik Deutschland gefordert. Nach einem entsprechenden Gesetz können Ansprüche von Ausländern auch dann in den USA geltend gemacht werden, wenn die Ereignisse nicht in den USA stattgefunden haben.

 

Ob solche Forderungen gerechtfertigt sind, soll hier nicht untersucht werden, auch wenn man Verständnis dafür aufbringen kann, dass dies so ist. Vielmehr erhebt sich die Frage, wieso Völkergruppen (also nicht die Staaten [hier Namibia], denen diese Gruppen angehören) nicht nur ein solches Klagerecht haben, sondern dieses auch noch vor einem ausländischen Staat (hier die USA) ausüben können.

 

Dieses Vorrecht haben sich die USA – wieder einmal – selbst eingeräumt. Es ist  immer wieder die alte Leier: Die USA fühlen sich berufen, über das Rechtsempfinden und die Macht in der Welt selbst zu entscheiden – auch in den Fällen, in denen es sie überhaupt nichts angeht! Man stelle sich vor, die Klage würde angenommen, was durchaus zweifelhaft ist, und das Gericht würde die Bundesrepublik Deutschland zu Schadensersatzleistungen verurteilen. Es ist davon auszugehen, dass Deutschland trotzdem keine rechtliche Verpflichtung hätte, dies zu tun. Denn für Deutschland ist ein amerikanisches Gericht in einem solchen Fall – jedenfalls nach meinem Rechtsempfinden  – völlig bedeutungslos; schon allein deshalb, weil ein amerikanisches Gesetz für einen anderen Staat keine rechtliche Bindung erzeugen kann. Denkbar wäre nur ein Klage Namibias vor dem internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Meines Wissens gab es auch schon eine solche Klage. Diese ist aber zurückgewiesen bzw. gar nicht erst angenommen worden.

 

Man stelle sich weiter vor, ein deutsches Gericht würde die USA auf Schadensersatz wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit – begangen in den von den USA geführten Kriegen in Vietnam und im Irak – verurteilen. Können Sie sich andererseits vorstellen, wie die USA auf ein solches Urteil reagieren würden? Die USA in ihrer unübertroffenen Überheblichkeit und Uneinsichtigkeit würden ein solches Urteil nur belächeln. Wir erinnern uns noch gut an die unsägliche Aussage des ebenso unsäglichen ehemaligen Präsidenten George W. Bush zu Verfahren vor dem internationalen Strafgerichtshof für Menschenrechte. „Wir würden notfalls mit Waffengewalt einen amerikanischen Bürger befreien, sollte ein solcher einmal vor diesen Gerichtshof gezerrt werden“. Damit gab es keine Sanktionen gegen all die Kriegsverbrechen US-amerikanischer Soldaten in all den Kriegen, die die USA nach dem 2. Weltkrieg geführt haben. Dabei muss festgestellt werden, dass der Krieg gegen den Irak – gegen den ausdrücklichen Beschluss des UNO-Sicherheitsrates, den George W. Bush selbst eingeleitet hat - das bisher größte Kriegsverbrechen des 21. Jahrhunderts gewesen ist. Man kann sich nur wundern, dass dafür Bush nicht zusammen mit dem ehemaligen irakischen Machthaber Saddam Hussein aufgehängt worden ist. 

 

 

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Abschalt-Automatik bei VW - Die Betrügereien hören nicht auf

 

(15 - 14.06.2017) - Der ZdF-Beitrag "Frontal 21" vom 13. Juni 2017 brachte es an den Tag. Die Schweinereien im VW-Konzern hören nicht auf; und das mit Unterstützung der Politik! Nach dem Abgas-Skandal in den USA, bei dem es um die Grenzwerte bei Stickoxyden in Dieselfahrzeugen geht, hat der Konzern selbst eingeräumt, dass er rund 11 Millionen Dieselfahrzeuge mit der verbotenen Abschalt-Automatik verkauft hat. Für diesen Betrug musste VW in den USA schwer bluten und neben der Zurücknahme von Fahrzeugen auch Entschädigungen an die Käufer und Strafen in Höhe von bisher 22,6 Milliarden Euro zahlen. Das aber hat dem Konzern nach eigenen Angaben in der letzten Aktionärsversammlung offenbar nicht weh getan; denn er verbuchte im abgelaufenen Jahr einen Gewinn von 5,4 Milliarden Euro nach Steuern. Und die Vorstandsmitglieder kassierten im selben Zeitraum Einkommen von insgesamt 59,8 Millionen Euro. Konzern und Aktionäre wird's freuen, weniger aber die Dieselkäufer in Deutschland und Europa, die - anders als in den USA - vergeblich auf eine Entschädigung hoffen. 

 

Ein Software-Update soll nämlich die Abschalt-Automatik eliminieren und damit für saubere Luft sorgen. Das aber ist Augenwischerei. Denn auch nach dem Update bleiben uns die Dreckschleudern mit staatlicher Billigung erhalten. weil VW die Einhaltung der Grenzwerte nur auf die Laborwerte bezieht, nicht aber auf die Werte im Straßenverkehr, der - nach eigener Einlassung - drei- bis fünfmal so hoch sein darf. Was soll das für ein Umweltschutz sein, der nur im Labor stattfindet? Wie blöd muss man sein, um den Bürgern so etwas zu verkaufen? Verarschen können wir uns selbst; dafür brauchen wir nicht VW! Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sieht diese Maßnahme als konform mit den bestehenden Gesetzen an  (etwas Besseres ist ihm offenbar wieder einmal nicht eingefallen) und betont damit, dass mit der Umrüstung der Fahrzeuge - anders als in den USA - ein Entschädigungsanspruch der Käufer abgewehrt sei. Und das Kraftfahrt-Bundesamt, das die Umrüstung der Fahrzeuge mit dem Software-Update genehmigt hat, geht sogar noch weiter. Es bestätigt ausdrücklich, dass die Software nach wie vor mit mehreren Abschalt-Automatiken versehen ist. Obwohl solche Einrichtungen verboten sind, hat das Kraftfahrt-Bundesamt die neue Software trotzdem als zulässig eingestuft. So etwas nenne ich Korruption, Begünstigung im Amt. Damit ist der Knüngel zwischen VW-Konzern, Bundesverkehrsministerium und Kraftfahrt-Bundesamt perfekt. Professor Martin Führ, Umweltrechtler an der Hochschule Darmstadt, hält dieses Vorgehen für unzulässig. "Eine solche Strategie, konsequent das Recht zu missachten, ist mir in dieser Deutlichkeit noch nie begegnet", erklärte er. Der Normalbürger muss sich in solch einer Lage vorkommen wie in einem Irrenhaus, in dem offenbach nur Geisteskranke das Sagen haben, sich nicht um Recht und Gesetz kümmern, nur den eigenen Vorteil im Sinn haben. Damit ist klar,  dass auch nach dem Software-Update die Fahrzeuge auf der Straße nicht sauber sind. Und Gott sei dank gibt es Fahrzeughalter, die sich das nicht mehr gefallen lassen und den VW-Konzern verklagt haben. Hoffen wir, dass die Gerichte im Sinne des Bürgers entscheiden und dem VW-Konzern und den Volksvertretern in der Politik klar machen, was Recht und Gesetz ist.  Damit ist der Abgas-Skandal noch lange nicht vorbei; er ist - so Frontal 21 - auf dem besten Weg zur Staatsaffaire.

 

Meine Haltung ist klar: Ich verachte Menschen, die uns Bürger für dumm verkaufen wollen. Und deshalb rate ich nur allen, künftig die Finger von VW-Fahrzeugen zu lassen und sich anderen (besseren) Marken zuzuwenden.

 

 

 

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LKW – die rollende Gefahr auf Autobahnen

 

(16 - 07.09.2017) -  Fast täglich kracht es auf deutschen Autobahnen! Der erstaunte und betroffene Betrachter fragt sich, weshalb es immer häufiger schwere Unfälle mit LKW gibt, während die absoluten Unfallzahlen rückläufig sind. Dabei gibt es gerade in diesem Bereich technische Hilfsmittel. Abstandswarner und Notbremsassistenten sollen helfen, solche Unfälle zu vermeiden. Die Frage ist, wer hier versagt: Die Technik oder der Mensch?

Zuletzt Anfang September auf der A 2 in Brandenburg in Richtung Berlin. Ein Kleintransporter (die „Raketen“ auf deutschen Straßen) war auf einen Sattelzug aufgefahren. Der Fahrer wurde eingeklemmt und schwer verletzt. Zwei der drei Autobahnspuren wurden deshalb gesperrt, um Hilfe leisten zu können. Eine Stunde später fuhr ein LKW in die Unfallstelle, streifte zunächst ein Polizeifahrzeug und schleuderte dann auf ein Feuerwehrfahrzeug, das zur Hilfeleistung dort stand. Das Fahrzeug kippte um und begrub zwei Feuerwehrleute unter sich. Die beiden Feuerwehrmänner -  23 und 38 Jahre alt – starben noch an der Unfallstelle.  

War dieser Unfall (und viele ähnlich gelagerte) unvermeidlich? Die Unfallstelle war polizeilich gesichert. Und trotzdem fahren immer wieder LKW ungebremst in solche Unfallstellen. Erste Vermutungen sind meistens: Die Fahrer haben geschlafen oder sich mit etwas anderem beschäftigt. Sind sie übermüdet oder nur gelangweilt? Was ist mit den technischen Hilfsmitteln?  Eine Vermutung wird oftmals bestätigt. Obwohl ein vorhandenes Notbremssystem im LKW eingebaut ist, hat es nicht funktioniert. Warum nicht? Weil es der Fahrer „abgeschaltet“ (deaktiviert) hat. Und genau hier setzt die Überlegung an. Wie ist es rechtlich und technisch möglich, ein solches System, das bei Gefahr das Fahrzeug bis zum Stillstand abbremsen kann, auszuschalten?

Hierfür gibt es nach meiner Meinung mehrere Verantwortliche.

1. Die Autoindustrie, die die technische Voraussetzung für die „Abschaltbarkeit“ des Systems schafft,

2. Die Politik, die durch fehlende Rechtsvorschrift nicht verhindert, dass ein solches System abgeschaltet werden kann und

3. der Autofahrer, der das System praktisch ausschaltet, damit er stets „freie“ Fahrt hat, dicht auf seinen Vordermann auffahren kann und nicht im Verkehrsfluss gestört werden will.

Technisch ist es sicher problemlos, das System so zu programmieren, dass es nicht abgeschaltet werden kann. Dass dies nicht geschieht, ist verantwortungslos und erfüllt in meinen Augen den Tatbestand der Beihilfe zu einer Straftat bis hin zur Beihilfe zum Mord!

Dass andererseits die Politik hierbei tatenlos zusieht, ist schon fast programmatisch. Der Bundesverkehrsminister wäre hierfür zuständig. Aber was tut er? Nichts – wie so oft. Es wird höchste Zeit, dass er der Autoindustrie verbietet, die Systeme abschalten zu können. Aber bei dem derzeitigen Verkehrsminister (eher eine „Lachtaube“)  können wir wohl noch lange auf eine solche Rechtsvorschrift warten. Und dabei kommt auch die Bundeskanzlerin Merkel in die Schusslinie; denn sie war es, die den Minister berufen und sich meines Erachtens bisher zu solchen Themen in der Öffentlichkeit noch nicht geäußert hat. Wieso auch? Es ist ja bekannt und unumstritten, dass sie für die Autoindustrie eine besondere Vorliebe hat.

Aber es gibt auch noch den LKW-Fahrer. Nach derzeitiger Rechtslage ist es zwar nicht verboten, das System auszuschalten, aber spätestens wenn er dadurch einen Auffahrunfall verursacht, steht er in der Verantwortung. Er muss nämlich wissen, dass dies zu einem tödlichen Verkehrsunfall führen kann. Und wenn er das bedenkt und trotzdem abschaltet, handelt er in meinen Augen vorsätzlich. Und vorsätzliche Tötung ist Mord. Er, der Fahrer, müsste in einem solchen Fall also des Mordes angeklagt und entsprechend verurteilt werden. Verurteilt mit allen Konsequenzen in strafrechtlicher und zivilrechtlicher Hinsicht.

Ich frage mich also, wann hier endlich einmal Konsequenzen gezogen werden. Haben wir in der Politik denn nur „Hohlköpfe“ auf den entscheidenden Posten? Und wann begreifen die Automanager endlich, dass Menschenleben wertvoller sind als „Spielereien“ an technischen Systemen. Und schließlich werden wir nicht erwarten können, dass alle LKW-Fahrer über das entsprechende Hirn verfügen, um damit zu gewährleisten, dass die Verantwortung für Leib und Leben an erster Stelle zu stehen hat.

Es wird noch viele eigentlich vermeidbare Verkehrstote und bedauernswerte Hinterbliebene geben, bis das alles verstanden und entsprechend gehandelt wird.

 

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AUTOBIOGRAPHISCHES 

     

                                                                                                                                                                                                  

           

 

 

Kindheit und Jugend

Erinnerungen

von

Josef Brieler

 

                                        (copyright 1997  -  alle Rechte vorbehalten)                               

 

    "Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz   der staatlichen Ordnung. Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche   Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht."
 
  (Art. 6 Abs. 1 und 2 des   Grundgesetzes)


 
  * * *
 
 
  "Die Eltern haben das natürliche Recht und die   oberste Pflicht, ihre Kinder zur leiblichen, sittlichen und   gesellschaftlichen Tüchtigkeit zu erziehen."
  
(Art. 25 Abs. 1 der   Landesverfassung Rheinland-Pfalz)
 
  * * *
 
 
  Nach den folgenden Darstellungen aus meiner   Erinnerung bin ich überzeugt, daß meine Eltern ihrer grundgesetzlichen und   verfassungsrechtlichen Verpflichtung in jeder Weise und zu jeder Zeit gerecht   geworden sind. Dafür danke ich ihnen herzlich!
 
  * * *
 
 
  Anmerkung:
  Der nachfolgende Beitrag "Kindheit und Jugend - Erinnerungen"
  ist im Jahre 1997 im Eigenverlag auch als Buch erschienen.

 

Auch wird dieser Abschnitt der Homepage im Archiv des Verfassers dargestellt und kann dort aufgerufen werden unter der Adresse:

www.josef-brieler.de/page5.php

 

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(klicken Sie auf einen Titel des Inhaltsverzeichnisses und der   entsprechende Artikel wird Ihnen angezeigt) 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Vorwort  

                      

Herkunft   und erste   Wahrnehmungen                                                                      

 

Vor dem Umzug in’s eigene Haus     

                                                                       

Kindheit   vor dem Bewußtsein des Krieges   

                                                  

Der Krieg   hat uns erreicht       

                                                                                

Vergebliche Evakuierung nach   Reifferscheid                                                    

 

Die letzten Kriegsmonate bei unseren Verwandten in Reifferscheid                

 

Kriegsende!   Zurück nach Hause  

                                                                    

Der Weg und die Heimkehr nach   Neuendorf                                                    

 

Die Kunst des Überlebens nach dem Krieg und die „Währungsreform”  

    

Die Situation der Schule in den ersten   Nachkriegsjahren  

                               

Gefangenen- und Internierungslager - und gefährliche Munitionsfunde

 

Allmähliche Rückkehr zur  Normalität                                                               

 

Meine Vorliebe für den  Handballsport                                                             

 

In der Pubertät                                                                                                  

 

"Singe, wem Gesang  gegeben“                                                                        

 

Start in einen Beruf  und Marlies tritt in mein Leben                                         

 

Mit dem Fahrrad zum Bodensee  

                                                                      

Nachwort      

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V o r w o r t

(1) -  Ob man sich noch an alles erinnern kann, wenn man schon fünfundsechzig ist, und der Gedanke immer wieder auftaucht, sein Leben aufzuschreiben, um es seinen Kindern und Enkeln aufzuschließen? Man wird sich wohl kaum an alles erinnern können. Und ob es eine gute Idee ist, sein Leben den Nachkommen zu offenbaren; das weiß ich jetzt, wo ich beginne es aufzuschreiben, auch noch nicht so genau. Vielleicht sind sie überhaupt nicht interessiert daran.

Keiner meiner drei Söhne hat je von sich aus etwas zu diesem Gedanken gesagt. Aber in Gesprächen mit meinen Geschwistern, deren ich fünf habe, von denen der älteste meiner zwei Brüder leider schon im Alter von 52 Jahren verstorben ist, kam wiederholt die Aufforderung an mich, meine Erlebnisse doch aufzuschreiben. Ich bin älter als alle Geschwister, und gerade in den Kriegswirren von 1939 bis 1945 gab es einiges, was ich intensiver erlebt habe als sie, obwohl ich bei Kriegsende selbst gerade erst dreizehn geworden war.

Aber da gibt es immer wieder die Zweifel: Interessiert es wirklich überhaupt jemand? Bin ich gar selbst daran interessiert? Ist es nicht überzogene Selbsteinschätzung oder Eitelkeit, sein Leben aufzuschreiben? Für wen? ‘Schon wieder einer, der Memoiren schreibt’, könnte der eine oder andere denken. Und wenn überhaupt, was soll ich aufschreiben? Man kann doch nicht alles aufschreiben - selbst nicht das alles, was einem noch in die Erinnerung kommt. Es gibt Dinge, die so persönlich sind, daß man sie für andere nicht niederschreiben kann, ja nicht niederschreiben muß. Ich denke, jeder Mensch muß eine kleine Nische für sich behalten, in die ein anderer nicht eindringen darf. Den letzten Gedanken preisgeben müssen? Nein, wenn das sein müßte, schreibe ich lieber nichts auf.

Also will ich’s wagen. Jetzt, wo ich beginne, weiß ich selbst noch nicht, was dabei herauskommen wird. Deshalb lasse ich mich überraschen. Nur eins weiß ich: Ich habe weder die Absicht noch die Lust, mein gesamtes bisheriges Leben darzustellen. Deshalb beschränke ich mich auf den Teil meiner Kindheit und Jugend - gewissermaßen nur auf den Abschnitt, in dem ich noch frei war von einer eigenen Familie mit Ehefrau und Kindern, das Leben bis zur eigenen Hochzeit im Jahre 1956. Und eine Möglichkeit besteht ja immer noch, denke ich jetzt: Wenn es mir zwischendurch oder auch wenn ich glaube, alles aufgeschrieben zu haben, nicht mehr gefällt, was ich geschrieben habe, dann - ja dann kann ich alles wieder zerreißen oder verbrennen, damit niemand erfährt, wie es mir in meinem Leben ergangen ist.

Fange ich also an und betone, daß ich nur für mich, bestenfalls noch für meine Familie - Brüder und Schwestern, Kinder und Kindeskinder - schreiben werde. Alle übrigen werden sich dafür nicht interessieren; höchstens diejenigen, die ich als Freunde oder Bekannte erwähne. Vielleicht aber erfährt meine Ehefrau etwas, was sie noch nicht weiß; und das, obwohl sie schon 41 Jahre mit mir verheiratet ist.

 

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Herkunft und erste Wahrnehmungen

(2) -  Wo liegen meine Wurzeln? Wo stand meine Wiege? Wo ist meine Heimat?

Meine Eltern. Wer waren sie? Wo kommen sie her?

Die männliche Linie meines Vaters stammt aus Westfalen, die mütterliche vom Hunsrück. Viel weiß ich über diese Familien nicht. Zwar habe ich die Großeltern väterlicherseits

                                                                 

Großvater Heinrich Brieler (1876 - 1941)      

 

              

 

 

 

 

Großmutter Barbara Brieler (1882 - 1953)

 

 

 

und sogar noch die Urgroßmutter (die Mutter der Großmutter Barbara Brieler) gekannt; sie war nach dem Tode ihres Mannes noch einmal mit Joseph Fuhshöller verheiratet, aber mein Vater hat nie viel von seiner Familie gesprochen. 

 

 

 

 

 

 

Theresia Fuhshöller geb. Kesting verw. Wagner (1860-1936). Sie ist die Großmutter meines Vaters mütterlicherseits und wohnte  zuletzt in der Weltersgasse in Koblenz-Neuendorf.

  

Handwerker waren die, die aus Westfalen kamen. Drechsler, Schreiner, und mein Großvater war Emaillebrenner. Die Hunsrücker scheinen eine ganz einfache Familie gewesen zu sein. Fabrikarbeiter und Tagelöhner weisen die Ahnenzeugnisse aus. Immerhin gab es in dieser Linie einen Schiffer. Eine beneidenswerte Kindheit hat mein Vater sicher nicht gehabt. Da waren zwei Brüder und zwei Schwestern. Mein Vater war das älteste von fünf Kindern. Der ältere der beiden Brüder starb als Kind an einer Hirnhautentzündung, der zweite fiel in Rußland im 2. Weltkrieg. In Thüringen hat die Familie wohl einmal kurze Zeit gewohnt; mein Vater erwähnte es hin und wieder. Die älteste seiner beiden Schwestern ist auch dort geboren. Als mein Vater aus der Volksschule entlassen wurde, mußte er Geld verdienen, wie es damals hieß. Einen Beruf zu erlernen, war ihm nicht vergönnt.

 

Die Linie meines Großvaters mütterlicherseits stammt ebenfalls aus dem Hunsrück; ein Lehrer war unter ihnen. Die weiteren Vorfahren kommen wohl - wie sich auch aus dem Namen ergibt - aus Belgien, Wallonien - nicht aus

                                     

                                              Großvater Peter Decrouppe (1869 - 1947)                    

(Von der Großmutter Maria Decrouppe (1873 - 1904) ist  ein Bild leider nicht vorhanden)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frankreich, wie ursprünglich angenommen worden ist. Die Großmutter mütterlicherseits war mit allen ihren Vorfahren in der Eifel - in Reifferscheid bei Adenau - beheimatet, alles Landwirte und Handwerker, Schreiner, Stellmacher (meine Vorfahren hatten wohl überwiegend einen Hang zu Holz-Berufen, was vielleicht auch erklärt, daß ich selbst gerne mit dem Werkstoff Holz arbeite).

 

 

Josef  Langweiler (1844 - 1904). Er ist der Großvater meiner Mutter mütterlicherseits. Er war Stellmacher in Reifferscheid. Es ist das älteste Bild meiner Vorfahren.

 

 

 

Meinen Großvater habe ich nur einmal gesehen; es muß mitte der dreißiger Jahre gewesen sein, als ich mit meiner Mutter auf Rosas Kommunionfeier gewesen bin, einer Nichte und dem Patenkind meiner Mutter.

Meine Mutter hat eine miserable Kindheit gehabt. Ihr Vater war als Schmiedemeister in Hilberath bei Meckenheim selbständig. Ihre Mutter war die zweite Frau dieses Mannes. Er hatte sie geheiratet, nachdem die erste Frau bei ihrem zweiten Kind im Wochenbett gestorben war. Meine Mutter war das erste Kind der zweiten Frau und ein Jahr alt, als auch diese bei ihrem zweiten Kind*) wiederum im Wochenbett verstarb.

 

 

*) (Onkel Peter * 07.08.1904, + 30.04.1989 - der einzige leibliche Bruder meiner Mutter

im Alter von etwa 20 Jahren)

 

 

 

Was mag in einem Mann vorgehen, der nach vierjähriger Ehe vier Kinder hat aber keine Frau mehr! In dem Handwerksbetrieb, in dem es in der bäuerlichen Umgebung von morgens bis abends Arbeit in Fülle gab und nebenher selbst noch eine kleine Landwirtschaft betrieben werden mußte, war niemand, der den Säugling und das einjährige Mädchen, meine Mutter, versorgen konnte. Beide Kinder kamen in die Obhut ihrer Großmutter nach Reifferscheid. Dort wuchs meine Mutter auf bis zum 14. Lebensjahr und zur Schulentlassung. Unmittelbar danach starb die Großmutter nach einem jahrelangen Krankenlager. Sie muß eine gute Frau gewesen sein und nahm die beiden Kinder immer gegenüber ihrer eigenen Tochter, der Tante Apollonia, in Schutz, wenn diese ärgerlich über die Kinder war. Meine Mutter hat in ihrem ganzen Leben immer wieder von ihrer Großmutter erzählt und deren Sprüche - Weisheiten - zitiert. Die Kinder fanden nach ihrer Schulentlassung, weg von „zuhause", eine Arbeit bei Bauern - sie gingen in Stellung, sagte man damals - und waren fortan auf sich allein gestellt. Mein Großvater ist noch eine dritte Ehe eingegangen. Mit dieser Frau hatte er zwölf   Kinder, und sie überlebte ihn um viele Jahre.

Wer also waren meine Eltern?  

 

      Vater Peter Brieler (1903-1982) 

 

Mutter Gertrud Brieler  (1903 - 1989)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es waren gute, fleißige, strebsame, fürsorgliche und mitfühlende aber arme Leute aus einfachen Familien. Ich habe meine Herkunft nie als Makel empfunden, nie und nirgends mein Zuhause verleugnet und - wenn sich die Gelegenheit ergeben hat - immer mit Stolz von meinen Eltern und deren persönlichen Leistungen erzählt. Was sie in ihrem ganzen Leben unter fast immer wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen für ihre Kinder getan haben, was sie - und wie sie es - angestellt haben, daß anständige Menschen - so pflegte man immer zu sagen - aus ihnen wurden, verdient höchsten Respekt. Vor allem unsere Mutter hatte die Ideen und das Durchsetzungsvermögen unter Zurückstellung fast aller persönlichen Bedürfnisse. Vater war der Arbeiter, der Schaffer, der - obwohl er nach einem arbeitsreichen und regelmäßig langen Tag oft müde war - niemals aufhörte, für seine Familie zu sorgen - manchmal bis zur Selbstaufgabe. Erst als Vater in Rente ging - er war so um die sechzig und nach vielen Jahren als Hilfsarbeiter am Bau, zuletzt bei der Eisenbahn am Bahnhof Koblenz-Lützel beschäftigt - und Mutter ebenfalls ab sechzig eine kleine Rente bezog, ging es den beiden wirtschaftlich besser, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen war, daß sie für ihre inzwischen volljährigen Kinder nicht mehr unmittelbar sorgen mußten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die ältesten vier Kinder verheiratet. Ludwig, der jüngste Sohn, heiratete später; Bernhard blieb bis zu seinem Tod im Jahre 1990 unverheiratet.

Es ist anzunehmen, daß sie sich gefreut haben - meine Eltern Peter und Gertrud, als ich knapp zehn Monate nach ihrer Hochzeit in Neuendorf auf der Schanz - so hieß im Volksmund die obere Hochstraße, in der sich die erste Wohnung meiner Eltern befand - unter der fachkundigen Assistenz von Frau Imhof, der Hebamme, die auch half, alle meine anderen Geschwister zur Welt zu bringen, das Licht der Welt erblickte.

 

 

 

(ich selbst mit fünf Jahren)

 

 

 

 

 

 

Erblickte ist nur sinnbildlich zu verstehen; denn ob ich in dem Moment wirklich etwas erblickte, ist sehr zu bezweifeln. Immerhin ist wahrscheinlich, daß ich als erstes meine Mutter wahrnahm, die sich um mich sorgte im wahrsten Sinne des Wortes, und zwar deshalb, weil mein Vater zu dieser Zeit arbeitslos war. Er teilte damit das Schicksal vieler tausend (oder waren es millionen?) Menschen nach dem von Deutschland verlorenen Ersten Weltkrieg mit den Auswirkungen des Versailler Vertrages. Die junge Familie mußte von der Arbeitslosen-Unterstützung leben - man ging „stempeln", hieß das. Und das wiederum war wörtlich zu nehmen; denn die Arbeitslosen mußten sich jeden Tag - außer sonntags - beim Arbeitsamt vorstellen. In ihrem Arbeitslosen-Ausweis wurde dann ihr persönliches Erscheinen durch einen Stempel bescheinigt. Die Unterstützung reichte natürlich hinten und vorne nicht. Mein Vater versuchte - wie das auch heute Arbeitslose noch tun - etwas hinzuzuverdienen. Zeitweise gelang dies in der Nachbarschaft bei Glöckners Albert, einem Bauer, der auch einen Kohlenhandel betrieb. Von all dem habe ich damals nichts wahrgenommen. Aber meine Mutter erzählte später hin und wieder, wie arm es damals war, und daß Vater bei der Nebenbeschäftigung außer dem Essen zwei Reichsmark am Tag verdient habe.

Neuendorf ist nicht nur mein Geburts-, sondern auch mein Heimatort.

(Neuendorf, Rheinpromenade, im Jahre 1951)

 

Obwohl ich seit 1961 mit meiner eigenen Familie in Neuhäusel im vorderen Westerwald glücklich und zufrieden lebe, bin ich meinem Geburtsort stets verbunden geblieben. Neuendorf ist der nördliche Vorort von Koblenz an der linken Rheinseite, von Koblenz nur durch die Mosel getrennt, die am Deutschen Eck aus den Vogesen kommend in den Rhein fließt. Eine herrliche Lage am Zusammenfluß von Rhein und Mosel, direkt am Rhein gelegen mit einem kleinen Wäldchen, das zum Schutz vor Hochwasser und Treibeis angelegt worden war, und wo sich heute - direkt vor der berühmten Festung Ehrenbreitstein und dem Deutschen Eck (von 1948 bis 1990 Mahnmal der Deutschen Einheit) - wohl einer der schönsten Campingplätze Deutschlands befindet. Hier gab es schon in den dreißiger Jahren ein Freibad. Damals konnte man noch bedenkenlos im Rhein und in der Mosel baden. Neuendorf, das Dorf der ehemaligen Flößer. Noch in den fünfziger Jahren trieben Flöße, die vor allem im Schwarzwald zusammengestellt worden waren, rheinabwärts gen Holland. Was war das ein Spaß, aber nicht ungefährlich, als Kind auf den Flößen herumzutoben, wenn diese abends vor dem Neuendorfer Ufer festmachten, um die Nacht zu verbringen. Und was habe ich als Kind und später als Jugendlicher alles in Neuendorf erlebt; ich werde noch darauf zurückkommen.

Meine Erlebnisse in der Anfangszeit meines Lebens sind für mich kaum in Erinnerung. An unsere erste Wohnung bei der Familie Komes - der älteste Sohn dieser Familie hatte einen Taubenschlag, was eigentlich nichts besonderes ist (viele Familien hatten in Neuendorf einen Taubenschlag) - kann ich mich jedenfalls nicht erinnern. Ich erwähne es nur deshalb, weil meine Mutter später erzählte, daß ich - nachdem ich mit neun Monaten begonnen hätte zu laufen - mit elf Monaten versucht habe, über die Leiter in diesen Schlag zu gelangen.

Die großen Rheinwiesen sind das Erste, was mir nach heutiger Betrachtung aufgefallen ist. Diese Wiesen gibt es immer noch, aber das, was damals da geschah, wird nicht mehr praktiziert. Die Frauen haben dort ihre Wäsche in der Sonne gebleicht. Bis nach dem zweiten Weltkrieg hatten die Frauen es schwerer als heute, als es noch keine Waschmaschinen gab, und die Wäsche auf dem Brett gebürstet oder in der Wanne gestampft werden mußte. Anschließend wurde sie zum Rhein gebracht und auf der Wiese ausgebreitet. Sie wurde mehrmals täglich begossen, aber nicht mit Wasser aus einer - wie mancher heute denken mag - dort installierten Leitung, nein, mit Rheinwasser. Um es aus dem Rhein zu entnehmen, ging man zu dem in der Nähe befindlichen Anlegesteg der Fähre; diese war ein großer Holznachen, der durch Muskelkraft des Fährmanns mehrmals am Tage nach Bedarf nach Urbar auf der anderen Rheinseite und wieder zurück gerudert werden mußte.

Wann meine Eltern mit mir (ob auch meine Schwester Brigitte schon geboren war, weiß ich nicht)

 

 

(Brigitte, *1933 im Alter von 19 Jahren)

 

 

 

 

 

in die Handwerkerstraße, direkt gegenüber der Volksschule, umzogen, kann ich heute nicht mehr sagen. Aber dort wuchsen meine Wahrnehmungsfähigkeit und mein Bewußtsein. Hier wurde ich mit sechs Jahren auch eingeschult.

 

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Vor dem Umzug in's eigene Haus

(3) - An den Tag der Einschulung kann ich mich noch erinnern. Aber bis dahin dauerte es noch einige Jahre. Wir wohnten also nun in der Handwerkerstraße - im Anbau eines Mehrfamilienhauses der Witwe Andres. Sie war der Prototyp eines Vermieters - unnahbar, streng. Keiner der Mieter konnte sie leiden. Fünf Mietparteien führten täglich einen aussichtslosen Kampf gegen sie - natürlich auch meine Eltern. Zwei Höfe gab es bei diesem Haus, und es ist nachvollziehbar, daß die Mieter auch hin und wieder einmal das Bedürfnis gehabt haben, auf diesen Höfen etwas abzustellen. Aber weit gefehlt. Das war nicht zulässig. In diesem Punkt war die Witwe Andres unnachsichtig. Meinen Vater traf dies um so mehr, als wir einen Handwagen - einen sogenannten Leiterwagen - besaßen, der jedoch im Keller aufbewahrt werden mußte, was deshalb besonders schwierig war, weil der Wagen bei jeder Benutzung aus dem Keller herausgenommen und nachher wieder dorthin gebracht werden mußte. Dies war aber nur möglich, wenn man jedesmal die Räder abmontierte und den Wagen gewissermaßen in Stücken in den Keller trug, der ohnehin viel zu beengt war.

Die Wohnung war auch nicht berauschend. Trotzdem wird sie besser gewesen sein als die bisherige in der Hochstraße. Die neue Wohnung bestand aus vier verhältnismäßig kleinen, etwa quadratischen Zimmern, die hintereinander lagen. Wenn man das letzte Zimmer erreichen wollte, mußte man von der Küche aus (die war das erste Zimmer) durch zwei weitere hindurchgehen. Ein Bad gab es nicht; das war bei Mietwohnungen damals auch nicht üblich. Die Toilette lag außerhalb an der Außentreppe, die überdacht war. Nur über diese konnte man die Wohnung erreichen.

Hier wohnten wir also bis zum Jahre 1938. Als wir aus dieser Wohnung auszogen, war die Familie auf sechs Personen angewachsen; denn im Jahre 1935 kam meine Schwester Trudel und im Jahre 1937 mein Bruder Bernhard hinzu. Für diese Familie war die Wohnung denn doch zu klein geworden.

 

 (Trudel  * 1935, im Alter von vier Jahren)

 

 

 

 

                                                                   

(Bernhard * 1937, im Alter von sieben Jahren)         

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich hatte mich mit einem Jungen angefreundet, der ebenfalls im Haus der Witwe Andres wohnte. Karl hieß er; er war ein Jahr älter als ich, aber wir spielten jeden Tag miteinander. In der Handwerkerstraße gab es noch andere Kinder, die etwas älter waren als Karl und ich. Mit denen durften wir auch spielen. Sie stifteten uns manchmal zu Dingen an, die man gemeinhin als Schabernack oder Unartigkeiten bezeichnen kann. Bei solchen Streichen waren Karl und ich oft arm dran; denn wenn die Streiche offenbar wurden, waren es nicht die Großen, sondern jedesmal wir gewesen, die dafür den Kopf hinhalten mußten. In der Nachbarschaft gab es auch einen Steinmetzbetrieb. Hier schauten wir oft zu, wie die Handwerker die Grabsteine bearbeiteten mit dicken, runden Holzhämmern, wie wir zuvor noch keine gesehen hatten. Eines Tages schenkte uns der Handwerker einen solchen abgearbeiteten und deshalb für den Betrieb nicht mehr nutzbaren Hammer. Aber wir konnten natürlich vieles damit anfangen. Welcher kleine Junge hatte schon so einen Hammer!

Und eine Baustelle gab es in der Handwerkerstraße. Hier wurde ein neues Haus errichtet. Es erhielt die Hausnummer drei. Abgesehen davon, daß Karl und ich uns hier manchmal mit einem kleinen Eimer Sand zum spielen holen durften, ist dieses Haus für mich deshalb von besonderer Bedeutung, weil hier nicht nur ein Junge einzog, Gerd hieß er, der mit mir im selben Schuljahr war, sondern der Jahre später auch einer meiner engsten Freunde wurde. Viele Abende haben wir in diesem Haus verbracht und Skat gespielt. Gerds Mutter hat oft mitgespielt, wenn uns der dritte Mann gefehlt hat. Aber nicht nur das. Nach meiner Eheschließung fand ich in diesem Haus auch die zweite Wohnung. Alles das konnte ich aber damals - vor meiner Einschulung - noch nicht wissen.

Mein Vater arbeitete zu dieser Zeit am Bau. Später hat er mir erzählt, daß er bei der Errichtung des Stadions Koblenz-Oberwerth und der neuen Moselbrücke - die hieß damals „Adolf-Hitler-Brücke" - mitgearbeitet hat. Nach der Arbeit ging er immer in den Garten. Dort, am Wallersheimer Weg, pflanzte er Kartoffeln, Gemüse, Bohnen und Salat an, wodurch sich die Familie besser ernähren konnte; denn das Einkommen meines Vaters war gering. Oft fuhr ich mit ihm in den Garten und durfte dabei im Leiterwagen sitzen. Das ging aber nicht immer. Vor allem dann nicht, wenn mein Vater für die Bodenverbesserung und Düngung durch die Ortsstraßen fuhr und den auf der Straße liegenden Pferdedung aufkehrte. Damals gab es genug davon. Neuendorf war ein Bauerndorf. 22 Vollerwerbsbetriebe gab es zu dieser Zeit, wenn ich mich recht erinnere. Und fast alle Bauern fuhren mit Pferden, nur drei oder vier hatten Kühe als Gespann. Meines Wissens gibt es heute nicht einen einzigen Bauer mehr. Damals aber - ich erwähnte es bereits im vorherigen Kapitel - hat mein Vater manchmal auch bei einem Bauer ausgeholfen. Mit Pferden, Ochsen oder Kühen konnte er umgehen. Als Heranwachsender hatte er - wie er später oft erzählte - bei Bauern gearbeitet und dort auch seine Frau - meine Mutter - kennen gelernt. Bei den Großbauern Brünagel und Steinheuer in der Grafschaft bei Meckenheim hatte meine Mutter ihre ersten Stellen gefunden; hier hat sie als Magd gearbeitet, in der Küche kochen gelernt und sonst auch alle Arbeiten verrichten müssen, die auf einem Bauernhof anfallen. Bei Sauerborns hatte mein Vater überwiegend gearbeitet. Hier hat er wohl ein gutes Verhältnis gehabt; denn später - noch in den sechziger Jahren - ist mein Vater oft mit dem Fahrrad nach Heimbach-Weis gefahren, wo Sauerborns schon in den dreißiger Jahren einen neuen Hof übernommen hatten. Kennen gelernt aber haben sich meine Eltern beim Bauer Lobenthal in Wallersheim. Dieser Bauer hat später den Hof Kirschheimersborn über Bad Ems übernommen.

 

(Hofgut "Kirschheimersborn" über Bad Ems um etwa 1930)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine Eltern waren dabei, als der gesamte Betrieb in eigener Regie mit Pferdefuhrwerk von Wallersheim auf die Taunushöhe über Bad Ems verlegt worden ist. Lobenthals sind aber auf diesem Hof bankrott gegangen, und meine Eltern haben ihre Stelle verloren. Meine Mutter hat sodann im Café Haymann in Koblenz - einem renommierten Café in der Löhrstraße, das es heute jedoch nicht mehr gibt - in der Küche gearbeitet. Bei freier Kost und Logis habe sie dort - erzählte sie - im Monat 50 Reichsmark verdient. Soviel hätte sie bis dahin noch nirgends erhalten. Und mein Vater hat vor seiner Ehe auch bei einem Müllerbetrieb in Ehrenbreitstein als Fuhrmann gearbeitet. Hierfür ist er gezielt ausgebildet worden. Er besaß schon einen „Führerschein" für Pferdefuhrwerke. Und den brauchte er, weil er das Mehl mit dem Fuhrwerk, gezogen von zwei Pferden, über Land, meist auf den vorderen Westerwald bis nach Montabaur, fuhr. Da hatten die Pferde eine schwere Last zu ziehen - aber mein Vater auch zu tragen. Zehn Pfennig - erzählte er - habe er Trinkgeld für jeden Sack Mehl bekommen, den er auf dem Rücken abgeladen habe. Und jeder Sack habe zwei Zentner gewogen.

Doch zurück zu Neuendorf. Nicht nur Bauern gibt es heute nicht mehr. Wenn ich zurückblicke, ertappe ich mich dabei, wie ich versuche aufzuzählen, wieviele Lebensmittelgeschäfte oder Bäckereien oder Metzgereien es damals in Neuendorf gegeben hat. Immerhin hatte Neuendorf kurz vor dem Krieg schon fast 6000 Einwohner. Ob ich noch alles lückenlos zusammen bekomme? Also: Es gab 22 Lebensmittelgeschäfte, 14 Bäckereien, sechs Metzgereien, sechs Wirtshäuser, fünf Friseure, vier Gärtnereien und eine Drogerie. Eine Apotheke gab es nicht; Arzneien mußten die Neuendorfer in Lützel am Schüllerplatz in der Engel-Apotheke kaufen; auch die nächste Zweigstelle der Stadtsparkasse Koblenz befand sich in Lützel.

Aus der Zeit vor meiner Einschulung erinnere ich mich noch an das sonntägliche Kirchen-Ritual. Meine Mutter war eine fromme Frau, und der Sonntag war ihr heilig. Das bedeutete, daß am Sonntag morgens die Messe, nachmittags die Christenlehre und abends die Andacht besucht werden mußte. Ich weiß nicht, ob es heute noch Menschen gibt, die so fromm sind. Andererseits hat der oftmalige Kirchenbesuch aber auch nicht geschadet. Trotzdem ist meine Mutter bei aller Frömmigkeit, die sie offenbar von ihrer Großmutter übernommen hat, nie kirchenhörig gewesen. Ich werde später noch darauf zurückkommen. Aber es gab auch etwas Angenehmes am Sonntag: Bei Bernardys in der Nachbarschaft gab es sonntags Speiseeis. Meine Eltern gaben mir dafür immer fünf Pfennige; dafür bekam man schon eine Waffel mit Eis. Viel war es zwar nicht, aber wir haben uns trotzdem darüber gefreut. Und außerdem hatten meine Eltern ja sowieso nicht so viel Geld übrig.

In heller Aufregung erlebte ich meine Mutter einmal - es muß im Sommer 1938 gewesen sein, als sie völlig aufgelöst, meinen einjährigen Bruder Bernhard im Arm, die Wohnungstreppe hinunter rannte, um zum Arzt zu kommen. Ich wußte zunächst nicht, was geschehen war. Als sie zurückkehrte, erfuhr ich, daß Bernhard Essig-Essenz getrunken, sich den Rachen verätzt hatte und bei den einsetzenden Krämpfen beinahe erstickt wäre.

Ostern 1938 erfolgte die Einschulung in die Volksschule Koblenz-Neuendorf. Unser Klassenlehrer war Herr Thelen.

 

(Die Einschulung 1938 mit Lehrer Thelen)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Er setzte mich in die hinterste Reihe. Es gab Bänke mit Klappsitzen und Klapptischen. Jeweils vier Kinder saßen in einer Reihe; und zwei solcher Reihen standen - getrennt durch einen Gang - nebeneinander. Auf der einen Seite saßen die Mädchen, auf der anderen die Jungen. Ein Klassen-Foto wurde auch gemacht; auf der großen Treppe, die zum Schulhof führte.

Im selben Jahr sind wir noch einmal umgezogen. Meine Eltern hatten ein altes, kleines Bauernanwesen mit Stall und Heuschober in der Owersgasse von den Erben Ower gekauft. Um die 3000 Reichsmark hat dieses Anwesen gekostet. Natürlich hatten meine Eltern nicht so viel Geld. Onkel Peter - der Bruder meiner Mutter - hatte ihnen den fehlenden Betrag geliehen. Nach Jahren habe ich mich oft gefragt, wie meine Eltern bei der bekannten Armut überhaupt hatten etwas sparen können. Meine Eltern wollten bei der großen Familie aber nicht immer in Miete wohnen und sich mehr oder weniger ständig mit den Vermietern herumärgern müssen. Hier konnte ihnen niemand mehr reinreden.

 

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Kindheit vor dem Bewußtsein des Krieges

(4) -  Wir hatten ein eigenes Haus! Was das für meine Eltern bedeutet haben mag, konnte ich erst viele Jahre später ermessen, als ich mit Marlies, meiner Ehefrau, im Jahre 1961 in Neuhäusel ein eigenes Haus baute. Und was haben sich wohl die Leute die Köpfe zerrissen! Ausgerechnet die, die sowieso nichts hatten außer vier Kindern, haben ein Haus gekauft. Aber meinen Eltern konnte es egal sein. Sie hatten es, und das war wichtig. Hier konnten sie machen, was sie wollten. Nach dem, was meine Mutter mir erzählte, gab es wahrscheinlich nur wenige in Neuendorf, die der Familie das gegönnt haben.

Auch für uns Kinder war das natürlich ein völlig neues Gefühl. Wir mußten nicht mehr vor Frau Andres ducken; wir konnten uns frei entfalten. Und die Nähe zum Rhein! Es waren ja nur ein paar Meter.

Das Haus selbst - na ja, es war ein altes Haus. Im Erdgeschoß gab es die Küche, eine Stube und eine Kammer. In den beiden oberen Etagen lagen die Schlafzimmer. Ein Bad gab es auch hier nicht (welcher Bauer hatte schon ein Bad?), und die Toilette lag auch außerhalb des Wohngebäudes; sie war im Hof - ein „Plumps-Klo", was den Vorteil hatte, Gülle zu produzieren, die mein Vater für den Garten gut gebrauchen konnte. Im Stall, da wo früher die Kühe standen, baute mein Vater einen Hühnerstall mit Nestern. Auch Boxen für Kaninchen baute er dort hinein. Und dann bekamen wir sie: Hühner und Kaninchen. Damit brauchten wir keine Eier mehr zu kaufen, und hin und wieder gab es sonntags einen Braten. Hühner und Kaninchen schlachtete mein Vater selbst. Der Hof war etwas Besonderes. Er war gepflastert. Aber nicht mit herkömmlichen Granit- oder Basaltsteinen, sondern mit Kieselsteinen - große, runde, weiße und bunte Steine. Das war keine ebene Oberfläche im Hof, und es war etwas beschwerlich, darüber zu gehen. Solche Höfe fand man damals in vielen bäuerlichen Anwesen. Meinen Eltern mag das auch nicht besonders gefallen zu haben; denn nach und nach wurde das geändert. Mein Vater legte eine Regenrinne an und belegte den ganzen Hof mit Steinplatten und Ziegelsteinen. In der hinteren Ecke des Hofes war der Misthaufen. Die verbrauchte Einstreu der Hühner und Kaninchen wurde hier zwischengelagert - zur Freude der Hühner - und später als wichtigen Dünger ebenfalls in den Garten gefahren.

Parallel mit dieser wohnlichen Entwicklung verlief auch die berufliche meines Vaters. Es gelang ihm, als Arbeiter bei der damaligen Deutschen Reichsbahn eine Stelle zu finden. Das war ein Glücksfall für die Familie; denn jetzt erhielt er neben seinem Lohn auch Kindergeld, was damals nur von staatlichen und sonstigen öffentlichen Arbeitgebern gezahlt wurde. Der Stellenwechsel bedeutete eine erhebliche wirtschaftliche Verbesserung, zumal ein Jahr später das fünfte Kind, meine Schwester Therese, geboren wurde.

 

 

(Schwester Therese, * 1939, im Alter von 18 Jahren)

 

 

 

 

 

 

Der Arbeitsplatz meines Vaters war beim Bahnhof Ehrenbreitstein. Dorthin fuhr er täglich mit dem Fahrrad. Zunächst arbeitete er im Streckendienst - in der Rotte, wie es hieß - und bedeutete Gleisbau und -unterhaltung. Kurze Zeit später wurde er aber für die Tätigkeit in einem Stellwerk ausgebildet. Und so kam er in die Stellwerke Ehrenbreitstein-Nord oder Ehrenbreitstein-Süd. Hier war die Arbeit körperlich nicht mehr so schwer - aber er hatte eine größere Verantwortung zu tragen. Wenn mein Vater sonntags Dienst hatte, habe ich ihm später immer das Essen gebracht. Das war ein weiter Weg, meistens zu Fuß über die Schiffbrücke in Koblenz, besonders, wenn er im Stellwerk Ehrenbreitstein-Nord arbeitete. Das lag auf halbem Weg nach Urbar, in unmittelbarer Nähe des Felsens, einem bekannten Merkmal zwischen Ehrenbreitstein und Urbar. Dieses Stellwerk konnte man vom Neuendorfer Rheinufer gut sehen, es lag direkt gegenüber dem Sportplatz und war höchstens 300 Meter (über den Rhein) entfernt. Zu Fuß mußte ich dorthin aber fast vier Kilometer zurücklegen - für eine Strecke.

Die Schiffbrücke in Koblenz war etwas ganz Besonderes - ja, ich glaube sogar etwas Einmaliges. Es war eine Ponton-Brücke, mit Holzbohlen belegt und „ausfahrbar". Wenn Schiffe passieren wollten, mußte die Brücke ausgefahren werden, damit ein Durchlaß entstand, durch den die Schiffe fahren konnten. Die notwendigen Motoren hierfür waren in der Brücke eingebaut, so daß sie sich selbst öffnen konnte. In diesem Fall wurde die Brücke für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrt. Die Sperrung dauerte manchmal eine halbe Stunde, dann nämlich, wenn ein Schleppzug rheinaufwärts fuhr. Ein Schleppzug bestand meistens aus einem Raddampfer mit bis zu sechs Schleppkähnen. Wenn ich meinem Vater das Essen brachte, war es für mich besonders ärgerlich, wenn gerade in dieser Zeit die Schiffbrücke für den Verkehr geschlossen war. Das bedeutete eine Wartezeit - und außerdem wurde das Essen kalt.

Die politischen Ereignisse bekam ich als Sechsjähriger natürlich nur am Rande mit. Einmal im Monat kam sonntags (dem sogenannten Eintopfsonntag) ein Mann in brauner Uniform und sammelte Geld für das Winterhilfswerk. Kurze Zeit nach der Geburt meiner Schwester Therese hieß es „Es ist Krieg". Ich hatte keine Vorstellung, was das wirklich bedeutete. Vorläufig betraf uns das auch nicht unmittelbar. Man sagte, die Väter in kinderreichen Familien müßten nicht Soldat werden, und bei uns gab es ja schon fünf Kinder. Aber irgend wann hat es meinen Vater doch erwischt. Es wird im Herbst 1939 gewesen sein. Er wurde zwar nicht zur Wehrmacht eingezogen, sondern zum Reichsarbeitsdienst. Das war, wie ich später erfuhr, eine militärähnliche Organisation, die vor allem Bau- und Pionierarbeiten verrichtete. Mit dieser Organisation - sie wurde RAD abgekürzt - zog mein Vater an die deutsche Westgrenze zum Ausbau des sogenannten Westwalls, einer Grenzbefestigung gegen den damaligen Erzfeind und Nachbarn Frankreich. Doch nach ein paar Monaten war mein Vater wieder zu Hause. Vorher gab es für mich noch ein persönliches Ereignis. Auf Drängen des Neuendorfer Pastors Dr. Johannes Schlich feierte ich Erstkommunion. Mein Vater konnte an diesem Fest wegen seiner Tätigkeit am Westwall nicht teilnehmen. Urlaub bekam er nicht. Meine Mutter hatte Kuchen gebacken, und viele Leute kamen, um zu gratulieren. Geld haben sie mir gegeben und Geschenke. Noch im Frühjahr 1940 - ich war gerade acht Jahre alt geworden - wurde ich Meßdiener.

Meine freie Zeit verbrachte ich meistens am Rhein, obwohl ich zu dieser Zeit noch nicht schwimmen konnte. Spielkameraden gab es dort genug, einige davon waren in meiner Klasse. Wir bauten mit den dicken Steinen im Flußbett Häfen, schnitzten kleine Boote - teilweise mit Segelaufsatz - und spielten das, was wir auf dem Rhein täglich sahen. Große Raddampfer, die bis zu sechs Schiffen, meistens vollbeladen mit Kohle, hinter sich her zogen, und auch große weiße Raddampfer für den Personen- und Ausflugsverkehr. Wir kannten sie alle, die Schiffahrtslinien wie Damco, Raab-Karcher, Franz Haniel, Matthias oder Hugo Stinnes und die Namen der Ausflugsschiffe wie Goethe (dieses Schiff fährt heute noch), Vaterland, Rheingold oder Mainz.

Eine herrliche, andere Spielmöglichkeit ergab sich auch in den Kribben, so hieß das in Neuendorf, obwohl es das niederdeutsche Wort für Buhnen ist. Diese befanden sich etwa zwei Kilometer rheinabwärts zwischen Wallersheim und Kesselheim - dort, wo sich heute die Einfahrt zum Koblenzer Industriehafen befindet. Zwischen den einzelnen Buhnen, die bis zu 20 Meter in den Rhein hinein ragten, gab es warmes, seichtes Wasser, hervorragend geeignet zum Baden, was im Rhein selbst an dieser Stelle wegen der starken Strömung nicht möglich war. Auch hier konnten wir mit selbstgemachten Schiffchen spielen. Aber auch „auf dem Trockenen" gab es tolle Möglichkeiten. Hier war es wie im Urwald. Bis zu zwei Meter hohes Schilf und Rohr, fast undurchdringlich. Dies war hervorragend geeignet, um versteckte Hütten und Unterkünfte zu bauen - ein idealer Platz zum Indianer-Spiel. Und im Herbst gab es noch etwas Besonderes: Walnüsse. In den Gemarkungen Kesselheim und Wallersheim standen ganz in der Nähe viele riesige Nußbäume, von denen wir uns, sobald die Früchte reif waren - manchmal auch früher, weil wir es kaum erwarten konnten - stets bedienten.

Am Rhein konnten die Kinder im Winter ebenso schön spielen wie im Sommer. Was gab es doch für herrliche Winter in dieser Zeit. Natürlich waren sie sehr kalt, und lange haben sie gedauert. Aber es hat Schnee gegeben, viel Schnee - sogar in Neuendorf, nicht nur auf den Höhen rund um Koblenz. Auf den Rheinwiesen war dann ein großes Gedränge. Alle Kinder versammelten sich dort mit Schlitten und fuhren bis ins Flußbett hinein, bis unmittelbar an das Wasser. Wenn dieses gefroren war, konnte man noch weiter fahren. Zum Schlittschuhlaufen gingen wir nach dem Krieg in die bereits zitierten Kribben. Zwischen den Buhnen war das Eis hervorragend eben und glatt, und die Gefahr des Einbrechens war so gut wie ausgeschlossen. Manchmal waren die Winter so kalt, daß der Rhein etwa 30 bis 40 Meter zur Mitte hin zugefroren war; etwas, was man heute überhaupt nicht mehr zu sehen bekommt. Die größeren Kinder, aber auch Erwachsene gingen dann mit Schlittschuhen auf dieses Eis. Setzte jedoch später Tauwetter ein, wurde das Eis brüchig, und man mußte sehr vorsichtig sein, wollte man nicht einbrechen. Das war etwas, was hin und wieder geschah. Auch meinem Vater ist das in seiner Jugend geschehen. Im Winter total eingebrochen. Bis zur Brust hat er im eiskalten Wasser gestanden. Schnell nach Hause gelaufen, erzählte er, und damit seine Mutter nichts gemerkt hätte, hätte er seine nassen Sachen zum trocknen in den Kleiderschrank gehängt. Natürlich sei es aber nicht unbemerkt geblieben. Ich selbst hatte einen Schlitten schon zu Weihnachten bekommen, als wir noch in der Handwerkerstraße wohnten; es war ein gebrauchter Schlitten - wie ich später bemerkt habe, den mein Vater, damit er wie neu aussehen sollte, rotbraun angestrichen hatte. Der Winter 1942-43 war besonders kalt; bis in den April hat er gedauert. Viel Schnee war gefallen, der sich im Laufe der Monate immer mehr verdichtete und zu Eis wurde. Als es endlich zu tauen begann, hatten wir zu Hause im Hof eine Eisschicht von mehr als zehn Zentimeter Dicke. Diese Schicht habe ich, um den Hof schneller wieder von Eis frei zu bekommen, mit dem Beil abgeschlagen.

Es war eine in meiner Erinnerung schöne Zeit bis zur Verschärfung des Krieges. Dann war die Unbeschwertheit dahin.

Zuvor gab es noch zwei Sterbefälle in der Familie. Im Juni 1942 fiel Onkel Toni, der jüngste Bruder meines Vaters, im Rußland-Feldzug beim Aufmarsch in Richtung Leningrad, heute wieder St. Petersburg. Er war 29 Jahre alt und fand sein Grab auf einem Soldatenfriedhof in der Nähe von Staraja Russa, südlich des Ilmensees.

 

 

(Onkel Toni, 1913 - 1942)

 

 

 

 

 

 

Zuvor war schon mein Großvater, der Vater meines Vaters, im September 1941 im Alter von 65 Jahren verstorben. Onkel Toni mochte ich gut leiden, und es tat mir leid, daß er nicht mehr lebte. Vor meinem Großvater hatte ich immer großen Respekt. Er war etwas unnahbar. Mit einer Laubsäge konnte er hervorragend umgehen. Das tat er oft, weil er schon seit vielen Jahren wegen seiner Erkrankung invalide war und genügend Zeit dafür hatte. Er machte sehr schöne Dinge. Als bestes fand ich den in Laubsäge-Arbeiten nachgebildeten Kölner Dom mit einer Höhe von etwa einem Meter.

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Der Krieg hat uns erreicht!

(5) -  Von unmittelbaren Kriegsereignissen aufgeschreckt wurden die Menschen in Koblenz erstmals im April 1942 frühmorgens am Ostermontag, als die ersten Fliegerbomben auf die Stadt fielen. In der Schloßstraße waren das damalige Schloß-Café und einige andere Häuser zerstört worden. Im Laufe des Tages pilgerten hunderte von Schaulustigen dorthin, um sich das unbekannte Ereignis anzusehen. Ich weiß noch, daß ich mit meinem Vater auch dabei war. An Einzelheiten kann ich mich jedoch nicht mehr erinnern. An diesem Tag werden die Koblenzer wohl einen Vorgeschmack davon bekommen haben, was ihnen im Laufe des Krieges noch bevorstand. Denn richtig los ging es erst zwei Jahre später, wiederum im April, als die Koblenzer Altstadt in Flammen stand - und auch die Goldgrube war schwer getroffen. Zur Bekämpfung des Feuers waren auf den Koblenzer Plätzen und Ringstraßen Feuerlöschteiche angelegt worden, zum Beispiel auf dem Kaiser-Wilhelm-Ring (heute Friedrich-Ebert-Ring) oder auf dem Goebenplatz (heute Görresplatz).

Im April 1942, als die ersten Bomben auf Koblenz gefallen waren, wurde ich zehn Jahre alt. Das war deshalb von Bedeutung, als die Knaben mit diesem Alter zum Jungvolk „eingezogen" wurden. Dies war die Vorstufe der Hitler-Jugend, die man ihrerseits wiederum als Vorstufe des Militärs ansehen konnte. Die Jungen wurden in Gruppen zusammengestellt, und mehrere bildeten ein Fähnlein, dem ein Fähnleinführer vorstand. Alle Mitglieder des Jungvolks bekamen eine Uniform - natürlich mit braunem Hemd und einer kurzen schwarzen Hose. Es war gewissermaßen die „Klein-Uniform der SA". Jeden Samstag mußte das Jungvolk „antreten" - so nannte man das und bedeutete das Zusammenkommen auf dem Schulhof. Hier stand man in Reih’ und Glied - das wurde natürlich geübt, um nicht zu sagen gedrillt - vor dem Fähnleinführer. Auch wurden Lieder eingeübt und gesungen, zum Beispiel Es zittern die morschen Knochen... oder Wir lagen vor Madagaskar, natürlich auch das damalige Deutschland- und Horst-Wessel-Lied. Der „große Führer" und Vorsitzende der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei (NSdAP), Adolf Hitler, ließ keine Möglichkeit aus, das Volk, das letztlich von ihm schmählich verraten wurde und sich täuschen ließ, auf seine Seite zu ziehen. Natürlich ist man nachher immer schlauer. Mit zehn Jahren habe ich dies natürlich nicht erkennen können. Ob meine Eltern es erkannt haben? Ich habe nie danach gefragt. Möglicherweise hätte ich auch nicht eine richtige Antwort bekommen. Denn wer gibt schon gerne zu, daß er sich hat täuschen lassen.

Das war die Zeit, in der nicht nur die Glocken von den Kirchtürmen geholt wurden, um Kanonen daraus zu machen; nein, es war auch die Zeit, in der ich einen neuen Freund fand. Reinhold hieß er. Er war mit seiner Mutter in das Nachbarhaus eingezogen und wohnte dort auf der Mansarde. Er kam aus dem Ruhrgebiet - von Essen. Von seinem Vater habe ich nie etwas gehört. Seine Mutter ging arbeiten. Sie half in der Küche in der Langemarck-Kaserne in Lützel. Mit Reinhold war ich oft zusammen. Wir hatten uns auch zusammen im Sportverein TuS 1911 Neuendorf angemeldet. Dort übten wir Tischtennis spielen. Während ich später - ich komme noch darauf zurück - zum Handballsport überwechselte, wurde Reinhold einer der besten Tischtennisspieler des Rheinlandes.

Ein Jahr später, genau am 16. August 1943, bin ich zur Deutschen Hauptschule in Koblenz gewechselt. Eigentlich konnten sich meine Eltern eine weiterführende Schule für ihre Kinder finanziell überhaupt nicht leisten, zumal im Sommer 1942 auch noch das sechste Kind, mein Bruder Ludwig, geboren worden war.

 

 

(Bruder Ludwig, * 1942, im Alter von 20 Jahren)

 

 

 

 

Meine Mutter hat es aber schließlich durchgesetzt, nachdem ihr und meinem Vater von meiner damaligen Klassenlehrerin Michels mit Nachdruck geraten worden war, mich in eine weiterführende Schule zu schicken. Nach dem Verständnis der heutigen Zeit ist die damalige Deutsche Hauptschule nicht vergleichbar mit der heutigen Hauptschule als Aufbaustufe der Grundschule. Vielmehr handelte es sich um die sogenannte Mittelschule, die unter dem Regime Hitlers einen anderen Namen erhielt, nach dem Krieg erneut in Mittelschule umgetauft wurde und wiederum Jahre später den Namen Realschule bekam. Vorteil der Deutschen Hauptschule war es, daß für die Kinder ein Schulgeld nicht entrichtet werden mußte, wie das bei Gymnasien und vorher auch bei der Mittelschule der Fall war.

So zog ich also mit meinen Neuendorfer Klassenfreunden Hans Kleemann, Hans Weller, Hans Zenz und Franz Klappa täglich - anfänglich per Straßenbahn - in die Hohenzollernstraße, wo das Schulgebäude stand. Sehr oft war auch Gerd Breidbach dabei, der jedoch eine Klasse weiter war. Es war derselbe Junge, dessen Eltern in der Handwerkerstraße vor einigen Jahren das Haus Nr. 3 bauten. Nur ein Jahr lang blieben wir in unserem Schulgebäude von Kriegseinwirkungen unbehelligt. Als aber im Juli 1944 das Gebäude bei einem Fliegerangriff durch Brandbomben teilweise zerstört worden war, wurde der Unterricht in dem Gebäude des damaligen Kaiserin-Augusta-Gymnasiums, heute Görresgymnasium, weitergeführt. Schon vorher - und verstärkt auch später noch - gab es Unterrichts-Ausfälle durch Fliegeralarme. Wenn die Sirenen heulten, wurden die Unterrichtsstunden abgebrochen; die Schüler mußten das Gebäude verlassen und die Luftschutzbunker oder -keller aufsuchen. Selbst wenn nachts nach null Uhr Fliegeralarm war, der mehr als 20 Minuten dauerte, fielen morgens die beiden ersten Stunden aus. Der verheerende Angriff auf Koblenz am 6. November 1944 war für die Stadtverwaltung Koblenz Anlaß, alle Schüler im Januar 1945 zu evakuieren, was nicht bedeutet, daß bis dahin noch Schulunterricht stattgefunden hätte. Tatsächlich waren die Schulen schon seit Monaten geschlossen, weil ein geordneter Schulbetrieb wegen der vielen Unterbrechungen durch Fliegeralarme nicht mehr aufrechtzuerhalten war. Viele Schüler kamen auch von auswärts und mancherorts waren die Straßen und Schienenwege zeitweise unterbrochen oder zerstört, so daß die Schüler auch aus diesem Grunde nicht mehr nach Koblenz kommen konnten. Wir, die Neuendorfer, waren zuletzt täglich zu Fuß in die Hohenzollernstraße gegangen, weil auch die Straßenbahnen nicht mehr fuhren. Hin und zurück waren das für uns täglich acht Kilometer Fußmarsch.

Mein Vater bekam vieles von dem nicht mit. Er ist 1944 noch einmal dienstverpflichtet worden. Das bedeutete weg von der Familie und als Eisenbahner Versetzung nach Schlesien und Polen. Die Nachschublinien der deutschen Wehrmacht für den Rußland-Feldzug mußten aufrechterhalten bleiben. Er war - wie ich mich noch gut erinnere - in den Bereich Krakau - Lemberg gezogen (damals gehörte Lemberg noch zu Polen; nach dem Krieg mußten die Polen das Gebiet um Lemberg an die Sowjetunion abtreten - heute gehört es zu Weißrußland); ein Ort namens Rawa Russka ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. So war meine Mutter wieder mit sechs Kindern allein; ich war erst zwölf Jahre alt und nach ihrer Auffassung als ältester Sohn mitverantwortlich für die Familie. Auch meine älteste Schwester Brigitte mußte in Maßen mitarbeiten; erst im November 1944 wurde sie elf Jahre alt.

Für mich war das keineswegs eine angenehme Zeit. Da galt es, wöchentlich die Straße und den Hof zu fegen, die Kaninchenställe zu reinigen, samstags sämtliche Schuhe aller Familienmitglieder zu putzen (und das waren mindestens immer 15 Paare), täglich für die Kaninchen Futter herbeizuschaffen und auch im Garten zu helfen, wo dies möglich war - und da war viel möglich. Am schlimmsten war die Futtersuche für mehr als 20 Kaninchen. Das ging nur mit Handwagen. Löwenzahn, Daudistel, Klee, Gemüsereste von Wirsing, Kohl und Möhren waren begehrte Güter, hinter denen ich fast täglich her war. Aber dafür mußte ich - wenn ich nicht genügend am Straßenrand fand - auf fremde Grundstücke. Und das war übel. In dieser Zeit lernte ich die Bauern wirklich kennen. Namentlich und von Angesicht zu Angesicht kannte ich sie alle, und alle kannten auch meine Familie, und alle wußten, wie es wirtschaftlich um uns bestellt war. Das alles hielt sie aber nicht davon ab, mich von ihren Grundstücken zu verjagen, wenn sie mich erwischten, obwohl ich nur Abfälle einsammelte, die sie ohnehin eingepflügt hätten. Bei diesen Bauern hätten die Familien verhungern können.

Normal einkaufen konnte man schon viele Jahre nicht mehr. Selbst wer Geld genug hatte, konnte nicht alles kaufen. Es gab Lebensmittelkarten und Bezugscheine. Nur mit Hilfe dieser Papiere war es möglich, etwas zu erstehen. Unsere Familie hatte zeitweise nicht genug Geld, um auf alle Karten etwas einkaufen zu können, und das, obwohl die Preise damals verhältnismäßig niedrig waren. Ein drei Pfund schweres Brot kostete 56 Pfennige, ein Liter Milch nur 28 Pfennige. Ein Ei war für drei Pfennige zu haben, ebenso eine Schachtel Streichhölzer. Dank unserer Kaninchen hat meine Mutter weitgehend auf den Einkauf von Fleisch verzichten können und die Karten einer anderen Familie überlassen, die uns dafür Bekleidung für die Kinder ohne Kosten für uns beschaffte. Trotz allem gab es jedoch nicht jeden Tag Fleisch; höchstens zweimal in der Woche. Und auch sonst erinnere ich mich, daß wir weder Wurst noch Käse auf dem Brot hatten, manchmal einen Schmelzkäse. An den Namen Velveta kann ich mich noch erinnern. Es gab immer „doppelte Brote" - auf der einen Scheibe war Margarine geschmiert, auf der anderen Marmelade, meistens „Grafschafter Goldsaft" (früher hieß das Rübenkraut). Die Portionen auf die einzelnen Abschnitte der Lebensmittelkarten wurden wöchentlich festgelegt. Trotzdem war die Versorgung der Bevölkerung bis zuletzt einigermaßen sichergestellt. Nach dem Ende des verlorenen Krieges sollte es noch viel schlimmer werden.

Das Kriegsjahr 1944 war für uns das schlimmste. Die ständigen Fliegerangriffe und die Bombardierungen machten die Bevölkerung mürbe. Das war sicher von den Kriegsgegnern, den Amerikanern und Engländern, so gewollt; die Franzosen hatten zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu sagen, sie waren 1940 schon besiegt worden. Bei Fliegeralarm beteten wir immer (die meisten Familien taten das auch): Rosenkranz und sonstige Gebete wie „Aus der Tiefe rufe ich Herr zu Dir". Ob das Gebet etwas geholfen hat? Sicher hat es nicht geschadet. Die schlimmste Nacht war die des 6. November. Ich war bei Alarm mit meiner Mutter und den beiden Brüdern Bernhard und Ludwig - letzterer war noch nicht zweieinhalb Jahre alt - in unseren eigenen Keller hinabgestiegen. Dieser Keller war nicht als Luftschutzkeller ausgebaut. Es war zwar ein Gewölbekeller aus Bruchsteinen; er hatte aber keine dicht verschließbare Tür und nicht ein ebensolches Fenster. Meine drei Schwestern waren gegenüber bei Urmetzers (unsere Nachbarn) im für den Luftschutz ausgebauten Keller. Der Angriff begann mit dem unheimlichen Heulen der herabfallenden Bomben. Und dann bebte die Erde, das Haus wurde durchgerüttelt, die Kellertür flog auf und ein starker Luftzug rauschte durch den Keller. Es krachte rund um uns her und jeden Augenblick dachte ich, meine letzte Minute ist gekommen, wenn das Haus über uns zusammenstürzt und uns im Keller verschüttet. Zwischendurch versuchte ich, meine Mutter zu überreden, gegenüber in Urmetzers Keller zu fliehen, der mir sicherer schien. Aber meine Mutter lehnte ab. Und so harrten wir der Dinge. Zwanzig Minuten dauerte der Angriff - sie erschienen uns wie eine Ewigkeit. Und dann ließ das Zischen und Tosen allmählich nach, das Motorengeräusch der Flugzeuge entfernte sich - es trat Stille ein, Erleichterung: Wir lebten noch. Endlich teilten die Sirenen Entwarnung mit. Wir konnten den Keller wieder verlassen.

Obwohl unser Haus noch stand, bot sich ein Bild der Verwüstung. Von dem ständigen Sog oder Druck herabfallender Bomben waren viele Hausdächer abgedeckt, alle Fensterläden waren aufgeflogen und teilweise zerstört. Keine Fensterscheibe war mehr im Rahmen, überall lagen Glassplitter und sonstige Dinge, die einfach um- oder herabgefallen waren. Die größte Ernüchterung erlebte ich aber erst auf der Gasse direkt vor unserem Haus, als meine Mutter und ich zu Urmetzers gingen, um nach den Mädchen zu schauen. Die ganze Gasse lag voll mit Dachschieferplatten. Sie sind von dem gegenüberliegenden Haus, das keine Regenrinne hatte, heruntergerutscht. Ich stellte mir vor, was wohl mit mir geschehen wäre, wäre ich - wie ich gewollt hatte - aus unserem Keller geflüchtet. Möglicherweise hätten sie mir den Schädel gespalten. Ich hatte wohl einen guten Schutzengel; meine Mutter war der Schutzengel. Sie wird es auch öfter gewesen sein; und nicht nur für mich.

Koblenz war ein Trümmerhaufen. Es brannte überall - noch Tage lang. Eine stolze Stadt war binnen einer halben Stunde in Schutt und Asche gelegt worden. Luftminen, schwerste Bomben und Brandbomben waren auf die Stadt niedergegangen; es war wie in einem Feuermeer. 400 „fliegende Festungen" hatten ihre Last auf Koblenz abgeworfen. Später, als ich Schillers Lied von der Glocke las, hatte ich das Geschehen wieder vor Augen: „Das ist nicht des Tages Glut! Welch Getümmel, Straßen auf! Dampf wallt auf! Flackernd steigt die Feuersäule, durch der Straßen lange Zeile wächst es fort mit Windeseile, kochend wie aus Ofens Rachen glühn die Lüfte, Balken krachen, Pfosten stürzen, Fenster klirren, Kinder jammern, Mütter irren, Tiere wimmern unter Trümmern, alles rennet, rettet, flüchtet, taghell ist die Nacht gelichtet".

Nach diesem Angriff war die persönliche Sicherheit nicht mehr gewährleistet, zumal - was wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wußten - noch weitere Angriffe folgen sollten - so auch am Heiligabend 1944. Meine Mutter überlegte, ob es eine Möglichkeit gibt, wenigstens die beiden Mädchen Brigitte und Trudel in Sicherheit zu bringen. Mich brauchte sie als Beistand, und die anderen Kinder Bernhard, Therese und Ludwig waren noch zu jung, um sie „wegzugeben". Meine Mutter hatte eine Idee, und die eröffnete sie mir noch im November 1944.

 

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Vergebliche Evakuierung nach Reifferscheid

(6) - Ob es mit den Verwandten in Reifferscheid abgestimmt war, weiß ich nicht. Wenn überhaupt, hätte dies brieflich geschehen müssen, denn ein Telefon hatten sie nicht. Jedenfalls bat mich meine Mutter darum, meine Schwestern Brigitte und Trudel nach Reifferscheid zu bringen und anschließend selbst wieder zurückzukommen. Ich kannte den Weg; denn ich war des öfteren mit meinem Vater mit der Eisenbahn dorthin gefahren und auch dort schon mal in Ferien gewesen. Es gefiel mir. Den ganzen Bauernbetrieb fand ich interessant und arbeitete auch gern mit. Da gab es Kühe zu hüten, Heu vom Heustall hinunterzuwerfen, das Fuhrwerk anzuspannen, zu pflügen, Heu zu wenden und aufzuladen, Getreidegarben aufzustellen und beim Dreschen zu helfen. Zwei Ochsen zogen das Fuhrwerk und die landwirtschaftlichen Geräte. Es gab auch Kühe, Schweine, Hühner und Gänse. Mit Onkel Josef war ich fast den ganzen Tag zusammen. Er war ein freundlicher Mann und stets guter Laune. Von ihm habe ich sehr viel gelernt.

Nach Reifferscheid also. Meine Mutter erklärte mir, es sei ihr zu gefährlich mit den Kindern; sie könne es nicht mehr verantworten, alle Kinder bei der drohenden Bombengefahr immer um sich zu haben. Mit nur wenig Gepäck machten wir uns eines Tages auf den Weg; denn um nach Reifferscheid zu gelangen, benötigte man höchstens drei Stunden. In Lützel stiegen wir in den Zug ein und fuhren rheinabwärts über Andernach und Bad Niederbreisig nach Remagen. Dort mußten wir auf die Ahrtal-Strecke umsteigen. Bis nach Remagen verlief alles ganz normal. Am Bahnhof aber erklärten uns die Beamten, daß heute kein Zug die Ahrstrecke - wir mußten bis nach Adenau - fahren könne, weil diese von feindlichen Flugzeugen in der letzten Nacht bombardiert worden und sie deshalb zur Zeit unpassierbar sei. Vielleicht gäbe es eine Möglichkeit, per Anhalter mit einem Lastwagen zu fahren. Ich machte mich also mit meinen beiden Schwestern zu Fuß auf in Richtung Sinzig. Kurz vor Sinzig zweigt die Straße ins Ahrtal ab. Das sei ein günstiger Punkt, um einen Lastwagen zu erwischen, erfuhren wir. Aber bis dahin kamen wir nicht. Im Gleisdreieck Rhein - Ahr waren wir gezwungen, Deckung aufzusuchen, weil die Eisenbahnstrecke in diesem Bereich von feindlichen Jagdfliegern unter Beschuß genommen wurde. Bei allem hatten wir noch Glück, weil sich genau in diesem Gebiet an der Bundesstraße 9 ein Gasthaus befand, in das wir flüchteten (dieses Gasthaus gibt es heute nicht mehr; es fiel dem Verteilerkreisel nördlich von Sinzig, da wo auch heute noch die Ahrstrecke abzweigt, zum Opfer). Die Wirtin war zuhause und ging mit uns in den nahen Splittergraben, um Schutz zu suchen. Wir hörten die Sturzflüge der Maschinen und das Rattern der Bordkanonen. Welches Ziel sie hatten, konnten wir zunächst nicht ausmachen - aber im Laufe des Tages sollten wir es noch schmerzlich erfahren. Als der Spuk vorbei war, gab uns die Wirtin noch etwas zu essen, sie war sehr freundlich zu uns und hatte großes Mitgefühl. Ich weiß heute noch genau, was sie uns anbot: Kartoffeln und Spinat untereinander. Eigentlich hätten wir zu dieser Uhrzeit schon in Reifferscheid sein können. Unsere anschließenden Bemühungen, noch einen Lastwagen zu finden, haben wir im Laufe des Nachmittags erfolglos abbrechen müssen. Ich entschied, mit dem Zug wieder zurück nach Koblenz zu fahren. Also machten wir uns wieder auf den Weg - zu Fuß zurück nach Remagen zum Bahnhof. Das waren etwa drei Kilometer.

Hier erfuhren wir zu unserem Schrecken, daß linksrheinisch Züge in Richtung Koblenz nicht mehr verkehren könnten. Bei dem Angriff am Mittag, bei dem wir im Splittergaben hockten, waren die Gleise südlich von Remagen so zerstört worden, daß Züge nicht mehr fuhren. Um überhaupt noch nach Koblenz zu gelangen, blieb nur die rechtsrheinische Verbindung offen. Mit den beiden Mädchen - es war inzwischen später Nachmittag geworden - mußte ich über die Rheinbrücke, die sogenannte Erpeler Brücke, nach Erpel. Diese Brücke hat als Brücke von Remagen in den letzten Kriegstagen eine große Berühmtheit erlangt; es wurde auch ein Film darüber gedreht. Wir hatten Glück im Unglück; denn wir erwischten einen Zug in Richtung Koblenz-Ehrenbreitstein. Unterwegs begann es dunkel zu werden, es war schon Ende November und die Tage waren nicht mehr so lang. Während der Fahrt gab es wieder Fliegeralarm. In der Nähe von Fahr-Irlich, nördlich von Neuwied, mußte der Zug, der unter Beschuß genommen war, anhalten. Gott sei Dank zogen die Flugzeuge bald wieder ab. Es war nichts Schlimmes geschehen, und der Zug konnte weiterfahren. Ohne nochmalige Unterbrechung stieg ich mit den Mädchen in Ehrenbreitstein aus.

Müde waren wir alle, und Hunger hatten wir auch; denn außer dem Frühstück am Morgen und der kleinen Mahlzeit auf dem Weg nach Sinzig hatten wir den ganzen Tag nichts gegessen und getrunken - und spät war es auch. Es wird gegen 22,30 Uhr gewesen sein, als wir den Fußmarsch nach Neuendorf antraten. Wir mußten Rhein und Mosel überqueren und es war ein weiter Weg, obwohl man von Ehrenbreitstein - wäre es hell gewesen - Neuendorf gut sehen konnte. Als weiteres Mißgeschick erwies sich, daß die Schiffbrücke über Nacht ausgefahren war, und wir deshalb den Weg über die Pfaffendorfer Brücke - einen weiteren erheblichen Umweg - nehmen mußten. Total erschöpft kamen wir nach 24,00 Uhr zu Hause an. Auf unser Klopfen öffnete unsere Mutter die Tür und konnte nicht verstehen, wieso wir es waren. Hatte sie uns doch längst wohlbehütet in Reifferscheid geglaubt. Sie weinte bitterlich. Nie mehr habe ich meine Mutter so aufgelöst gesehen wie in dieser Nacht.

Ich war noch nicht 13 Jahre alt, als dies geschah. Sehr früh hatte ich Verantwortung übernehmen müssen. Eine solch große Verantwortung wollte meine Mutter mir wohl nicht noch einmal übertragen. Nach ihrer weiteren Überlegung zogen wir zwei Wochen später - am 6. Dezember (es war Nikolaus-Tag) - doch noch nach Reifferscheid; diesmal mit der ganzen Familie - nur Vater fehlte, der war noch in Polen.

 

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Die letzten Kriegsmonate bei unseren Verwandten in Reifferscheid

 

(7) -  Was mit unserem Vieh geschah, daran erinnere ich mich überhaupt nicht mehr. Schließlich hatten wir eine Katze, eine Menge Kaninchen und Hühner, die wir ja nicht mitnehmen konnten. Wahrscheinlich hatten sich Urmetzers, unsere Nachbarn, darum gekümmert. Doch der Umzug nach Reifferscheid bedurfte der Vorbereitung. Immerhin mußten wir genügend Kleider für den Winter mitnehmen, und auch Bettzeug; denn davon hatten die Verwandten sicher nicht genug. Auch mußten wir uns polizeilich abmelden. Das war mit der Erklärung, wir zögen zu Verwandten, notwendig, um einer Evakuierung nach Thüringen zuvorzukommen. Die Neuendorfer Bevölkerung wurde wegen der großen Gefährdung durch Fliegerangriffe nach Thüringen evakuiert. Mutter hatte sicher recht, daß es uns bei Verwandten besser ergehen könne als bei fremden Menschen in einer fremden Gegend. Und außerdem wollte sie nicht den Russen entgegengehen.

 

Alles, was wir mitnehmen mußten, wurde in einen großen, aus Weiden geflochtenen Schließkorb und in weitere Koffer und Kisten verpackt und beim Bahnhof Lützel als Gepäck zum Transport nach Adenau aufgegeben, weil wir ja nicht alles persönlich mitnehmen konnten. Leider ist dieses Gepäck niemals in Adenau angekommen. Alle Nachforschungen blieben ergebnislos. Die letzten amtlichen Vermutungen waren, daß wegen der ständigen Bombardierungen der Ahrstrecke die Gepäckstücke in Remagen liegen geblieben sind, wo sie hätten umgeladen werden müssen. Nach Kriegsschluß sind sie dann wohl geplündert worden. Jedenfalls haben wir nie mehr etwas davon gesehen. Vieles davon war noch völlig neu, also ungebraucht. Mutter hatte bei ihrer Sparsamkeit immer zusammengenähte, alte Sachen benutzt. Das hätte sie besser nicht getan, sie hätte dann noch etwas von den neuen Sachen gehabt. Besser wäre es auch gewesen, die Sachen überhaupt nicht zu verschicken! Denn in Neuendorf wäre nichts passiert. Nach dem Krieg hätten wir weiter darüber verfügen können. Doch das konnten wir im Dezember nicht wissen.

 

Ob wir in Reifferscheid herzlich aufgenommen worden sind? Wir wurden aber aufgenommen, und das war auch für unsere Verwandten nicht einfach und leicht. Immerhin waren wir nicht die einzigen, die aufgenommen wurden. Auch Tante Lisbeth, die Frau von Onkel Peter, dem Bruder meiner Mutter (beide waren ja zusammen in Reifferscheid nach dem Tod ihrer Mutter herangewachsen), war mit den beiden Mädchen Loni und Marga von Koblenz dorthin gekommen. Onkel Peter war in Rußland, Sohn Alfons ebenfalls bei Militär, und der älteste Sohn Hans war seit 1943 in Frankreich vermißt. So haben unsere Verwandten also zwei erwachsene Personen und acht Kinder zusätzlich in ihrem Haushalt gehabt, der selbst aus vier Personen bestand: Onkel Josef (ich erwähnte ihn bereits) und Tante Apollonia, die Schwester meiner Großmutter, Erna, die Tochter der beiden, und Onkel Peter, der unverheiratete Bruder von Tante Apollonia.

 

 

 

 

 

 

(Reifferscheid im Jahre 1937,

 

Onkel Josef vor seinem Haus, das auch 1950 noch so aussah, mit Tante Lisbeth.

 

Das Haus, in dem meine Mutter ihre Kindheit verbrachte und in dem wir von Dez. 1944 - April 1945 wohnten)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Reifferscheid gab es 1944 kein fließendes Wasser. Alles Wasser mußte aus Brunnen geschöpft werden, die im ganzen Ort verteilt an verschiedenen Stellen zu finden waren. Es waren mit Bruchsteinen gebaute tiefe, runde und überdachte Brunnen, in denen sich das Grundwasser, zum Teil aber auch das Oberflächenwasser sammelte. Ob es immer hygienisch rein war, ist zu bezweifeln; denn eine Kanalisation gab es auch nicht. Alle Brühe, egal wie sie aussah - zum Teil auch Jauche, lief über die Straßen ab. Das Brunnenwasser wurde mit Hilfe einer Spindel, über die eine Kette lief, aus dem Brunnen noch oben gezogen und in Eimern nach Hause getragen.

 

1Elektrisches Licht gab es zwar, aber oft war es infolge von Kriegseinwirkungen ausgefallen oder das Elektrizitätswerk stellte täglich stundenweise den Strom ab, weil nicht so viel produziert werden konnte. Abends saßen die Menschen dann im Dunkeln, wenn man keine Kerze oder Öllampe hatte. Und wer hatte schon so etwas? Das gab es ja auch nicht. So behalf man sich mit Karbid. Die Bauern hatten immer noch eine Möglichkeit, an Karbid heranzukommen. Die Karbid-Lampen stellten sie mit Hilfe von zwei leeren Konservendosen unterschiedlicher Größe selbst her. Die kleinere Dose diente zur Aufnahme des Rohkarbids und wurde mit einem angepaßten, selbst hergestellten Holzpfropfen fest verschlossen. In die ehemalige Unterseite dieser Dose wurde ein winziges Loch geschlagen und diese Dose sodann mit der Seite, die mit dem Pfropfen verschlossen war, in die größere Dose gestellt, die mit Wasser ganz oder teilweise gefüllt war. Durch den Holzpfropfen zog die Feuchtigkeit in die obere Dose ein, das Karbid löste sich auf, das entstehende Gas entwich auf der Dosen-Oberseite und konnte angezündet werden. Die Konstruktion ergab ein klares, helles und weißes Licht. Je nach Größe des Lochs war die Flamme größer oder kleiner.

 

Es war, das kann sich jeder denken, sehr eng in der Familie. 14 Personen an einem Tisch. Das ging fast immer nur in zwei Etappen. Und Schlafzimmer? So viele Schlafzimmer hatte das Haus nicht. Ich erinnere mich, daß in einem engen, langen Raum vier Doppelbetten nebeneinander aufgestellt worden sind, und zwar quer im Zimmer. Das Zimmer war aber so schmal, daß man am Kopf- oder Fußende der Betten nicht vorbei kam. Wer also das vierte Bett erreichen wollte, konnte dies nur über die drei davor stehenden. In diesem Zimmer schlief meine Mutter mit ihren sechs Kindern. Die Familie von Tante Lisbeth bekam ein anderes, ähnliches Zimmer. Reibereien blieben bei diesen Verhältnissen nicht aus. Besonders Erna wurde es manchmal zu viel.

 

 

 

 

 

 

(Erna, - * 1923  + 07.10.1987 - die Tochter von Onkel Josef und Tante Apollonia)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es war für sie dieselbe Situation wie 30 Jahre früher, als die beiden Kinder - meine Mutter und ihr Bruder - in die Familie der Großmutter aufgenommen worden waren. Damals hatte Ernas Mutter die Probleme mit den Kindern. Aber zu ernsthaften Auseinandersetzungen ist es nicht gekommen. Tante Lisbeth und meine Mutter, aber auch die beiden ältesten Mädchen, Loni und Brigitte und ich selbst, arbeiteten mit. Meistens fuhr ich mit Onkel Josef aufs Feld oder in den Wald. Im Winter wurde Holz gemacht - Bäume gefällt. Hier lernte ich, wie das gemacht wird. Holzhauen, Straße und Hof sauber halten, Stall misten, Heu vom Heustall herunter werfen, waren Arbeiten, die ich verrichten konnte. Auch dreschen habe ich gelernt - aber mit dem Flegel. Es war gar nicht so einfach, wie es aussah. Mit Onkel Josef und Onkel Peter mußte das im Takt gehen, damit man sich nicht selbst und gegenseitig die Flegel um die Ohren schlug.

 

Wegen der Ernährungs-Bewirtschaftung in den Kriegsjahren ließen sich die Leute so allerlei einfallen. Ich erinnere mich, daß ich mit Onkel Josef nachts zu einer Familie ging, die über eine Mühle verfügte, die von einem Elektromotor angetrieben wurde und auf der man Öl pressen konnte. Davon durfte natürlich niemand etwas wissen; solche Vergehen wurden mit Gefängnis bestraft. Den Raps zogen unsere Verwandten selbst, und daraus wurde Rüböl gepreßt. Den Ölkuchen, das was von dem Raps übrig blieb, wurde den Schweinen verfüttert.

 

Eines Tages tauchte ein Kontrolleur auf unserem Hof auf, um die Hühner zu zählen. Zur Aufrechterhaltung der Ernährung mußten die Bauern ja nicht nur Fleisch und Getreide, sondern auch Eier abgeben. Bei den jährlichen Erhebungen mußten sie deshalb im Fragebogen auch die Anzahl der Hühner angeben. Und diese Zahl wurde kontrolliert. Hierbei konnte ich die Schlitzohrigkeit der Bauern bewundern. Die Hühner liefen frei umher, und um sie zählen zu können, mußten sie versammelt werden. Das geschah, indem man ihnen Getreidekörner in den Hof warf - dann kamen sie von allen Seiten. Und dann wurde gezählt; der Kontrolleur zählte mit. Bei einer bestimmten Zahl angekommen, sagte meine Tante, das seien ihre Hühner, die übrigen seien von ihren Nachbarn, obwohl das überhaupt nicht stimmte. Und die Nachbarn machten es genau so.

 

Es war selbstverständlich, daß unsere Verwandten nicht den gesamten Unterhalt für uns übernehmen konnten. Mit Hilfe unserer Lebensmittelkarten versorgten wir uns weitgehend selbst. In Reifferscheid gab es damals aber nur einen kleinen Krämerladen, ein Kolonialwarengeschäft - wie es hieß, in dem gleichzeitig auch die Postsachen erledigt wurden, weshalb man, wollte man größere Mengen kaufen, meistens nach Adenau oder Antweiler gehen mußte. Ja, man mußte gehen; eine öffentliche Verkehrsverbindung gab es nicht, und ein Auto oder einen Traktor hatte auch niemand. Wenn überhaupt, hätte man höchstens mit dem Ochsenfuhrwerk fahren können. Die kürzesten Wege nach Adenau oder Antweiler führten durch Feld und Wald; 50 Minuten nach Adenau, zehn Minuten länger nach Antweiler, wohlgemerkt, eine Strecke. Brot kauften wir immer in einer dieser beiden Gemeinden. Es waren meistens zehn bis zwölf Brote zu je drei Pfund, die wir erwarben. Die reichten für eine Woche. Um sie nicht schleppen zu müssen, transportierten wir sie in einem Kinderwagen, über den wir verfügten, weil die jüngsten Kinder - Ludwig und Marga - manchmal auch noch damit gefahren wurden. Holten wir die Brote in Adenau, mußte der Rückweg über Honerath führen, weil der andere Weg zu steil und mit einem Kinderwagen nicht befahrbar war. Die Strecke über Honerath betrug fast acht Kilometer und war in knapp zwei Stunden zu bewältigen. Wegen unseres Wohnortes Reifferscheid mußten wir das Brot eigentlich in Adenau kaufen. Aber wegen der Bewirtschaftung gab es nicht immer welches. Wenn wir dann nach Antweiler gingen, wurden wir manchmal nach unserem Wohnort gefragt. Als Reifferscheider hätten wir kein Brot bekommen. Deshalb logen wir und sagten, wir wohnten in Dorsel; weil diese Gemeinde zum Amt Antweiler gehörte.

 

In den ersten Tagen, als wir bei unseren Verwandten wohnten, gab es noch Einquartierung. So nannte man es, wenn die Militärkommandantur den Soldaten befohlen hatte, in bestimmten Häusern zu übernachten. Vorher waren Quartiermacher dort, die entschieden hatten, wie viele Soldaten jede Familie aufnehmen konnte. Die Soldaten befanden sich im Aufmarsch für die sogenannte Ardennen-Offensive, der letzte, verzweifelte Versuch Hitlers, das Kriegsglück doch noch zu seinen Gunsten zu wenden. Wie sich herausstellte, war dieser Versuch überflüssig und erfolglos. Diese verlorene Offensive war der endgültige Anfang vom Ende.

 

Weihnachten 1944 gab es in Reifferscheid viel Schnee. Er lag etwa 40 bis 50 Zentimeter hoch und an manchen Stellen gab es mächtige Verwehungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

(Reifferscheid im Winter)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einige Tage später, als wir übten, Ski zu laufen - das waren vom Schreiner hergestellte Bretter mit Lederbindung - sah ich einen Mann durch den Schnee stapfen. Er kam aus Richtung Winnerath und zog zwei Holzkoffer hinter sich her durch den Schnee. Nahe genug herangekommen erkannte ich meinen Vater. Im Osten war seine Dienststelle wegen der herannahenden Russen aufgelöst und die Mitarbeiter in Urlaub geschickt worden. Infolge der zerstörten Ahrtal-Bahnlinie kam mein Vater zu Fuß von Bonn über die Grafschaft und Schuld an der Ahr nach Reifferscheid. Das war wegen des vielen Schnees ein äußerst anstrengender Fußmarsch. Aber wir waren sehr froh, ihn einmal wieder zu sehen. Er konnte einige Tage bleiben und mußte dann wieder zurück. Er hatte Auftrag, sich bei seinem Heimatbahnhof Ehrenbreitstein zu melden.

 

Die Westfront rückte immer näher zu uns heran. Einerseits versuchte die deutsche Wehrmacht, mit den damals von Wernher von Braun konstruierten Fernlenkwaffen, V 1 oder V 2, den alliierten Gegner von Deutschland aus zu attackieren. Wir hörten nachts, später auch tagsüber, diese Waffen über uns hinweg fliegen (mitunter konnte man sie auch sehen); andererseits hielten die alliierten Flieger deutsche Stellungen mit ihren Lightning- oder Thunderbold-Jägern unter Beschuß. Von der Höhe von Reifferscheid aus konnten wir sehr gut sehen, wenn die feindlichen Flieger im Tiefflug anflogen und sich - aus Bordkanonen schießend - in die umliegenden Täler auf die Stellungen in Adenau, Schuld, Fuchshofen oder Antweiler stürzten. Ich erinnere mich noch an einen Sonntag nachmittag, als die deutsche Vierlingsflak in Schuld innerhalb von zehn Minuten vier britische Doppelrumpf-Lightning-Jäger abschoß. Einmal fielen auch Bomben, allerdings ohne großen Schaden anzurichten; sie gingen im freien Feld zwischen Reifferscheid und Rodder nieder. Tante Apollonia saß gerade auf der Toilette (besser: Plumpsklo) und meinte nachher, die Amerikaner hätten wieder mit ihren Bordwaffen geschossen.

 

Vor den alliierten Flugzeugen war man nirgendwo sicher, auch nicht vor der heranrückenden Front. Deshalb bauten die Männer von Reifferscheid auch einen großen unterirdischen Schutzraum. Dieser befand sich in Richtung Honerath im Bereich der Alte Burg. Splittergräben wurden ebenfalls errichtet. Der nächste für uns erreichbare war nur wenig außerhalb der Gemeinde in Richtung Winnerath, von unserem Haus nur etwa 100 Meter entfernt. Auch Onkel Josef machte sich Gedanken wegen der heranrückenden Font und faßte den Beschluß, eine mögliche Ersatzunterkunft - ein Ausweichquartier - zu errichten. Mit meiner Mithilfe hat er auch damit begonnen, etwa 1,5 bis 2 Kilometer entfernt, in einem ihm gehörenden Waldstück, Kollrusbach genannt, von Reifferscheid in Richtung Laufenbach/Ahr gelegen. Aber dann haben wir die Arbeiten eingestellt, weil es unmöglich schien, eine so große Familie im Winter Tag und Nacht in einer selbst gezimmerten Hütte unterzubringen.

 

Noch im Januar und Februar wurden junge Männer zur Wehrmacht eingezogen. Viele, die der Einberufung gefolgt sind, sind - oft nicht 18 Jahre alt - noch in den letzten Kriegstagen gefallen. Wofür? Einer von Walds, der Familie, die uns gegenüber wohnte - Alois hieß er und hatte noch acht Geschwister und sein Vater war schon früh gestorben, folgte der Einberufung nicht. Das alles erfuhren wir natürlich erst nach dem Ende des Krieges. Damals hieß es, er fahre nach Koblenz zur Einberufung. Zwei Tage später war er aber wieder zu Hause mit der Begründung, wegen Bombardierung der Eisenbahnstrecke sei er nicht nach Koblenz gekommen. Einige Wochen später erhielt er einen weiteren Einberufungsbescheid. Und wieder machte er sich auf den Weg. Diesmal kam er aber nicht zurück. Erst als die Amerikaner Reifferscheid „erobert" hatten, sahen wir Alois wieder. Er war nicht zur Einberufung gefahren, sondern hatte sich versteckt, wo, das war nicht zu erfahren, und hat gewartet, bis die Gefahr vorüber war.

 

 

 

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Kriegsende! Zurück - nach Hause!

(8) -  Irgenwann war es dann soweit. Man erfuhr von Dorf zu Dorf, wie weit die Amerikaner schon herangekommen und welche Gemeinden eingenommen worden waren.   Als sich die deutschen Truppen eines Abends aus Reifferscheid zurückzogen, waren alle sehr erleichtert. Niemand war einem Kampf um die Einnahme oder Verteidigung dieses Ortes interessiert. Mit einer Verteidigung war aber immer zu rechnen, weil damals alle Orte mit sogenannten Panzersperren versehen waren, die vom Volkssturm verteidigt werden sollten. Volkssturm war eine Gemeinschaft der nicht mehr wehrpflichtigen und wehrtüchtigen Männer, die im Verteidigungsfall aber noch militärische Aufgaben erfüllen sollten. Dieser Volkssturm dachte aber in Reifferscheid nicht an eine Verteidigung . Die Panzersperren blieben geöffnet, alle Waffen, hauptsächlich Gewehre und Maschinenpistolen wurden - wie wir später erfuhren - noch in die Brunnen geworfen, damit die Amerikaner sie nicht finden sollten, und im Laufe der Nacht wurden riesige weiße Bettücher als Zeichen der Unterwerfung am Kirchturm befestigt, der schon von weit her sichtbar war. Auch die einzelnen Häuser hielten weiße Tücher für die Übergabe bereit.

Und dann kamen sie, die Amerikaner. Es war etwa sieben Uhr morgens. Mit Panzern und Lastwagen rollten sie aus Richtung Honerath an. Vorsichtig, hinter jeder Straßenbiegung einen Hinterhalt vermutend. Aber nichts geschah. Die Menschen in den Häusern hingen die weißen Bettücher aus den Fenstern und empfingen den "Feind". Die Amerikaner, viele davon mit schwarzer Hautfarbe; solche Männer hatte man in Reifferscheid leibhaftig wahrscheinlich noch nie gesehen, durchstöberten Haus für Haus. Es fiel nicht ein einziger Schuß. Statt dessen versorgten die "Schwarzen" die einheimischen Kinder mit Schokolade und sonstigen Süßigkeiten. Wer von den Kindern kannte zu diesem Zeitpunkt Schokolade? Fest steht: Die Amerikaner wurden nicht feindselig aufgenommen. Warum auch? Wir hatten sowieso keine Wahl.

Direkt hinter unserem Haus - es war das letzte in der Straße - richteten die Amerikaner einen Versorgungspunkt ein. Auch hier machten vor allem Schwarze die Arbeit. Mein Bruder Bernhard - gerade sieben Jahre alt - freundete sich mit diesen Soldaten besonders an. Fast den ganzen Tag brachte er bei ihnen zu, und bei dieser Gelegenheit fiel ganz besonders viel für ihn ab.

Von irgendwelchen Übergriffen der Soldaten auf die deutsche Bevölkerung habe ich nie etwas gehört. Es gab zwar keine himmlische Ordnung, das ist bei einer Besatzung sicher nicht möglich, aber es herrschte Frieden - zumindest in Reifferscheid. Man konnte wieder ruhig schlafen; denn unmittelbares Kriegsgeschehen gab es nicht mehr, auch keine Bombardierungen mehr und auch keine Jagdflieger-Überfälle mit Bordwaffen-Beschuß.

Eines Tages erzählten sich die Männer des Dorfes, die deutschen Truppen hätten sich so schnell zurückziehen müssen, daß sie nicht mehr alles hätten mitnehmen können. Mit "alles" waren Geräte und vor allem Pferde gemeint. Es verbreitete sich also die Kunde, bei Hohenleimbach, das ist ein kleiner Ort an der Hohen Acht in Richtung Kempenich, stünden 200  verlassene Armeepferde. Also beschlossen die Männer, am nächsten Tag dorthin aufzubrechen, um sich mit diesen Pferden zu bedienen. Die Männer dachten, es sei einmal etwas anderes; nicht immer nur mit Ochsen fahren und arbeiten müssen. Onkel Josef und ich gingen auch mit. Es war ein weiter Weg von etwa 15 Kilometern, der uns zunächst hinunter nach Leimbach und dann immer aufwärts über Kalenborn in Richtung Hohe Acht und Kempenich führte. Onkel Josef muß inzwischen die Lust an dem ganzen verloren haben; denn irgendwann war er nicht mehr zu sehen. Was hat dort alles am Wegrand gelegen an zurückgelassenem Material der deutschen Soldaten. Das hat mich wohl so beeindruckt, daß ich immer mehr den Anschluß an die Gruppe verlor und plötzlich den Weg nicht mehr wußte. Zufällig vorbeikommende Personen fragte ich nach dem Weg nach Leimbach. Sie zeigten ihn mir. Aber bald merkte ich, daß ich wohl in die falsche Richtung ging und konnte mir das nicht erklären. Irgendwann später sah ich die ersten Männer aus Reifferscheid zurückkommen und begriff die Aussage der Leute, die mir den Weg gezeigt hatten. Es lag eine Verwechslung vor. Ich meinte den Ort Leimbach, sie aber den Ort Hohenleimbach; das ist der Ort, bei dem die Pferde standen. Die Männer aus Reifferscheid saßen auf den Pferden und ritten nach Leimbach zurück. Sie sagten mir noch, wo ich die Pferde finden könnte. Als ich sie endlich sah, stellte ich fest, daß es wirklich eine große Herde war, ob 200, wußte ich natürlich nicht. Ich war der letzte, der ein passendes Pferd fand; nicht allzu schwer war es und von fast schwarzer Farbe. Ich band ihm einen mitgebrachten Strick als provisorisches Zügel- und Zaumzeug um, legte eine Decke über - einen Sattel gab es nicht - und dachte, "hoffentlich wirft es mich nicht ab". Ich hatte bis dahin noch nie auf einem Pferd gesessen. Aber es warf mich nicht ab. Und so ritt ich - es ging besser als erwartet - zurück in Richtung Reifferscheid. Unterwegs fand ich noch einige Decken, die ich dem Pferd ebenfalls auflegte. Am Schluß hatte ich sechs Decken unter mir, und ich dachte, die können wir zu Hause gut gebrauchen. Dabei gab es nur ein Problem: Die Decken rutschten immer und immer wieder, weil sie nicht wie ein Sattel festgezurrt waren. Und so mußte ich mehrmals absteigen und die Decken neu richten. Am Abend kam ich als letzter - aber ohne Sturz - in Reifferscheid an. Jetzt hatten wir ein Pferd. Onkel Josef war schon lange zu Hause - ohne Pferd. Die Bauern spannten die Pferde auch an und arbeiteten mit ihnen. Die Ochsen hatten Pause. Aber dafür bekamen sie auch weniger zu fressen, und sie magerten immer mehr ab.

Eine weitere Begebenheit mit diesen Pferden ist noch zu erwähnen. Irgendwann begann jemand, seinem Pferd die Schwanzhaare abzuschneiden, um einen Besen daraus zu fertigen. Wer hatte schon einen Original-Roßhaar-Besen? Es dauerte nicht lange, und fast alle machten es ihm nach. Die Pferde liefen mit ihren Schwanzstummeln, fast ohne Haare, umher. Es war ein bedauernswerter Anblick. In diesem Zustand wurden sie später den Amerikanern übergeben, als diese angeordnet hatten, die Pferde der ehemaligen deutschen Wehrmacht seien ihnen auszuliefern. Dadurch wurden die Ochsen reaktiviert.

Wenig später erfuhren wir, daß auch Koblenz in die Hand der Alliierten gefallen ist. Wir wußten zu diesem Zeitpunkt, daß unser Vater nicht mehr dienstverpflichtet worden war und wieder beim Bahnhof  Ehrenbreitstein arbeitete. Das war für meine Mutter das Zeichen zum Aufbruch. Wir konnten wieder zurück nach Neuendorf. Unser Haus - auch das wußten wir schon - war zwar etwas beschädigt, aber es stand noch und war auch noch bewohnbar.

Am 9. April 1945 machten wir - meine Mutter und ich - uns zu Fuß auf den Heimweg nach Neuendorf. Es war der Tag, an dem ich 13 Jahre alt wurde. Wir hatten den Krieg überstanden, und die Familie war noch komplett. Aber was war alles zerstört? Viele deutsche Städte waren nicht wiederzuerkennen. Auch Koblenz war zu 80 bis 85 Prozent zerstört. Mehr als 1000 Menschen sind durch Bomben getötet worden. Ungefähr 3000 Verwundete hat es gegeben. Von fast siebeneinhalbtausend Gebäuden waren mehr als 4300 zerstört und etwa 3000 waren - zum Teil schwer - beschädigt. Nur ganz wenige Häuser waren heil geblieben. In der Altstadt stand fast kein Haus mehr. Der Schutt lag meterhoch in den Straßen. Überall roch es nach Rauch - auch nach Jahren noch; denn tief unten war die Glut noch nicht erloschen. Wie heißt es in Schillers Lied von der Glocke: "In den öden Fensterhöhlen wohnt das Grauen". Was war aus Deutschland geworden? Einem Verrückten war es zum Opfer gefallen: Adolf Hitler, dem "Größen-Wahn-sinnigen". Das Volk hatte sich von ihm blenden lassen. Noch einmal Schiller, der einen siebten Sinn gehabt haben muß: "Nichts Heiliges ist mehr, es lösen sich alle Bande frommer Scheu, der Gute räumt den Platz dem Bösen, und alle Laster walten frei. ... der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn. Weh denen, die dem Ewigblinden des Lichtes Himmelsfackel leihn! Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden und äschert Städt' und Länder ein". Tröstlich für meine Eltern aber auch: "Er zählt die Häupter seinen Lieben, und sieh! Ihm fehlt kein teures Haupt". - Schillers Lied von der Glocke. Damals kannte ich Schiller noch nicht. und auch nicht seine Glocke.

 

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Der Weg und die Heimkehr nach Neuendorf

 

(9) -  Es war ein Montag, als wir uns auf den Weg machten, und es sollte ein weiter Weg werden - heim, zurück nach Neuendorf. Meine Mutter und ich hatten nur das Nötigste dabei, rechneten wir doch mit einer  Dauer von zwei Tagen. Erstes Etappenziel war Hirten, ein kleiner Ort oberhalb von Virneburg, in dem wir hofften, eine Unterkunft zu finden, weil dort eine Frau zu Hause war, die aus Reifferscheid stammte und die meine Mutter kannte.

 

Durch die Leimbach ging es hinunter nach Adenau, von dort weiter über Breidscheid, vorbei an Alte Burg, hinein in den Innenkreis des Nürburgrings (den gab es damals auch schon) in Richtung Döttingen. Dort hatte Onkel Josef noch einen Bruder. Der Weg zog sich unendlich - vorbei an Ober-, Mittel- und Niederbaar - nach Virneburg. Noch nie in meinem Leben war ich einen so weiten Weg gegangen. Ich erinnere mich, daß mir (meiner Mutter wohl auch) gerade vor Virneburg die Füße sehr weh taten. Das war nicht verwunderlich, verfügten wir doch damals nicht über hervorragend gearbeitete Wanderschuhe, wie es heute bei solchen Touren üblich ist. Fast immer waren wir entlang der Straße gegangen und meine Mutter meinte, es sei vielleicht angenehmer, durch Wiesen zu gehen, soweit diese an der Straße lagen. Das taten wir hin und wieder auch und brachte vorübergehend Erleichterung wegen des weichen Untergrundes. In Virneburg kehrten wir noch einmal in ein privates Haus ein, in dem meine Mutter ebenfalls eine Bekannte aus Reifferscheid wußte. Hier erfrischten wir uns mit etwas kühlem Wasser, und dann ging es auf das letzte Teilstück hinauf durch den Wald - ziemlich steil - über Kreuznick nach Hirten, unserem Zielort, der ungeführ 500 Meter rechts der Hauptstraße liegt. Es werden wohl 22 Kilometer gewesen sein, die wir bis dahin zurückgelegt hatten - manchmal mit Angstgefühlen, besonders wenn wir amerikanischen Soldaten begegneten. Es war ja verboten, seinen Wohnort zu verlassen. Aber es geschah nichts; die meisten nahmen überhaupt keine Notiz von uns. Wie beabsichtigt, übernachteten wir im Haus der Bekannten, die uns auch mit einem Abendessen und am nächsten Tag mit einem Frühstück versorgte.

 

Wir brachen früh auf. Mutters Bekannte erklärte uns noch den Weg; trotzdem haben wir uns verlaufen, weil wir überwiegend querfeldein liefen, um den Weg abzukürzen. Über Reudelsterz, vorbei am Geisbüschhof und durch Siedlung Cond ging es in Richtung Kehrig und von dort weiter nach Polch. Wir merkten bald, daß es heute ein erheblich längerer Weg werden würde als gestern. Und so trotteten wir vor uns hin. Viele Wegkreuze gab es, und Mutter erklärte immer, sie seien wohl errichtet worden, weil in früheren Zeiten an dieser Stelle wahrscheinlich jemand tödlich verunglückt sei. Für die übrige Landschaft hatten wir überhaupt keinen Blick (ich selbst mit 13 Jahren erst recht nicht). Mehr und mehr schmerzten die Füße, und wir sehnten uns nach der Ankunft. Aber von Polch aus war es noch weit. Die Ortschaften Kerben und Minkelfeld fallen mir ein - auch der Karmelenberg. Vorbei an diesem Berg wanderten wir über Bassenheim nach Rübenach. Hier schöpften wir neuen Mut; denn von hier aus konnten wir Koblenz sehen. Spät war es geworden, und wir befürchteten, kurz vor dem Ziel noch aufgegriffen zu werden. Ab einer bestimmten Uhrzeit - ich glaube, 20 Uhr war festgesetzt - durfte niemand mehr auf der Straße sein. Das war eine Anordnung der Besatzungsmacht, der Amerikaner. Wir konnten absehen, daß wir nicht rechtzeitig in Neuendorf sein würden. Mettemich, quer durchs Pollenfeld, vorbei am ehemaligen Volkspark, der total zerstört war, ging es über Bahnhäuser nach Hause. Wir hatten es geschafft. Es wird um 21 Uhr gewesen sein. Total erschöpft nach 40 Kilometer Fußmarsch kamen wir in der Owersgasse an - aber glücklich, endlich am Ziel zu sein. 

 

Für Vater, den wir zu Hause antrafen, war es eine riesige Überraschung. Wir waren ihm nämlich zuvorgekommen. Er hatte dieselbe Idee wie wir: Er wollte nach Reifferscheid kommen, um uns zurückzuholen, dorthin, wo wir hingehörten. Lange genug war die Familie getrennt. Und er war wohl auch des Alleinseins müde. Jeder strebte nach einem wieder allmählich einsetzenden normalen Leben. Aber von einem wirklich normalen Leben war die Bevölkerung noch weit entfernt. Es sollte noch Jahre dauern, bis alles wieder normal war. Und bis dahin gab es noch eine schwere Zeit - mit viel Hunger und Not.

 

Wann wir an diesem Abend zu Bett gegangen sind, weiß ich heute nicht mehr. Obwohl es beiderseits sicher viel zu erzählen gab, sind wir - so denke ich mir - wegen der körperlichen Erschöpfung wohl bald gegangen; am nächsten Tag hatten wir sicher Zeit genug, uns alles zu erzählen.

 

Als wichtigste Nachricht erzählte mein Vater am nächsten Tag, es war der Mittwoch, daß er mit Johann Pörling (das war ein Schuhmacher, der in der Hochstraße in der Nachbarschaft wohnte) verabredet habe, am nächsten Tag (dem Donnerstag) nach Mayen zu fahren, um von dort aus zu Fuß Reifferscheid zu erreichen. Als er dies mit Pörlings Johann ausgemacht hatte, konnte er noch nicht wissen, daß wir inzwischen wieder in Neuendorf waren. Pörlings Johann verfügte - woher, das weiß ich nicht - über zwei Pferde mit Wagen. Er selbst stammte aus Minkelfeld und wollte, aus welchen Gründen auch immer, in den Bereich seiner Heimat. Meinem Vater schwebte vor, den Leiterwagen als Handwagen mitzunehmen und mit Hilfe dieses Wagens alle Kinder mit dem nötigsten Gepäck wieder nach Hause zu holen.

 

Der erste Eindruck von unserem Haus war nicht gerade überwältigend. Es sah sehr ramponiert aus. Ersatz- oder Drahtglas war in den Fenstern, weil immer noch alle Scheiben kaputt waren. Aber Vater hatte sich - wo er nur konnte - nützlich gemacht und repariert, so gut es ging. Und er hatte auch eine Menge neues Werkzeug. Mir war das aufgefallen, aber ich hatte keine Vorstellung, woher es war. Es stammte - wie er dann erzählte - aus Beständen der Deutschen Wehrmacht, und zwar aus dem sogenannten Pionierpark (ich wußte, daß es diesen gab), der sich am Kesselheimer Weg befand und sich ungefähr vom Umspannwerk der RWE-AG bis zum damaligen Kloster Maria Trost erstreckte. Hier gab es alles, was eine Pioniereinheit brauchte, und alles war von der Deutschen Wehrmacht auf ihrem Rückzug vor den Amerikanern zurückgelassen worden. Noch bevor die Amerikaner eingerückt waren, hatte die Bevölkerung von Wallersheim, Neuendorf und Lützel (vielleicht auch von dem nahen Bubenheim oder Rübenach) das Lager total geräumt. Vor allem die Bauern, die über Zugtiere - meist Pferde - mit Wagen verfügten, schleppten nach Hause und füllten sich die Scheunen - egal, ob sie es brauchen konnten oder nicht. Für meinen Vater, der ähnliche Überlegungen hatte, war dies mit dem Handwagen natürlich schwieriger. Und zum Zeitpunkt, als dies geschah, konnte wohl noch niemand wissen, daß man das Gerät später auch gut gebrauchen konnte, um Tauschgeschäfte zu machen.

 

Was gab es hier alles: Gartengeräte wie Spaten und Hacken in allen Ausführungen, Sensen, Sicheln, Maschendrahtrollen und dazu gehörende Holzpfosten, Krampen zum befestigen das Drahts, Äxte, Hämmer, Zangen aller Art, Holzbohlen, Seile, Seilwinden, Schrauben und Nägel. Es muß gewesen sein wie im Schlaraffenland. Alles wurde aus dem Lager geräumt, und eine Menge davon war auch bei uns zu Hause. Derartiges Werkzeug und Material konnte Vater gut gebrauchen.

 

Am nächsten Tag - es war der Donnerstag - brachen Vater und Mutter mit ihrem Handwagen und mit Hilfe von Johann Pörling in aller Frühe auf. Ich selbst war für einige Tage auf mich allein gestellt. Ich denke, daß mich die Nachbarn, Urmetzers, während dieser Zeit "versorgt" haben - ich weiß es heute nicht mehr, wie es wirklich gewesen ist. Urmetzers, das waren die Nachbarn, in deren Luftschutzkeller sich unsere Mädchen aufhielten, als im November zuvor Koblenz in Schutt und Asche gelegt worden war. Für meine Mutter war die Tour nach Reifferscheid bestimmt eine Tortur. Nur einen Tag hatte sie Zeit, um nach einem langen, zweitägigen Fußmarsch von etwa 60 Kilometern zu regenerieren. Sie war zu dieser Zeit gerade 42 Jahre alt und wird trotzdem froh gewesen sein, mit der günstigen Gelegenheit der Mitnahme nach Mayen ihre Familie wieder zusammenführen zu können.

 

Es war eine verrückte Zeit, die Zeit des Zusammenbruchs des Deutschen Reiches. Der Krieg war noch nicht vorbei. Irgendwo in Mitteldeutschland gab es noch Kampfhandlungen, insbesondere um Berlin. Und dort, wo die Westmächte deutsches Land schon erobert hatten, da war relativer Frieden. Es gab eine unendliche Bevölkerungsbewegung. Die Menschen war unterwegs - zu Fuß und manchmal auf die abenteuerlichste Weise, um wieder nach Hause zu kommen. Von Nord nach Süd und von Ost nach West (hin und wieder auch umgekehrt). Gerade aus Thüringen und Sachsen kamen vor allem die Koblenzer zurück, die in den letzten Kriegsmonaten dorthin evakuiert worden waren, weil es in ihrer Heimatstadt wegen der dauernden Luftangriffe zu gefährlich für sie geworden war. Wir selbst kamen einer solchen Evakuierung ja zuvor, weil wir uns nach Reifferscheid zu unseren Verwandten abgemeldet hatten.

 

Am Dienstag darauf trafen meine Eltern mit Sack und Pack wieder in Neuendorf ein; mit meinen fünf Geschwistern und dem Leiterwagen voller Gegenstände, hauptsächlich Bettzeug. Ludwig, der jüngste, war noch keine drei Jahre alt. Deswegen wurde er während der ganzen Heimfahrt gezogen und geschoben: Er durfte oben auf dem Wagen sitzen. Auch meine jüngste Schwester Therese - sie war noch nicht sechs Jahre alt - durfte hin und wieder auf dem Wagen sitzen. Die anderen aber, Brigitte (elfeinhalb Jahre), Trudel (zehn) und Bernhard (noch nicht acht) sind - von Ausnahmen abgesehen - die Strecke zu Fuß gegangen. Gott sei dank war es nicht die gesamte Strecke von Reifferscheid aus, sondern erst ab Döttingen. Erna nämlich, die Cousine meiner Mutter (ich erwähnte sie bereits) sowie Walds Agnes aus der Reifferscheider Nachbarschaft (auch diese erwähnte ich schon. Agnes war die Schwester von Alois, der sich in den letzten Kriegstagen noch erfolgreich der Einberufung entziehen konnte und die Zweitälteste der Familie mit den neun Kindern) spannten die Pferde, die ihnen eigentlich nicht gehörten, an, luden meine Eltern mit meinen Geschwistern und dem vollgepackten Leiterwagen auf und fuhren mit ihnen über Honerath, Adenau und Breidscheid bis nach Döttingen. Bis dahin war es schon eine gute Strecke, die die Heimkehrenden nicht zu Fuß bewältigen mußten. In Döttingen gab es zum Abschied noch ein Frühstück bei Onkel Josefs Bruder, und dann waren sie auf sich allein gestellt, während Erna und Agnes mit ihrem Fuhrwerk wieder nach Reifferscheid zurückfuhren.

 

Noch am selben Tag kamen die Wanderer bis Polch. Sie nahmen im wesentlichen denselben Weg, den eine Woche vorher meine Mutter schon einmal mit mir gegangen war. Vater und Mutter zogen oder schoben den Wagen, und das war nicht immer einfach, ging es doch über Berg und Tal, besonders der Anstieg hinter Virneburg nach Kreuznick war steil und deshalb beschwerlich. In Polch fanden sie einen mitfühlenden Bauern (so etwas gab es also auch), der der Familie erlaubte, in der Scheune zu übernachten. Einen Tag später - es war Dienstag, der 17. April 1945 - waren wir wieder vereint. In den Abendstunden dieses Tages erreichten alle Neuendorf. Ich war froh, daß sie wohlbehalten angekommen waren. Obwohl der Krieg auch an diesem Tag noch nicht beendet war, begann für uns eine neue Zeit. Es gab noch viel zu tun. Also packten wir's an.

 

 

 

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Die Kunst des Überlebens nach dem Krieg und die "Währungsreform"

(10) - Es begann eine Zeit der großen Veränderungen. Zumindest als Jugendlicher mußte ich das so empfinden. Vorbei war einerseits die ständige Angst wegen des Krieges, andererseits konnte jeder sein Leben neu ordnen. Infolge der vielen und zum Teil großen und größten Zerstörungen durch die Bombenangriffe hatte fast jede Familie damit zu tun, ihr Haus oder ihre Wohnung wieder in einen vemünftigen und menschenwürdigen Zustand zu versetzen. Dies war aber nicht so einfach. Viele verfügten nicht über die erforderlichen finanziellen Mittel, und diejenigen, die noch genügend Geld hatten, konnten sich dafür auch nichts mehr kaufen.

Eine natürliche Staatsform gab es nach dem Zusammenbruch, was gleichbedeutend ist mit Kriegsende - Anfang Mai 1945 war das der Fall - auch nicht mehr. Es herrschte Besatzungsrecht. Die ersten Besatzer waren die Amerikaner. Später einigten sich die Siegermächte - Amerikaner, Briten, Franzosen und die Sowjetunion, das besiegte Deutschland unter sich aufzuteilen. Vier Zonen gab es danach. Koblenz und das Rheinland gehörten fortan zur französischen Zone. Die Amerikaner zogen sich folgerichtig zurück und die Franzosen übernahmen das Kommando. Der Alliierte Kontrollrat sorgte für die "Gesetzgebung", was bedeutete, daß das bis dahin geltende deutsche Recht weitgehend außer Kraft gesetzt und durch alliiertes Recht ersetzt wurde. In diesem Zusammenhang ließ auch die Versorgung der Bevölkerung nach. Vieles konnte man überhaupt nicht mehr kaufen - auch wenn man das Geld dafür gehabt hätte. Der Schwarzhandel blühte, zumal die Alliierten auch neues Geld eingeführt hatten; die deutsche Reichsmark gab es nicht mehr, und das alliierte Geld wollte niemand haben. Also wurde auf dem "Schwarzen Markt" getauscht: Ware gegen Ware. Wer nichts herzugeben hatte, konnte auch nichts bekommen. Der Schwarzhandel war zwar verboten und er wurde bestraft. Doch er blühte an allen Ecken.

Die Verknappung der Ernährungsgüter führte wiederum zu einer Art Völkerwanderung, wenn auch nicht in dem Maße, wie bei den Evakuierungsmaßnahmen und Flüchtlingsbewegungen aus dem Osten Deutschlands in den letzten Kriegsmonaten aus Furcht vor den Sowjets. Die Bevölkerung aus den Städten versuchte "auf dem Land" - bei den Bauern  - "etwas zu Essen" zu bekommen. Die Bauern nutzten diese Situation, die sie für sich selbst als günstig ansahen, zum großen Teil weidlich aus. Manch einer aus der Stadt gab fast seinen letzten beweglichen Besitz her, um Kartoffeln, Speck, Mehl, Öl oder Eier zu erhalten und um nicht verhungern zu müssen. Wir selbst hatten keinen Besitz, den wir hätten eintauschen können. Also mußten sich meine Eltern etwas anderes einfallen lassen. Denn daß es uns immer schlechter ging, war unübersehbar. Hungrig standen wir morgens auf, und oft gingen wir abends auch hungrig zu Bett. Meine Eltern litten sehr darunter, wenn sie sahen, daß ihre Kinder noch hungrig waren, sie ihnen aber nichts mehr geben konnten. Das führte dazu, daß die Mutter von allen am wenigsten bekam.

Wir wären sicher fast verhungert, wenn unser Vater nicht immer wieder einen Weg gefunden hätte, etwas Eßbares herbeizuschaffen. Wegen der Entfernung war er kurz nach dem Krieg vom Bahnhof Ehrenbreitstein zur Bahnmeisterei Lützel gewechselt. Das lag für ihn günstiger, und dadurch hatte er etwas mehr Zeit zur Verfügung, um Gartenarbeit zu verrichten. Neben unserem Garten am Wallersheimer Weg, den wir schon vor dem Krieg gepachtet hatten, pachtete er noch zwei weitere: Einen von Urmetzers, unseren Nachbarn, in der Gemarkung Schartwiese, das war in der Nähe des Badeplatzes unterhalb der Moselmündung, und einen am Kammertsweg in Wallersheim, in der Nähe der heutigen Öllager am Ölhafen in Richtung Kesselheim. Diesen Garten gaben wir später wieder ab und pachteten einen in der verlängerten Hochstraße zwischen Neuendorf und Wallersheim, weil dieser Garten erheblich günstiger war. Er lag nahe bei unserer Wohnung. Diese Gärten waren für uns die Grundlage der Ernährung. Denn hier konnte angepflanzt werden, was eine so große Familie wie die unsrige im Laufe eines Jahres zum Essen brauchte. Hauptsächlich wurden Kartoffeln angepflanzt. Aber auch alle Sorten Gemüse: Wirsing, Weiß- und Rotkohl, Krauskohl für den Winter, Spinat und mehrere Sorten Salat von Kopfsalat über Schnittsalat und Feldsalat (Mausohr) bis zum Endiviensalat, auch Zwiebeln und Schalotten. Parallel zu dieser Maßnahme wurde die Zahl der Hühner und Kaninchen erhöht und somit die Voraussetzung für die Versorgung mit Eiern und Fleisch geschaffen. Man kann sich denken, daß Vater die Arbeit unmöglich allein bewältigen konnte. Mutter half zwar im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch bei der Gartenarbeit mit, diese beschränkte sich aber hauptsächlich auf die Erntezeit. Ansonsten war ich gefragt.

Es war nicht nur, daß ich für die vielen Kaninchen - zeitweise hatten wir mehr als 50 davon - tagtäglich das Futter herbeischaffen mußte, was mehr und mehr zu einem Problem wurde, sondern auch bei der Gartenarbeit war ich täglich dabei. Das Futtersuchen war deshalb besonders schwierig geworden, weil wir einerseits erheblich mehr Kaninchen hatten als während des Krieges und andererseits jetzt fast jede Familie Kaninchen besaß und Futter suchen mußte, was dazu führte, daß man im Umkreis von zehn Kilometern - bis an die Grenzen von Rübenach und Urmitz - nicht einen einzigen Löwenzahn mehr fand. Folglich war ich gezwungen, auf die Felder der Bauern auszuweichen; wie man sich denken kann, nicht zu deren Freude. Aber es blieb mir nichts anderes übrig, als in deren Kleefeldern zu mähen. Erwischen lassen durfte ich mich nicht. Gewissermaßen als moralischen Beistand fuhr ich selten allein zum Futterholen. Meistens waren Freunde, vor allem Willi Thone, Hans Zenz und Hans Kleemann, dabei. Gemeinsam waren wir - falls wir einmal erwischt wurden - stärker. Das glaubten wir jedenfalls. Und hin und wieder erwies sich unsere Annahme auch als richtig.

Im Garten gab es immer etwas zu tun. Umspaten und hacken, Unkraut entfernen waren die Hauptarbeiten. Aber auch Mist und Gülle fahren. Das war eine unendliche Arbeit. 150 Liter gingen in ein Faß, und eine einfache Strecke betrug fast zwei Kilometer zum Garten im Wallersheimer Weg. Zu den beiden übrigen Gärten war der Weg etwas kürzer. Bis zu sechs Fahrten an einem Tag war keine Seltenheit. Gerade das war eine Arbeit, die ich überhaupt nicht gerne verrichtete. Sie wurde nur noch übertroffen von "Kartoffelkäfer raffen". Gemeint war das Suchen und Entfernen des Koloradokäfers, der die Kartoffelpflanzen in der Blütezeit befiel und großen Schaden anrichtete. Es dauerte Stunden um Stunden, wenn man in jeder Kartoffelreihe Pflanze für Pflanze von oben und von unten untersuchen mußte, um insbesondere die Käferlarven, lachsrote madenförmige und übel riechende Larven, zu entfernen, die allein an der Pflanze fraßen. Natürlich galt es auch, die Käfer einzusammeln. Sie fraßen zwar nicht, aber sie legten ununterbrochen Eier. In der Bevölkerung erzählte man sich, der Kartoffelkäfer sei von den Amerikanern unter dem Gesichtspunkt der biologischen Kampfführung eingeführt worden, um die deutsche Ernährungswirtschaft zu schädigen. Im Herbst wurden die Kartoffeln ausgegraben. Bei der Masse, die wir angepflanzt hatten, war das eine unendliche Geschichte. Ich erinnere mich, daß wir in einem Jahr - es muß 1946 oder 1947 gewesen sein - 110 Zentner Kartoffeln verbrauchten. Das war mehr. als wir selbst geerntet und mit dem Leiterwagen - unserem Handwagen - nach Hause gefahren hatten. Den Rest gruben Vater und ich auf abgeernteten Feldern der Bauern noch aus. Unser Keller war bis an die Decke mit Kartoffeln gefüllt. Oft gab es mangels Brot bereits zum Frühstück Bratkartoffeln. Diese waren nur mit wenig Fett zubereitet, was wir von unseren Kaninchen zum Teil selbst gewonnen hatten.

Bei der Zubereitung von Fett hatte die Mutter eine eigene Philosophie. Sie nahm Nierenfett vom Rind und Schweineschmalz, dazu das aus dem Flomen der geschlachteten Kaninchen ausgelassene Fett und schmolz alles zusammen zu gleichen Teilen ein. Der ausgelassene Flomen war ebenfalls geeignet zum Braten von Kartoffeln oder zur Verbesserung von Suppen.

Fett war im übrigen in der unmittelbaren Nachkriegszeit ein äußerst begehrtes Lebensmittel, wofür unsere Mutter hin und wieder nach Reifferscheid fuhr, um dort neben Fett auch Öl. Schinken und Mehl zu besorgen. Das war aber erst dann wieder möglich, als die durch Kriegseinwirkungen zerstörten Schienenwege wiederhergestellt waren. An zwei sich wiederholende Ereignisse erinnere ich mich noch sehr genau, weil sie vor allem für meine Mutter unmöglich schienen. Sie hatte von Reifferscheid jeweils eine Flasche Rüböl (das war das Öl, welches die Bauern - ich habe bereits darauf hingewiesen - aus von ihnen selbst angepflanztem Raps gewannen) mitgebracht, und zwar war es jedesmal eine Flasche mit einem sogenannten Bügelverschluß. Dieser Verschuß war sehr dicht, und man brauchte nicht zu befürchten, daß sich der Korken löst. Diese Flasche stand im kleinen Zimmer auf einem vertico-ähnlichen Schrank. Zweimal ist es geschehen, daß eines Morgens die Flasche in sich zusammengebrochen auf dem Schrank lag und das gesamte wertvolle Öl ausgelaufen war. Mutter hatte dabei den Verdacht geäußert, jemand von den Kindern hätte die Flasche zerbrochen und traue sich nicht, dies zuzugeben. Viel später sind wir dahinter gekommen, daß es am Verschluß lag, der die Flaschen zerbrechen ließ. Das Öl dehnte sich - temperaturbedingt - aus, und da ein Korken nicht wegfliegen konnte, sondern die Flasche fest verschlossen war, sprengte der innere Druck das Glas. Es war jedesmal ein herber Verlust. Später wurden solche Flaschen nur noch mit einem Korken verschlossen.

 In den Zeiten der Not - das waren die Jahre ab dem Kriegsende im Mai 1945 bis zur Währungsreform im Juni 1948 - war es natürlich von Vorteil, daß man selbst über einige Reserven verfügte, mit denen man die kargen Lebensmittelzuteilungen erweitern konnte. An erster Stelle waren dafür unsere Hühner und Kaninchen gut. Täglich verfügten wir über frische Eier, und es gab Zeiten, da schlachtete Vater alle zwei Wochen einen Stallhasen, der uns am Sonntag mit köstlichem Frischfleisch und im übrigen mit Fett versorgte. Selbst die Felle konnten wir verwerten. Vater reinigte sie immer, bevor er sie aufspannte. So konnte er sie im getrockneten Zustand verkaufen. Der Erlös war zwar gering, aber es war trotzdem mehr als gar nichts.

In einem Jahr - es wird 1946 oder 1947 gewesen sein - hatten wir Gelegenheit, vermehrt Fische auf den Speiseplan zu bringen. Die Heranwachsenden des Neuendorfer Unterdorfs, allen voran mein Schulkamerad und Nachbar Willi Wagner aus der Schmitzgasse, waren wie elektrisiert. In Scharen zogen die kleinen Weißfische - "Scheele", wie wir sagten - unmittelbar am Ufer rheinaufwärts. Man hatte das Gefühl, man kann sie mit der Hand fangen. Das ging natürlich nicht so einfach. Also schnitten wir uns Haselnußgerten, befestigten Silk und eine Angel daran und gingen fischen. Ein Problem waren die notwendigen Köder. Diese mußten weiß sein, damit man sie sehen konnte. Speck war das Richtige, aber woher Speck bekommen? Schließlich ließen sich unsere Mütter erweichen; denn wir brauchten je nur ein ganz kleines Stück davon. Mit diesem primitiven Angelzeug fischten wir. Wir sahen den Speck und konnten sehen, wie die Fische danach schnappten. Auf diese Weise zog jeder täglich ... zig Fische aus dem Rhein. Willi Wagner beherrschte es am besten. Einmal schaffte er es, binnen weniger Stunden 84 Fische an Land zu ziehen. Nach einigen Tagen ließ das Interesse aber nach, vor allem, weil unsere Mütter allmählich nicht mehr wußten, was sie mit den Fischen machen sollten. Jeden Tag grätenreichen Fisch, das wollte auch keiner mehr. Die Mütter hatten sie schon in Essig- und Zwiebellake eingelegt (so hielten sie sich länger), aber auch das hatte irgendwie eine Grenze.

Für das tägliche Brot verließen wir uns nicht nur auf das Vater-unser-Gebet. Es muß in den Jahren 1946 und 1947 gewesen sein, als ich selbst mit meinem Freund Willi Thone während den großen Sommerferien mit dem Fahrrad bis in den Großraum Karmelenberg bei Ochtendung fuhr, um dort Ähren zu lesen. Das war über eine Zeit von jeweils etwa zwei Wochen ein hartes Stück Arbeit. Die einfache Entfernung zum betrug 20 bis 25 Kilometer, wobei es ausgangs Metternich steil aufwärts ging, und wir das Fahrrad nur schieben konnten. Gelesen wurde auf den riesigen Weizenfeldern, die wohl alle zu den beiden großen Höfen - Karmelenberger Hof und Achterspanner Hof - gehörten. Es war für uns vorteilhaft, wenn die Garben bereits von den Feldern abgefahren waren. So kamen wir nicht in Verdacht, die Ähren, statt sie aufzulesen, aus den Garben geschnitten zu haben. Es war täglich eine mühsame Arbeit über mehrere Stunden, um einen Sack zu füllen. Zu Hause mußte der Weizen noch gedroschen und von der Spreu getrennt werden. Ein Sack Ähren ergab ungefähr 25 Pfund Kömer. Im Laufe des Sommers werden auf diese Weise wohl eineinhalb bis zwei Zentner zusammengekommen sein. Ich erinnere mich, daß wir, Willi und ich, eines Tages in der Nähe des Karmelenberger Hofes von dem Bauer angehalten und gezwungen worden sind, den fast vollen Sack auf dem Feld auszuschütten, weil er angenommen hat, wir hätten die Ähren von den noch auf dem Feld stehenden Garben genommen. Das war ein herber Schlag: Fast einen ganzen Tag Arbeit für nichts! Da wir das nicht einsehen konnten, taten wir, als führen wir mit unseren Fahrrädern weg. Nach einer gewissen Entfernung hielten wir jedoch an und schlichen uns zu Fuß zurück zu dem Feld. Dort füllten wir in aller Eile unsere Säcke wieder mit den zuvor ausgeschütteten Ähren und retteten auf diese Weise den Lohn unserer Arbeit. Mit dem gedroschenen Weizen hatte wir aber noch lange kein Brot. Die langweiligste Arbeit stand uns noch bevor. Wir hatten Glück insoweit, als Vater eine Mühle beschaffen konnte, die wesentlich größer war als eine Kaffeemühle. Man stelle sich vor, die gesamte Frucht hätte auf der Kaffeemühle gemahlen werden müssen. Glück hatten wir aber auch, weil wir mehrere Kinder hatten, und deshalb nicht einer allein den gesamten Weizen mahlen mußte. Eine Mühle durchzumahlen dauerte etwa eine Stunde. Und wir brauchten mehrere Mühlen, um genügend Schrot für ein Brot zu bekommen. Es war also geschrotetes Brot, das Mutter im Backofen des Küchenherdes backte. Richtiges Mehl konnte auf der Mühle nicht gemahlen werden.

Richtiges Mehl gab es aber manchmal trotzdem. Und was für ein Mehl! Schneeweiß war es und in Säcken zu 25 Kilogramm gepackt. Aus Amerika stammte es und war ein Teil des Versorgungsplans, den die Amerikaner nach dem Krieg ersonnen und umgesetzt hatten. Marshall-Plan hieß er. Mit Hilfe dieses Plans wurde eine bessere Versorgung der deutschen Bevölkerung sichergestellt. Hauptnutznießer waren jedoch die Bewohner der damaligen amerikanischen Besatzungszone. Wir aber gehörten zur französischen Besatzungszone und bekamen nichts. Aber die Züge, mit denen die Güter von den Nordseehäfen in den Süden Deutschlands transportiert wurden, fuhren durch Koblenz. Und unser Vater war bei der Bahn. Und den Bahn-Leuten fiel in diesem Zusammenhang einiges ein.

Über Kanäle, die mir immer unbekannt geblieben sind, wußten die "Bähner", wie die bei der Bahn beschäftigten Personen genannt wurden, immer, wenn ein solcher Zug Lützel passierte. Und was transportierten diese Züge nicht alles an wertvollen Ernährungsgütern. Es gab Mehl, Kakaopulver, Schokolade, Erdnußbutter, Trockenmilch, Trockenhefe - ja sogar Eier wurden auf diese Weise transportiert. Es war nicht legal, wie die Bähner an die Lebensmittel herankamen. Aber was war in dieser Zeit schon legal, wenn es darum ging zu überleben? Also: Es erfolgte eine Absprache mit dem zuständigen Stellwerk. Das Stellwerk ließ das Durchfahrtsignal für zwei bis drei Minuten auf "halt" stehen, so daß der Zug gezwungen war, anzuhalten. Die "auf der Lauer liegenden Bähner" - die Züge fuhren immer nachts - sprangen mit Bolzenschneidern "bewaffnet" aus ihrer Deckung, durchschnitten die Plomben der Wagen, öffneten die Türen und warfen, ohne nachzusehen, um welche Güter es sich handelte, die Kisten und Pakete ins Freie. Alles mußte blitzschnell und möglichst lautlos geschehen; denn nach der kurzen Haltezeit wurde über das Signal ..freie Fahrt" gegeben. Wenn der Zug anrollte, mußten alle Türen wieder verschlossen und die Aktionen beendet sein. Erst jetzt konnte man feststellen, was man eigentlich "erbeutet" hatte. Einmal war die Überraschung groß und das ganze eine große Schmiererei, weil frische Eier aus dem Waggon geworfen worden waren. Und trotzdem gab es noch welche, die dabei heil geblieben sind. Von allem erhielt der "Mann im Stellwerk" einen Anteil, weil nur durch seine Mithilfe die Aktionen möglich waren.

An einem anderen Morgen weckte mich mein Vater - es war noch dunkel - mit dem Hinweis, es gäbe Butter. Mit unserem Handwagen machten wir uns auf, um die Sachen abzuholen. Der Weg war weit. Bis zur "Mayener Bahn" mußten wir gehen. Das war in der Nähe des Klosters Maria Trost, vorbei am schon erwähnten ehemaligen "Pionierpark", dort, wo die Bahnstrecke nach Mayen von der linksrheinischen Bahnstrecke im Bereich des Verschiebebahnhofs Koblenz-Lützel abzweigt. Sechs Kartons hatte mein Vater reserviert. Und in jedem Karton waren sechs große Dosen mit einem Inhalt von je vier Litern. Die Enttäuschung war zu Hause jedoch sehr groß, als wir nach dem öffnen einer Dose feststellten, daß nicht Butter - wie erwartet - der Inhalt war, sondern eine braune zähe Masse, die wir zunächst nicht identifizieren konnten. Ich kannte den Geruch nicht. Nach längeren Überlegungen meinten meine Eltern, es rieche nach Erdnüssen. Auch Erdnüsse kannte ich nicht. Auf den Dosen stand "Peanut-Butter". Mit meinen geringen Englischkenntnissen wußte ich: Pea heißt Erbse, Nut heißt Nuß. Über den Begriff "Erbsnuß" stellten die Eltern dann fest, es müsse sich um "Erdnuß-Butter" handeln. Und damit hatten sie recht. Es war zwar nicht die erhoffte Butter, aber die Erdnußbutter war trotzdem für uns von großem Vorteil. Mutter verwertete sie, wo sie nur konnte. In der Suppe, in Streuseln auf dem Streuselkuchen, den wir uns (wenn Mehl aus den Zügen genommen werden konnte) ab und zu leisten konnten. Ja, selbst Kartoffeln briet Mutter hin und wieder mit der Erdnußbutter, die hauptsächlich aber als Brotaufstrich diente.

Noch etwas anderes gab es, was Vater von der Bahn besorgte: Briketts. Nach dem Krieg herrschte auch Mangel an Kohlen und Briketts. Heizung gab es nur in wenigen Häusern; und da wo es sie einmal gab, war sie meistens zerstört oder noch nicht wieder hergestellt. Aber auch Koks gab es ja nicht. Gas- oder Ölheizung kannte man zu dieser Zeit überhaupt noch nicht. Viele Menschen froren in ihren Wohnungen, zumal viele Fenster noch nicht wieder ordnungsgemäß hergestellt waren. Es zog an allen Ecken und Enden. Unmittelbar nach dem Krieg - erinnere ich mich - habe ich mit meinem ehemaligen Freund Karl aus der Handwerkerstraße am Neuendorfer Eck -da befand sich der Badestrand vor einem kleinen Akazienwäldchen - einen Baum gefällt, um Heizmaterial zu erhalten. Briketts also brachte mein Vater von der Arbeit mit. Damals war er als "Sicherheitsposten" an der Bahnstrecke im Bereich der Mosel-Eisenbahnbrücke eingeteilt. Das bedeutete, daß er mit einem Signalhom die Streckenarbeiter vor herannahenden Zügen warnen mußte. Die Moselbrücke war nur notdürftig wiederhergestellt. Es war gar keine Brücke im eigentlichen Sinne; denn eine seitliche Konstruktion gab es nicht. Es standen nur einfachste Pfeiler in der Mosel, und über die Pfeiler waren die Gleise verlegt - ohne jeden Unterbau - von den Schwellen abgesehen. Es sah gefährlich aus, wenn die Züge darüber fuhren und diese durften nur ganz langsam die Brücke passieren. Auch Kohle-Züge gehörten dazu. Auf diesen Zügen gab es Waggons, die mit Briketts hoch beladen waren. Mit einem langen, oben wie ein Krückstock gebogenen Eisenrohr konnte man Briketts von den vorbeifahrenden Zügen herunterholen. Das war zwar auch verboten, aber die Bahnpolizei sah im entscheidenden Augenblick nicht hin; war sie doch sicher, daß sie selbst auch einen Anteil von den Briketts bekam.

So wie mein Freund Karl und ich einmal einen Baum im Akazienwäldchen gefällt hatten, taten dies auch andere Leute. Dies führte dazu, daß viele Wurzeln in der Erde waren, deren Oberteil abgeschnitten war. Meinem Vater war die Arbeit nicht zu schwer, auch solche Wurzeln auszugraben, um zusätzliches Brennmaterial zu gewinnen. Ich half ihm dabei. Es war eine entsetzliche Arbeit. Nicht nur das Ausgraben selbst, vor allem das Aufladen der schweren Wurzeln auf den Leiterwagen - alles per Hand - war sehr mühsam. Die Wurzeln waren so schwer und groß, daß jeweils nur eine auf den Wagen geladen werden konnte. Und was war es erst für eine Arbeit, diese zu zerkleinern. Nur mit Hilfe von Eisenkeilen und Vorschlaghammer - beides stammte aus dem schon erwähnten Pionierpark - war dies möglich.

Einen weiteren Beitrag zur Familien-Ernährung (wenn auch einen weniger wichtigen) möchte ich nicht unerwähnt lassen, weil auch dieser zu meinen Aufgaben gehörte. Im Spätsommer, wenn die Äpfel reif wurden, fuhr ich mit der Fähre über den Rhein nach Urbar, um Äpfel (Fallobst) zu sammeln, aus denen Mutter Apfelkompott für den Winter herstellte. Es war auch zu den Äpfeln ein weiter Weg, der durch Urbar, vorbei am heutigen Sportplatz in Richtung Niederberg/Arenberg führte. Links dieser Straße, gegenüber der Kaserne, gab es sehr viele Apfelbäume. Es geschah nur selten, daß ich nicht genügend Fallobst fand. Dann half ich etwas nach. Es war immer ein Sack mittlerer Größe mit ungefähr 50 bis 60 Pfund Inhalt, den ich füllte und anschließend auf den Schultern nach Hause trug. Das war recht mühsam, aber auf dem Rückweg ging es zum Glück fast nur bergab.

Ich erwähnte in diesem Kapitel sowie in Kapitel 2 bereits, daß wir zu Hause meistens nur über wenig Geld verfügen konnten und daß es uns gerade von 1945 bis 1948 wirtschaftlich besonders schlecht ging. Einen kleinen Beitrag konnte ich in geldlicher Hinsicht dadurch leisten, daß ich einmal in der Woche abends Kegeln aufsetzte. Die Kegelbahn ist heute noch im Gasthof Prümm vorhanden. Damals gab es noch keine automatischen Kegelbahnen; die Arbeit war recht mühsam und immer in einer stickigen Luft. Trotzdem machte ich die Arbeit gerne, weil ich nach Beendigung des offiziellen Klubkegelns immer noch ein paar Kugeln selbst werfen durfte. Auf diese Weise habe ich im Laufe der Jahre eine gewisse Fertigkeit erlangt, die mir später, als ich im Jahre 1960 erstmals selbst einem Kegelklub beitrat, sehr von Nutzen war. Also für den Abend (das war immer von 20 bis 23 Uhr) bekam ich unmittelbar nach Kriegsende vier Mark, später hat der Klub fünf Mark bezahlt. Ich habe dieses Geld - auch nicht teilweise - nicht für mich behalten, sondern immer in voller Höhe meiner Mutter als Beitrag zum Lebensunterhalt gegeben.

Einige Jahre später, ab Herbst 1949 bis weit in das Jahr 1950 hinein, unterstützte ich die Eltern mit dem Lohn, den ich für eine Arbeit beim TOTO bekam. Jakob Schäfer aus dem Nauweg, der rechte Verteidiger der berühmten TuS-Mannschaft, hatte, wie andere TuS-Spieler auch, eine Fernwettstelle. Diese befand sich in den Räumen der heutigen Gastwirtschaft Zum Häs'chen". Hier mußte hauptsächlich nachts gearbeitet werden. Daneben ging ich noch bis Ostern 1950 zur Schule und befand mich also gewissermaßen in der Endphase, kurz vor der Mittleren Reife. Das war für mich eine große Belastung. Doch ich war andererseits froh, meine Eltern unterstützen zu können. Die Arbeit bestand im wesentlichen im Schreiben von Anschriften auf Briefumschläge, mit denen die Wettscheine verschickt wurden. Hierzu muß man wissen, daß es in der Anfangsphase des TOTO-Geschäftes noch nicht in ganz Deutschland Wettbüros gab. Robert Weinand, der damalige Präsident von TuS Neuendorf (derselbe, der während des Krieges Leiter des Wirtschaftsamtes der Stadt Koblenz war), war der Initiator der TOTO-Gesellschaften überhaupt. TOTO gab es also zuerst nur in Rheinland-Pfalz. Viele der damaligen Spieler von TuS Neuendorf hatten solche Fernwettstellen. Jakob Schäfers Büro war hauptsächlich für Süddeutschland zuständig. Das Einzugsgebiet erstreckte sich vom Allgäu im Südwesten bis zur Oberpfalz an der tschechischen Grenze. Hunderte von Ortsnamen sind aus der damaligen Zeit in meinem Gedächtnis haften geblieben. Von den meisten wußte ich nach einer Einarbeitungszeit sogar die Postleitzahlen, die zu dieser Zeit jedoch nach einem anderen System geführt wurden. Die für das Wettbüro geltenden Postleitzahlen waren vor allem 13a und 13b sowie 14a und 14b.

Als ich nach dem Schulabschluß mit der Mittleren Reife eine Lehrstelle beim Landratsamt des damaligen Landkreises Koblenz-Land erhielt (ich werde noch darauf zurückkommen), blieb ich nur noch kurze Zeit beim TOTO, weil die Belastung auf Dauer zu groß war.

Trotz aller Belastungen, die mit dem Zuhause und der Schule zusammenhingen, gab es natürlich auch freie Zeiten, um zu spielen oder den eigenen Interessen nachgehen zu können. So hielten wir uns unmittelbar nach dem Krieg auf einem Schleppkahn auf, der durch Kriegseinwirkungen schwer beschädigt worden war und unterhalb von Neuendorf, nicht weit vom Ufer entfernt, auf Grund lag. Es gab fast keinen Jungen aus dem Unterdorf, der sich nicht mit den Planken des Schiffes und den Balken, auf denen diese auflagen, ein kleines Floß baute. Die Planken wurden einfach auf zwei oder drei Balken genagelt, und dann konnte man mit diesem Floß fahren. Nägel hatte fast jeder; sie stammten aus dem bereits in Kapitel 8 erwähnten Pionierpark. Mit einer Handvoll Nägel und einem Hammer in der anderen Hand schwamm jeder an das Schiff; zurück konnte man dann selber fahren, nachdem man sein neues Floß zu Wasser gelassen hatte. Auf das Floß stellte jeder einen Fußschemel, damit man sitzen konnte und paddelte los - mit einem Paddel, das meist nichts anderes als eine Latte war. Diese kleinen Flöße waren richtig "seetüchtig", sogar über den Rhein nach Urbar sind wir damit gefahren, und eine ganze Flotte davon lag am Neuendorfer Unterdorf "vor Anker".

Natürlich sind wir - vor allem im Sommer 1945 - nicht immer nur mit diesen Flößen gefahren. Auch viel geschwommen sind wir im Rhein, der damals erheblich sauberer war als heute. Niemand hat daran gedacht, man könnte durch verschmutztes Wasser krank werden. Weil damals nur die wenigsten Häuser oder Wohnungen über ein Bad verfügten, nahmen viele Männer ihr wöchentliches Reinigungsbad samstags mit Seife und Bürste im Rhein. Die Jungen in Neuendorf konnten alle gut schwimmen. Es war für sie - aber auch für einige Mädchen - überhaupt kein Problem, über den Rhein zu schwimmen. Dabei wurden wir jedoch infolge der Strömung erheblich abgetrieben. Am Badeplatz ins Wasser gestiegen, kam man kurz vor Urbar an das andere Ufer. Um zurück zu schwimmen, mußten wir sodann wieder bis fast nach Ehrenbreitstein rheinaufwärts gehen, um etwa an der Neuendorfer Kirche wieder das eigene Ufer zu erreichen. Wenn uns der Sinn danach stand, schwammen wir auch zweimal an einem Tag über den Rhein und zurück.

Vor den Neuendorfer Rheinwiesen lag ein zweiter Schleppkahn auf Grund. Da die Strömung an dieser Stelle nicht so stark war, wie unterhalb von Neuendorf und außerdem genügend Wassertiefe vorhanden war, tummelten sich hier bei schönem Sommerwetter scharenweise die Jugendlichen, zumal der Weg dorthin für jeden sehr nahe war. Hier übten wir Kopfsprünge, die die meisten fast perfekt beherrschten, was vor allem dann von Vorteil war, wenn wir manchmal am Neuendorfer Badestrand über die Mosel schwammen und dann von den großen Steinpollern am Deutschen Eck kopfüber in die Mosel sprangen. Je nach Wasserstand betrug die Höhe des Sprungs bis zu sechs Meter,' und nicht jeder traute sich, da hinunter zu springen.

Eine Attraktion war das "Wasserfahrzeug", mit dem Hans Kleemann eines Tages seine Freunde und die Neuendorfer Jugend überraschte. Sein Vater hatte ihm das gebaut; es war aus Blech und ursprünglich einmal ein Benzintank eines Flugzeugs, das dieses, als der Tank leer war, wohl abgeworfen hatte. In den Tank hatte Hans' Vater oben eine Öffnung geschnitten, so daß zwei Personen hintereinander Platz nehmen konnten. Das Fahrzeug glich einer großen Zigarre. An einem Samstag fuhren Willi Thone und Reinhold Glotzbach mit diesem Boot und wollten an einem zu Berg fahrenden Schleppkahn festmachen. Dieses Vorhaben mißlang, und die beiden kollidierten mit dem am Schleppkahn hängenden Nachen. Die beiden kenterten, die "Flugzeugzigarre" ging unter; denn sie hatte keinen Luftkasten, und Willi und Reinhold konnten sich nur schwimmend an den folgenden Schleppkahn retten. Besser wäre gewesen, sie hätten sich schwimmend ans Ufer gerettet. Nun saßen sie aber auf dem Schleppkahn fest, der bei seiner Fahrt immer mehr auf das Ehrenbreitsteiner Ufer zusteuerte. Warum die beiden nicht von Bord gingen, wußten sie nachher selbst nicht mehr zu sagen. Tatsache ist aber, daß sie bis nach Niederlahnstein auf dem Kahn blieben, dann erst ins Wasser sprangen und am Deutschen Eck über die Mosel zurück nach Neuendorf schwammen. Es wird für sie nicht leicht gewesen sein, Hans Kleemann zu erklären, daß sein Boot inzwischen auf dem Grunde des Rheins liegt. Bei dieser Gelegenheit ist auch mein eigener Autoreifen, der aus Sicherheitsgründen immer in dem Boot lag, verloren gegangen.

Später sind wir hin und wieder mit einem anderen Fahrzeug gefahren. Otto Krämer besaß einen Zweisitzer-Kanadier und deshalb hat er immer, wenn er unterwegs war, einen anderen Jungen mitgenommen. Mit diesem Boot sind wir manchmal auch auf die Insel Niederwerth gefahren.

Im Jahre 1949 gab es ein außergewöhnlich warmes Frühjahr. Es war so wann, daß die Clique beschloß, mit Booten auf die Insel Niederwerth zu fahren. Dort gingen wir Ostermontag erstmals in diesem Jahr baden. Das Wasser war zwar noch etwas frisch, besonders weil es sich um Rhein-Wasser (nicht das aus der Mosel hinzufließende Wasser, das immer etwas wärmer war) handelte, aber für ein paar Schwimmzüge war es doch ganz gut.

 

 

(Ostermontag, 18. April 1949, auf  Niederwerth mit (von links):

obere Reihe: Willi Thone, Otto Krämer, Josef Krämer, Günter Radermacher, ich selbst, Toni Kraeber;

untere Reihe: Toni Regenberg, Hans Kleemann, Hans Weller)

 

Weniger gut war die Idee - ich weiß nicht, wer sie gehabt hat, auf den Mast der Hochspannungsleitung zu klettern, der bekanntlich auf der Niederwerther Südspitze steht. Immerhin ist dieser Mast 121 Meter hoch und trägt die zweimal 380 Kilovolt-Leitung, die von Wallersheim über den Rhein nach Urbar führt. Die Idee wurde in die Tat umgesetzt, wenn auch nicht jeder das Risiko einging. Ich selbst bin mitgeklettert, und zwar - wie einige andere auch - bis in die Mastspitze, bis unmittelbar unter die Erdungsleitung, die von der RWE-AG betriebsintern auch als Telefonleitung benutzt wird. Es war zunächst gar nicht so einfach, die fest installierte Leiter zu erreichen, die aus Sicherheitsgründen natürlich nicht für jeden ohne weiteres zugänglich ist. Aber diese Erschwernis haben wir auch gemeistert. Heute kann ich sagen, daß Gott sei Dank niemand etwas geschehen ist. Die, die oben waren, kehrten alle heil wieder zur Erde zurück - auch die, welche schon auf halbem Wege umgekehrt sind. Ich weiß aber noch, daß Günter Radermacher bei der ganzen Aktion an allen Ballen beider Innenhände Blasen bekommen hat, die natürlich schmerzten. Vielleicht hat er die Leitersprossen nicht so gegriffen, wie es nötig gewesen wäre. Ich selbst hatte keine Blasen, obwohl ich sonst, wenn ich auch nur einen Besenstiel in der Hand habe, schon nach zwei Minuten Blasen bekomme.

 

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Die Situation der Schule in den ersten Nachkriegsjahren

(11) -  In den Schulen lag bei Kriegsende die Bildungsarbeit brach. Erst im Oktober 1945 wurde der Schulbetrieb in dem teilzerstörten und nur notdürftig reparierten Gebäude der Hohenzollernschule wieder aufgenommen. Die Mädchen der Mittelschule mußten wegen ihres zerstörten Schulgebäudes in der Thielenstraße in dem Gebäude der Mittelschule für Jungen aufgenommen werden, weshalb der Schulbetrieb über den ganzen Tag verteilt war. Es gab also Unterricht sowohl am Vor- als auch am Nachmittag. Schulbücher gab es noch nicht. Und auch Lehrer waren nicht ausreichend vorhanden; viele waren entweder im Krieg gefallen oder noch in Gefangenschaft. So wundert es nicht, daß nicht alle Fächer unterrichtet werden konnten. Physik, Chemie, Maschinenschreiben, Stenografie, Zeichnen, Musik und Turnen gab es zunächst überhaupt nicht und später nur eingeschränkt. Auch der Geschichtsunterricht war auf Befehl der französischen Militärregierung lange Zeit verboten.

In dem Gebäude war die Heizungsanlage noch nicht wieder instandgesetzt, und die Fenster schlossen nicht dicht. Kalt war es deshalb im Winter 1945/46. Wie die Schulverwaltung es geschafft hat, kleine Öfen für die Klassenräume zu organisieren, deren Abgasrohre meist durch die Fensteröffnungen geführt werden mußten, weil nicht Kamine in ausreichender Zahl vorhanden waren, weiß ich nicht. Ich erinnere mich aber, daß die Schüler - wollten sie es nicht allzu kalt in ihren Klassenräumen haben - gezwungen waren, selbst für Heizmaterial zu sorgen. Meistens brachten die Schüler täglich ein Brikett mit, um einigermaßen warm zu sitzen.

Pausenbrote wie sie sonst üblich waren, hatten die meisten Schüler wegen der schlechten Versorgungslage nicht oder nicht ausreichend. Es war deshalb ein Segen, daß ausländische Hilfsorganisationen hier helfend einsprangen. Da gab es die amerikanische "Quäker-Speise" und das "Schweizer Hilfswerk". Die Quäker sorgten dafür, daß in den Pausen ein Imbiß zur Verfügung stand. Meistens gab es Kakao oder Milch mit Zwieback oder Brötchen für jeden Schüler. Und das Schweizer Hilfswerk errichtete auf dem Clemensplatz, da, wo sich heute der Regierungsparkplatz befindet, Baracken, die beheizt wurden. Dorthin konnten die Schüler in der Mittagszeit gehen, und sie erhielten hier täglich eine warme Suppe. Beide Unterstützungen wurden nicht nur von den Schülern, sondern auch von deren Eltern dankbar entgegengenommen.

Und was hatten wir für Lehrer oder Lehrerinnen! Es gab welche, die waren hervorragend ausgebildet, bei denen konnte man viel lernen. An erster Stelle erinnere ich mich an unsere zeitweilige Klassenlehrerin, Fräulein Eugenie Napp aus St. Goar, die uns in Mathematik, Englisch und Französisch hervorragend unterrichtete. "Mathematik ist eine exakte Wissenschaft und nur etwas für helle Köpfe", pflegte sie immer zu sagen. Es tat mir leid, daß sie irgendwann nicht mehr unsere Lehrerin war. Sie war immer streng, aber auch gerecht. Strenge Lehrer waren auch Lux, Theobald und Schradin. Dem Deutschlehrer Hanns Maria Lux verdanke ich mein heutiges Interesse an Dichtung und Lyrik. Er war zwar nicht allen Schüler angenehm. Einige bedauerten, daß er mehr Literaturwissenschaft als die deutsche Sprache vermittelte. Hanns Maria Lux war Saarländer und hatte vor vielen Jahren den Text des Saarliedes "Deutsch ist die Saar ..." geschrieben, wie er sich auch als Autor von Büchern und Geschichten hervortat. Wegen dieses Saarliedes ist er nach dem Krieg von den Franzosen für mehrere Monate inhaftiert worden. Während seiner Haftzeit hat er Weihnachtsgedichte geschrieben und später auch veröffentlicht. Bei Theobald hatten wir später Mathematik und Erdkunde. Mit diesem Lehrer kam ich nicht besonders zurecht. Als skurillen Erzieher empfand die ganze Klasse den Erdkunde- und späteren Musiklehrer Heinrich Nellen. Der Mann hatte viel bei uns auszuhalten; wir spielten ihm Streiche, wo wir nur konnten, weil er sich nicht durchsetzen konnte. Oft rannte er wütend aus der Klasse und kam später mit der Frage zurück, ob wir "wieder gut sein" wollten. Heute bedauere ich, daß wir diesen Lehrer so oft geärgert hatten. Er war von Natur aus ein sehr zugänglicher und lieber Lehrer. Wenn man ihm ganz normal begegnete, war er die Freundlichkeit in Person. Als Erdkundelehrer hatte er die Eigenheit, daß er, wenn er Länder durchnahm, immer verlangte, Städte in Verbindung mit Flüssen zu nennen. So forderte er zum Beispiel bei den Hauptstädten Italiens oder Spaniens als Antwort nicht nur Rom oder Madrid, sondern Rom am Tiber oder Madrid am Manzanares. Welcher Schüler oder Erwachsene weiß heute überhaupt, daß Madrid am Manzanares liegt. Oder anders gefragt: Wer kennt einen Fluß mit diesem Namen? Dank dieser oder ähnlicher "Forderungen" des Lehrers bin ich noch heute in der Lage, beispielsweise die Hauptflüsse Hinterindiens oder Sibiriens oder die Landschaften des Peleponnes in der richtigen Folge aufzuzählen. Manch einer wird diese Methode für stupide halten. Ich selbst habe eine Menge dabei gelernt - und nicht vergessen.

Unseren damals kommissarischen Schulleiter, Lehrer Theodor Bomm, möchte ich nicht unerwähnt lassen. Er unterrichtete uns zuletzt in Mathematik, Englisch und Französisch. Er war ein Lehrer mit hohen moralischen Ansprüchen und unser Klassenlehrer.

 

 

 

(Die Abschlußklasse der Realschule Koblenz im Jahre 1950 mit Lehrer Theodor Bomm)

 

 

 

Manchmal legte ich mich mit ihm an. Ich war nämlich Klassensprecher seit der Quinta (heute sagt man "sechste Klasse") und war dadurch nicht nur Mittler zwischen Lehrer und Schüler, sondern hatte auch die Interessen der Schüler zu vertreten. Es ist verständlich, daß ihm nicht alles gefiel, was ich in dieser Eigenschaft zu sagen hatte. Ich denke, daß es heute auch nicht anders ist. Irgendwann einmal muß er wohl "die Nase voll gehabt haben"; denn er forderte "Neuwahlen" des Klassensprechers. Ich selbst hatte davor keine Angst. Aber es bewarben sich noch zwei andere Schüler, einen davon hätte Lehrer Bomm gerne als Klassensprecher gesehen. Und so kam es zur Wahl. 28 Schüler stimmten ab. Ein Bewerber erhielt eine Stimme (vielleicht war es seine eigene), der "Günstling" erhielt drei Stimmen, und die übrigen 24 Schüler (ich selbst natürlich auch) gaben mir ihre Stimme. Lehrer Bomm war sauer, aber er respektierte die Wahl. Ich habe ihm dieses demokratische Verhalten hoch angerechnet. Er hätte nicht wählen lassen müssen, sondern bestimmen können (damals war das noch so). Immerhin bemühte ich mich fortan um ein besseres Miteinander. Er hat es mir auch nicht nachgetragen und wir sind bis zum Schulabschluß sehr gut miteinander ausgekommen.

Zu erwähnen ist auch noch eine schulische Eigenheit, die es meines Wissens nur in der französischen Besatzungszone gab, nämlich die Umstellung des üblichen Notensystems auf ein Punktesystem für die Beurteilung von Leistungen. Die Umstellung erfolgte 1948. Anstelle von Note 1 (sehr gut) bis Note 6 (ungenügend) gab es nach der Einführung durch die französische Besatzungsbehörde 20 Punkte für sehr gut bis 0 Punkte für ungenügend. Zum Beispiel gab es für die bisherige Note befriedigend elf, zwölf oder 13 Punkte. Ich selbst fand das System gar nicht so schlecht und bin insgesamt sehr gut damit zurechtgekommen.

 

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 Gefangenen- und Internierungslager - und gefährliche Munitionsfunde

(12) - Ein düsteres Nachkriegskapitel waren die Gefangenenlager, welche die Besatzungsmächte unterhielten. Ich selbst habe zwei davon wahrgenommen. Ein sehr großes Lager befand sich zwischen Sinzig und Remagen, in dem die gefangenen deutschen Soldaten ohne Unterkünfte unter freiem Himmel kampierten, dort lebten und schliefen, ihre Notdurft verrichteten und fast nichts zu essen bekamen. Viele sind hier elend zu Grunde gegangen, an Unterernährung, Krankheit oder Erfrierungen im Winter 1945/46. Das Lager war berüchtigt für seine Unmenschlichkeit. Nicht umsonst ist in der Nähe ein Soldatenfriedhof entstanden und später eine große Gedenkstätte.

Das andere Lager habe ich besser kennengelernt. Auch dieses war ein großes Lager. Es befand sich auf dem heutigen Gelände der Falkensteinkaserne in Lützel und erstreckte sich links der Bundesstraße 9 in Richtung Köln bis zur schon im vorletzten Kapitel erwähnten Mayener Bahn, dort, wo sich heute das Lkw-Werk von Mercedes befindet. In der Tiefe reichte es bis zur Bubenheimer Straße in Metternich, umfaßte also das gesamte Pollenfeld, das ich schon im Kapitel 8 erwähnt habe. Auch hier ging es den gefangenen Soldaten sehr schlecht. Die Koblenzer Bevölkerung hatte aber Mitleid mit ihnen und organisierte einen Hilfsdienst. Einen solchen gab es auch in Neuendorf unter der Federführung des katholischen Pfarrers. Dieser mobilisierte vor allem die Landwirte, aber auch die anderen Familien, etwas für die Soldaten zu tun und sie mit Bekleidung und Ernährungsgütern zu unterstützen. Obwohl die Leute selbst nur wenig besaßen, leisteten sie großartige Hilfe. Kartoffeln, Obst und Gemüse, Brot sowie Bekleidung und Schuhe wurden über viele Wochen gesammelt und ins Lager transportiert, wofür die Bauern Fuhrwerke zur Verfügung stellten (entgegen der sonstigen Praxis taten sie hier einmal etwas für die Allgemeinheit). Ich bin oft mitgefahren, habe geholfen, die Güter zu sammeln, aufzuladen und im Lager abzuladen, was natürlich nur mit Einverständnis der damals noch amerikanischen Lagerleitung möglich war.

Zur gleichen Zeit half ich auch unseren Nachbarn, den Urmetzers. Es galt, die von Bomben während des Krieges verwüsteten Felder wieder in Ordnung zu bringen. Ein solches Feld mit mehreren Bombentrichtern befand sich im Gebiet zwischen der Bundesstraße 9 und der Bahnlinie im Bereich Lützel, direkt gegenüber dem Gefangenenlager, etwa dort, wo sich heute das Renault-Autohaus Schilling befindet. Der Weg zu diesem Feld führte unmittelbar am Gefangenenlager vorbei. Eines Tages ging auf der anderen Seite des Stacheldrahts (das Lager war natürlich rundum mit Stacheldraht eingezäunt) ein Trupp gefangener Soldaten unter militärischer Bewachung, als mir einer der Soldaten etwas zurief und auch etwas durch den Zaun nach außen warf. Natürlich ging ich zu dieser Stelle und hob es auf. Es war ein Briefumschlag mit einem Zettel, auf dem eine Adresse geschrieben war mit der Bitte, diese Adresse anzuschreiben, sobald die Post wieder befördert werde (das war zu dieser Zeit noch nicht möglich) und mitzuteilen, daß er - der Soldat - noch lebe und sich in Koblenz im Gefangenenlager befinde. Die Anschrift war eine weibliche Person im Bereich des heutigen Baden-Württemberg. Ich vermutete, daß es wohl die Ehefrau des Soldaten gewesen ist. An der Geschichte hatte ich aber keine große Freude; denn kurze Zeit später erschien einer der Bewacher - es war ein dunkelhäutiger amerikanische Soldat - auf dem Feld, auf dem wir arbeiteten, und forderte mich auf mitzukommen. Ich hatte ein ungutes Gefühl dabei. Er führte mich zur Lagerkommandantur. Dort wurde ich von mehreren Offizieren in Empfang genommen und befragt, was geschehen sei. Sie sprachen englisch mit mir und ich bemühte mich sehr, sie zu verstehen. Sie wollten wissen, was der Soldat mir zugeworfen und ich aufgehoben hätte und verlangten die Herausgabe. Offensichtlich konnte ich mich verständlich machen. Denn nach kurzer Zeit gaben sie mir den Zettel zurück und entließen mich. Natürlich machte ich mir Gedanken über den deutschen Soldat. Ich befürchtete, daß Sanktionen gegen ihn gerichtet würden. Als die Post ihren Dienst wieder aufnahm, schrieb ich sofort einen Brief an die mir angegebene Adresse und schilderte, was geschehen war. Meine Freude war groß, als nur ein paar Tage später ein Brief zurückkam, in dem der ehemals gefangene Soldat selbst mitteilte, daß er inzwischen entlassen und ihm damals nichts geschehen sei und er sich herzlich für meine Hilfe bedanke. Dafür legte er ein Paßbild von sich und einen Fünfmarkschein in den Brief Er erwähnte noch, daß er seinerseits sich große Gedanken um mich gemacht habe; denn er hätte gesehen, wie ich auf dem Feld abgeholt und ins Lager geführt worden sei.

Es gab auch noch eine andere Art von Lagern: Internierungslager. Hierhin brachten die Besatzungsbehörden die Deutschen, die politisch nicht einwandfrei schienen. Besonders die Mitglieder der "Hitler-Partei", der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei (NSdAP) wurden unter die Lupe genommen und ein sogenanntes "Entnazifizierungsverfahren" eingeleitet. Wer minder schwer belastet war, konnte bald wieder zurück nach Hause, die anderen blieben "inhaftiert".

Ein alter Bekannter unserer Familie, der schon erwähnte Glöckners Albert gehörte zum Kreis derer im Intemierungslager, welches sich in der Nähe von Bad Kreuznach befand. Für die Familie war das eine schwere Belastung. Und so wurde mein Vater immer häufiger um Unterstützung gebeten, wenn es darum ging, in der Landwirtschaft zu helfen. Hatten Glöckners während des Krieges noch ein Pferd als Zugtier, stand ihnen nach dem Krieg nur ein Ochse zur Verfügung. Das aber war ein gewaltiges Tier. Ich glaube, er wog fast eine Tonne, war stark, stark wie - wie ein Ochse natürlich, und Vater hatte seine Arbeit mit ihm; denn der Ochse war sehr eigensinnig. Doch mein Vater ließ ihm nichts durchgehen. Er zwang ihn in die Schranken, wenn es nötig wurde - und es war oft nötig. Anders dagegen der Ochsen-Besitzer, Glöckners Albert. Es war schon fast komisch, was der Ochse hin und wieder mit ihm anstellte. Eine Geschichte empfinde ich besonders als erwähnenswert.

Für die Bauern der Koblenzer Stadtteile, Metternich, Neuendorf, Wallersheim, wo es besonders viele Bauern gab, stellte die Königsbacher Brauerei die Maische-Rückstände aus der Bierherstellung als Viehfutter zur Verfügung. Das kostete die Bauern nichts, außer sie mußten es selbst abholen. Es gab einen besonderen Verteilerplan, nach dem jeder Bauer regelmäßig an einem bestimmten Wochentag an der Reihe war. Immer wenn der Tag für Glöckners gekommen war, gab es Aufregung, und meistens wurde mein Vater zur Hilfe gerufen. Dem Chef, Glöckners Albert, gelang es nämlich fast nie, seinen Ochsen zum Gang zur Königsbach zu bewegen. Dieser ließ sich zwar noch einspannen, und er ging auch über die Moselbrücke, weiter durch die Weißergasse und durch die Fischelstraße (diese gibt es heute nicht mehr und führte zur Löhrstraße, auf die sie in Höhe des heutigen Kaufhofs mündete) bis zur Löhrstraße. Hier aber, wo er rechts in Richtung Königsbach hätte abbiegen müssen, ging der Ochse immer links herum und trabte die Löhrstraße hinunter (damals war das noch möglich) und wieder über die Moselbrücke nach Hause zurück. Albert konnte am Zügel ziehen oder die Peitsche benutzen wie er wollte; es half ihm nichts. Der Ochse bestimmte, wohin es ging. Saß mein Vater aber auf dem Wagen, bestimmte er, welche Richtung genommen wurde.

Zu den düsteren Kapiteln der Nachkriegszeit gehörte auch eine Begebenheit, die in Neuendorf viel Aufregung und Leid verursachte. Im Zuge des Rückmarsches hatten die deutschen Soldaten noch eine Menge Munition zurücklassen müssen. Und dies, obwohl die Wehrmacht in den letzten Monaten angeblich keine Munition mehr besaß, um den Krieg erfolgreich beenden zu können. Hier handelte es sich aber nicht um einfache Gewehrmunition, sondern um großkalibrige Granaten für Kanonen, Panzer oder Mörser. Es mag sein, daß dieses Gerät nicht mehr zur Verfügung stand und deshalb auch die Munition nicht mehr verwendet werden konnte.

Das Munitionslager befand sich an dem damaligen sogenannten Bubenheimer Berg. Das war an der Bundesstraße 9, etwa dort, wo sich heute das Verkehrskreuz Bundesstraße 9 - Bendorfer Brücke - Bundesautobahn 48 nach Trier befindet. Die heranwachsenden Jugendlichen - nicht nur aus Neuendorf - hatten das bald entdeckt und pilgerten in Scharen dorthin, um das Pulver aus den Kartuschen zu entnehmen. Das war nicht ungefährlich; denn die Kartuschen mußten mit Gewalt aufgeschlagen werden. Entnommen wurden das Pulver unterschiedlichster Art. Da gab es zum Beispiel lange Pulverröhrchen, die aussahen wie Makkaroni, nur schwarz waren sie, oder kleines, zylinderförmiges Pulver von etwa einem Zentimeter Länge und 0,6 Zentimeter Durchmesser. Darauf hatten es die Jugendlichen besonders abgesehen. Denn am Neuendorfer Ufer, auf dem Vorplatz des Sportplatzes - also auf der Kirmeswiese - machten sie sich einen Spaß daraus, dieses Pulver an einer Zigarette anzuzünden und sich gegenseitig damit zu bewerfen. Alle Warnungen der Erwachsenen schlugen sie in den Wind, bis eines Tages das Unglück geschah. Ein Junge, der zwei Jahre älter war als ich - Hans Kraeber hieß er und wohnte im Nauweg - hatte die Hosentasche voll solch kleinen Pulvers, als - wohl versehentlich - ein brennendes Pulverstück eines anderen Jungen genau in diese Hosentasche fiel. Hans Kraeber stand sofort in Flammen. Er wälzte sich am Boden und andere versuchten, das Feuer zu ersticken, was letztlich auch gelang. Aber der Junge war so schwer verletzt, daß er nach drei Tagen im Krankenhaus verstarb. Er war der Bruder meines Schulkameraden Toni Kraeber. Für die Mutter war dieses Ereignis besonders traurig, weil sie im November 1944 bei einem Bombenangriff auf Koblenz ihren Ehemann verloren hat. Im Keller eines zusammengestürzten Hauses in der Schlachthofstraße wurde er begraben und konnte nicht mehr lebend geborgen werden.

 

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Allmähliche Rückkehr zur Normalität

(13)Trotz der schlechten Wirtschafts- und Ernährungslage trat im gesellschaftlichen Bereich allmählich eine Besserung ein. Nach und nach kehrten die Menschen zu Dingen zurück, auf die sie während der Zeit des Hitler-Regimes ganz oder eingeschränkt verzichten mußten. Zwar gab es noch keinen kulturellen Höhenflug, aber erste Ansätze waren schon ab dem Jahre 1946 sichtbar. Im Kino standen nicht mehr nationalsozialistisch geprägte Filme und Wochenschauen auf dem Programm, auch die Theater konnten ihre Spielpläne wieder frei gestalten und unterlagen nicht mehr der Zensur der NSdAP. Wegen vieler seelischer Wunden, die der Krieg geschlagen hatte, war manch einem auch nicht nach Konzert oder Musik zumute, dennoch wurden auch auf diesem Gebiet die wachsenden Angebote mehr und mehr angenommen. An Kirmes und Fastnacht konnten die jungen Leute - und es waren nicht nur junge - wieder zum Tanz gehen. Ich erinnere mich als Heranwachsender an die ersten solcher Veranstaltungen. Da es eine geordnete Gastronomie noch nicht gab, waren in den Tanzlokalen auch keine Tische mit Stühlen aufgestellt, sondern nur Bänke, die rund um die Tanzfläche an der Wand standen, wodurch sich natürlich eine riesige Tanzfläche ergab. Wer irgendwie ein Getränk organisieren konnte, brachte es einfach mit; für mitgebrachten Wein mußte Korkengeld bezahlt werden. In Neuendorf fanden die ersten Tanzveranstaltungen in der Turnhalle im Plankenweg statt, später auch im Saal der Metzgerei und Gastwirtschaft "Roter Ochsen".

Aber auch auf anderen Gebieten gab es einen Aufschwung. Viele Sportvereine und Verbände, vor allem Turnvereine, die im Dritten Reich zum Teil verboten waren, vor allem aber Jugendvereine und -Verbände begannen wieder mit der Arbeit. Besonders aktiv wurden die Vereine der Bündischen Jugend, darunter der Bund der Bund der deutschen Katholischen Jugend, die auch in Neuendorf eine Zelle schuf. Angeführt von unserem Schulkamerad Toni Regenberg gab es mit Unterstützung der Geistlichkeit die ersten Jugendgruppen - auch die Mädchen schlossen sich zu eigenen Gruppen zusammen. Jede Woche trafen wir uns in Gruppenstunden im Sälchen (das war ein kleiner Saal über der Sakristei im Kirchengebäude).

 

(Die

"Ka-Ju"-Jugendgruppe im Februar 1949 im "Sälchen")

 

 

 

Dort wurden Lesungen gehalten, diskutiert, erzählt und gesungen. In allen Koblenzer Pfarreien bildeten sich solche Gruppen, in denen vor allem die Meßdiener meist die ersten "Mitglieder" waren. Im Laufe der Zeit bekamen die Neuendorfer besonders engen Kontakt zu den Jugendgruppen der städtischen Pfarreien St. Kastor und St. Josef. In St. Kastor wurde einmal im Monat eine abendliche Komplet für die Jugendgruppen aller Pfarreien der Stadt Koblenz veranstaltet, die immer sehr gut besucht war und man bei der Gelegenheit weitere Kontakte knüpfen konnte. Die Verbindung zu St. Josef ist wohl auf das Wirken des damaligen Stadtjugendseelsorgers Dr. Kurt Esser zurückzuführen, der in dieser Pfarrei wohnte und beruflich als Religionslehrer am Kaiserin-Augusta-Gymnasium (heute Görresgymnasium) beschäftigt war und neben der St.-Josef-Kirche wohnte. Dr. Esser war ein außergewöhnlich engagierter, guter und sehr beliebter Seelsorger, der in Koblenz höchstes Ansehen genoß, obwohl er auch nach damaliger Auffassung sehr progressiv und fortschrittlich war.

 

(Dr. Kurt Esser)

 

 

 

 

Viele Jahre lang - als er noch nicht über ein Auto verfügte - war er immer mit dem Fahrrad unterwegs, auch in jedem Jahr mindestens einmal als Verantwortlicher einer Rad-Wallfahrt der Koblenzer Jugend nach Bornhofen. Das Gesamtwerk Dr. Essers ist nach seinem Tod von der Stadt Koblenz gewürdigt worden. Die Jugend-Begegnungsstätte im Markenbildchenweg gegenüber dem Hauptbahnhof hat den Namen "Dr.-Kurt-Esser-Haus" erhalten.

Bei und mit der Katholischen Jugend (sie wurde kurz KaJu genannt) gab es auch noch andere Aktionen. Noch heute erinnere ich mich gerne an die Zeltläger, die jedes Jahr an Pfingsten an einem zentralen Platz (zum Beispiel unterhalb der Burg Pyrmont im Elztal oder am Pulvermaar - beides in der Eifel) veranstaltet worden sind.

In der Jugendgruppe, der ich angehörte, war eigentlich immer etwas los. Neue Bekanntschaften und Freundschaften schlossen sich, Ausflüge mit dem Fahrrad wurden unternommen.

Die Räder, über die wir verfügten, waren natürlich nichts Besonderes. Sie waren zusammengeflickt - die Schläuche oftmals repariert und die Reifen meist unterlegt. Ich erinnere mich noch sehr genau an eine Radtour, die uns über mehrere Tage durch die Vulkaneifel führte, und wir unterwegs nachts meist in Zelten schliefen. Es war im Sommer 1948, kurz nach der Währungsreform, als wir die Mosel aufwärts fuhren. Unser Ziel war der Weinort Ediger. Dort wohnte ein Onkel Otto Krämers. Er war Landwirt und Winzer, und wir hatten die Hoffnung, dort in der Scheune schlafen zu können. Spät war es, als wir am Zielort ankamen, obwohl wir den Cochemer Krampen nicht fuhren, sondern über den Berg abkürzten. Da ging es aber drei Kilometer nur bergauf, und wir mußten die Fahrräder schieben. Also, daß wir so spät ankamen, lag hauptsächlich an mir bzw. meinem maroden Fahrrad. An diesem ersten Tag hatte ich sechsmal einen "Platten" - und jedesmal am Hinterrad, was eine längere Montagezeit erforderte. Einen dieser Platten bekam ich, als wir die Fahrräder hinter Cochem den Berg hinauf schoben. Das Gelächter der anderen war groß aber für sie auch ärgerlich, weil sie jedesmal auf mich warten mußten. Ottos Onkel half mir aus der Patsche. Er verfügte noch über einen gebrauchten passenden Reifen, den er mir schenkte. In Manderscheid habe ich dann einen neuen Reifen gekauft, und fortan blieb ich von Pannen verschont.

Auch bildete sich ein Skat-Klub, nicht ein offizieller Verein, sondern eine Aktivität unter Freunden, die sich trafen, wenn sich die Gelegenheit bot. Toni Regenberg, Hans Kleemann, Gerd Breidbach, Willi Thone, Otto Krämer und ich selber spielten mal hier, mal dort. Manchmal, wenn der "dritte Mann" fehlte, wichen wir meistens zu Breidbachs aus (in Kapitel 2 habe ich das bereits erwähnt). Gerds Mutter spielte selbst ausgezeichnet Skat, und dann spielte sie mit uns. Darüber freute sie sich; denn sie hatte wenig Abwechslung; ihr Ehemann, Gerds Vater, war wenige Jahre zuvor verstorben.

Manchmal - aber nur an warmen Sommerabenden - hielt Toni Regenberg die Gruppenstunde im Glockenstuhl des Kirchturms ab. Das war immer sehr romantisch. Einmal stellten wir fest, daß Eulen oder Käuze (genau wußten wir das nicht) in der obersten Kirchturmspitze nisteten. Das brachte uns in Aufregung; denn wir wollten wissen, was es war. Also beschlossen wir, der Sache auf den Grund zu gehen. Ich glaube, wir waren zu fünft, als wir über die Holzleitern im Innern des Turms nach ganz oben stiegen. Und dann hatten wir sie: Schleiereulen waren es, ein Altpaar mit vier schon flüggen Jungen. Wir räumten das ganze Nest aus - alle Eulen wanderten in den mitgebrachten Sack, und dann ging es durch Neuendorfs abendliche Straßen. Überall zeigten wir, was wir erbeutet hatten. Natürlich wollten wir die Eulen nicht behalten, sondern nur vorzeigen. In der Neuendorfer Bevölkerung ernteten wir großes Interesse. Jeder wollte wissen, wo die Eulen herkamen und was wir damit machen wollten. Nach einem etwa zweistündigen Rundgang durch unseren Ort ließen wir die Eulen, als wir zur Kirche zurückgekommen waren, wieder frei. Sie erhoben sich von unseren Händen geräuschlos und entschwanden in der Nacht. An den nächsten Tagen stellten wir erfreut fest, daß sie ihr altes Zuhause wieder angenommen hatten.

Die einschneidendste Maßnahme für mich aber war die Gründung einer Handballmannschaft. Toni Regenberg war es wieder, der die Idee mitbrachte; denn auch in anderen Koblenzer Pfarreien gab es dieselben Initiativen. Das war für Neuendorf etwas besonderes, galt Neuendorf doch als reines Fußballdorf. Die erste Mannschaft des Vereins TuS Neuendorf hatte in Deutschland schon einen guten Namen, und wer erinnert sich nicht gerne an die Spieler Gauchel, Schäfer, Oden, Ahlbach, Miltz, Warth, Hilgert, Unkelbach, Oster und wie sie alle hießen - aber auch an die großen internationalen und nationalen Begegnungen auf dem Oberwerth, so die ewigen Zweikämpfe mit dem großen Rivalen 1. FC Kaiserslautern mit den Gebrüdern Fritz und Otmar Walter. Im Jahre 1947 war es, als die Handballmannschaft der Katholischen Jugend in Neuendorf gegründet worden ist. Unserem Alter entsprechend handelte es sich um eine B-Jugend-Mannschaft; denn wir waren alle 15 oder 16 Jahre alt, und ich gehörte dazu.

 

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Meine Vorliebe für den Handballsport

(14) - Nach der Gründung der Handballmannschaft trainierten wir fleißig. Wo wir die Bälle her bekamen, erinnere ich mich nicht, wohl aber daran, das Hans Weller privat einen Ball hatte, den er zur Verfügung stellte. Nach einigen Wochen kam es zum ersten Spiel. In Neuendorf erwarteten wir die Mannschaft der Katholischen Jugend St. Kastor. Unsere Mannschaft war hoch überlegen und gewann deutlich mit 11:1 Toren. Wenn wir ein Spiel auswärts austragen mußten, gingen wir entweder zu Fuß oder fuhren mit dem Fahrrad. Turnschuhe mußten wir - soweit es überhaupt welche gab - uns selbst kaufen. Und als Trikot trugen wir eine schwarze Hose und ein weißes Unterhemd. Unsere Gegner waren in der ersten Zeit vorwiegend Mannschaften der Katholischen Jugend. Solche gab es neben St. Kastor in den Pfarreien St. Elisabeth und St. Josef. Später versuchten wir es auch gegen Vereinsmannschaften. So spielten wir zunächst gegen den TV Güls, den SV Niederberg und den TV Ehrenbreitstein. Als Mannschaft der Katholischen Jugend Neuendorf bestritten wir insgesamt 19 Spiele, davon gewannen wir 16, ein Spiel endete unentschieden und nur zwei Spiele haben wir verloren. Hierbei erzielten wir ein Torverhältnis von 134:79.

Durch die Erfolge aufmerksam geworden, beeilte sich auch der Verein TuS Neuendorf, eine Handballmannschaft aufzustellen. Diese Mannschaft war aber nicht so erfolgreich wie die Jugendmannschaft der KaJu. Ich weiß heute nicht mehr, wer später die verhängnisvolle Idee hatte, als Jugendmannschaft von TuS Neuendorf (in der Zwischenzeit waren wir geschlossen zu TuS Neuendorf übergewechselt) gegen die eigene Erste Mannschaft anzutreten. Zwischen beiden Mannschaften gab es eine gewisse Rivalität. Die Jugendmannschaft war jedenfalls erfolgreicher als die Erste. Und so kam es, wie es kommen mußte. Das denkwürdige Spiel fand am 10. Juli 1949 in Neuendorf statt. Nach einer 4:2-Halbzeitführung gewann die Jugendmannschaft schließlich mit 6:5 Toren (ich selbst hatte das Glück, beim Stande von 5:5 den Siegtreffer zu erzielen) nach einem erbitterten Kampf - es war der letzte der Ersten Mannschaft, die die Niederlage nicht verkraftete und sich unmittelbar danach selbst auflöste.

Bevor dies jedoch geschah, hatte die KaJu- und spätere TuS-Mannschaft doch noch einige Probleme, weil sie irgendwann auch gegen starke Mannschaften spielen mußte. Es kam uns wie eine Blamage vor, als wir erstmals gegen TuS Horchheim - damals eine der stärksten Jugendmannschaften - antraten und mit 2:17 Toren sang- und klanglos untergingen. Wir wußten überhaupt nicht, wie uns geschah und zweifelten erheblich an unserem Können. Im Rückspiel wollten wir es zwar besser machen, aber es kam noch schlimmer. Diesmal verloren wir mit 1:17 Toren. Diese "Schmach" wurde aber durch den 8:3-Sieg am 27. November 1949 ausgeglichen. Doch es kamen auch wieder bessere Zeiten. Nach meinen eigenen Aufzeichnungen bestritten wir als Jugendmannschaft in der Zeit vom 1. Januar 1948 bis 31. August 1950 insgesamt 49 Spiele (23 Heimspiele und 26 Auswärtsspiele). Hierbei errangen wir 39 Siege, zweimal spielten wir unentschieden und nur acht Spiele haben wir verloren. Dabei haben wir ein Gesamt-Torverhältnis von 367:200 bei 80:18 Punkten erzielt. Auch als wir altersmäßig in den Seniorenbereich gewechselt sind und als Erste Mannschaft von TuS Neuendorf spielten, waren wir weiterhin recht erfolgreich. Den höchsten Sieg landete die Neuendorfer Mannschaft mit 24:4 Toren am 14. Oktober 1951 in Braubach; dabei erzielte ich sieben Tore. Das war aber nicht meine höchste Ausbeute. Beim 24:6-Erfolg gegen Rot-Weiß Koblenz am 16. September 1951 war ich neunmal erfolgreich. Sieben Tore hintereinander (dabei in jeder Halbzeit einen "Hattrick") warf ich beim 13:8-Erfolg am 14. Mai 1950 in Güls. Aus der Kreisklasse sind wir bis zur Landesliga aufgestiegen. Hier blieben wir aber hängen und konnten in dieser Klasse nie die Meisterschaft erringen. Da gab es nämlich eine Mannschaft, die noch stärker war als wir: TuS Holzheim bei Limburg an der Lahn. Erbitterte Kämpfe gab es stets gegen diese Mannschaft, und fast immer waren wir nur "zweiter Sieger". Es gibt Leute, die behaupten, das Spiel gegen Holzheim am 1. Mai 1952 sei das beste Spiel gewesen, das jemals in Neuendorf stattgefunden habe. Damals sahen 700 Zuschauer leider eine 5:7-Niederlage. Noch mehr Zuschauer hatte die Neuendorfer Jugend beim Bezirks-Pokalendspiel gegen den TV Bassenheim. Dieses fand am 15. Januar 1951 vor einer Begegnung der Ersten Fußballmannschaft im Stadion Oberwerth statt. Etwa zehn- bis zwölftausend Zuschauer mögen es gewesen sein, als die Neuendorfer Handball-Jugend mit 4:1 (2:0) Toren gewann.

 

(Handball-Jugendmannschaft nach dem 4:1-Sieg gegen TV Bassenheim)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich selbst spielte Handball bis zum Sommer 1957, als ich beruflich nach Altenkirchen versetzt worden bin. Dort spielte ich ein Jahr beim SV Fluterschen Fußball, weil es Handball nicht gab. Im Jahre 1963 habe ich meine aktive sportliche Laufbahn beendet. Im Handballsport hatte ich bis dahin ausschließlich Feldhandball gespielt und gehörte als Stürmer immer zu den erfolgreichsten Spielern. Als in den 50er und 60er Jahren nach und nach zuerst Kleinfeldhandball und später Hallenhandball immer mehr Zuspruch fand, hat mich das Spiel wegen der Enge des Spielfeldes nicht mehr gereizt.

Trotzdem war ich dem Handballsport nicht fremd. Auf Drängen des damaligen Sportredakteurs Hartmut K. Lachmann von der Rhein-Post begann ich schon im Jahre 1950 als freier Mitarbeiter dieser Zeitung und schrieb Handballberichte. Ein Jahr später bin ich im Bezirk RHEIN des Handballverbandes Rheinland zum Pressewart gewählt worden. 1959 wechselte ich als Berichterstatter zur Rhein-Zeitung. Bis 1978 habe ich für diese Zeitung gearbeitet und gleichzeitig das Amt des Verbandspressewartes aufgegeben, welches ich im Jahre 1974 übernommen hatte. Danach war ich bis 1988 noch Vorsitzender der Technischen Kommission des Handballverbandes Rheinland und heute - seit 1967 - "nur noch" Redakteur des Mitteilungsblattes Rheinlandhandball, das der Handballverband herausgibt.

 

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In der Pubertät

(15) - Im vorletzten Kapitel habe ich die Gründung von Gruppen der Katholischen Jugend erwähnt. Diese Gruppen führten zu einem besseren Zusammenhalt der Jugendlichen, nicht nur in den einzelnen Gruppen, sondern auch in den Gruppen untereinander; ja noch weitergehender: Auch die Gruppen der beiden Geschlechter, die grundsätzlich getrennt arbeiteten, bekamen mehr Kontakt zueinander. Das lag nicht nur an den Räumlichkeiten, in denen die Gruppen sich trafen - wenn auch jeweils zu anderen Zeiten, sicher auch an dem fortschreitenden Alter in der Pubertät, daß nach und nach mehr Interesse am jeweils anderen Geschlecht bestand. So ist es nicht verwunderlich, vielmehr zwangsläufig, daß sich Zellen bildeten, denen Jugendliche verschiedener Gruppen beider Geschlechter angehörten. Für mich und meine Freunde war die Bildung einer solchen Zelle verhältnismäßig einfach. Einerseits hatte ich in Willi Thone und Hans Kleemann sowohl einen Freund als auch Schulkameraden. Beide hatten eine Zwillingsschwester und bei Hans Kleemann arbeiteten wir in einer Gemeinschaft bei unseren Schulaufgaben zusammen, und zwar in einer kleinen Hütte, die bei kalter Witterung beheizbar war. Auch Hans Zenz gehörte dieser Arbeitsgemeinschaft an, mit der wir uns fast täglich nachmittags trafen. Im Wohnbereich von Hans Kleemann gab es außerdem einen großen ehemaligen Büroraum des ehemaligen Konfitüren-Herstellers Zander, bei dem Hans Kleemanns Vater als Kraftfahrer beschäftigt war. Außerdem war es ein glücklicher Umstand, daß Willi Thone die Ziehharmonika spielen konnte. Nur wird man auf den ersten Blick kaum erraten können, wie und wieso dies alles zusammenhängt. Aber es gab eine Verbindung.

An erster Stelle kam der Wunsch der beiden Zwillingsschwestem Marianne Kleemann und Maria Thone - und mit ihnen drei weitere Mädchen, tanzen zu lernen. Dafür mußte man aber einen Übungsraum, Musik und vor allem einen Partner haben.

 

So kam es wie es kommen mußte. Übungsraum war das ehemalige Büro, für die Musik sorgte Willi Tone und als Partner - was lag wohl näher - kamen die Freunde von Willi Thone und Hans Kleemann in Frage. Und dazu gehörte auch ich. Wir lernten also tanzen, ohne Tanzschule, autodidakt. Keiner von den Teilnehmern dieser Gruppe hat auch später jemals eine Tanzschule besucht.

 

Die Partnerschaft innerhalb dieser Gruppe übertrug sich auch auf die Gruppenabende bei der Katholischen Jugend, so daß mit der Zeit die gesamte "Clique" nicht nur größer wurde, personell hin und wieder sich veränderte, sondern auch viele andere Dinge gemeinsam unternommen wurden. Der Tanzkreis war nur der Anfang. Im Sommer gingen wir gemeinsam schwimmen, unternahmen Radtouren, im Rahmen der KaJu wurde gemeinsam Theater gespielt - im Jugendheim, das wegen Baufälligkeit inzwischen abgerissen worden ist, die bereits zitierte monatliche Komplet in St. Kastor besucht und manchmal - vor allem an lauen Sommerabenden - machten wir nach den Gruppenstunden der KaJu auch das Dorf "unsicher". Hierunter kann jeder verstehen, was er will. Später feierten wir auch Kirmes und Karneval gemeinsam. Als Nebeneffekt bildete sich aus dieser Gruppe ebenso der bereits zitierte Skat-Klub, der sich vor allem bei Gerd Breidbach, Otto Krämer, Toni Regenberg oder Willi Thone traf. Mancher Schabernack wurde dabei ausgeheckt. Einen will ich hier erzählen, obwohl es mir wegen meiner heutigen Skrupel nicht ganz leicht fällt.

 

In Neuendorf gab es zu dieser Zeit bereits wieder eine intakte Straßenbeleuchtung mit Stadtgas. Wir wußten, daß bei Erschütterungen diese Lampen die Eigenschaft hatten zu erlöschen. Das machten wir uns zunutze. Und so kam es, daß eines Abends in Neuendorf mit unserer Nachhilfe alles dunkel war, obwohl die Lampen vorher geleuchtet hatten. Niemand der Einwohner hatte eine Erklärung hierfür. Einen Nebeneffekt gab es am folgenden Morgen. In dem Zeitpunkt, als im übrigen Koblenz alle Straßenlaternen erloschen, gingen in Neuendorf die Laternen an und leuchteten am hellen Tag bis ein Arbeiter der Energieversorgung, der dafür eigens nach Neuendorf kommen mußte, alle Laternen von Hand löschte.

 

In jener Zeit, als Mädchen in meinen Lebenskreis traten, war meine Mutter besonders wach. Ich merkte, wie sie beobachtete, was wir machten. Heute empfinde ich es als wohltuend, daß sie sich weitgehend zurückgehalten hat mit Geboten oder Verboten. Aber oft hat sie mir Hinweise oder Ratschläge gegeben, die natürlich aus ihrer Sicht einen moralischen Hintergrund hatten. Doch niemals hatte ich eine Zeit-Auflage wegen des abendlichen Nach-Hause-Kommens. Ich räume allerdings ein, daß ich die Mutter in dieser Hinsicht nicht enttäuscht und sie weitgehend verstanden habe.

 

Über Sexualität wurde in unserer Familie so gut wie nie gesprochen. Dieses Thema haben wir aber hin und wieder in den Gruppenstunden der KaJu behandelt, an denen manchmal auch der Kaplan teilnahm. Dabei haben wir auch über Empfängnisverhütung gesprochen. Aus kirchlicher Sicht gab es nur eine Möglichkeit: "Knauss-Ogino", die Beachtung der fruchtbaren oder unfruchtbaren Tage der Frau. Hierüber habe ich mich auch mit meiner Mutter unterhalten.

 

Und jetzt komme ich zurück auf die Aussage in Artikel 2, nach der meine Mutter nicht kirchenhörig gewesen ist. Bei diesem Thema wurde sie nämlich sehr ärgerlich. Nicht über das Thema, sondern gerade über die Kirche. Sie erklärte mir, daß es bei der bekannten Armut in der Familie keineswegs ihr Wunsch gewesen sei, sechs Kinder zu haben. Aber die Kirche habe den Eheleuten noch in den dreißiger Jahren immer versichert, daß die Frau nur in der Mitte zwischen zwei Perioden n i c h t   empfängnisbereit sei. Heute wisse sie, daß es genau umgekehrt sei, und das habe die Kirche bereits damals gewußt. Die Eheleute seien - wohl um mehr Kinder zu bekommen - damals von der Kirche bewußt getäuscht und belogen worden. Dieses Verhalten hat meine Mutter der Kirche niemals verziehen. Sie betonte aber gleichzeitig, daß sie, nachdem die Kinder einmal auf der Welt seien, sie natürlich nicht auf auch nur eines verzichten wolle.

 

Auch bei anderer Gelegenheit rückte sie von kirchlichen Auffassungen ab; so zum Beispiel bei der Frage nach Marien-Wallfahrten. Sie berief sich hierbei auf ihre Großmutter und hatte deren Auffassung übernommen: Zur Mutter-Gottes-Verehrung bedürfe es keiner Wallfahrten, sagte sie. Diese Verehrung könne auch zu Hause oder in der eigenen Pfarrkirche praktiziert werden. Ich stelle fest, daß ich selbst mir diese Auffassung ebenfalls zueigen gemacht habe und nicht viel von Wallfahrten oder auch Prozessionen halte. Überhaupt bin ich kein Freund von "großen Menschen-Aufläufen". Deshalb gehe ich seit Jahren nicht mehr zu großen Sportveranstaltungen und nehme auch nicht an Prozessionen, Demonstrationen oder Kundgebungen teil.

 

 

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"Singe, wem Gesang gegeben"

(16) -  Nicht erinnern kann ich mich heute daran, was der Grund gewesen ist, daß mein Freund Willi Thone und ich uns entschlossen haben, Mitglied im Männergesangverein 1856 Neuendorf zu werden. Vielleicht lag der Grund in der Tatsache, daß ich dem Singkreis der Katholischen Jugend der Stadt Koblenz angehörte, der von Hans Jander geleitet wurde. Dieser Singkreis hatte einen so guten Ruf, daß der Südwestfunk in einem Jahr im Saal des Katholischen Lesevereins einmal Weihnachtslieder aufnahm und sie auch in einer eigenen Sendung ausstrahlte.

Leiter des Männer-Chores war zu dieser Zeit Generalmusikdirektor Pfeiffer, ein schon nicht mehr junger Mann, aber ein Könner in seinem Fach. Er reihte Willi Thone in den 1. Baß und mich in den 2. Tenor ein. Eigentlich machte uns das Singen Spaß. Wir gingen regelmäßig zu den Proben, nahmen an Wettstreiten und Freundschaftssingen teil und entschlossen uns sogar später, auch dem Kirchenchor St. Peter Neuendorf beizutreten.

Wenn ich heute vergleiche, in welchem Chor es mir besser gefallen hat, komme ich zu der Feststellung, daß ich den Kirchenchor besser fand. "Besser" ist relativ. Nicht daß der Männer-Chor keine Güte gehabt hätte, im Gegenteil. Der Männer-Chor war ein renommiertes Ensemble mit großer gesanglicher Qualität und hohem Ansehen. Mit "besser" möchte ich vielmehr zum Ausdruck bringen, daß ich einen gemischten Chor stimmlich angenehmer fand. Leiter des Kirchenchores war damals der Neuendorfer Organist Hans Kreuz, ein junger Mann aus Kettig, der sehr begabt schien. Dieser Chorleiter hat Monate später, nachdem GMD Pfeiffer aus Altersgründen nicht mehr arbeiten wollte, auch die Leitung des Männergesangvereins übernommen. In beiden Chören sind zum Teil recht schwierige Lieder und Chöre gesungen worden. Am liebsten waren mir im Kirchenchor Motetten. Großen Erfolg hatten wir aber auch mit achtstimmigen großen Chorgesängen, wie zum Beispiel Georg Friedrich Händels Messias oder Messen von Mozart und Bruckner.

Irgendwann bin ich zuerst aus dem Männergesangverein ausgeschieden, weil ich mit dem neuen Chorleiter Kreuz nicht zurecht gekommen bin. Ich war nicht der einzige; denn auch andere Mitglieder kamen mit ihm nicht zurecht und kündigten die Mitgliedschaft, was letzten Endes dazu führte, daß Kreuz die Leitung abgeben mußte. Im Kirchenchor bahnte sich eine ähnliche Entwicklung an, so daß ich später auch aus diesem Chor ausschied, obwohl mir der Gesang sehr viel Freude bereitet hatte.

Seitdem bin ich nicht mehr aktives Mitglied in einem Gesangverein gewesen. Dem Männergesangverein Neuhäusel gehöre ich jedoch als inaktives (heute sagt man "förderndes") Mitglied seit 1962 an.

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 Start in einen Beruf und Marlies tritt in mein Leben

(17) - Neben all diesen Aktivitäten durfte ich jedoch die Schule nicht vergessen. Mitarbeit zu Hause, Kegeln aufsetzen, zeitweise nachts beim TOTO, Handball, Gesangvereine, Jugendgruppen - und Schule. Ich weiß heute nicht mehr, wie ich das damals zeitlich alles bewältigt habe. Die Schule nahm mich jedenfalls in den beiden letzten Jahren vor der Mittleren Reife stark in Anspruch. Ich erinnere mich, daß ich fast jeden Tag bis abends Hausaufgaben machte oder sonstwie für die Schule arbeitete. Neben allem stellte sich auch mehr und mehr die Frage, wie es nach der Schule weitergehen sollte; denn zu jener Zeit war es ähnlich wie heute: Ausbildungsplätze gab es zu wenig.

Aber dann hatte ich es doch geschafft. Am 29. März 1950 - knapp zwei Wochen vor meinem 18. Geburtstag - erhielt ich das Zeugnis der Mittleren Reife. Durch einen glücklichen Umstand hatte es sich ergeben, daß ich mich schon im Februar bei der Bezirksregierung Koblenz um eine Eingangsstelle für die gehobene Beamten-Laufbahn hatte bewerben können. Die entsprechende zweijährige Lehrzeit mußte ich jedoch beim damaligen Landratsamt des Landkreises Koblenz-Land absolvieren, wo ich am 15. Mai 1950 begann und fortan auch die Berufschule besuchen mußte. Im ersten Lehrjahr erhielt ich eine Erziehungsbeihilfe von monatlich 25 Deutsche Mark, im zweiten Lehrjahr eine solche von 35 Deutsche Mark. Das Lehrverhältnis wurde am 19. Mai 1952 beendet. Einen Tag später begann meine Tätigkeit bei der Bezirksregierung Koblenz.

Es war jedoch nicht die Tätigkeit, für die ich vorgesehen war. Denn auch im Jahre 1952 war die Arbeitsmarktlage genau so schlecht wie heute. In der Landesverwaltung bestand eine Einstellungssperre für den gehobenen Dienst. Man bot mir aber an, vorübergehend als Angestellter zu arbeiten, und zwar im Schreibdienst. Stenotypist sollte ich also werden. Notgedrungen nahm ich dieses Angebot an, nicht zuletzt, um etwas mehr Geld zu verdienen und bei der Bezirksregierung in die günstigere Verwaltung zu kommen. Voraussetzung für diese Tätigkeit war jedoch die Beherrschung von Stenografie und Schreibmaschine. Ersteres war kein Problem für mich, hatten wir die Kurzschrift doch in der Schule gelernt, und 120 Silben konnte ich durchaus schreiben. Was aber war mit Schreibmaschine? Das hatte ich bisher nicht gelernt. Um die geforderten 240 Anschläge pro Minute zu erreichen, mußte ich schon das Zehn-Finger-System beherrschen. Um es kurz zu machen. Es war eine Gewaltaktion. Nach einer mir von einem Kollegen überlassenen Vorlage brachte ich es binnen eines Monats auf die gewünschte Fertigkeit. Die entsprechende Prüfung bei der Bezirksregierung bestand ich und konnte deshalb die Tätigkeit dort beginnen. Diese Tätigkeit hat zwei Jahre gedauert, während dieser ich mit Stenogrammblock und Bleistift Diktate aufnehmen und anschließend auf der Schreibmaschine umsetzen mußte. Hierbei befand ich mich in guter Gesellschaft. Denn ich war nicht der einzige Bewerber auf einen Anwärterplatz für den gehobenen Dienst. Meinen beiden Kollegen Heinz-Josef Jung aus Horchheim und Berni Roth aus Moselweiß, die ich schon vom Handball her kannte, ging es ebenso. Und das wird wohl etwas Einmaliges bleiben. Heinz-Josef Jung hat später sogar die Chance gehabt, in den höheren Dienst aufzusteigen, in dem er es bis zum Abteilungsdirektor gebracht hat.

Im Jahre 1954 war es dann endlich soweit. Im Haushaltsplan waren Anwärterstellen ausgewiesen. Unter dieser Voraussetzung bin ich mit Wirkung vom 1. Mai "unter Berufung in das Beamtenverhältnis zum Regierungsinspektor-Anwärter" ernannt worden.

Während der Anwärter-Zeit verlief die praktische Ausbildung in vielen Referaten der Bezirksregierung einschließlich Regierungshauptkasse, bei der Stadtverwaltung Koblenz, bei der Kreisverwaltung in Simmern/Hunsrück und beim Verwaltungsgericht Koblenz. Für die theoretische Ausbildung besuchten die Anwärter einmal wöchentlich ganztägig die Verwaltungsschule, die bei der Stadtverwaltung Koblenz eingerichtet war. Nach diesem System lernten die Anwärter nicht nur den Stoff als Vorbereitung auf die spätere Prüfung und Laufbahn, sondern auch die meisten Kolleginnen und Kollegen sowie Anwärter anderer Verwaltungen kennen, was für die spätere Arbeit von Vorteil war, weil man in diesen Kollegen bei anderen Verwaltungen immer eine Anlauf-Station hatte.

Am 26. und 27. Juni 1957 mußten wir nach dreijähriger Ausbildung zur Prüfung antreten. Für mich verlief die Prüfung sehr erfolgreich.

 

(nach bestandener II. Verwaltungsprüfung 1957)

 

Noch am selben Tag sind die Anwärter der Bezirksregierung zum Außerplanmäßigen Regierungsinspektor ernannt worden. Damit gab es sieben neue Regierungsinspektoren bei der Bezirksregierung, von denen jedoch fünf gleichzeitig eine Versetzungsurkunde mit Wirkung vom 1. Juli 1957 zu einem Landratsamt erhielten. Ich selbst bin zum Landratsamt in Altenkirchen versetzt worden, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt bereits verheiratet und mein erster Sohn Markus bereits "unterwegs" war. Ich habe dies als besondere Benachteiligung empfunden, zumal der jüngste der Anwärter bei der Bezirksregierung bleiben durfte, also nicht versetzt worden ist. Wir vermuteten, daß dies darauf zurückzuführen ist, daß sein Vater in gehobener Position ebenfalls bei der Bezirksregierung beschäftigt war. Vier andere ehemalige Anwärter wurden zu den Landratsämtern Bad Kreuznach, St. Goar, Zell und Neuwied versetzt.

 

Die Bekanntschaft mit meiner späteren Frau Marlies lief ziemlich parallel zu meiner Ausbildung.

 

(meine spätere Frau Marlies mit 17 Jahren)

 

 

 

 

 

Das entscheidende Ereignis trat anläßlich der Kirmes am 26. August 1951 auf der Karthause ein, als ich auf Einladung meiner Tante Lisbeth (dieselbe, die in Reifferscheid mit ihren Kindern Loni und Marga während der letzten Kriegsmonate zusammen mit uns evakuiert war) im Kirmeszelt an einer Tanzveranstaltung teilnahm. Damals ist mir Marlies, die an einem Nebentisch saß, erstmals bewußt aufgefallen. Ich hatte sie zwar vorher schon öfters gesehen; denn sie arbeitete in einem Zigaretten- und Getränke-Kiosk am Markenbildchenweg, an dem ich auf dem Schulweg immer vorbeigekommen war, aber das war letztmalig eineinhalb Jahre früher. Nachdem ich mehrmals mit Marlies getanzt hatte, bat mich ein junger Mann, auf seine Schwester aufzupassen, weil er selbst etwas anderes vorhatte. Es war Marlies' Bruder Klaus, mein heutiger Schwager, der selbst den Auftrag hatte, Marlies zum Tanz mitzunehmen, obwohl ihm das wahrscheinlich überhaupt nicht gefallen hatte. In mir fand er einen dankbaren Stellvertreter. Und seit diesem Tag hat sich mein Leben entscheidend verändert. Wir kannten uns viereinhalb Jahre, als wir im Januar 1956 heirateten. Zu diesem Zeitpunkt war abzusehen, daß ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Verwaltungsprüfung bestehen würde. Und diese Annahme ist dann auch Wirklichkeit geworden.

 

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Mit dem Fahrrad zum Bodensee

 (18) - Von einem Ereignis möchte ich zum Schluß berichten, obwohl es zeitlich vor meiner Eheschließung lag, mit der ich - wie im Vorwort angedeutet - den Bericht abschließen will. Es war ein Ereignis, wie ich es bis dahin nicht gekannt habe. Achtzehn Jahre war ich alt geworden, die Schule hatte ich abgeschlossen und eine Stelle gefunden. Gewissermaßen als Belohnung gönnte ich mir einen längeren selbständigen Urlaub mit den Freunden Willi Thone, Hans Kleemann und Hans Zenz. Wir unternahmen eine 14tägige Radtour an den Bodensee. Meine Freunde hatten neue Fahrräder mit Dreigang-Kettenschaltung bekommen. Ich selbst verfügte noch nicht über ein neues Fahrrad und mußte deshalb mit dem Rad meines Vaters fahren, das zwar neu war aber noch nicht über eine Schaltung verfügte. In den Sommerferien ging es los, verabschiedet von unserem gemeinsamen Freund Gerd Breidbach, der selbst gerne mitgefahren wäre aber wegen einer Erkrankung leider nicht mitfahren durfte.

 

(Start zum Bodensee)

 

Die erste Nacht verbrachten wird in Ingelheim am Rhein. Hier fanden wir Unterkunft bei Verwandten von Willi Thone. In der zweiten Nacht schliefen wir in einem Gasthaus in Bühl (Baden), das wir aufgesucht hatten, weil es fast den ganzen Tag geregnet hatte und wir aus diesem Grunde - völlig durchnäßt - nicht zelten wollten. Auf der restlichen Tour übernachteten wir immer im Zelt - von der letzten Nacht abgesehen, auf die ich noch zurückkommen werde, und zwar in einem Zelt, das wir jeden Abend aus Dreiecks-Wehrmachts-Zeltplanen zusammenknüpfen mußten. Jeder von uns hatte eine solche Dreiecks-Zeltplane.

Diese Radtour an den Bodensee habe ich in guter Erinnerung behalten. Es war eine Fahrt, auf der wir viel Spaß miteinander gehabt haben, obwohl wir nur über geringe Geldmittel verfügen. Ich selbst mußte in diesen zwei Wochen mit 75 Mark auskommen. Wir fuhren über normale Straßen, die zum Teil in keinem guten Zustand waren; denn Radwege gab es damals nicht. Die Strecke führte zunächst linksrheinisch am Rhein vorbei in Richtung Süden über Mainz, wir wechselten dann auf die andere Rheinseite und fuhren über Groß-Gerau - Darmstadt - Heidelberg (hier regnete es in Strömen) - Freiburg im Breisgau - Höllental - Hinterzarten - Titisee - Bärental - Feldberg - Schluchsee - Singen - Überlingen - Konstanz - Insel Mainau - Meersburg - Friedrichshafen - Ravensburg - Sigmaringen - Heilbronn - Heidelberg (hier regnete es wie auf der Hinfahrt) - Darmstadt - Rüdesheim am Rhein - Braubach - Koblenz.

 

 

 

[Rast in Bärental (Schwarzwald) mit Titisee im Hintergrund]

 

 

 

 

Wir fuhren also vorbei an Rhein und Odenwald, durchquerten den Schwarzwald, erklommen den Feldberg, überquerten den Bodensee auf einer Autofähre (eine solche hatten wir bis dahin noch nie gesehen), mühten uns durch's bergige Schwabenländle, erfreuten uns am Neckar und legten insgesamt fast 1400 Kilometer zurück - und das alles ohne jede Panne!

 

Ärger hat es nur einmal gegeben. Es war am Neckar, und es regnete stark. Wir waren ziemlich durchnäßt und froren und hatten alle die Absicht, so schnell wie möglich wieder zurück nach Hause zu kommen. Willi Thone und ich wollten die Strecke und eine Neckarschleife abkürzen und deshalb über den Berg fahren. Das wollten Hans Kleemann und Hans Zenz nicht - wegen der Steigungen; sie meinten, entlang des Neckars ginge es doch schneller und weniger anstrengend. An einer Straßengabelung trennten sich unsere Wege, weil niemand nachgeben wollte. Willi und ich bogen nach links ab auf die Bergstrecke, die beiden anderen fuhren geradeaus. Willi und ich hofften, die anderen in Heidelberg wieder zu treffen. Aber diese Hoffnung platzte. Also fuhren wir allein weiter. Gegen Abend erreichten wir das Vorland von Darmstadt und wir beschlossen, hier in einem Kornfeld zu übernachten; denn ein Zelt konnten wir nicht errichten, weil uns zwei Zeltplanen fehlten; die hatten die beiden anderen, die ebenfalls nicht zelten konnten. Am nächsten Morgen - wir hatten miserabel geschlafen - fuhren wir weiter und gedachten, noch am selben Abend zu Hause zu sein. Unterwegs versuchten wir, per Anhalter auf einem Lastwagen mitgenommen zu werden. Dies gelang uns in Rüdesheim. Ein Fahrer ließ uns auf die Pritsche seines Wagens, uns so fuhren wir ohne Anstrengung rechtsrheinisch zurück nach Koblenz, wo wir um die Mittagszeit ankamen.

Natürlich wollten wir wissen, ob und wie die beiden anderen nach Hause gekommen waren. In den späten Nachmittagsstunden trafen wir sie. Bis dahin hatten sie geschlafen; denn sie sind todmüde morgens gegen acht Uhr nach Hause kommen. Weil sie nur zwei Zeltplanen hatten und deshalb nicht zelten konnten, seien sie ohne Unterbrechung durchgefahren, erzählten sie. Das war - wie wir fanden - eine große Leistung. Immerhin waren die beiden etwa 24 Stunden ohne Unterbrechung im Sattel und hatten so die Strecke Heilbronn - Koblenz bewältigt. Diese Leistung ist um so erstaunlicher, wenn man berücksichtigt, daß wir eine Etappe zuvor die schwierige Strecke Sigmaringen - Heilbronn über 171 Kilometer gemeinsam zurückgelegt hatten. Die beiden hatten es damit fertiggebracht, die Strecke Sigmaringen - Koblenz mit nur einer Unterbrechung zu fahren. Hans Kleemann meinte dazu, auf der letzten Strecke entlang des Rheins hätten sie wegen totaler Übermüdung höchstens noch einen 15-Kilometer-Stundendurchschnitt erreicht und aufpassen müssen, nicht einzuschlafen und damit vom Fahrrad zu fallen.

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Nachwort

(19) -  Wie ich im Vorwort angedeutet habe, möchte ich die Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend hiermit beenden und keine Ausführungen machen zu der Zeit, in der ich verheiratet bin.

 

 

 

 

(Nach der Hochzeit im Standesamt Koblenz im Januar 1956)

 

 

 

 

 

 

 

Nicht weil hierüber nichts zu berichten wäre, sondern weil dies mein Vorhaben sprengen würde, und ich auch nicht die Absicht habe, Details aus dieser Zeit weiterzugeben. Damit keine falschen Schlüsse gezogen werden, betone ich ausdrücklich, daß ich meine Ehe mit Marlies als eine glückliche Zeit ansehe und auch mit Stolz auf unsere drei Söhne Markus, Rafael und Martin blicke.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Söhne Markus, Rafael und Martin - jeweils nach bestandenem Abitur)

 

 

Noch immer betrachte ich unsere Verbindung als eine harmonische Ehe und hoffe, daß sie noch einige Jahre - möglichst verschont von schwerwiegenden Alterserscheinungen - andauert.

Nicht schließen möchte ich aber, bevor ich meinen Eltern Dank abstatte, für alles, was sie mir und meinen Geschwistern getan haben. Sie haben sich aus der Familie verabschiedet - Vater im Oktober 1982, Mutter im Juli 1989 - wie sie gelebt haben: Ohne großes Aufsehen, einfach und bescheiden, im 80ten bzw. 87ten Lebensjahr. So, wie beide im Leben ausschließlich für ihre Kinder da waren, so hielten sie es auch bei ihrem Tod. Es gab kein Krankenlager, kein schmerzhaftes und schmerzliches Vorbereiten. Sie haben ihre Kinder selbst bei ihren letzten Atemzügen noch verschont.

Ich hoffe und wünsche, daß sie dort sind, wofür sie immer gebetet haben!

 

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Bundestagswahl 2017

(17 - 25.09.2017)

 

Vorläufiges Wahlergebnis vom 25.09.2017 (Quelle: web.de):

 

CDU/CSU    33,0 %    246 Sitze    Verlust: 8,5 %Punkte

SPD             20,5 %    153 Sitze    Verlust: 5,2 %Punkte

AfD             12,6 %       94 Sitze    Gewinn: 7,9 %Punkte

 FDP            10,7 %       80 Sitze    Gewinn: 5,9 %Punkte  

Linke            9,2 %      69 Sitze     Gewinn: 0,6 %Punkte

Grüne          8,9 %      67 Sitze     Gewinn: 0,5 %Punkte

Sonstige      5,1 %                          Verlust: 1,2 %Punkte

 

Das Ergebnis ist eine Schande für Deutschland!

 

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Vorwort

 

Heute wissen wir: Wandern ist in - um es modern auszudrücken! Wandern ist eine andere Form von Reisen. Reisen ist eine Freude - aber Wandern ist eine Lust!

Hatte Bundespräsident Walter Scheel (1974 - 1979) mit seiner Interpretation des Volksliedes "Hoch auf dem gelben Wagen sitz´ ich beim Schwager vorn" mehr oder weniger das Reisen besungen, setzte sein Nachfolger, Bundespräsident Karl Carstens (1979 - 1984), andere Akzente: Er wanderte - wanderte vom Norden Deutschlands bis in den Süden, in jedem Jahr eine Folgestrecke - begleitet vom regen Medien- und Publikumsinteresse. Man kann sagen, er hat das Wandern in Deutschland hoffähig gemacht; denn danach begann eine riesige Wanderwelle in ganz Deutschland. Immer mehr Bürger machten sich "auf die Socken" und wanderten was das Zeug hielt.  Das Interesse an dieser Freizeitbewältigung ist bis heute ungebrochen und geht durch alle Generationen. Egal ob Frau oder Mann, Jugendlicher oder Rentner - heute wandern sie alle, auch wenn es viele Bürger gibt, die davon nicht viel halten, stattdessen lieber Relax-Urlaub bei "all invclusive" bevorzugen und damit in Kauf nehmen, dass sie von oft faszinierenden Landschaften und überraschenden Begegnungen nicht allzu viel sehen oder erleben - aber auch viele schöne Abende nach einem anstrengenden Wandertag mit gutem Essen und einem Glas Wein oder Bier nicht genießen können. 

Ich selbst habe solcherlei in der Zeit von 1972 bis 2009 genossen in Wandergruppen unterschiedlichster Art. Angefangen in der Zweiergruppe mit meiner Frau Marlies, dann bei 18 Deutschland-Wochenend-Wanderungen von 1986 bis 2003 mit meinen drei Söhnen und von 1979 bis 1981 mit einer Vierer-Männergruppe im Schwarzwald und in der Pfalz; aber auch mit Marlies zusammen mit unseren Freunden Brigitte und Helmut Kesselheim mit 24 überwiegend Zehn-Tage-Wanderungen zwischen 1985 und 2009 - davon 23 in deutschen Landen vom Sauerland bis zu den Isar-Auen und von der Eifel bis ins Erzgebirge und schließlich mit einer Gruppe anderer Freunde - Maria, Gerd, Brigitte und Hans, Lotti und Franz. Alle Wanderfreunde, die sich nicht scheuen, über Jahrzehnte regelmäßige Wanderungen zu unternehmen, werden bestätigen können, dass man hierbei nicht nur unendlich viel erleben, sondern seiner Gesundheit und körperlichen Beweglichkeit viel Gutes tun - aber auch seinen Gedanken freien Lauf lassen kann. So ist es nicht übertrieben, wenn ich nach eigenen Aufzeichnungen behaupte, dass ich alles in allem rund 6000 km gewandert bin; darin eingeschlossen sind auch alle Wanderungen im Ausland mit etwa 1200 km - also in Frankreich, Österreich, Südtirol, Korsika, Malloca und Teneriffa.

Von diesen Wanderungen möchte ich einige Routen und Erlebnisse beschreiben - aber auch einige allgemeine Hinweise geben, und zwar so, wie ich es selbst erlebt und empfunden habe. Außerdem habe ich viele Fotos und BIlder - die meisten selbst "geschossen" - eingestellt, wobei ich es dem Leser oder der Leserin überlasse selbst zu entscheiden, ob er oder sie lieber "bebilderte Wanderungen" oder "erwanderte Bilder" als Untertitel bevorzugt.

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Reisen eine Freude - wandern eine Lust!

(I.01) - "Reisen bildet", pflegte man früher zu sagen, und "wenn jemand eine Reise tut, so  kann er was erzählen" lesen wir in "Urians Reise um die Welt" von Matthias Claudius (1740-1815), dem Dichter des "Abendlied", in dem er nicht nur sich selbst, sondern auch seinem kranken Nachbarn einen guten Schlaf wünschte. Und so machen sich Jahr für Jahr Millionen von Menschen auf, allein oder in Gruppen, um etwas anderes zu sehen oder zu erleben. Manchmal weil es ihnen zuhause nicht mehr gefällt oder dem "Streß zu entfliehen" und manchmal auch, um andere Menschen kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen oder ganz einfach nur um sich zu erholen - auszuspannen, ganz nach dem Motto von Sebastian Kneipp:

Sinn des Reisens ist, an sein Ziel zu kommen,   der Sinn des Wanderns ist, unterwegs zu sein".                                                                  

 

 Wacholderheide im Eschachtal bei Rottweil      

                                         

Und so "verreisen" sie; sie "fahren in Urlaub, in Erholung, in Kur", sie machen Fern- und  Kurzreisen, Erlebnisreisen, Studienreisen, Entdeckungsreisen, Überlebenstraining, Urlaub am Strand oder in den Bergen, Städtetouren, Kreuzfahrten, Aktivurlaub, Erholungsurlaub, Rundwanderungen, Wandern ohne Gepäck und Urlaub in Fitneß-Hotels oder auf Schönheitsfarmen. Sie verreisen - mit dem Auto, dem Bus, dem Zug, dem Schiff oder dem Flugzeug; manche gehen auch zu Fuß oder machen Urlaub mit dem Fahrrad. Sie verreisen als Individuum, als Paare oder in Gruppen. Die alljährliche Urlaubssaison gleicht einer Völkerwanderung. Man begegnet unzähligen interessanten - teils auch uninteressanten - Menschen, Menschen aus vielen Kulturkreisen, aus manchen Erdteilen und vielen Staaten, Menschen aller Hautfarben und jeden Alters. Und mitunter begegnet man so vielen Japanern in unseren Städten und bei Sehenswürdigkeiten, daß man das Gefühl hat, sämtliche Japaner befänden sich in Urlaub - Japan entvölkert. Die meisten freuen sich das ganze Jahr auf ihren Urlaub, und wenn sie dann zwei oder drei Wochen (vielleicht auch nur eine Woche, ein paar Tage oder ein Wochenende) unterwegs sind, freuen sie sich auch wieder auf ihr Daheim.

 

Wiesenttal in der Fränkischen Schweiz bei Waischenfeld          

 

  

Ziel- und Verlaufsvorstellungen sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Viele haben das  Gefühl, möglichst weit von zuhause Urlaub machen zu müssen: In Südafrika, auf dem Malediven, in der Karibik, in Alaska ebenso wie in Brasilien, in Idonesien, ja sogar in Australien oder in Neuseeland. Wohl allen, denen das gefällt, der Erlebniswert ist sicher riesig. Wenn solche Reisenden aber nicht einmal ihre nähere Heimat, geschweige denn die "deutschen Lande" kennen, ist der Erlebniswert nicht mehr so strahlend. Andere Menschen wiederum lehnen es ab, nur solche Fernreisen zu unternehmen -  aus den verschiedensten Gründen. Für manchen ist eine solche Reise zu teuer oder dauert zu lange oder ist zu "stressig". Viele wollen aber auch nur ihre Heimat, ihr Land, Deutschland kennenlernen - nach der politischen Zusammenführung von Ost und West seit 1990 ein durchaus interessantes Vorhaben. Dieser Erlebniswert ist zu steigern, wenn die Urlaube in Deutschland als Wander- oder Fahrrad-Urlaube unternommen werden. Alle, die solche Freizeiten erlebt haben, schwärmen geradezu von der Vielfalt und Schönheit der deutschen Lande und Städte; seien es die Berg-, Seen-, Wald-, Moor- oder Heidelandschaften, sei es Nord-, Ost- oder Süddeutschland, Nord- oder Ostfriesland, die Lüneburger Heide, der Harz, das Weserbergland oder das Sauerland, das Rothaar- oder das Rheinische Schiefergebirge, Odenwald oder Spessart, die Pfalz, der Schwarzwald oder die fränkische Schweiz, der Thüringer Wald oder das Erzgebirge, der Bayerische Wald, das Bergland von Oberbayern oder das Allgäu - all das bietet eine Fülle herrlicher Eindrücke und unvergeßliches Erlebnisse.

 

Eisenbachtal bei Montabaur/Westerwald

 

 

 

 

Und auch die Städte in diesen Regionen. Es muß nicht immer New York, Los Angeles, Shanghai oder Kalkutta, Hongkong oder Sidney sein; nein, die vielen kleinen und mittleren Städte in Deutschland - meist mit ihren historischen Ortskernen - haben ein Flair, von dem man sich oft auch noch nach Stunden nicht trennen möchte. Nur ein paar seien mit Stade, Lüneburg, Goslar, Quedlinburg, Alsfeld, Marburg, Monschau, Rothenburg /Tauber, Heidelberg, Dinkelsbühl, Freudenstadt, Freiburg, Freising oder Passau genannt.

Über Deutschland, seine Landschaften und seine Städte kann vieles Großartige gesagt und berichtet werden. Wir wollen an dieser Stelle den Versuch unternehmen, das auch zu tun:  Berichten über die Schönheiten und Sehenswürdigkeiten deutscher Landschaften - aus der Sicht eines Wanderers.

 

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Der Schwarzwald - Wandern mit tausend Möglichkeiten

(II.01) - Zum Thema "In Deutschland: Wandern eine Lust" möchte ich mit dem Schwarzwald beginnen. Zwar wird oft behauptet, der "Rennsteig" im Thüringer Wald sei der bedeutendste Wanderweg Deutschland, und es sei angezeigt, mit dieser Strecke eine Serie zu eröffnen. Der Schwarzwald soll heute den Vorzug haben, weil es das Wandergebiet der tausend Möglichkeiten ist - ein Gebiet mit mehr als 15.000 km örtlichen und 8.000 km Hauptwanderwegen, die sämtlich hervorragend markiert sind und jedem Bedürfnis gerecht werden. Jahr für Jahr wollen immer mehr Rucksackwanderer in den Tälern und Hochebenen des Schwarzwaldes Erholung und Ruhe finden, um im wahrsten Sinne des Wortes am "eigenen Leib" die vielfältige Natur zu erleben. Die Menschen, die solches unternehmen, können dies von einem bestimmten Ort aus tun mit täglicher Rückkehr zur Unterkunft oder sie bevorzugen Streckenwanderungen, wobei sie sich abends eine Unterkunft suchen müssen, wenn sie nicht das Angebot "Wandern ohne Gepäck" gebucht haben.

 

           

            Mummelsee an der Schwarzwaldhochstraße          

 

 

   

Drei bedeutende Streckenwanderwege, die alle in Pforzheim beginnen, gibt es im Schwarzwald: Der "Westweg", eine Strecke mit sportlicher Herausforderung, ist bis zum Feldberg Teil des Europäischen Fernwanderweges Flensburg - Genua. Er führt über die Hornisgrinde (mit 1164 m der höchste Berg des Nordschwarzwaldes) am Mummelsee an der Schwarzwaldhochstraße (hierüber hat Eduard Mörike eine Ballade geschrieben) und an Bad Peterstal-Griesbach sowie unterhalb des Brandenkopfs (932 m) vorbei nach Hausach im Kinzigtal (mit dem wunderbaren Freilichtmuseum "Vogtsbauernhof") und weiter über Hinterzarten zum Feldberg (1493 m).Von hier aus kann man alternativ die Westroute über den Belchen (1414 m) oder die Ostroute über den Hochkopf (1263 m) nach Basel wandern.

Der "Mittelweg" ist eine überwiegend romantische Strecke. Sie führt über Bad Wildbad ins Murgtal, weiter nach Freudenstadt und von dort über den oberen Zwieselberg (833 m), vorbei an Schenkenzell und Schiltach im Kinzigtal (herrliche Fachwerkhäuser) über das Wandergasthaus "Moosenmättle" (785 m) nach St. Georgen. Hiernach führt der Weg über Neustadt nach Lenzkirch, wo er sich teilt. Sie haben die Wahl, die westliche Route über Schluchsee und Höchenschwand oder ostwärts über Weilheim zum Ziel Waldshut zu gelangen.

 

Der "Ostweg" vermittelt viele historische Eindrücke. Über Calw im Nagoldtal und über Freudenstadt (herrlicher zentraler Marktplatz mit Arkaden ringsum) nach Alpirsbach im Kinzigtal (Brauerei) und weiter über Schramberg nach Villingen-Schwenningen (berühmte Uhrenstadt). In einem großen ostwärtigen Bogen gelangt der Weg schließlich über Bad Dürrheim und Blumberg zum Zielort Schaffhausen in der Schweiz mit dem berühmten "Rheinfall". 

 

Diese drei Hauptstrecken der Nord-Süd-Route sind durch viele Querwege miteinander verbunden und ermöglichen dadurch eine gezielte Planung der Wanderroute(n). Selbstverständlich sind die Strecken der drei Hauptrouten nicht an einem Tag zu bewältigen. Wer sie über die volle Distanz wandern will, sollte sich für jede zwei Wochen Zeit nehmen. Aber auch nur einige Etappen jeder Strecke vermitteln einen unvergeßlichen Eindruck über die Schönheiten des Schwarzwaldes. Die Hauptrouten führen weitgehend über die Höhen. Wer aber "quer wandern" möchte, wird sich überwiegend mit einem ständigen und mühsamen "Auf und Ab" herumschlagen müssen. Trotzdem gibt es für jeden Geschmack, für jedes Alter und für jeden Grad der körperlichen Kondition die geeignete Möglichkeit. - Fahren sie mal hin; Sie werden es nicht bereuen! Die Fremdenverkehrsämter (gibt es in fast jedem Ort) erteilen gerne Auskunft.

 

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Westpfalz-Wanderungen - die Qual der Wahl?

(II.02) - Nach der Übersicht über den dunklen (wegen der überwiegenden Nadelwälder) Schwarzwald wollen wir uns heute der lichten Pfalz - besser Westpfalz - zuwenden, in der die Wanderfreunde aber keineswegs die Qual der Wahl haben. Unter elf Routen mit einer Läge von insgesamt mehr als 1.400 Kilometern kann man wählen - und eine ist schöner als die andere. Die Westpfalz ist der sehr abwechslungsreiche Teil des großen Naturparks Pfälzerwald, in dem die Wanderer echte Erholung finden können, abseits von den großen Touristenströmen. Es ist ein sagenumwobenes Gebiet mit vielen hellen Wäldern, lieblichen Tälern und kühnen Burgen, das schon von Friedrich Barbarossa, Franz von Sickingen, den Hohenstaufen und dem Pfalzgrafen Johann Casimir (bekannt als "Jäger aus Kurpfalz") beherrscht worden ist. 

 

"Dicke Eiche" beim gleichnamigen Wanderheim oberhalb von Erfweiler

 

 

Die bedeutendste Route ist der "Große Westpfalz-Wanderweg" mit einer Länge von 400 Kilometern, für den man 16 Tage braucht; er kann in zwei Hälften aufgeteilt werden. Der südliche Teil führt durch endlose Waldbestände mit verschwiegenen Burgen des herrlichen Wasgau und das Dahner Felsenland, eine bizarre Landschaft aus rotem Sandstein und riesigen Beständen an Eßkastanien. Im nördlichen Ring wandert man vor allem durch offenes Gelände mit

aussichtsreichen Höhenzügen nordwärts bis zum Glan, einem kleinen Nebenfluß der Nahe.

Wegen der Größe des Pfälzerwaldes und des umfangreichen Angebots kann hier nur ein kurzer Überblick über die übrigen Routen gegeben werden. Aber es lohnt sich, neugierig zu werden und weitere Informationen bei der Stadtverwaltung Kaiserslautern - Verkehrs- und Informationsamt - Rathausplatz (Postfach 1320), 67653 Kaiserslautern, Telefon: 0632-3654316, einzuholen.

Da gibt es den Wasgau-Wanderweg ganz im Südwesten der Pfalz mit 135 km (6 Übernachtungen), dem wir wegen seiner besonderen Schönheit einen eigenen Beitrag widmen wollen (siehe nächsten Beitrag).

Nördlich schließt sich der Pirminius-Wanderweg mit 120 Kilometern (6 Übernachtungen) an. Er führt im wesentlichen rund um die bedeutende Schuhstadt Pirmasens durch herrliche Wälder über viele pfälzer Gemeinden, in denen Schuhe hergestellt und käuflich erworben werden können. Eckpunkte dieses Weges sind die Ruine "Gräfenstein" bei Leimen, eine der besterhaltenen Burganlagen der Pfalz mit dreigeschossigem Palas und siebenseitigem Bergfried, der 607 m hohe "Weißenberg" mit dem Luitpoldturm, von dem man einen einzigartigen Rundblick über den Pfälzerwald hat, und der "Hermersbergerhof", das bekannteste Wintersportgebiet der Pfalz. Die Gesamtroute führt durch viele romantische Täler und vorbei an alten Mühlen, von denen einige noch heute in Betrieb sind.

Der Barbarossa-Wanderweg mit 80 Kilometern (4 Übernachtungen) führt rund um Kaiserslautern, das Oberzentrum der Westpfalz. Besonders sehenswert sind die Ruine der Stauferburg Hohenecken und das Karlstal, das als das schönste Tal des Pfälzerwaldes gilt; über einen schmalen Fußweg kann man die märchenhafte Schönheit der Schlucht entdecken. Johanniskreuz und Hochspeyer sind wohlklingende Namen von Orten, die an der Strecke liegen.

Neun Burgen haben dem Burgen-Wanderweg mit 103 Kilometern (6 Übernachtungen) den Namen geliehen. Die Burgengruppe Altdahn, Tanstein und Grafendahn bei dem Städtchen Dahn ist eine der größten Burgenanlagen der Pfalz. Berwartstein, Wegelnburg und Gräfenstein sowie Hohenburg jenseits der Grenze zum Elsaß sind weitere klingende Burgennamen. Der Wanderweg selbst erschließt in einem ausgedehnten Waldgebiet die bersonderen Naturschönheiten des Gräfensteiner Landes, des Dahner Felsenlandes, des Wasgaus und des Westrichs.

Der Herzog-Christian-Wanderweg mit 100 Kilometern (5 Übernachtungen) führt im äußersten Westen durch abwechslungsreiches Feld-, Wiesen- und Waldlandschaften mit einer Vielzahl von alten Kulturstätten. Besonders zu erwähnen sind der Ohmbachstausee, der Remigiusberg mit der Michelsburg, der Potzberg mit Wildpark und großartiger Aussicht vom Turm und die Burg Lichtenberg bei Thallichtenberg, die mit 425 m Länge eine der größten Burgenanlagen Deutschlands ist und heute über eine Jugendherberge und eine Burgschenke verfügt.

Der Musikantenland-Wanderweg mit 95 km Länge (6 Übernachtungen) schließt sich nördlich an in einem Gebiet, wo musikalische Tradition zu Hause ist Im Landkreis Kusel in einer abwechslungsreichen und reizvollen Landschaft gelegen und um das Gebiet des Glan mit seinen Orten Altenglan, Offenbach-Hundheim und Lauterecken bietet es vielfältige Möglichkeiten der Erholung. Die Lauterschleife bei Hohenöllen, die Benediktiner-Propstei-Kirche in Offenbach-Hundheim und Schloß Veldenz in Lauterecken verdienen eine besondere Erwähnung.

Der Donnersberg-Wanderweg ist mit 60 km und 3 Übernachtungen die kürzeste der Wanderrouten. Im Nordosten der Pfalz im Donnersbergkreis mit der Hauptstadt Kirchheimbolanden gelegen, führt er zum höchsten Gebirgsstock der Pfalz, dem Donnersberg. Schon die Kelten haben hier Spuren hinterlassen und einen Ringwall angelegt. In Kirchheimbolanden lohnt sich ein Besuch in der Paulskirche mit der original erhaltenen Stumm-Orgel. In Dannenfels ist eine 650jährige Edelkastanie zu bewundern, deren Stammumfang 8,5 m mißt. Die ersten Weinberge auf den bisherigen Routen erlebt man im Zellertal und im Alsenztal.

Landstuhl und Zweibrücken in der Pfalz sowie Homburg jenseits der saarländischen Grenze sind die Hauptorte des Saarpfalz-Wanderweges im Westen der Pfalz. Sechs Übernachtungen sind notwendig für die 125 km lange Route. Die Sickinger Höhe erinnert an Franz von Sickingen und ist eine der reizvollsten Landschaften der Westpfalz. Sehenswert ist die Stadt Zweibrücken, die Stadt der Rosen, deren Rosengarten mit 60 000 Rosenstöcken und 2 000 Sorten einer der bedeutendsten in Europa ist. Ein barockes Schloß und ein Gestüt gibt es ebenfalls dort.

120 km lang ist auch der Kelten- und Weinwanderweg (6 Übernachtungen) südlich von Kirchheimbolanden, der durch den Stumpfwald, das Leininger Land, teilweise entlang der Deutschen Weinstraße und durch das Weinbaugebiet Zellertal mit malerischen Winzerdörfern, die zur Einkehr einladen, verläuft. Alt- und Neuleinigen und Grünstadt sind bekannte Orte an der Route. Die Kombination von Waldwanderwegen und Wegen durch Weinberge ist besonders reizvoll.

 

Schließlich erstreckt sich das Gebiet des Pfalzgrafen-Wanderweges mit 108 km Länge (6 Übernachtungen) durch das Gebiet östlich und südlich von Kaiserslautern, in den "Kernzonen

Ruine Drachenfels südlich von Busenberg bei Dahn

 

 

des Pfälzerwaldes, in dem man "die Seele baumeln lassen kann". Der Luftkurort Trippstadt mit dem Schloß aus dem 18. Jahrhundert, Johanniskreuz mit seinen mächtigen Steineichen, die Wasserscheide zwischen Rhein und Mosel, der 609 m hohe Eschkopf sowie die Burgruinen Elmstein, Frankenstein und Diemerstein liegen in herrlichen Wäldern an der Strecke.

Alle diese kurz beschriebenen Strecken können mit "Wandern ohne Gepäck" beim Verkehrs- und Informationsamt in Kaiserslautern gebucht werden. Dadurch hat man keine Probleme mit der Quartierbeschaffung. Alle Wege können aber auch "auf eigene Faust" erwandert werden. Die Beschilderung und Auszeichnung der Wanderwege ist dank der vorzüglichen Arbeit des Pfälzerwald-Vereins vorbildlich.

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Wasgau-wandern - wunderbar

(II.03) - Nachdem wir in den ersten beiden Beiträgen eine Kurzübersicht über zehn Westpfalz-Wanderwege gegeben haben, wollen wir heute - wie versprochen - dem Wasgau-Wanderweg (Nr. 1) wegen seiner besonderen Schönheit einen eigenen Beitrag widmen.

Der Weg mit dem grünen W im Land der grünen Wälder mit den roten Felsen und den Felsenburgen und im grenznahen Bereich zum Elsaß kann in fünf (110 km) oder in sechs (125 km) Etappen erwandert werden. Bei Buchung "Wandern ohne Gepäck" beim Verkehrs- und Informationsamt der Stadtverwaltung Kaiserslautern sind Hinterweidenthal (an der B 10), Dahn oder Erfweiler, Rumbach, Ludwigswinkel und Eppenbrunn - bei sechs Tagen zusätzlich die elsässische Gemeinde Niedersteinbach - Übernachtungsstationen.

Die Route führt am ersten Tag über 22 km mit 500 m Steigungen von Hinterweidenthal über Hauenstein nach Dahn (oder Erfweiler) fast nur durch Waldgebiete. Die Aussichtspunkte Backelstein (364 m) und Hühnerstein (456 m), den man über eine steile Eisenleiter erklimmen kann, liegen am Weg.

Ebenso die 550 Jahre alte Dicke Eiche mit einem bewirtschafteten Wanderheim in der Nähe. Einkehrmöglichkeiten gibt es in Hauenstein und Erfweiler. Der Fremdenverkehrsort Dahn ist der Hauptort des nach ihm benannten Felsenlandes mit den mächtigen Burgruinen "Altdahn" und "Neudahn" und dem sagenumwobenen Jungfernsprung, einer 72 m hohen senkrecht abstürzenden Felswald sowie den bizarren Kletterfelsen des Hochsteins.

Am zweiten Tag führt der Weg über 20 km und 550 m Steigungen durch Feld und Wald nach Rumbach. Hinter Busenberg sollte man kurz nach dem Eintritt in den Wald den Aufstieg zur Felsenburg Drachenfels, deren höchsten Punkt man nicht nur über Treppen, sondern auch über Leitern erklimmen muß, nicht versäumen. Aber es lohnt sich: Von ganz oben hat man eine herrliche Aussicht über die sich hintereinander aufbauenden bewaldeten Rücken des Pfälzer Waldes. Etwa zwei Kilometer weiter ist linker Hand ein Abstecher nach Erlenbach mit der Burg Berwartstein (elf Stockwerke mit einem 104 m tiefen Brunnen, Burgmuseum und Führung) - der einzigen historisch wieder aufgebauten Burg der Pfalz - zu empfehlen. Zwei Kilometer langsam ansteigend geht es zurück auf die ursprüngliche Route, dem Weg nach Bärenbach folgend, vorbei an der Schutzhütte des 491 m hohen Jüngstberges, zum Etappenziel Rumbach. Einkehrmöglichkeiten gibt es in Busenberg, Erlenbach und Bärenbach.

Über die sehenswerte Ruine Wegelnburg (mit 570 m die höchstgelegene Burg der Pfalz, von der man einen phantastischen Rundblick genießt) und über die Grenze zum Elsaß gelegene Hohenburg führt die dritte Etappe von Rumbach nach Ludwigswinkel über eine Strecke von 22 km mit 640 m Steigungen fast nur durch herrlichen Hochwald. In Schönau (einzige Einkehrmöglichkeit dieses Tages) gibt es mehrere lohnende Wege, um nach Ludwigswinkel zu gelangen. Entweder nordwestwärts direkt nach Petersbächel oder westwärts - weitgehend entlang der deutsch-elsässischen Grenze - über den Wegelsbacher Hals, das Friedenskreuz und den Florenberger Hals dorthin. Von hier führt der Weg über den Pfälzer Woog und nördlich vorbei am Lindelskopf nach Ludwigswinkel.

Bei der Sechs-Tages-Tour führt die dritte Etappe über 18 km und 550 m Steigungen alternativ ins elsässische Niedersteinbach - vorbei oder über die Ruinen Hohenburg und Löwenburg sowie Fleckenstein. Von Fleckenstein kann man einen kurzen Abstecher zu dem weithin bekannten Gimbelhof machen, einem Spitzengasthof mit französischer und elsässischer Küche. Die sehr schöne und abwechslungsreiche Route führt nur durch Wälder oder über Wege am Waldrand. - Der anschließende alternative 4. Tag (13 km mit 500 m Steigungen) führt von Niedersteinbach ausschließlich durch Wald über die Ruine Wasigenstein und den 513 m hohen Maimont (deutsch-französischer Grenzberg mit vorchristlicher Kultstätte) sowie weiter über das Friedenskreuz und über einen Zick-Zack-Weg hinab zum Florenberger Hals nach Ludwigswinkel.

Von Ludwigswinkel führt die längste Etappe der gesamten Tour (25 km und 240 m Steigungen) nur durch Wald nach Eppenbrunn (keine Einkehrmöglichkeit!) Diese lange Tour durch das Faunertal und Dielbachtal, vorbei am Reitersprung zum Wanderheim Hohe List (nur am Wochenende bewirtschaftet!) und weiter über den Wanderparkplatz an der Eselssteige, über die Eichels-First durch herrlichen Eichenwald zur deutsch-elsässischen Grenze - dieser sechs Kilometer folgend - und über den Staffelskopf zu den berühmten Altschloßfelsen kurz vor Eppenbrunn, kann jedoch auch abgekürzt werden. Man hat die Möglichkeit, über den Wanderweg mit dem grünen Balken über Schöntal zum Wanderparkplatz an der Eselssteige zu gelangen und auf dem selben Weg weiter nach Eppenbrunn. Die längere ist aber die erheblich schönere Route. Obwohl immer im Wald ist sie sehr abwechslungsreich. Besonders sehenswert sind die Altschloßfelsen, ein Naturdenkmal aus Buntsandstein (mehr als 1 km lang) - eine schon im Mittelalter als Festung benutzte Felsgrupe mit ausdrucksvollen Bastionen und Felstoren, an denen man auf keinen Fall vorbeigehen sollte.

Auf der letzten Etappe von Eppenbrunn nach Hinterweidenwald (22 km und 230 m Steigungen) geht es zunächst nur aufwärts über den Ransbrunnerhof zum Kettrichhof. An der folgenden Wegegabelung nach Obersimten führt der Weg nach rechts immer durch den Wald (kaum Höhenunterschiede) zum Waldhaus Drei Buchen (am Wochenende geöffnet) und weiter nach Lemberg. Unterwegs geht es vorbei am Keimskreuz und dem Rothenberg mit herrlichen Felsgebilden. Über Lemberg (bietet sich zur Mittagsrast an) erhebt sich die gleichnamige Burgruine. Von Lemberg führt der Weg vorbei am Rabenfels und Maiblumenfels auf zum Teil engem Waldweg hinab nach Salzwoog. Von dort aus geht es auf fast nicht nicht enden wollendem Weg immer am Salzbach vorbei nach Hinterweidental. Kurz vor dem Zielort erhebt sich aus dem Salzbachtal aufsteigend der Teufelstisch, eines der bekanntesten Felsgebilde des Wasgaus.

Diesen Wasgau-Wanderweg bin ich selbst - jeweils mit unterschiedlicher Begleitung - dreimal gegangen: Im Frühling und im Herbst. Beide Jahreszeiten bieten sich an. Im Frühling ist das aufblühende helle Grün der Buchen- und Eichenwälder (auch viele Eßkastanienbereiche gibt es dort) ebenso faszinierend wie im Herbst der von hellrot bis dunkelbraun sich ständig verfärbenden Laubgehölze. Und nicht nur die Natur ist es, die den Wasgau so schön erscheinen läßt. Freundliche und aufgeschlossene Menschen - Pfälzer halt - sind es auch, die einem durch reichhaltige und schmackhafte Angebote aus Küche und Keller einen angenehmen Aufenthalt bereiten und die Bereitschaft erwecken wiederzukommen.

   

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 Moselhöhenweg  von Trier nach Koblenz

(II.04) - Unseren Wanderfreunden haben wir bisher in vier Beiträgen den Schwarzwald und den Pfälzer Wald vorgestellt und - so hoffen wir - Neugier erweckt. Heute möchten wir in eine andere Region gehen, die allerdings - ebenso wie die Pfalz - mit dem herrlichsten aller Getränke, dem Wein, nicht nur eng verbunden, sondern von ihm abhängig ist. Und das schon seit fast 2000 Jahren; denn die Römer waren es, die den Wein nordwärts über die Alpen brachten und ihn in der Gegend von Trier (der ältesten Stadt Deutschlands) an den sonnigen Hängen der Mosel kultivierten. Wir möchten Ihr Interesse also auf den "Moselhöhenweg" lenken, eine beachtliche Wanderstrecke rechts der Mosel (auf der südlichen Hunsrück-Seite) und links der Mosel (nördliche Eifel-Seite), die im so genannten Rheinischen Schiefergebirge links des Rheins in West-Ost-Richtung - teils im Tal, teils auf den angrenzenden Höhen - von Trier nach Koblenz verläuft (natürlich ist die Strecke auch in entgegengesetzter Richtung zu begehen).


Blick auf Trittenheim


Ein weißes M auf schwarzem quadratischem Grund ist das Markierungs- und Orientierungszeichen dieses Wanderweges, der vom Hunsrückverein und vom Eifelverein mit viel Mühe geschaffen worden ist und heute in Zusammenarbeit mit dem Fremdenverkehrsverband Rheinland-Pfalz e.V. (Anschrift: Löhrstraße 103, 56068 Koblenz; Tel.: 0261-915200, Fax: 0261-9152040) "vermarktet" wird. Wanderkarten mit eingezeichneten Wanderwegen können als topographische Karten 1:50000 beim Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz (Anschrift: Ferdinand-Sauerbruch-Straße 15, 56073 Koblenz; Tel.: 0261-4921, Fax: 0261-492492) bezogen werden. Aber auch einige Fremdenverkehrsorte an der Mosel haben Wanderkarten (oft im Maßstab 1:25000) herausgegeben.

Der Moselhöhenweg ist eine anspruchsvolle Strecke: Auf der Hunsrück-Seite 186 km und auf der Eifel-Seite 150 km lang - mit Tagesetappen von elf bis 28 km. Mindestens 17 Tage muss man wandern, will man die gesamte Route auf beiden Seiten der Mosel bewältigen. Die Strecke ist aber nicht nur teilbar in neun Etappen rechts der Mosel und acht Etappen links der Mosel, sondern die Konzeption des Weges lässt auch Einzelwanderungen (Tagestouren) zu, weil die Etappenziele (und damit die Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten) - von wenigen Ausnahmen abgesehen - immer im Tal, in Winzerorten direkt am Fluß liegen.


Das "Römische Weinschiff" in Neumagen 


Wegen der Länge der beiderseits der Mosel verlaufenden Route ist es nicht möglich, an dieser Stelle jede Tagesetappe einzeln zu beschreiben; wir hoffen, dass die Leser hierfür Verständnis aufbringen. Generell aber ist zu sagen, dass es eine sehr abwechslungsreiche und interessante Wanderstrecke ist, die neugierig macht. Sie verläuft im Tal und auf den Höhen, führt durch Wälder, Wiesen und Felder und durch Weinberge, viele Burgen oder Burgruinen liegen am Weg mit zum Teil herrlichen Aussichtspunkten (besonders schön von der Terrasse des Zummethof auf den Moselbogen von Trittenheim und von der Marienburg im Zentrum der großen Moselschleife von Zell) und schließlich gibt es in den Moselorten viele gemütliche Gasthöfe und Weinwirtschaften, in denen sich gut essen und trinken läßt. Wer im Herbst wandert, kann in den vielen "Straußwirtschaften" - in anderen Gebieten auch "Besenwirtschaften" genannt - einkehren, in denen die Winzer Selbstvermarkter sind und deshalb ihre eigenen Weine und "Brotzeiten" besonders günstig anbieten. Und dabei wird mancher Wanderer irgendwann einmal zu der Erkenntnis kommen, dass nicht nur der letzte Kilometer, sondern auch das letzte GlasWein "zu viel" gewesen ist.


  

Das "schmale Haus" am Marktplatz in Bernkastel

 

 

 


Wer die Mosel erstmals erlebt, wird sich wundern, wie steil hier die Weinberge sind. Da gibt es keine Ähnlichkeit mit den Weinbergen in der Pfalz oder in der Ortenau im Schwarzwald. Mühsam ist die Bewirtschaftung, und trotzdem sind die Weine nicht teurer als in anderen Weinbaugebieten. Besondes zu empfehlen ist der edle Riesling, der König aller Weine, der für die Mosel so typisch ist wie in keiner anderen Weinregion. Aber auch andere gute Tropfen gibt es hier und ebenso viele bekannte Weinlagen. An der Spitze der Bernkasteler Doktor (davon gibt es aber nicht viel, und deshalb wird man ihn auch auf keiner Weinkarte finden), aber auch Klüsserather Bruderschaft, Trittenheimer Altärchen, Piesporter Goldtröpfchen, Wintricher Großer Herrgott, Brauneberger Juffer, Graacher Himmelreich, Wehlener Sonnenuhr, Trabener Würzgarten, Briedeler Herzchen, Bremmer Calmont (wohl der steilste Weinberg in Deutschland), Ediger Osterlämmchen, Winninger Uhlen, Gülser Bienengarten oder Moselweißer Hamm. Man wird sie nicht alle probieren können - aber wenigsten schwärmen kann man davon.  


                     

  "Christus in der Kelter" in der Kapelle oberhalb Ediger   

 

 

 


Wer den Moselhöhenweg geht, sollte sich auch Zeit lassen, um in den heiteren Städtchen und Gemeinden Schönheiten und Geheimnisse zu entdecken. Wer wird nicht begeistert sein von der Intimität Beilsteins (in meinen Augen eine Perle unter den schönen Moselorten) mit Burg Metternich (13.-15. Jh.), von dem malerischen Bernkastel-Kues, der Geburtsstadt des weltberühmten mittelalterlichen Gelehrten und Kardinals Nikolaus Cusanus (1401 - 1464), und dem fast ebensolchen Traben-Trarbach, oder der vom Tourismus leider etwas überlaufenen Kreisstadt Cochem mit der sehenswerten Reichsburg, oder den weinseligen Winzerorten Kröv, Alken und Winningen. Aber nicht nur diese, auch viele andere Winzerorte haben einen unwiderstehlichen Charme, enge, verträumte Gassen, herrschaftliche Höfe und Fachwerkhäuser - viele Fachwerkhäuser.

 

 

 

Burg Eltz im Eltzbachtal bei Moselkern

 

 

 

 

 


Auch Sehenswürdigkeiten sollte man nicht versäumen: Das Römerweinschiff in Neumagen, dem ältesten Weinort Deutschlands, der "Bilderbuch"-Marktplatz in Bernkastel, das St.-Nikolaus-Hospital im Bernkasteler Stadtteil Kues mit Kapelle (ein Edelstein spätgotischer Baukunst) und Bibliothek mit ca. 3000 Bänden, darunter 270 Handschriften des 9. bis 15. Jahrhunderts (ehemals im Privatbesitz des Nikolaus Cusanus), die Kreuzkapelle hoch über Ediger mit dem weitbekannten Steinrelief "Christus in der Kelter", die romanische Stiftskirche St. Kastor (11.-13.Jh.) in Karden, die sehenswerte und herrliche Burg Eltz (11.-12. Jh.) in einem Seitental bei Moselkern, die gut erhaltene Ehrenburg (1120) über Brodenbach ebenso wie die Burg Thurant (um 1200) über Alken und nicht zuletzt über Kobern die Matthiaskapelle, ein sechseckiger Zentralbau aus dem 13. Jahrhundert.

 

 

Burg Thurant über Alken 

 

Schließlich ist an der Mosel auch fast ganzjährig für Unterhaltung gesorgt. Vom Frühjahr bis zur Weinlese gibt es etwa 100 Weinblüten- und Weinfeste, die jeweils viele Gäste anziehen; im Frühling auch die "Tage der offenen Weinkeller" mit Möglichkeiten zur Kellerbesichtung für jedermann. Weinlehrpfade vermitteln Wissen über den Wein und den Weinanbau und letztlich kann man auch an Weinseminaren und Weinproben teilnehmen. Nach anstrengenden Wanderungen wird mancher solche Angebote dankbar annehmen von einer aufgeschlossenen und freundlichen Bevölkerung an der Mosel, aus deren Mund das "Moselfränkische" auch heute noch unüberhörbar ist.

Die "Eckpfeiler" des Moselhöhenweges, die Städte Trier und Koblenz, sollen an dieser Stelle nicht besonders beschrieben werden. Aber wer Zeit hat, sollte es nicht versäumen, sich auch ihnen zu "widmen". Beide sind römischen Ursprungs und mehr als 2000 Jahre alt. Es lohnt sich, in diesen geschichtsträchtigen Städten auf Entdeckung zu gehen.


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Tageswanderung im Eschachtal bei Rottweil 

(II.06) - Das Eschachtal bei Rottweil zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb ist - wie das Eisenbachtal - eine der schönsten Tageswanderungen, die wir bisher gemacht habe. Natur pur wird man feststellen, wenn man es von Horgen bis zum Eckhof durchwandert. Es ist ein äußerst abwechslungsreiches Gebiet mit vielen wertvollen Biotopen, seltenen Tieren und Pflanzen und Wachholderheiden, wenn auch etwas kleiner als auf der Schwäbischen Alb - aber trotzdem nicht weniger reizvoll.

Wasserspiegelung in der Eschach

 

 

Die Eschach - ein kleiner Wasserlauf - schlängelt sich mäandrierend in einem zum Teil recht tiefen Taleinschnitt durch eine Wald-, Wiesen- und Heidelandschaft. Es ist eine Landschaft, in der man im Frühling die Küchenschelle, im Herbst die Silberdistel antrifft; eine Landschaft, in der man - wenn man Glück hat - dem Eisvogel, der Wasseramsel und Vertretern der "Roten Liste", z.B. Raubwürger und Neuntöter sowie dem seltenen Wendehals begegnen kann. Hinter jeder Wegebiegung erlebt man neue Eindrücke, über kleine Brücken mehrfach von der einen auf die andere Seite des Flüßchens wechselnd, und so wird es nie "langweilig" auf der Wanderung mit einem lohnenden Ziel: dem Eckhof - einer genüßlichen Einkehrmöglichkeit mit deftigen Gerichten aus der Region zu fast unglaublich günstigen Preisen.

Die bequeme Wanderung über gut beschilderte Wege und fast ohne Steigungen beginnt in Horgen, einem Ortsteil von Zimmern ob Rottweil und verläuft - wie schon gesagt - bis zum Eckhof. Das sind etwa 7,5 Kilometer. Da es von hier aus eine Rückfahrmöglichkeit nicht gibt (es sei denn, man ruft ein Taxi aus Rottweil), empfiehlt sich die Wanderung zurück nach Horgen auf demselben Weg, auf dem man dann wieder Dinge erleben kann, die man auf dem "Hinweg" nicht gesehen hat. - Der Einstieg erfolgt in Horgen, dem 750-Einwohner-Ort an der deutschen Uhrenstraße, am Hotel "Linde-Post" in der Alten Hausener Straße. Er verläuft zunächst leicht ansteigend, vorbei an den letzten Häusern der Gemeinde zum Scheitelpunkt, den man nach etwa 700 Meter erreicht. Auf der mit blau-gelber Raute ausgewiesenen Weg geht es dann in den Wald hinein abwärts zur Eschach. Nach weiteren 500 Metern halten wir uns an der Wegegabelung nach rechts. Nun folgen wir dem Weg am Waldesrand, den Wald linker Hand, rechts ein Wiesental, bis wir nach knapp einem Kilometer wieder in den Wald eintreten, zunächst leicht steigend, dann wieder abwärts zu einer Holzbrücke, über die wir die Eschach überqueren und auf eine lichte Wiese kommen. Auf der anderen Seite der Wiese geht es erneut leicht ansteigend in den Wald. Nach kurzer Zeit bedeutet uns eine Gedenktafel, daß wir uns bei den Resten der Ruine Wildenstein befinden.

  

Eckhof im Eschachtal bei Rottweil

 

 

 

 

Von hier aus halten wir uns links und marschieren auf dem Weg mit der Markierung des liegenden Ypsilons wieder abwärts durch den Wald, bis wir zu einer Spitzkehre gelangen, der wir auch folgen und in einem weiten Bogen - rechts der aufsteigende Wald, links die Eschach mit dem Wiesental - wieder eine Brücke über die Eschach erreichen, an der wir allerdings vorbeigehen und uns - immer die Eschach zur linken Hand - leicht ansteigend dem landwirtschaftlichen Gehöft Unterrotenstein nähern. Dieses lassen wir rechts liegen und steigen wieder hinab. Nach etwa 600 Meter erreichen wir erneut eine Brücke.

 

Hotel Linde-Post in Horgen

 
 

Über diese überqueren wir die hier mit einer Furt versehene seichte Eschach, erkennen auf der anderen Seite die Ruine eines ehemaligen Wohnhauses und halten uns hier rechts - die Eschach nunmehr zur rechten Hand - tauchen kurz wieder in den Wald ein, um nach etwa 400 Meter erneut die Eschach unmittelbar zu erreichen. Hier erblicken wir links den hoch und weit gezogenen Wiesenhang mit der Wacholderheide, an deren Ende wir auf einen Fahrweg gelangen. Diesem folgen wir nach links und erreichen nach 200 Meter den Wendepunkt Eckhof, in den wir zur Rast einkehren können (bei sonnigem Wetter im Biergarten, sonst in der Gaststube).

Nach einer angemessenen Pause und einer Stärkung können wir wieder den Rückweg nach Horgen nehmen. Eine Einkehr (evtl. auch Übernachtung) im Hotel Linde-Post (Donnerstag ist Ruhetag) in einer freundlichen und angenehmen Atmosphäre könnte der wohltuende Abschluß eines sehr schönen Wandertages sein.

 

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Eisenbachtal bei Montabaur im Westerwald

 

(II.05) - Die kalten Winde, die nach dem bekannten Lied angeblich im Westerwald, dem nordöstlichen Teil des rheinischen Schiefergebirges wehen, sind nicht kälter als anderswo. Uns so wird man sich nur im Winter warm anziehen müssen. Im übrigen entspricht das Westerwaldklima durchaus den klimatischen Verhältnissen der übrigen deutschen Mittelgebirgslandschaften.

Ausgangspunkt der Wanderung ist der Parkplatz gegenüber Großholbach an der Bundesstraße 49 zwischen Montabaur und Limburg/Lahn. Von hier aus geht es auf einem bequemen Waldweg (G 5), vorbei an einem Sportplatz (rechts) und einem Arboretum (links), etwa zwei Kilometer in südwestlicher Richtung bis zu einer Wegegabelung, an der man nach rechts ziemlich steil ins Holbachtal hinabwandert, welches man nach gut 250 Meter erreicht. In einer scharfen Rechtskurve empfiehlt es sich, den Holbach aufwärts zu wandern, den man bei nächster Gelegenheit überquert und auf der anderen Seite wieder abwärts geht. Kurz danach erreicht man eine Kapelle, im Volksmund „Bildcheseich" genannt. Ein in die Kapelle eingearbeiteter, ja umbauter Eichenstamm, in den ein Marienbildnis geschnitzt ist, führte zu dem Namen. Dem Wegeverlauf (G 6) weiter folgend, erreicht man nach knapp 400 Meter den Ahrbach, der - von rechts kommend - in den Holbach mündet. Den Ahrbach überquert man auf einer Holzbrücke, und über die Wiese gehend erreicht man den Wanderweg, der nach links zum Wallfahrtsort Wirzenborn im Gelbachtal führt. An dieser Stelle empfiehlt es sich, sich nach rechts zu halten und langsam im Wald ansteigend (H 3) dem Ahrbach aufwärts zu folgen.

 

Holzbrücke über den Holbach, der in den Gelbach fließt

 

Nach etwa 1,5 km verläßt man den Wald und erreicht linker Hand ein freies Feld. Hier befinden wir uns wieder kurz vor der Bundesstraße 49 von Montabaur nach Limburg. Wir verlassen diesen Weg und gehen nach links immer am Waldrand vorbei bis zum „Hohen Horn" (277m), treten dort wieder eine kurze Strecke in den Wald ein und wandern halblinks auf die nächste Waldspitze zu, die wir nach etwa 250 Meter erreichen. Von dort aus gehen wir halbrechts - den Wald immer an der rechten Seite - bis zum nächsten Querweg (4a) zu einer hohen Baumgruppe (Naturdenkmal). Diesem leicht abfallenden Weg folgen wir nach links. Am Wegrand sind viele Bildstöcke aufgestellt, die darauf hinweisen, daß wir uns auf dem Wege zum Wallfahrtsort Wirzenborn befinden, den wir nach einem knappen Kilometer erreichen (Wendepunkt der Wanderung). In Wirzenborn bietet die Gastwirtschaft „Wirzenborner Liss" eine vorzügliche Möglichkeit zur Einkehr. Die angebotenen Speisen, zum Teil aus der Region, sind wirklich zu empfehlen.

 

im Gelbachtal bei Wirzenborn

 

Wir durchqueren Wirzenborn und folgen dem Weg 4a/W2 in einem herrlichen Laubengang - den Gelbach immer rechts an unserer Seite -, überschreiten nach rechts den in den Gelbach mündenden Holbach über eine Holzbrücke, folgen dem Weg weiter entlang des Gelbachs und treten nach gut zwei Kilometer aus dem Wald heraus auf eine Wiese. Auf der anderen Seite dieser Wiese gehen wir über eine Steinbrücke, die den Eisenbach überspannt, der hier in den Gelbach mündet. Rechter Hand sehen wir auf der Anhöhe den Ort Reckenthal. Wir wenden uns aber in einer Spitzkehre nach links und folgen - leicht ansteigend in den Wald - dem Eisenbach, den wir von hier ab stets links neben uns haben. Diesem Weg (rotes Dreieck/G5/IV) folgen wir immer durch den Wald, bis wir nach etwa 2,5 Kilometer die Kautenmühle (nicht bewirtschaftet) erreichen.

Von hier aus haben wir zwei Möglichkeiten, um zum Ausgangspunkt zurückzukommen. Wenn wir den kürzeren Weg wählen, durchqueren wir nach links die Kautenmühle, überqueren den Eisenbach und steigen auf der anderen Seite zunächst in einer Rechtskurve, dann in einer Linkskurve in den Wald hinauf (rotes Dreieck). An der Stelle, an der wir aus dem Wald heraustreten, gehen wir geradeaus weiter, haben den Waldrand immer zur linken Hand und erreichen bald wieder den Parkplatz, von dem ab wir die Wanderung begonnen haben.

Die andere Möglichkeit führt uns von der Kautenmühle geradeaus weiter am Eisenbach vorbei zur Studentenmühle mit guter Einkehrmöglichkeit. Hier überqueren wir den Eisenbach in Richtung Freimühle (ebenfalls gute Einkehrmöglichkeit), die wir schon nach 300 Meter erreichen. Folgen wir von hier aus dem Weg nach Kleinholbach, ist es nicht mehr weit bis zur Bundesstraße 49, auf die wir nach links einbiegen und nach etwa 500 Meter wieder unseren Ausgangsparkplatz erreichen.

Die gesamte Wanderung (etwas längere Strecke über die Freimühle) ist etwa 14 Kilometer lang und nicht sonderlich beschwerlich. Es ist eine der schönsten Tagewanderungen, die ich je gemacht habe. Die Wege sind zufriedenstellend ausgezeichnet. Trotzdem ist die Wanderkarte des Naturparks Nassau, Blatt 2 (Nord), Verbandsgemeinden Montabaur und Höhr-Grenzhausen, im Maßstab 1:25000, herausgegeben vom Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz, empfehlenswert.

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Wandern in Spessart - Von Rieneck zur Bayerischen Schanz

(II-07) -  Wer denkt nicht, wenn vom Spessart die Rede ist, an das berühmte "Wirtshaus im Spessart" mit seinen Räubergeschichten - und mancher, der von Holzwirtschaft etwas versteht oder zumindest etwas gehört hat, an die berühmten "Spessart-Eichen". Der Spessart - besser: Naturpark Spessart - ist mit seinen ausgedehnten Wäldern ein unvergleichliches Wandergebiet. Und wer dort noch nicht seine Stiefel geschnürt hat, sollte dies einmal versuchen. jahrhundertelang ein fast undurchdringlicher Forst hat der Spessart heute mit seinen gepflegten Wanderwegen nichts von seiner Ursprünglichkeit verloren. Einige gut ausgeschilderte Fernwanderwege und unzählige örtliche Wanderwege durchziehen ein ausgedehntes Waldgebiet in einem Mittelgebirge, das sich im wesentlichen von Aschaffenburg im Westen bis Gemünden am Main im Osten sowie von Miltenberg am Main im Süden bis hinauf nach Schlüchtern im Norden über ein Gebiet erstreckt, das anteilig zum Freistaat Bayern und zum Land Hessen gehört.

Von den unzähligen Wander- möglichkeiten möchte ich eine Tageswanderung beschreiben, die in dem kleinen Städtchen Rieneck mit einer intakten Burg aus dem 12. Jahrhundert beginnt, zur "Bayerischen Schanz" führt und von dort wieder zurück nach Rieneck. Rieneck liegt sechs Kilometer nördlich von Gemünden am Main, im sogenannten Sinngrund an dem Flüßchen Sinn, das kurz vor Gemünden die Fränkische Saale aufnimmt und unmittelbar danach in den Main mündet.

Wegen der Länge der Wanderung von 22 bis 24 km und einer Steigung von knapp 400 m ist es wohl eine mittelschwere aber ungefährliche Wanderung, die ganztägig nur durch Hochwald (Mischwald), teils auf geschotterten Fahrwegen und teils auf weichen Waldpfaden führt.

Die Wanderung beginnt am Parkplatz im Zentrum von Rieneck in der Nähe des Rathauses und der Kirche. Der Weg verläuft zunächst in nordwestlicher Richtung durch die innerörtliche Hauptstraße bis zum Schneckenweg, in den man linker Hand einbiegt. Hier beginnt der Wanderweg 1a, dem man, zunächst steil ansteigend,  bis zum Waldrand - vorbei am Wasserhochbehälter (rechts) - folgt und weiterführt, bis man den Wanderweg Nr. 1 erreicht. Diesem folgt man knapp 300 Meter nach rechts. Dann zweigt ein Waldweg, leicht ansteigend, nach links ab. Ein Hinweisschild "Bayerische Schanz" deutet darauf hin, daß man sich auf dem richtigen Weg befindet. Nach 200 m ist voraus schon die neue, im Jahre 2004 errichtete Schutzhütte zu sehen, an der man vorbei geht und kurz darauf den Höhenweg erreicht, der zur Bayerischen Schanz führt. Dieser mit einem "B" bezeichnete Weg weist kaum Höhenunterschiede auf und ist gut begehbar. Er führt fast nur durch Hochwald; aber nach etwa fünf km gibt er für zehn Minuten den Blick über eine Wiesenhöhe frei, von wo aus man über Ruppertshütten einen herrlichen Blick über die Spessarthöhen und -wälder genießen kann. Nach einer kurzen Wegstrecke erreicht man eine Wegegabelung, an der von rechts kommend der Wanderweg einmündet, der sowohl mit einem roten Andreaskreuz als auch mit einem roten Dreieck gekennzeichnet ist. Diese Wegegabelung wird möglicherweise für den Rückweg eine besondere Bedeutung haben.

Wir wenden uns zunächst aber nach links, bleiben auf dem Höhenweg B und erreichen nach etwa 2,5 km das Gast- und Rasthaus Bayerische Schanz, in dem wir uns - auch im Biergarten - mit Speisen und Getränken stärken können.

Beim Start zum Rückweg fällt unser Blick automatisch auf einen am Parkplatz Bayerische Schanz liegenden Baumstamm mit einem Durchmesser, wie ich noch nie einen gesehen habe. Das nebenstehende Bild beweist, daß er mindestens 1,75 m im Durchmesser mißt.

Wir gehen zunächst denselben Weg zurück, den wir gekommen sind. An der vorbeschriebenen Wegegabelung müssen wir uns entscheiden, ob wir dem B-Weg weiter folgen, oder einen anderen Weg vorziehen. Wollen wir einen anderen Weg zurückgehen, folgen wir an der Wegegabelung geradeaus dem Weg mit der Bezeichnung rotes Andreaskreuz und rotes Dreieck. Nach knapp einem Kilometer gabelt sich dieser Weg erneut. Hier nehmen wir die Variante nach rechts und folgen dem roten Dreieck Dieser Weg führt uns nach knapp 3,5 km über "Rotes Kreuz" und "Weißes Kreuz" zu einer weiteren Wegegabelung, in deren Spitze sich eine kleine, stark in Mitleidenschaft gezogene Hütte befindet. Von hier aus gehen wir die Alternative links (Wanderweg Nr. 2 und bezeichnet mit einem roten Pilz), den sogenannten Sternheckenweg, und folgen diesem Schotterweg bis hinunter nach Rieneck zur Wegespinne, wo Fliesenbachweg, Heegweg, Sternheckenweg, Trockenbachweg und andere Wege zusammenkommen.

Die hier befindliche örtliche Umspannanlage und den Kinderspielplatz lassen wir rechts liegen und folgen dem kleinen, eingefaßten Bachlauf der innerörtlichen Hauptstraße von Rieneck zurück zu unserem Parkplatz.

 

Alternative:

Bleiben wir an der vorbeschriebenen Wegegabelung (Andreaskreuz und Dreieck) jedoch auf dem Höhenweg B, den wir auch auf dem Hinweg gegangen sind, eröffnet sich nach etwa 4 km eine weitere Alternative des Rückwegs. Am Hinweisschild "nach Rieneck" wechseln wir leicht absteigend nach links auf den weiß-rot-weiß gekennzeichneten Waldweg, der uns zunächst wieder auf den Wanderweg Nr. 1 führt. Diesen Weg kreuzen wir entweder direkt (immer noch weiß-rot-weiß) oder wandern auf dem Weg Nr. 1 nach rechts bis zur linken Abzweigung auf den Wanderweg Nr. 1b, dem wir talwärts folgen. In beiden Fällen erreichen wir - vorbei an einer Gedenktafel - den Wanderparkplatz Fliesenbachtal. Diesem folgen wir nach rechts bis zur Rienecker Wegespinne wie zuvor beschrieben. Von dort aus zurück zum Parkplatz.

Wenn Ihr Interesse geweckt worden ist, versuchen Sie es einmal im Spessart. Es gibt unzählige, wunderschöne Wandermöglichkeiten; die Tour zur "Bayerischen Schanz" - diese liegt unmittelbar an der Grenze zwischen dem Freistaat Bayern und dem Land Hessen - ist nur eine Möglichkeit. Sie werden es sicher nicht bereuen!

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Der Rheinsteig - die neue Herausforderung
 
(II.08) - Unsere Serie "Reisen eine Freude - Wandern eine Lust!" wird heute um einen Beitrag erweitert, der einen Hinweis auf einen neuen attraktiven Wanderweg enthält: den „Rheinsteig“. Nicht zu verwechseln mit dem legendären thüringischen „Rennsteig“, einen der bedeutendsten Wanderwege Deutschlands überhaupt.

Der Rheinsteig ist das Ergebnis erfolgreicher Bemühungen auf dem Wege, das Rheintal noch mehr als bisher für das Publikum zu erschließen, nachdem das obere Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz mit seiner weltweit einmaligen Dichte von 40 Burgen, Festungen und Schlössern seit dem Jahre 2002 von der UNESCO als Welterbe der Menschheit anerkannt worden ist.  

Die neue Wanderstrecke Rheinsteig, erst am 8. September 2005 auf der Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz, gegenüber dem Zusammenfluß von Rhein und Mosel (am sogenannten „Deutschen Eck“ – während der Zeit des „Kalten Krieges“ Ehrenmal der Deutschen Einheit) vor mehr als 200 geladenen  Gästen eröffnet, beschränkt sich aber nicht auf das obere Mittelrheintal, sondern führt
 
Blick von der Festung Ehrenbreitstein auf den Zusammenfluss von Rhein und Mosel am "Deutschen Eck"
 
 
 
rechtsrheinisch von der hessischen Hauptstadt Wiesbaden bis nach Rüdesheim durch den Rheingau, weiter über den Taunus – südöstlicher Teil des Rheinischen Schiefergebirges - in das untere Mittelrheintal zwischen Koblenz und Linz (hierbei über die Höhen des Westerwaldes – nordöstlicher Teil des Rheinischen Schiefergebirges) und über das Siebengebirge mit dem legendären Drachenfels bis nach Bonn. Damit verläuft die neue 300 Kilometer lange Wanderstrecke durch drei Bundesländer: Hessen (90), Rheinland-Pfalz (180) und Nordrhein-Westfalen (30) und ist dabei mit dem bisherigen rechtsrheinischen „Rheinhöhenweg“, dem „Rheinburgen-Wanderweg“, dem „Limes-Wanderweg“ (auch der Limes bei Bendorf-Sayn und Bad Hönningen ist seit Juli 2005 Weltkulturerbe), dem „Rhein-Panorama-Weg“ und dem „Rheingau-Riesling-Wanderpfad“ vernetzt.
 
Als „ehrlich unverlaufbar“ wird er denn auch von der Projektleitung charakterisiert; denn man kann ihn bei der komfortablen, engmaschigen Wegemarkierung sehr gut erwandern. Ein weißes R auf blauem Grund ist die Rheinsteig-Markierung, die für R=Rhein und gleichzeitig für den geschwungenen Flußlauf steht, der von jeder Aussicht sichtbar ist. Dasselbe Zeichen auf gelben Grund weist auf eine Verbindung des Rheinsteigs mit den Ortsmitten der angrenzenden Gemeinden und den Bahnhöfen hin. Etwa 500 Wegweiserstandorte mit 1000 Wegweisern gibt es entlang der Strecke und an jedem Wegweiserpfosten ein Standortschild mit Angaben zur Meereshöhe und GPS-gestützt die Lage nach UTM-Koordinaten. Pictogramme, die Hinweise geben zu Möglichkeiten der Verpflegung und Übernachtung, auf Campingplätze, Bahnhöfe, Fähren und Schiffahrtsmöglichkeiten sowie Aussichtspunkten und historischen Bauwerken sind ebenso selbstverständlich.
 
Der Rheinsteig bietet großartige Naturerlebnisse. Auf überwiegend schmalen Wegen führt er durch ausgedehnte Weinberge im Rheingau, vorbei an schroffen Felspartien im oberen und unteren Mittelrheintal mit  beeindruckenden Ausblicken (z.B. von der sagenumwobenen „Loreley“) auf den Rhein und die Höhen des Rheinischen Schiefergebirges (linksrheinisch Hunsrück und Eifel) und schließlich auf federndem Waldboden durch stille Wälder und schattige Täler des Siebengebirges. Die meisten der am Wege liegenden  Burgen und Schlösser können besichtigt werden.
 
Diese neue Wegestrecke ist zweifellos eine Bereicherung des deutschen Wanderwegenetzes. Sie zu erwandern wird ebenso verlockend sein wie der Besuch der angrenzend, im Rheintal liegenden Weinbaugemeinden – eine Perlenschnur vom Rheingau (Eltville) bis hinunter nach Königswinter am Siebengebirge. Bekommen Sie nicht Lust bei den wohlklingenden Namen wie Oestrich-Winkel, Geisenheim, Schloß Johannisberg, Rüdesheim, Assmannshausen, St. Goarshausen, Braubach, Leutesdorf, Linz und Unkel. In all diesen Gemeinden (und auch anderen) wird hervorragender Wein unter den Gebietsbezeichnungen „Rheingau“ bzw. „Mittelrhein“ angebaut.      
                                                                                     
Informieren Sie sich und versuchen Sie es einmal! Nähere Auskünfte gibt es im Internet unter http://www.rheinsteig.de sowie bei den vielen Tourist-Informationen, die unter dieser Internet-Adresse aufgeführt sind.
 
Wanderkarten im Maßstab 1:50000 über den gesamten Verlauf des Rheinsteigs sowie einige Bereichskarten im Maßstab 1:25000 können bezogen werden über: Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz, Ferdinand-Sauerbruch-Str. 15, 56073 Koblenz; Tel.: 0261-482-0, Fax: 0261-492-492, E-Mail: poststelle@lvermgeo.rlp.de
 
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Wandern in deutschen Landen

mit unseren Freunden Helmut und Brigitte Kesselheim

(III.01) - Im Jahre 1984 kam die Idee auf, für jeweils zehn Tage in Deutschland gemeinsam zu wandern. Bis dahin haben wir - manchmal jedes Ehepaar für sich allein, manchmal aber auch zu viert - Wanderungen in der näheren oder weiteren Umgebung unternommen. Die Idee verfestigte sich und allen war klar, daß nur Ziele in Deutschland angesteuert werden sollten. Dies geschah in dem Bewußtsein, daß es in Deutschland unendlich viele unendlich schöne Gegenden, Landschaften und Städte gibt, die zu erwandern es sich lohnen würde. Inzwischen sind fast 20 Jahre vergangen, und es hat sich gezeigt, daß unsere erste Annahme richtig war. Wir denken, daß es nur einen geringen Prozentsatz von Menschen gibt, die "auf Schusters Rappen" so viele Landschaften von Deutschland gesehen haben wie wir. Dafür kennen wir uns aber auf den Malediven, in der Karibik, in Afrika, Australien, Neuseeland und Kanada nicht aus.

Brigitte Kesselheim

Helmut Kesselheim

So sind wir zu viert gewandert in West und Ost in Nord und Süd und haben hierbei viele schöne Dinge gemeinsam erlebt. Und fast immer haben wir Glück gehabt mit dem Wetter. Tage, an denen es "unerträglich" geregnet hat, können wir an einer Hand abzählen. - Und hier sind die Orte und Landschaften, die wir bisher auf unserem Wanderplan hatten:

Wanderzeit

Wohnung bezogen in gewandert in

10. - 17.04.1985

Marzling bei Freising/Obb. Isar-Auen; rund um Freising

September 1985

Oberharmersbach/Schwarzw. rund um den Brandenkopf; zwischen Glaswaldsee und Wolfach

22. - 28.09.1986

Wandern ohne Gepäck Rundwandern im Wasgau im Pfälzerwald

27.04. - 03.05.1987

Manderscheid/Eifel rund um Manderscheid, die Burgen und die Maare

20. - 29.10.1991

Bleialf/Westeifel rund um Bleialf, bei Prüm und entlang der deutsch-belgischen Grenze

21. - 30.04.1992

Waischenfeld/Fränk.Schweiz im Wiesent-, Aufseß- und Ailstal; auf den Höhen der Fränk. Schweiz

19. - 29.04.1993

Großalmerode/Nordhessen im Nordhessischen Bergland, rund um den Hohen Meißner

25.08. - 02.09.1994

Rieneck/Unterfranken im Spessart, rund um Rieneck und Gemünden/Main

25.04. - 01.05.1995

Wandern ohne Gepäck "Pyrminius"-Rundwanderung im Pfälzerwald
15. - 25.04.1996 Wenholthausen/Sauerland zwischen Eslohe und Meschede (1)
05. - 15.05.1997 Ostheim vor der Rhön rund um Ostheim bis nach Thüringen sowie um die Wasserkuppe
05. - 18.10.1997 Montecatini Terme Toscana u. Cinque Terre zwischen La Spezia, Pisa, Florenz bis Siena

23.12.97 - 02.01.1998

Fleckenberg/Sauerland im Winter rund um Fleckenberg-Schmallenberg

27.04. - 07.05.1998

Hayingen/Schwäb. Alb auf der Schwäbischen Alb bis Zwiefalten und Obermarchtal
12. - 18.02.1999 Wenholthausen/Sauerland zwischen Eslohe und Meschede (2)
10. - 20.05.1999 Wildenthal/Erzgebirge rund um den Auersberg zwischen Eibenstock, Sosa und Carlsfeld

27.12.1999 - 03.01.2000

Oberwolfach/Schwarzwald zum Jahrhundert-Wechsel (Millenium)

25.04. - 05.05.2000

Britten/Saarland im Hunsrücker Schwarzwald zwischen Mettlach und Britten
07. - 17.05.2001 Saalfeld a. d. Saale/Thüringen an der Saale, im Thüringer Wald und auf dem Rennsteig
04. - 17.06.2001 Inzell/Oberbayern in den Bergen rund um Inzell

29.04. - 09.05.2002

Herrischried/Hotzenwald im Hotzenwald (Südlicher Schwarzwald) bis zur Schweizer Grenze
29. - 31.07.2002 Rech a. d. Ahr von Altenahr nach Ahrweiler
04. - 14.09.2003 Nittenau/Oberpfalz im Oberpfälzer und Bayerischen Wald sowie am Regen

24.04.-03.05.2008

Bischofsheim-Haselbach/Rhön wandern in der Hochrhön

24.-30.05.2009

Dannenfels/Pfalz wandern am und um den Donnersberg

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Vater mit drei eigenen Söhnen: Wanderungen in deutschen Landen 


(III.02) - Die Idee der gemeinsamen Wanderungen mit unseren Freunden Helmut und Brigitte Kesselheim wurde ein Jahr später erweitert. Ich wollte ähnliches mit meinen drei Söhnen Markus, Rafael und Martin unternehmen. Nachdem die Söhne einverstanden waren - und auch meine Frau Marlies, ging es 1986 los. Und seitdem sind wir unterwegs in Deutschland, wobei es allerdings eine Schwierigkeit gab: Markus und ich wohnen in Neuhäusel bei Koblenz, Rafael in München und Martin 30 Kilometer von München entfernt in ostwärtiger Richtung. 

 

       
Markus Rafael Martin

 

 

Wegen der Anreise mußte deshalb immer ein Ausgangspunkt der Wanderung gefunden werden, der für alle eine ähnlich weite Anreise vorsah. Auch dauerten die Wanderungen nicht zehn Tage, sondern jeweils nur ein Wochenende von Freitag bis Sonntag. Bisher waren wir in folgenden Gegenden:

 

Wanderzeit

Wohnung bezogen in

gewandert

1986 Oberharmersbach/Schwarzwald über den Brandenkopf zum Käppelehof
12. - 14.06.1987 Hundelshausen/Steigerwald rund um Hundelshausen
1988 Handtal/Steigerwald rund um Handtal
1989 Handtal/Steigerwald rund um Handtal
1990 Gößweinstein/Fränkische Schweiz Wiesenttal, Behrigermühle und Pottenstein
1991 Waischenfeld/Fränkische Schweiz im Wiesent-, Aufseß- und Ailsbachtal
1992 Burgebrach/Steigerwald rund um Burgebrach
02. - 04.07.1993 Mainhardt/Hohenloher Land rund um Mainhardt
23. - 25.09.1994 Mainhard-Ammertsweiler/Hohenloher Land rund um Mainhardt
30.06. - 02.07.95 Rieneck/Spessart von Rieneck zur Bayerischen Schanz'
06. - 08.09.1996 Weibersbrunn/Spessart zwischen Weibersbrunn und Rotenbuch
18. - 20.07.1997 Waischenfeld/Fränkische Schweiz im Wiesent- und Aufseßtal
14. - 16.08.1998 Markt Taschendorf/südlicher Steigerwald rund um Markt Taschendorf
10. - 12.07.1999 Markt Taschendorf/südlicher Steigerwald rund um Markt Taschendorf
11. - 13.08.2000 Schömberg/Schwarzwald rund um Schömberg
12. - 14.10.2001 Breitbach/Steigerwald zwischen Breitbach und Oberschwarzach
28. - 30.06.2002 Rothenburg o.d.Tauber-Steinsfeld rund um Rothenburg-Steinsfeld
10. - 12.10.2003 Craintal bei Weikersheim/Tauber rund um Craintal und entlang der Tauber

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Gemeinsame Urlaube, Reisen und Wanderungen

 

 

wann?

wo?

Beschreibung

wer?

Anmerkung

1

2

3

4

5

 

 

 

 

 

1963

Schlangenbad

Privatpension

Josef

Kuraufent-halt

1966

Schlangenbad

Gasthof

Josef

Kuraufent-halt

07.-10.02.1965

Burgund

1. Reise mit Sportbund

Josef

Partnerschafts-Treff

12.-24.07.1965

Meiserich/Eifel

Gasthaus

"Zum Üßbachtal"

Josef, Marlies und drei Kinder

erster Familien-urlaub überhaupt

15.-17.11.1968

Burgund

2. Reise mit Sportbund

Josef

Partnerschafts-Treff

21.-29.07.1971

Vogesen-

Côte-d'or -Freudenstadt

Reise mit Marlies

Josef und Marlies

wandern

23.07.-05.08.1972

Flachau/

Österreich

Pension Steger

Josef, Marlies und Martin

wandern

28.06.-18.07.1973

Flachau/

Österreich

Pension Steger

Josef, Marlies und drei Kinder

wandern

12.-29.07.1974

Notre-Dame-de-Monts (Vendée)

du Hôtel Centre

Josef, Marlies und drei Kinder

baden

am Atlantik

17.-30.06.1975

 

Hinterglemm/ Österreich

 

in Horsts Wohnung

Josef, Marlies, Rafael und Martin

Markus

in Sête

August 1975

Odenwald

Hotel in Michelstadt

 

Kegeltour

30.07.-06.08.1976

Bretagne -Vendée -Lothringen

Rundreise

Josef und Marlies

 

11.-12.09.1976

Pont-à-Mousson

Hôtel de la Poste

 

Kegeltour

14.07.-02.08.1978

Kasern (Ahrntal)

Südtirol

Berggasthof Stern

Josef und Marlies

wandern

Oktober 1978

1. Rund-wanderung Schwarzwald

Wandern

ohne Gepäck

Josef  mit Klaus, Franz und Toni

ohne Marlies wandern

14.-15.10.1978

Kehl und Straßburg

Hotel Barbarossa, Kehl

 

Kegeltour

05.-21.07.1979

St. Vigil/Südtirol

Pension

Paraccia/Pe de Munt

Josef, Marlies, Martin, Ludwig und Biggy

wandern

17.-30.09.1979

Oberjoch

Rheinland-Pfalz-Haus

Josef und Marlies

Jupp als Freizeit-leiter

Oktober 1979

2. Rund-wanderung Schwarzwald

Wandern

ohne Gepäck

Josef  mit Klaus, Franz und Toni

ohne Marlies wandern

02.-16.05.1980

Zwickgabel/

Schwarzwald

Gasthof

 "Zum Mohren"

Josef und Marlies

wandern

25.08.-20.09.1980

Bad Wurzach

Gasthof

Josef und Marlies

Kuraufenthalt

05.-11.10.1980

Rundwanderung Wasgau/Pfalz

Wandern

ohne Gepäck

Josef  mit Klaus, Franz und Toni

ohne Marlies wandern

15.08.-05.09.1981

St. Vigil/Südtirol

Pension

Paraccia/Pe de Munt

Josef und Marlies

wandern

18.-20.09.1981

Gerolzhofen

Pension

 "Zum Jägerstübl"

 

Kegeltour

25.-27.08.1982

Amsterdam

Albina-Hotel, Amstelven

Josef und Marlies

Städtetour

24.-30.04.1983

Rundwanderung Wasgau/Pfalz

Wandern

ohne Gepäck

Josef und Marlies

wandern

07.-09.10.1983

Bieler See - Neuenburger-See - Murtensee

Busfahrt

in die Schweiz

Josef und Marlies

nach Nieren-operation

14.-16.10.1983

Waldeck/ Edersee

Burghotel

Schloß Waldeck

 

Kegeltour

24.04.-24.05.1984

Griechenland

Rundreise

Josef und Marlies mit Zenze

mit Auto und Fähre

17.-22.08.1984

Salzburg

Hotel

 Niederösterr. Hof

Josef und Marlies

Salzburger Festspiele

10.-17.04.1985

Isar-Auen

Pension

 „Zum Kocher“, Marzling

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

September 1985

Schwarzwald

Pension Huber, Oberharmersbach

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

18.-20.10.1985

Freiburg

Hotel

 

Kegeltour

1986

Essen

Hotel Bredeney

 

Kegeltour

26.04.-24.05.1986

Peleponnes (Giechenland)

Rundreise

Josef und Marlies mit Zenze

mit Auto und Fähre

15.-17.08.1986

Schwarzwald

Pension Huber, Oberharmersbach

Josef  mit Söhnen

wandern

22.-28-09.1986

Rundwanderung Wasgau/Pfalz

Wandern

ohne Gepäck

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

27.04.-03.05.1987

Manderscheid

Hotel „Burgblick“

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

12.-14.06.1987

Steigerwald

Bimbachsmühle, Hundelshausen

Josef  mit Söhnen

wandern

19.-23.08.1987

Salzburg

Hotel Weißbräu,

Freilassing

Josef  und Marlies

Salzburger Festspiele

13.-26.09.1987

Sarnthaler Alpen/Südtirol

Gasthaus "Fischerwirt", Durnholz

Josef und Marlies

wandern

16.-18.10.1987

Schwarzwald

Höhenhotel "Nillhof"

 

Kegeltour

13.-16.02.1988

Adenau/Eifel

Pension

Josef und Marlies

wandern

23.04.-25.05.1988

Türkei

Rundreise

Josef und Marlies mit Zenze

mit Auto und Fähre

1988

Steigerwald

Pension in Handtal

Josef  mit Söhnen

wandern

24.-29.10.1988

Südeifel

Pension in Irrel

Josef und Marlies

wandern

21.02.-03.04.1989

Reinerzau (Schwarzwald)

Kurklinik Reinerzau

Marlies

Kur-Aufenthalt

07.03.-03.04.1989

Bad Rippoldsau (Schwarzwald)

Gästehaus Absbachtal

Josef

Kur-Aufenthalt

Mai 1989

Südliches Maindreieck

Gasthof in Eibelstadt

Josef und Marlies

wandern

1989

Steigerwald

Pension in Handtal

Josef  mit Söhnen

wandern

27.08.-03.09.1989

Berwang/Tirol

Pension "Hochland"

Josef und Marlies

wandern

03.-16.09.1989

Oberjoch

Rheinland-Pfalz-Haus

Josef und Marlies

wandern

18.-25.04.1990

Maasen,            Norddeutschland

Gasthaus "Piephans"

Josef und Marlies

u.a. Affinghausen

08.-14.09.1990

Comer See

In Horsts Villa

Josef und Marlies

 

17.-29.09.1990

Frankenwald

Gasthof in Wirsberg

Josef und Marlies

wandern

12.-14.10.1990

Gößweinstein

Gasthaus

 „Fränkische Schweiz"

Josef  mit Söhnen

wandern

05.-09.11.1990

Schotten/Vogelsberg

Gasthaus "Kupferschmiede"

Josef und Marlies

wandern

1991

Fränkische Schweiz

Gasthof  "Sonne", Waischenfeld

Josef  mit Söhnen

wandern

24.04.-15.05.1991

Korsika

Centre Ashra, Algajola

Josef und Marlies mit Zenze und Breidbachs

mit Wester- waldverein

wandern

16.-18.08.1991

Bamberg

Hotel „Residenzschloß“

 

Kegeltour

25.-27.08.1991

Schalken-mehren

Landgasthof Michels

Josef  und Marlies

wandern

19.-29.10.1991

Bleialf/Eifel

Hotel "Waldblick"

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

Fastnacht 1992

Kroppacher Schweiz

Gasthof in Streithausen

Josef  und Marlies mit Breidbachs

wandern

21.-30.04.1992

Waischenfeld, Fränk. Schweiz

Pension Rudrof

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

1992

Steigerwald

Gasthof

 in Burgebrach

Josef  mit Söhnen

wandern

13.-18.09.1992

Törwang/

Oberbayern

Hotel "Zur Post"

Josef  und Marlies

wandern

20.09.-01.10.1992

Frauenau/

Bayr. Wald

Pension "Rachelblick"

Josef  und Marlies

wandern

28.10.-02.11.1992

Achkarren/

Kaiserstuhl

Hotel "Winzerstube"

Josef  und Marlies

Besuche im Elsaß

 

17.-23.02.1993

Kroppacher Schweiz

Gasthaus Mies, Streithausen

Josef und Marlies mit Breidbachs

wandern

19.-29.04.1993

Großalmerode/

Hoher Meisner (Hessen)

Pension "Inge" (Halpape)

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

02.-04.07.1993

Hohenloher Land

Gasthof in Mainhardt

Josef  mit Söhnen

wandern

23.08.-02.09.1993

Spessart

Pension Ullrich, Rieneck

Josef  und Marlies

wandern

10.-24.10.1993

Puerto de Soller/Mallorca

Hotel Eden

Josef  und Marlies

wandern

12.-15.02.1994

Prag

Hotel

Josef und Marlies mit Breidbachs

Städtetour

25.04.-05.05.1994

Spessart

Pension Ullrich, Rieneck

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

23.-25.09.1994

Hohenloher Land

Gasthof  "Zum Ochsen", Mainhardt

Josef  mit Söhnen

wandern

30.09.-21.10.1994

Teneriffa

Hotel "Sol Dogos", Puerto de la Cruz

Josef  und Marlies

wandern

25.04.-01.05.1995

Pfalz (Pyrminius-Wanderung)

Wandern

ohne Gepäck

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

21.05.-02.06.1995

Breitenbrunn/

Oberpfalz

Gasthof

"Zum Lehnerwirt"

Josef und Marlies

wandern

30.06.-02.07.1995

Spessart

Pension Ullrich, Rieneck

Josef  mit Söhnen

wandern

15.-29-09.1995

Andalusien-Rundreise/

Matalascanas

Hotel Carabela, Matalascanas

Josef  und Marlies

 

13.-15.10.1995

Harz, Goslar, Quedlinburg, Wernigerode

Hotel "Die Tanne", Goslar

 

Kegeltour

15.-20.02.1996

Holzhausen v.d.H./Taunus

Pension "Haidegasthof"

Josef und Marlies mit Breidbachs

wandern

15.-25.04.1996

Sauerland

Hubertushof Wenholthausen

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

12.-14.07.1996

Aschaffenburg

Hotel "Zum Ochsen"

 

Kegeltour

19.-27.08.1996

Spessart

Pension Ullrich, Rieneck

Josef  und Marlies

wandern

06.-08.09.1996

Weibersbrunn

Pension Doris Roth

Josef  mit Söhnen

wandern

01.-08.10.1996

Villnösstal/

Südtirol

Bauernhof

in St. Magdalena

Josef  und Marlies

wandern

05.-15.05.1997

Rhön

Pension "Erika", Ostheim

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

20.-22.06.1997

Weimar

City-Hotel

 

Kegeltour

18.-20.07.1997

Waischenfeld, Fränk. Schweiz

Gasthof  "Zur Sonne"

Josef  mit Söhnen

wandern

05.-18.10.1997

Toskana

Hotel

in Montecatini Therme

Josef und Marlies mit Kessel-heims

mit Wester-waldverein

wandern

23.12.1997-02.01.1998

Sauerland

Ferienwohnung Galland, Fleckenberg

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

27.04.-07.05.1998

Schwäbische Alb

Pension Ott, Hayingen

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

20.-25.05.1998

Alte Land

Pension Rieper, Jork

Josef und Marlies

zu Patricks Hochzeit

14.-19.06.1998

Wendland

Landgasthof

 "Zum Lindenkrug", Pevestorf

Josef und Marlies

wandern

19.-21.06.1998

Bremen

Ibis-Hotel,

Bremen-Ostertor

 

Kegeltour

14.-16.08.1998

südlicher Steigerwald

Gasthof

 "Zur frohen Einkehr",

 Markt Taschendorf

Josef  mit Söhnen

wandern

12.-18.02.1999

Sauerland

Hubertushof, Wenholthausen

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

10.-20.05.1999

Erzgebirge

Gasthof "Hammerschänke", Wildenthal

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

26.06.-01.07.1999

Südnorwegen

Busrundreise

Josef  und Marlies

mit Firma Freizeit und Reisen

09.-11.07.1999

südlicher Steigerwald

Gasthof

 "Zur frohen Einkehr", Markt Taschendorf

Josef  mit Söhnen

wandern

23.-26.09.1999

Prag

Hotel Olympia I

Josef  und Marlies

mit Freizeit und Reisen

21.-25.10.1999

Comer See

in Horsts Villa

Josef  und Marlies

wandern

26.-29.10.1999

Pfalz

Pension in Niederkirchen

Josef  und Marlies

wandern

27.12.1999-03.01.2000

Schwarzwald

Haus "Wolftalblick", Oberwolfach

Josef und Marlies mit Kessel-heims

zum "Millenium"

25.03.-01.04.2000

Comer See

in Horsts Villa

Josef und Marlies

wandern

25.04.-05.05.2000

Schwarzwälder Hochwald (Saarland)

Pension

"Zum Jungenwald",

Britten

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

23.-25.07.2000

Südpfalz

Hotel "Löwen", Jockgrim

 

Kegeltour

11.-13.08.2000

Schwarzwald

Gasthof "Grüner Baum", Schömberg-Langenbrand

Josef  mit Söhnen

wandern

Sept. 2000

Spessart

Pension Ullrich, Rieneck

Josef  und Marlies

wandern

24.-25.10.2000

Mittelmosel

Hotel "Löwen", Ediger-Eller

Josef  mit Schul- stammtisch

mit Ehefrauen

07.-17.05.2001

Thüringen - Saale

Hotel Weltrich, Saalfeld

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

04.-17.06.2001

Oberbayern

Hotel "Bayrischer Hof"

Inzell

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

13.-15.08.2001

Bereich Harz, Sachsen-Anhalt

Hotel "Zum Schloß", Quedlinburg

 

Kegeltour

28.-30.08.2001

Schwarzwald - Rottweil

Hotel "Linde-Post", Horgen

Josef  und Marlies

wandern

12.-14.10.2001

Steigerwald

Gaststätte

„Zur Traube", Oberschwarzach-Breitbach

Josef  mit Söhnen

wandern

29.04.-09.05.2002

Süd-schwarzwald - Hotzenwald

Gasthof "Ochsen", Herrischried

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

14.-16.06.2002

Niederrhein

Hotel Neumaier, Xanten

 

Kegeltour

28.-30.06.2002

Rothenburg

ob der Tauber

Landhotel "Zehntscheune", Steinsfeld

Josef  mit Söhnen

wandern

14.-23.07.2002

Weser - Reinhardswald

Hotel "Historisches Brauhaus", Reinhardshagen

Josef und Marlies

wandern

29.-31.07.2002

Ahr

Pension

 Walter Hostert, Rech

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

07.-11.09.2002

Spessart

Pension Ullrich, Rieneck

Josef  und Marlies

wandern

20.-22.09.2002

Mittelmosel

Pension

 "Im Mühlental", Brauneberg

Josef, Marlies, Ludwig, Biggi

Weinprobe

06.-13.05.2003

Chiemgau

Hotel "Hubertus", Schleching-Ettenhausen

Josef  und Marlies

wandern

17.-20.07.2003

Sachsen

Hotel "Mercure

am Augustusplatz", Leipzig

 

Kegeltour

26.07.-07.08.2003

Schweden-Finnland-Norwegen (Nordkap)

Busreise

Josef und Marlies

mit Firma Modigell

04.-14.09.2003

Oberpfalz/

Bayrischer Wald

Brauereigasthof Jakob,

Nittenau am Regen

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

26.-28.09.2003

Mittelmosel

Pension

"Im Mühlental", Brauneberg

Josef, Marlies, Ludwig, Biggi

Weinprobe

10.-12.10.2003

Taubertal

Pension E. Metzger, Creglingen-Craintal

Josef  mit Söhnen

wandern

11.-18.05.2004

New York

Herald Square Hotel, New York-Manhatten

Marlies und Rafael

zu Marlies' 70. Geburtstag

 

19.-25.06.2004

Wien

Hotel Hotwagner, Maria-Enzersdorf

Marlies und Martin

zu Marlies' 70. Geburtstag

27.06.-03.07.2004

Spessart

Pension Ullrich, Rieneck

Josef  und Marlies

wandern

25.-28.07.2004

Oberfranken

Hotel "Dobrachtal", Kulmbach-Höferänger

 

Kegeltour

11.-18.09.2004

Slowakei –

Hohe Tatra

Bus-Rundreise

Josef und Marlies

mit Firma Modigell

20.10.-04.11.2004

Fisher-Island (Florida)

in Horsts Eigentumswohnung

Marlies und Markus

zu Marlies' 70. Geburtstag

26.-28.04.2005

Oberfranken

Hotel "Dobrachtal", Kulmbach-Höferänger

Josef  und Marlies

 

16.-22.05.2005

Spessart

Pension Ullrich,

Rieneck

Josef  und Marlies

wandern

14.-24.07.2005

Rein in Taufers/

Südtirol

Gasthof Pichlerhof

Josef und Marlies mit Klappas

wandern

21.-24.08.2005

Bensheim/

Bergstraße

Hotel Präsenzhof

 

Kegeltour

04.-08.09.2005

Hallig Hooge

Hotel Pension

"Frerk's Buernhus"

Josef und Marlies mit Hüm-merichs

 

21.-23.04.2006

Oberfranken

Hotel "Dobrachtal", Kulmbach-Höferänger

mit Gesamt-familie

zur Goldenen Hochzeit

23.-29.04.2006

Sächsische Schweiz

Hotel "Lindenhof", Königstein

Josef und Marlies

 

15.-25.06.2006

Mödling  -  Wien  u. Spitz/Wachau

verschiedene

Josef und Marlies

    bei Freundin Edith gewohnt

11.-13.08.2006

Karlsruhe

Schloßhotel

Josef und Marlies

Rafaels Einladung

04.-08.10.2006

Schottland-Reise

Bus-Rundreise

Josef und Marlies

mit Firma Modigell

13.-15.10.2006

Hamburg

City-Hotel Monopol, Reeperbahn

 

Kegeltour

18.-21.02.2007

Hermannsburg bei Celle

Hotel

am Waldschwimmbad

Josef und Marlies

Besuch bei Trudel und Gert

06.-10.04.2007

Spessart

Pension Ullrich, Rieneck

Josef und Marlies

wandern

22.-24.06.2007

Spessart

Gut Dürnhof, Rieneck

Josef und Marlies

Brieler- Familien-treff

03.-12.07.2007

Bad Ischl/

Österreich

Wohnung

Edith Tilsner

Josef und Marlies

Infos im Salz-kammergut

12.-15.07.2007

Steinhöring-Abersdorf

bei Martin und Irene

Josef und Marlies

Kurzbesuch

19.-22.07.2007

Stade

Hotel am Holzhafen

 

Kegeltour

13.-23.09.2007

Damnatz/Elbe (Wendland)

Hotel garni Sonnenhof

Josef und Marlies mit Ludwig und Biggy

zeitweise wandern

 

20.-  24.03.2008

Steinhöring-Abersdorf

bei Martin und Irene

Josef und Marlies

Kurzbesuch

24.-30.03.2008

Spessart

Pension Ullrich, Rieneck

Josef und Marlies mit Ludwig und Biggy

wandern

im Schnee

24.04.-03.05.2008

Bischofsheim/

Rhön

Hotel Luisenhof,  Haselbach

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

10.-13.07.2008

Bollendorf

a. d. Sauer

Hotel Ritschlay-Vierjahreszeiten

Josef und Marlies mit Hüm-merichs

wandern

10.-13.08.2008

Weikersheim

Hotel Grüner Hof

 

Kegeltour

05.-07.09.2008

Gottwollshausen bei Schwäbisch Hall

Hotel Sonneck

Josef und Marlies

Brieler- Familien-treff

03.-05.10.2008

Karlsruhe

Schloßhotel

Josef und Marlies

Rafaels Einladung

24.-

28.12.2008

Steinhöring-Abersdorf

bei Martin und Irene

Josef und

Marlies

Kurzbesuch

21.-

25.04.2009

Fahrt

zum Bodensee

Hotel Fortuna

Stockach

 

Kegeltour

            18.-20.05.2009

Ürzig/Mosel

Wein- und Gästehaus Gerlach, Uerzig

Josef und Marlies mit Ludwig und Biggy

Kurztour

 

24.-30.05.2009

Dannenfels

am Donnersberg/

Pfalz

Hotel Kastanienhof

Josef und Marlies mit Kessel-heims

wandern

19.-25.07.2009

Spessart

Pension Ullrich, Rieneck

Josef und Marlies mit Ludwig und Biggy

 

wandern

 

07.-26.09.2009.

Bad Buchau/

Oberschwaben

Ferienwohnung Gästehaus Frankenhauser

Josef und Marlies

offene Badekur

16.-18.10.2009

Braunsbach-Döttingen/

Hohenloher Land

Hotel-Restaurant Schloss Döttingen

Josef und Marlies

Brieler- Familien-Treff

12.-16.05.2010

Steinhöring-Abersdorf

bei Martin und Irene

Josef und Marlies

Kurzbesuch

16.-19.05.2010

Spessart

Pension Ullrich, Rieneck

Josef und Marlies

 

27.-29.08.2010

Flachslanden

Gasthof Rose

Josef und Marlies

Brieler- Familien-Treff

01.-08.09.2010

Masuren-Reise

Bus-Rundreise

Josef und Marlies

mit Firma. Modigell

05.-26.12.2010

Bad Feilnbach

Blumenhof Klinik

Josef und Marlies

Josefs Reha

26.-28.12.2010

Steinhöring-Abersdorf

bei Martin und Irene

Josef und  Marlies

Kurzbesuch

29.04.-01.05.2011

Flachslanden

Gasthof Rose

Josef und Marlies

Brieler- Familien-Treff

15.-17.07.2011

Würzburg

Novotel

 

Kegeltour

25.-28.08.2011

Spessart

Pension Ullrich, Rieneck

Josef und Marlies

 

05. - 07.05.2012

 

Keukenhof/

Holland

NH Hotel Leeuwenhorst, Noordwijkerhout

Josef und Marlies, Ludwig und Biggy

 

07. - 09.05.2012

 

Floriade Venlo/Holland

Hotel Deckers, Geldern-Walbeck

Josef und Marlies, Ludwig und Biggy

 

03.-

05-08.2012

Beckstein/Tauber

Hotel Adler

Josef und Marlies

Brieler-Familien-Treff

14.-

18.09.2012

Steinhöring

Gasthof Ramsl

Josef, Marlies, Ludwig und Biggy

50. Geb.-Tag Martin

01.-

03.10.2012

Weibersbrunn

Hotel Brunnenhof

Josef, Marlies, Ludwig und Biggy

Ausflug mit MGV Neuendorf

18.-25.05.2013

Ostfriesland

Pension Altebrücke 3 Wangerland

Josef und Marlies

Urlaub mit viel Regen

26.-28.07.2013

Beckstein/Tauber

Hotel Adler

Josef und Marlies

Brieler-Familien-Treff

22-

 25.08.2013

München

bei Rafael und Petra

Josef und Marlies

Besuch

22.-24.08.2014

Hörblach

Hotel Schwarzes Ross 

Josef und Marlies

Brieler-Familien-Treff

07.-20.09.2014

Bad Bocklet (Rhön)

Pension Höchemer

Josef und Marlies

Kuraufenthalt

20.-21.09.2014

Burghaslach-Oberrimbach

Hotel-Restaurant Steigerwaldhaus

Josef und Marlies mit Familie

Begegnung 80. Geburtstag Marlies

16.-19.10.2014

München

Bei Rafael und Petra

Josef und Marlies

Anlässlich Leah’s Geburt

14.-18.01.2015

Steinhöring

Bei Martin und Irene

Josef und Marlies

Familien-Besuch

14.-15.03.2015

Hilberath

Hotel MITTE

in Rheinbach

Josef und Marlies

6-Wochen-Amt Matthias Decrouppe

17:-18:04:2015

Wallhausen und Gammelshausen

Haus „Waldesruh“ Gammelshausen

Josef und Marlies

Weineinkauf und Erinnerung zum Hochzeitstag 1956

29,04,2015

Reifferscheid

 

Josef, Marlies, Ludwig und Biggy

Begräbnis Rudi Retterath

07.-10.05.2015

Berlin

Lindner Hotel

Marlies mit Markus, Rafael und Martin

Geschenk zum 80. Geburtstag

03.-04.06.2015

Brauneberg/Mosel

Gasthaus Schneider

Josef, Marlies, Ludwig und Biggy

Weineinkauf

 

21.-23.08.2015

Hörblach

Hotel Schwarzes Ross

Josef und Marlies

Brieler Familien-Treff

15.-17.07.2016

Ebern/Oberfranken

Landhotel „Zur Alten Kaserne“

Josef und Marlies

Brieler Familien-Treff

15.-16.08.2016

Ingelheim/Rhein

Weinhotel Wasem

Josef und Marlies

Besuch bei Hans und Brigitte Zenz

 

    06.-10.04.2017          Abersdorf und München             bei Martin und Rafael           Josef und Marlies   zu Josefs  85. Geburtstag

                                                                                                                                                                                                 

 

 

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